Den Wassertropfen kreisen lassen

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Diese Katze will nicht um die Stricknadel kreisen. Ob es an der unscharfen Nadel oder allgemeiner Katzenentspannung, liegt wissen wir nicht.

Donnerstag morgen, halb 10 in Deutschland: Wettbewerb im Bürostuhl-Schnelldrehen. Heinz ist der klare Favorit — ob er den Titel gegen die Personalstelle verteidigen kann?
Donnerstag morgen, halb 10 im Weltall1: Die Astronauten auf der ISS drehen auch etwas. Aber nicht sich selbst auf Stühlen sondern Wassertropfen um Stricknadeln. Klingt ähnlich bekloppt wie der Bürosport, sieht aber ungleich cooler aus:


Direktwasserkreise

Der Spaß basiert darauf, dass Wasser ein Dipol ist — also einen elektrischen Plus- und Minuspol besitzt — und der Stab elektrisch aufgeladen werden kann. Es bildet sich ein elektrisches Feld, das die Wassertropfen zum Stab hin anzieht.

Jetzt fragt ihr euch sicher, wie kräftig man an der Erde rubbeln müsste, wenn der Mond statt der Gravitation wegen eines solchen elektrischen Feldes seine Bahnen ziehen würde. Wie gut, dass es das physikBlog gibt, wir haben nämlich genau auf diese Frage die Antwort.
Zunächst ein paar Parameter: Der Mond wiegt 7,35·1022 kg, hat einen mittleren Bahnradius von 3,84·108 m und braucht für einen Umlauf 27,3 Tage. Letzteres entspricht einer Winkelgeschwindigkeit von 2,66·10-6 rad/s. Der Mond erfährt somit eine Fliehkraft von ca. 2·1020 N, also 200 EN.

Damit der Mond in einer Umlaufbahn bleibt und nicht einfach abhaut muss ihn also eine gleichgroße Kraft zur Erde ziehen. Weil wir hier von elektrischer Anziehung sprechen muss auch der Mond geladen sein — was wir der Einfachheit auf ein Coulomb setzen2. Mit der Coulombkraft kommt man schließlich auf eine benötigte Ladung der Erde von 1,57·1030 C. Zum Vergleich: die Ladung in einem typischen Handy-Akku beträgt etwa eine Amperestunde (Ah) was 3,6 kC entspricht. Man bräuchte also ganz grob 5·1026 Handy-Akkus um eine vergleichbare elektrische Ladung zu erzeugen.

Zum Glück können wir aber auf die Gravitation zurückgreifen. Die ist etwas günstiger.

  1. Der Zeitpunkt ist beliebig gewählt… []
  2. Bei genauerer Betrachtung induzieren natürlich die Käselöcher viel größere Spiegelladungen, aber das führt zu Wirbelfeldern die uns an dieser Stelle zu kompliziert sind. Wir bitten um Entschuldigung. []

The Scale of the Universe 2

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Wieviele Scrollradumdrehungen liegen zwischen der Planck-Skala und dem Hubble-Deep-Field? Go!

Kennt schon das ganze Internet, aber seit wir 1987 von der Long Now Foundation damit beauftragt wurden, physikbezogene Flash1-Applets mit weißem Hintergrund auch für die uns einmal versklavenden außerirdischen Fischgaswesen aus Barnards Galaxie zu sammeln, ist uns das noch egaler als vorher.
Daher:
The Scale of the Universe 2

  1. Aha. []

Facebook Roundup Januar 2012 (+ ein bisschen Dezember 2011)

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Das Jahr 2011 haben wir mit einem pompösen Facebook-Adventskalender abgeschlossen. Kein Wunder also, dass wir im Dezemer fast nicht’s bei Facebook geteilt haben1. Es wäre einfach untergegangen. Aber mit der Quantitätsoffensive (*hüstel*) ging es im Januar natürlich frisch weiter. Es folgen die Beiträge des letzten Monats (und ein paar Reste aus dem letzten Jahr).

