Tag-Archiv für 'CERN'

Colliding Particles – Episode 6: Beam (Konkurrenz, CMS-Nachtschicht)

Vor einem Jahr stellten wir euch die hervorragend gemachte1 Webserie »Colliding Particles« vor. Kurz: Teilchenphysikmenschen des CERNs werden bei ihrer Suche nach physikalischem Neuland begleitet.

Seit knapp zwei Wochen ist die 6. Instanz der Serie online2. Mit dem Titel »Beam« wird die Konkurrenz in der Teilchenphysik beleuchtet. Außerdem begleiten wir eine Nachtschicht des coolsten Teilchendetektors der Welt (CMS natürlich, was sonst?!).

Colliding Particles – Episode 6: Beam from Mike Paterson on Vimeo.

  1. »Production Value« und so, ne? []
  2. Und ich hab’s verpasst. Tzes. []

Schwarzes Loch am 6. Teilchendetektor am LHC gefunden

Ein standard schwarzes Loch, wie es 598 Mal in unserer Galaxie vor kommt. Falschfarbendarstellung. Foto der NASA.

Selten kommt es vor, dass Elementarteilchenphysik durch die Presse geht. Dienstag war dies dank eines groß angelegten Presse-Events aber der Fall: Das CERN lud die Menschheit ein, den ersten Kollisionen von Protonen bei der Rekordenergie von 7 TeV beizuwohnen. Und die Presse reagierte mit der Aufmerksamkeit, die diesem Experiment unserer Meinung nach immer zustehen sollte.

Offenbar hat das CERN jedoch nicht genug Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Viele Journalisten im Haus sehen eben nicht nur Dinge, die sie auch sehen sollen, sondern auch Dinge, die nicht direkt für das öffentliche Auge gedacht sind.
Das Einladen der vielen Journalisten scheint sich nun zu rächen: Heise online berichtet über den geheimen, sechsten Teilchendetektor am LHC, der extra zum Nachweis schwarzer Löcher aufgebaut wurde. Auf Grund der völlig unbegründeten Ängste in weiten Teilen der Bevölkerung, diese schwarzen Löcher könnten gefährlich werden, hatte man diesen Detektor lieber geheimhalten wollen, um nicht noch mehr unangenehme Publicity zu erhalten.

Aber jetzt ist es passiert: Das Geheimnis ist raus1. Und das CERN geht in die Offensive: Physiker am CERN berichten, dass es letzten Dienstag bei den ersten 7-TeV-Kollisionen tatsächlich zu einem ersten schwarzen Loch gekommen ist.
In der Mitte des geheimen Detektors sei zwischen der 260.000 und 320.000 Kollision ein schwarzes Loch der Klasse IIIb2 entstanden.
Die Verantwortlichen in Genf können aber auch direkt beruhigen: Das Notfallprogramm für einen solchen Fall ist sofort angelaufen. Die sogenannten Black Hole Special Forces (BHSF), eine speziell ausgebildete Eingreiftruppe des CERNs, betäubte das schwarze Loch mit einem Photonenstrahl und fing es in einer Gravitationsfalle ein.

Affen. Süß. Aber werden sie das schwarze Loch fressen? Foto von mochida1970 auf flickr.

Eine erste In-Vivo-Obduktion in einer Bleikammer des Experiment-Komplexes konnte die zur Klassifizierung des Typs notwendigen Informationen über Rotationsgeschwindigkeit, Verhältnis der mittleren Durchmesservergrößerung zur durchschnittlichen Massenattraktion und den Absorptionskoeffizienten bestimmen. Messungen zur Farbgebung des Spektralradiusses, zur Ausdehnung des Gamma-Mittelstrahls und zum Geschlecht des schwarzen Lochs stehen noch aus. Besonders der letzte Punkt beruhe noch auf experimentellen Identifikationsmethoden und müsse mit äußerster Sorgfalt und Ruhe durchgeführt werden, so unsere anonyme Quelle.

Während bereits erste Ergebnisse für ein Paper zusammengefasst werden, wird das schwarze Loch mit den üblichen Impfungen und Vitaminpräparaten versorgt.
Nach einer für Freitag einberufenen Pressekonferenz wird das Loch in den Genfer Zoo transportiert. Dort soll es sein neues Zuhause im Affenhaus der Primaten finden. Besichtigt werden kann es dann ab diesem Sommer, wenn sich Affen und Loch ausreichend aneinander gewöhnt haben und die letzten Untersuchungen an dem Exoten fertiggestellt sind.

Wir halten euch auf dem Laufenden.

  1. Und wie wir alle wissen: Jede Publicity ist gute Publicity []
  2. IIIb ist eine besonders schnell wachsende und daher besonders interessante Klasse von schwarzen Löchern []

Black Hole Rap

Erinnert ihr euch noch an den fetzigen LHC Rap? Bei dem selbst die Strahlen im LHC kurzzeitig aus der Phase raus und in den Beat rein schwingen?
Na klar tut ihr das, schließlich wurde dieses thighte Stück Physik nur so durch’s Internet geprügelt.

Alpinekat, das fette Pseudonym einer ATLAS-Pressefrau, ist wieder zurück und kickt neue Rhymes. Dieses Mal nicht über den LHC, nein, dieses mal nimmt sie sich dem Lieblingsthema der Crowd an: Schwarze Löcher.

Give it up for the Black Hole Rap:

YouTube-Direktweltvernichtung

Zeitpläne sind für die anderen

Kennt ihr das? Ihr plant ein Treffen mit alten Schulfreunden und zwei Tage vorher kommt ein Anruf aus Sydney und ihr müsst Koalas aufpeppeln gehen? Nee? Naja gut, ich auch nicht. Aber trotzdem fühlt sich mein Tagesablauf gerade ähnlich an.

Ich sitze momentan am Institut und arbeite an meiner Diplomarbeit.1 Meine Diplomarbeit behandelt einen Teil von AMS, das sich momentan in der heißen Phase des Zusammenbauens befindet. Am 29. Juli nächsten Jahres soll der Space-Shuttle-Flug gehen, bis dahin muss also alles fertig und getestet sein.

Und so kommt es, dass bei uns mindestens einmal pro Woche Zeitpläne für den nächsten Monat erstellt werden. Natürlich hat der Zeitplan der vorigen Woche nichts mehr mit dem aktuellen zu tun, aber — ihr könnt es euch sicher denken: Zeitpläne sind für die anderen.

Ein Beispiel ist die Planung für den Strahltest, der im CERN die Funktionsfähigkeit der Komponenten testen soll, nachdem alles fertig zusammengefrickelt ist. Erste Zeitangaben, wann dieser Test stattfinden soll gab es nicht vor letztem Monat. Es war viel zu ungewiss, ob der Zeitplan des Zusammenbauens überhaupt wie gedacht eingehalten werden kann. So ein Dingen wie AMS ist schließlich etwas komplexer als den heimischen DVD-Player für die Katzen-Heim-Videos in Betrieb zu nehmen.

Professionelle Katzen-Sitter sind schwer zu bekommen.
Professionelles Katzen-Sitting

Dann kamen erste Termine auf, Anfang Dezember irgendwann. Da ein Schwertransporter für den weiteren Transport ab dem 16.12. gebucht war, war zumindest dieser Termin einigermaßen fest. Etwa am 20.11. gab es schließlich einen konkreten Zeitrahmen. Hotels und Mietwagen wurden gebucht, Verfügbarkeiten des Personals für zu besetzende Schichten abgeklärt, Katzen-Sitter engagiert. Alles spitze.

Doch dann: Ein Zwischenfall. Keiner wusste was los war, Pläne wurden wieder verworfen und ein leichter Anflug von Chaos drohte. Zwei Tage später stellte sich heraus, dass alles halb so wild war und man den Zeitplan doch einhalten können wird. Puh!

Das war letzte Woche Freitag. Der heutige Montag sah dann schon wieder ganz anders aus. Es gibt Probleme mit der Kühlung des supraleitenden Magneten, das geht alles nicht so schnell wie geplant. Heraus kam, dass der besagte Strahltest wahrscheinlich auf Anfang nächstes Jahr verschoben wird.