  • 9. Dezember: Am nächsten Dienstag (13.12.) wird es um 14:00 einen Webcast aus dem CERN (http://webcast.cern.ch/) geben, in dem ATLAS und CMS gemeinsam Ergebnisse zur Higgs-Suche vorstellen werden (http://phy.sk/km).
    In diesem Internet wird spekuliert, dass die Experimente im untersuchten 5/fb-Datensatz erste (wenn auch noch halbgare) (Vor-)Zeichen für ein Higgs bei 125 GeV zeigen könnten: http://phy.sk/kn (+Links im ersten Satz), http://phy.sk/kp.

    Wie immer sollten man solchen Ankündigungen mit der nötigen Skepsis entgegentreten, schließlich ist keiner der Schreiber in den Experimenten involviert und hat keinen Zugriff auf die Daten – aber interessant wird’s dann langsam doch.

  • 13. Dezember: ATLAS und CMS sehen beide eine Überhöhung im Bereich von 124 bis 126 GeV (2,3σ bzw. 1,9σ). Um Definitiveres sagen zu können, bedarf es den Daten des 2012er LHC-Lauf.
    Nächstes Jahr um diese Zeit sind wir schlauer!

    (Merke: Die ATLAS-Frau macht Comic-Sans-Folien mit überlappenden, bunten Boxen, dafür kommt der CMS-Mensch nicht zum Punkt.)

  • 29. Dezember: Ein Stop-Motion-Video über die Entstehung der Planeten unser Sonnensystems. Cool! Link
  • 29. Dezember: Ein Higgs-suchender CMS-Physiker klagt mit seiner Gitarre am Tag vor dem ATLAS-CMS-Higgs-Seminar sein Leid. Link
  • 2. Januar: Zwar ein Jahr alt, aber mir dennoch unbekannt: Viharts mathematische Abwandlung von »The Twelve Days of Christmas«. Link
  • 3. Januar: Ein Portrait über Neil deGrasse Tyson. Link
    (Für ein hochangesehenes Wissenschaftsjournal. Just kidding.)
  • 5. Januar: »The Einstein Theory of Relativity« – ein Kurzfilm von 1923 (!), der Einsteins Theorie der Allgemeinheit näher bringen wollte.

    (Auch interessant, die Geschichte dahinter: The Einstein Theory of Relativity)
  • 5. Januar: Juchu! 900 Fans! Vielen Dank euch allen!
  • 6. Januar: Formel hinmalen → LaTeX-Code bekommen. Link
  • 8. Januar: Heute gibt’s in Cambridge ein Symposium zum 70. Geburtstag von Stephen Hawking (http://phy.sk/m7). In einer Stunde (14:00 unserer Zeit) sollte das Programm und damit der Livestream losgehen.
  • 11. Januar: Ein Buch über Tattoos von Wissenschaftler. Hier gibt’s (mehr) Bilder dazu: http://phy.sk/mb.
  • Ein Shuttle zum Selberfalten. Viel Spaß!

    11. Januar: Ein Space Shuttle! Zum Falten! Link
  • 13. Januar: Wo wir beim Basteln sind: Eine Saturn-V-Rakete aus LEGO, fast 6 m hoch. Link
  • 13. Januar: Bei PhD Comics gibt’s heute ›alternative‹ Feynman-Graphen. Link
  • 23. Januar: Wow! Das ist cool. Ein mächtiger, grafischer Taschenrechner, der im Browser läuft. Link
  • 24. Januar: 1/998001 = 0,000 001 002 003 004 005 006 007 008 009 010 011 012 013 014 015 016 017 018 019… Und so weiter. Bis zur 999 (siehe z.B. http://phy.sk/mm, aber lahm). Crazy, oder?
    Hier in den Kommentaren steht, wieso das funktioniert: http://phy.sk/ml. (via Nerdcore)
  • 26. Januar: Weil mindestens einer von euch die Videos noch nicht kannte: Vihart hat ihre kleine Erklärtrilogie zu den Fibonacci-Zahlen desletzt fertig gemacht. Wie immer: Tolle Videos.
    * Teil 1: http://www.youtube.com/watch?v=ahXIMUkSXX0
    * Teil 2: http://www.youtube.com/watch?v=lOIP_Z_-0Hs
    * Teil 3: http://www.youtube.com/watch?v=14-NdQwKz9w
  1. Die Higgs-Meldungen konnten wir aber natürlich nicht unkommentiert lassen… []

Wichtiges Wissenschaftliches 2011

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NASA / pB

HIV, Neutrinos zum Quadrat, Quantenkrams und luftige Gitterstrukturen – diese Themen stehen oben in den Listen wichtiger Wissenschaftlicher Dinge im letzten Jahr.

2011. Vielleicht erinnert ihr euch noch. Das letzte Jahr. Startete mit Feuerwerk, endete mit Feuerwerk. Aber dazwischen ist einiges passiert. Junge, junge. Nachbarin Erika von Kleinreith bekam einen neuen Hund, die Hecke von Herrn Preischer wurde so kurz geschnitten, wie seit Jahren nicht mehr (Wirtschaftskrise), und vier Sechstel sind jetzt zwei Drittel.

Inhalt

Zwischen den Feuerwerken ist aber noch mehr passiert, viel mehr. Wissenschaftliches zum Beispiel. Euer Lieblingsblog möchte hier zusammenfassen, was ein paar Magazine als ihre top wissenschaftlichen Durchbrüche und Ereignisse 2011 gewählt haben. Das Science Magazine ist vermutlich das bekannteste und macht daher den Anfang. Es folgen Discover Magazine und Science News. Am Ende noch das Blog io9, das ganz nach seiner Tagline einige futuristische Dinge von 2011 zu berichten hat.
Insgesamt geht es um Higgs, Neutrinos, die Kepler-Mission, HIV, Malaria, alte Zellen und das Space Shuttle. Nicht nur Physik also.

Science Magazine

Das Titelthema der letzten Science 2011: Die Wissenschaftsdurchbrüche im letzten Jahr

Das Science Magazine wählt jährlich ganz offiziell seinen »Breakthrough of the Year«. 2011 hat diesen Titel die klinische Studie HPTN 052 bekommen. Dabei wurde eine HIV-vorbeugende antiretrovirale Therapie unter 1763 heterosexuellen Partnern ausgetestet, bei denen einer HIV-positiv und der andere HIV-negativ war. Das Ergebnis, mit dem keiner gerechnet hatte: Das Ansteckungsrisiko konnte um 96% verringert werden. Cool! Diesen Artikel, sowie alle folgenden Science-Links, gibt’s leider nur hinter einer Paywall.

Neben dem Breakthrough veröffentlicht Science auch die »Runner Ups«, die neun Plätze die in der Top 10 folgen.

  • Hayabusa: Diese japanische Raumsonde kam 2010 spektakulär vom Asteroiden Itokawa zurück zur Erde und brachte Oberflächenstaub mit — das erste Mal überhaupt. Es gab eine Reihe von ernsthaften Problemen auf dem Flug, dennoch schlug die Rückkehrkapsel im Juni 2010 auf australischem Boden auf. Und brachte sogar auswertbares Material zurück, dessen Analysen 2011 veröffentlich wurden1. Ein Raumfahrtthriller mit Happy End, sozusagen. Und mit Sequel, 2014 startet Hayabusa 2. []
  • DNA-Mischung: 2011 hat sich viel bewegt, im Verständnis, wie unsere Vorfahren sich verbreitet haben. Die (für Science) wichtigsten Erkenntnisse drehen sich um DNA-Mischungen. Forscher fanden 2% – 6% Neanderthal-DNA in unserer DNA, was auf ein interbreeding2 des afrikanischen Homo sapiens mit dem europäischen Homo neanderthalensis hindeutet. Etwas, was man vorher eigentlich ausgeschlossen hatte. [] Aber das war’s noch nicht – in Asien und Ozeanien fand man noch mehr, noch andere Homo-sapiens-Vorgänger-DNA in aktuellen Erbstrukturen. []
  • Eine Feuerwerkssimulation in bunt. Oder PSII. Wir sind uns da nicht mehr so sicher.