In diesem Sinne bin ich gespannt auf die nächsten Tage. Vielleicht sollte ich ein kleines Wettbüro im Institut eröffnen?

  1. Also die Vorarbeit dazu, das Schreiben selbst kommt erst ganz viel später. Aber natürlich wieder viertel vor knapp, ich kenn mich ja… []

LHC läuft wieder und Internet geht mit ab

Wir im physikBlog, Deutschlands allumfassendsten Blog, bemühen uns ja immer euch möglichst allumfasssend zu informieren.
Jetzt ist es aber so, dass eure Lieblingsautoren1 allesamt in Bereichen der Teilchenphysik studieren. Und es ist so, dass gerade irgendwo da in der Schweiz, tief unten im 52. Untergeschoss, diese absolut fetzigste Maschine aller Zeit steht.

CMS Event

Ihr merkt schon, wir haben gar keine andere Möglichkeit, als über den LHC zu berichten. Erst recht nicht, wenn so viel passiert wie in den letzten Tagen.

Denn gestern lief seit dem Unfall vor einem Jahr erstmalig wieder ein Strahl komplett im Tunnel umher. Und das Internet stand Kopf; eigentlich tut es das immer noch.

Previously on…

Gestern gegen 17:00 Uhr fing man langsam an einen Teilchenstrahl in die Tunnel des LHC im Uhrzeigersinn zu injezieren. Immer Stückchen für Stückchen, Sektor für Sektor. Am Abend dann hatte man eine komplette Umrundung geschafft, fing nach einer Weile den Strahl an seinem Injektionspunkt wieder ein und schickte ihn auf eine weitere Runde. Und auf eine weitere Runde. Und…
Danach nahm man sich den Strahl in Richtung entgegengesetzt des Uhrzeigersinns vor und machte das selbe Spiel durch. Auch mit Erfolg.
Zwischendurch quenchte2 ein Magnet kurz im Sektor hinter CMS, aber nach 15 Minuten ging es schon weiter. Zwischendurch optimierte man den Strahl und die Einstellungen immer ein Stück weiter – und auf dem Stand ist man meines Wissens auch jetzt (siehe Timestamp vom Artikel).

Fliegende Hüte im CCC
Photographs by Maximilien Brice of CERN Photo Service. Hier meine GIF-Animation der Bilderserie.

Im Internet war – und ist – die Hölle los. Eigentlich ein wenig lustig, wenn man bedenkt, dass das Internet im CERN und… ihr wisst schon.
Jedenfalls ist SO viel los, dass man vielleicht etwas die Übersicht verlieren könnte.
Deswegen hier, der erste und einzige physikBlog LHC 2009 Restart Startup Internet Guide (PhyBLTReSIG).

Twitter

sumomis highenergyphysics twitter list

Auf dem offiziellen Twitter-Account des CERNs, @CERN, ist so einiges los. Man berichtet live und äußerst nah am Geschehen aus dem CERN Control Centre3. Das ganze sehr locker, allgemeinverständlich aber auch für uns Profis mit hinreichender Information. Soweit mir bekannt, wird erstmalig ein Experiment so intensiv auf Twitter begleitet. Selbst die NASA, sonst immer sehr weit vorne in ihrer Öffentlichkeitsarbeit, hat mit dieser Frequenz und Tiefe noch nie ein Event begleitet. Wirklich empfehlenswert – auch wenn ihr Kommunikationswissenschaften4 studiert, denn @CERN entwickelt sich gerade zu einem Kommunikationsparadebeispiel. »LHC« und auch »CERN« haben es am Freitagabend, als es in die heiße Phase5, in die Trending Topics von Twitter geschafft – dort werden automatisiert die aktuellsten Diskussionen in Schlagworten aufgegriffen. Das Thema ist also bei der Allgemeinheit angekommen und wird erstaunlicherweise ganz ohne Weltuntergangsszenarien mitverfolgt (im Gegensatz zu letztem Jahr).
Aber nicht nur über @CERN kommt man auf Twitter an LHC-bezogene Informationen. Unter @CMSexperiment wird vom … CMS-Experiment getwittert. Wer genau dafür verantwortlich ist, keine Ahnung, aber hin und wieder gibt’s neue Updates und sie kommen von offizieller Stelle6.
Ein Kommilitone und ich haben den CMS e-commentary (s.u.) in einen RSS-Feed7 umgewandelt, den wir in den Twitter-Account @CMSecom füttern.
Darüber hinaus gibt es noch den (nicht so interessanten) Twitter-Account des US-LHC-Blogs @USLHC und auch das Symmetry Magazine retweeted unter @symmetrymag. Direkt in den einzelnen Kontrollzentren wird von persönlicher, unoffizieller Seite auch getwittert – mir bekannt ist da allerdings nur @pixieza.
Wer nicht alle diese Accounts direkt in seiner Timeline haben möchte, kann auch einfach dieser High-Energy-Physics-Liste von @sumomi folgen: http://twitter.com/list/sumomi/highenergyphysics.