  • PSII: Sonys alte Spielekonsole ist auch bei Science angekommen. Erstmalig gelang japanischen Forschern eine Abbildung des Photosystem-2-Proteinkonplexes (PSII). Der wird in der Photosynthese benötigt, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten. []
  • Rückstände des frühen Universums: Im aktuellen Universum gibt es noch Ecken, die so sind, wie im frühen Universums. Galaktische Galápagos-Inseln, sozusagen. Hier werden zwei Studien vereint: Zum Einen beobachtete man Nebel, die aus Wasserstoff bestehen und nicht etwa aus Sauerstoff oder anderen, schwereren Elementen. Zum Anderen wurde ein Stern entdeckt, der eine stark geringere Metallkonzentration aufwies, als bisherige, bekannte Sterne. Beide Studien deuten darauf hin, dass es weiterhin Früh-Universums-Gaswolken gibt, die Früh-Universums-Sterne entstehen lassen können. []
  • Magenbakterien: Über Magenbakterien fand man einiges neues heraus im letzten Jahr. Das wichtigste: Es gibt eine internationale Gesellschaft der Magenbakterien (IGM3). Quasi. Man stieß auf ähnliche Bakterien in Mägen, egal von welchem Fleck auf der Erde der Probehumanoid stammt. Die Magenmikroben sind abhängig von den Essensgewohnheiten, aber nicht sensitiv auf kurze Änderungen. []
  • Malariaimpfung: GlaxoSmithKline veröffentlichte im letzten Jahr Ergebnisse einer Malariaimpfstoffstudie an 15 000 Kindern. Demnach konnten beim Einsatz des »RTS,S« genannten Mittels die Malariafälle um die Hälfte reduziert werden. Eigentlich ein ziemlich beschissenes Ergebnis für eine Impfstudie, aber es ist der erste Hinweis, dass man gegen Malaria überhaupt irgendwas impfen kann4. Wieviel der Impfstoff ein mal kosten wird, wenn er auf den Markt kommt, verrät GlaxoSmithKline nicht5. []
  • NASAs Raumsonde FUTURE sendete das erste Bild aus dem Orbit um Kepler 16b zurück. Zu sehen sind die beiden Zentralgestirne.

  • Keplerismus: Wer nicht hinter dem (Erd-)Mond lebt, wird mitbekommen haben, dass es im letzten Jahr ein regelrechtes Planetengewitter gegeben hat. Alles Dank der großartigen Daten des Kepler-Weltraumteleskops. Science hebt da ein paar Spezialfälle heraus: Ein Planet mit rückläufigem Orbit (dreht sich andersrum als sein Zentralgestirn); ein Planet, der ein Doppelsternsystem umkreist; ein freitreibender Planet außerhalb eines Planetensystems6. []
  • Zeolith: Diese poröse Mineralien vom Planeten Krypton aus Aluminium, Silizium und Sauerstoff konnten im letzten Jahr feiner denn je hergestellt werden. Wichtig sind sie beim Raffinieren von Öl (Katalysatoren beim Auseinanderbrechen langkettiger Moleküle) und als extrem feine Filter (Raumschiffluft, Fukushimawasser). []
  • Seniorenzellen: Am Ende des Lebenslauf einer Zelle geht diese in Teilruhestand: Sie hört sich auf zu teilen, funktioniert aber weiterhin. Solche Altzellen sondern Chemikalien ab, die mitunter Tumore wachsen lassen können. Eine Studie an Mäusen fand heraus, dass ein Entfernen dieser Altzellen zu einem Mäuseleben führt, was zwar nicht länger, aber länger gesund ist. []

Über diese zehn besten wissenschaftlichen Durchbrüche 2011 hinaus hat Science auch noch ein paar »Noteworthy Scientific Developments« gewählt. Darin ist dann die Physikdichte etwas höher, geht es doch auch (endlich) um überlichtschnelle Neutrinos und Vorzeichen des Higgs-Bosons – außerdem um den EHEC-Ausbruch in Deutschland.

Discover Magazine

In verschiedenen Kategorien hat das Discover Magazine auch die »Top Stories of 2011« gewählt. Hier die Wissenschafts-Top-107.

  1. Überlichtschnelle Neutrinos: Ganz oben stehen hier die Neutrinos, die sich im letzten Jahr entschieden, irgendwo zwischen CERN und Gran Sasso durch Null zu teilen. Ganz egal, ob es sie nun wirklich gibt oder nicht – eine gute Story haben sie im letzten Jahr allemal hergegeben. Haben wir natürlich auch drüber geschrieben. []
  2. Immunzellen gegen HIV: Wissenschaftlern gelang es, das Gen eines Rezeptors auf Immunzellen derartig zu verändern, dass das HI-Virus nicht mehr in sie eindringen kann. []
  3. Kepler & NASA-Budget: Die Kepler-Mission findet viele und viele interessante extrasolare Planeten – trotzdem wird das Budget der NASA stark gekürzt. []
  4. Auf, auf, zu letzten Weiten!

  5. Goodbye, Space Shuttle: Nach dreißig Jahren und 135 Flügen ging mit dem letzten Flug der Atlantis das Space-Shuttle-Programm der NASA zu Ende. Discover verabschiedet sich. []
  6. Ambivalenz und Fukushima: Die Atomkatastrophe von Fukushima ruft in der Welt unterschiedliche Reaktionen hervor. Manche Länder, allen voran Deutschland, verabschieden sich von der Atomkraft, manche lassen ein paar Stresstests laufen und investieren weiterhin in neue Kraftwerke. []
  7. Naturkatastrophen: Mindestens zehn starke Unwetter gab es im letzten Jahr in den USA, die zu einem gesamten Schaden von 45 Milliarden US-Dollar führten. Auch im Rest der Welt blickt man auf einige Naturkatastrophen zurück. []
  8. Superzellen gegen Leukämie: Innerhalb einer Immuntherapie injizierten Onkologen der Universität von Pennsylvania Leukämiepatienten ihre eigenen Immunzellen, die sie allerdings vorher zu »Superzellen« genetisch modifiziert hatten. Das Resultat: Bei vier von fünf Kranken ging der Krebs in Remission. []
  9. Chinas Weltraumstation: Im September startete Tiangong-1, der erste Teil einer chinesischen Raumstation. Bis 2020 will man sie fertig gebaut haben – dann, wenn die ISS Ruhestand gehen soll.8 []
  10. Magenmalaria: Ein Mikrobiologe der Johns-Hopkins-Universität fand im Magen sambischer Mosquitos ein Bakterium, welches die Mücke immun gegen Malaria machte. Auch in der Petrischale schlägt das Bakterium die Malaria-verantwortlichen Parasiten K.O. []
  11. Interessante Zeiten erfordern interessante Maßnahmen. Als der interessante GRB entdeckt wurde, hat sich die Weltraumteleskopartillerie der Galaxie zugewandt und mal ordentlich auf den Auslöser gedrückt. Hubble, Chandra und Swift. Romantisch.

  12. Beim Fressen zugucken: Die NASA-Sonde Swift zeichnete einen längeren GRB, den Gammastrahlen-Ausbruch GRB 110328A auf, der aus der Mitte einer Galaxie stammte. Vermutlich hat dort gerade das schwarze Loch des galaktischen Zentrums einen Stern gefressen. Mahlzeit. []

Science News

Das Magazin Science News hat auch seine »Science News of the Year« gewählt. Die für physikBlog-Leser interessante Kategorien sind »Atom & Cosmos« und »Matter & Energy«.