Blogs, bzw. Blog-Like Websites

Die Webseite, die momentan am besten mit Bildern und Text arbeitet, gleichzeitig am schlechtesten von der Ausführung ist, ist meiner Meinung nach der CMS e-commentary. Aus der Sicht des CMS-Experiments und aus dem CMS-Kontrollraum am Punkt 5 des LHCs berichtet Darin Acosta in losen Abständen über Neues. Warum dafür kein vernünftiges System benutzt wurde8 ist mir allerdings schleierhaft…
Auch das ALICE-Experiment verfügt über eine Art Live-Blog, das aber nur spärlich gefüllt ist.
Nicht ganz so auf die Schnelle, dafür illustriert und fundiert informiert das US LHC Blog.
Nicht ganz so offiziell, dafür aber mit umso mehr Enthusiuasmus gibt’s bei LHC Facts gute Zusammenfassungen.

Media Ressourcen und et cetera

Neben allem Textlichen gibt’s den Media-Server des CERNs, auf dem zum Thema »LHC Restart 2009« ein Haufen Fotos veröffentlich werden. Videos gibt’s an anderer Stelle.
Und es gibt den Videotext unter den Webseiten: LHC Page1 oder OP Vistars. Dort werden Strahlprofil und Mini-Statusmeldungen angezeigt. Ganz interessant eigentlich.

Und ich so…

Das ist wirklich einiges an Information. Ich handhabe es so, dass ich meinen Twitter-Account, insbesondere in Bezug auf @CERN, monitore und jede Stunde, bzw. bei interessantklingenden Tweets von @CMSecom, den CMS e-commentary aufsuche. Nebenbei hab ich der/die/das/artikellos OP Vistars auf und schaue immer mal drauf.
Das läuft eigentlich ganz gut und ich fühle mich einigermaßen informiert.

Und ihr so?

Püntklich zum Start gestern hat übrigens auch die großartige Big-Picture-Serie des Boston Globe ein Feature für den LHC gebracht.

Nachrag 24.11. von André: Tadaa! Das, wozu man letztes mal nicht kommen konnte, weil ein Terrorvogel ein Kurzschluss den LHC lahmlegte, das hat gestern geklappt:
     Erste Kollisionen!   (→ Pressemitteilung)

Und weil es so schön ist, hat man diese Nacht das erste Mal den Strahl nicht nur einfach im Kreis schwindelig werden lassen, sondern hat ihn dabei auch noch beschleunigt. Zwar erstmal nur von 450 GeV auf 540 GeV, aber immerhin. (→ Twitter)

Jeah Baby!

  1. Wir. []
  2. Am ehesten wohl mit »durchbrechen« zu übersetzen. []
  3. Das sich rein zufällig so abkürzt wie ein großer deutscher Computerverein. []
  4. Iiih! []
  5. »heiße Phase«… dieser alte Witz… []
  6. Siehe Link auf der CMS-Seite. []
  7. Link gibt’s auf Anfrage – z.B. in den Kommentaren… []
  8. WordPress als Lokalinstallation dauert ca. 10 Minuten in der Aufsetzung, WordPress bei wordpress.com gehostet 2 Minuten. Ein Posterous-Blog geht noch schneller und lässt sich sehr elegant via E-Mail füttern… []