Atom & Cosmos
  1. Neutrinos: Vorneweg, wie sich das gehört, unsere tempolimitbrechenden Neutrinos. []
  2. Urzeitsterne: Deutsche Forscher simulierten, dass das frühe Universum etwas anders ausgesehen haben könnte, als man bisher dachte. Sterne kamen nicht als einsame Einsiedler vor, sondern vielleicht in komplexen Systemen in Sterngruppen. []
  3. Just-in-Time-Supernova: Amerikanische Astronomen der kalifornischen Palomar Sternwarte schaffen es, einen 21 Millionen Lichtjahre entfernten, Supernova-gewordenen weißen Zwerg ca. zwölf Stunden nach dessen Explosion abzulichten. []
  4. Außerirdisches Leben: Auf Meteoriten fanden Wissenschaftler des NASA Goddard Space Flight Centers Chemikalien, die gebraucht werden, um Leben auf der Erde entstehen zu lassen. Da sie auf der Erde aber selten vorkommen, schließen die Forscher, dass sie vermutlich aus dem All stammen. Vielleicht sind wir also doch alle Aliens?9 []
  5. Sonnenjets: Die 2010 gestartete NASA-Sonde »Solar Dynamics Observatory« beobachtete heiße Jets, die in die äußere Schicht der Sonne strömen. []
  6. Goodbye, Shuttle: Auch Science News sagt Ciao zum Shuttle. []
  7. Sonnenzyklus: Der aktuelle Sonnenzyklus ist der schwächste seit zweihundert Jahren – und vermutlich gut für unser Klima. []
  8. Keplerismus: Die Planeten des Keplers. []
  9. Die Wilson Hall des Fermilabs. Auch schön ohne TeVatron.

  10. Goodbye, TeVatron: Nach 26 Jahren wurde am Fermilab in der Nähe Chicagos der größte Teilchenbeschleuniger Amerikas abgeschaltet. In Zeiten des LHCs macht es keinen Sinn, das Vorgängermodell teuer weiterzubetreiben. Die Daten aus dem Beschleuniger werden die Analyseteams der Experimente aber noch ein paar Jahre beschäftigen – sie fanden jüngst z.B. das 5,7 GeV schwere Ξb0-Baryon. []
  11. Europas Oberfläche: Die chaotisch scheinende Oberfläche des Jupitermonds Europa könnte auf Wasservorkommen unter der Oberfläche hindeuten. []
  12. Mars Oberfläche: Analyse von Daten von Mars Express und des Mars Reconnaissance Orbiter könnten darauf hindeuten, dass die Oberfläche des roten Planeten früher kalt und trocken war. Flüssigkeiten – und damit einhergehend die Möglichkeit für Leben – gab’s nur unterhalb der Oberfläche. []
  13. MESSENGER: Als erste Sonde überhaupt lieferte NASAs MESSENGER Bilder aus dem Orbit um Merkur zurück. Nord- und Südpol sind gesäumt von Kratern. []
  14. Dunkle Mikrowellen: Beobachtungen mit dem chilenischem Atacama Cosmology Telescope zeigten Fluktuationen im kosmischen Mikrowellenhintergrund, die auf dunkle Energie schließen lassen. []
  15. Krebsnebel: Aus dem Krebsnebel stammende und vom Fermi Gamma-ray Space Telescope aufgezeichnete Gammastrahlen sind energiereicher als erwartet. Braucht man dafür eine neue Theorie? []
  16. Genesis crashed.

  17. Sonnen-Chemie: 2004 öffnete sich der Fallschirm der NASA-Sonde Genesis nicht, als sie zur Erde zurück kam. Sie crashte und der Probencontainer mit gesammelten Sonnenwind brach auf. Man konnte den Inhalt dennoch auswerten und 2011 endlich veröffentlichen: Die Verhältnisse von Stickstoff- und Sauerstoff-Isotopen auf der Erde unterscheiden sich zu den jeweiligen Verhältnissen auf der Sonne. []
  18. Neue Supernova: Am Caltech konnte man sechs Supernovae beobachten, die vermutlich zu einer neuen Klasse von Supernovae führt. Sie strahlen insbesondere im Ultravioletten und scheinen kein Wasserstoff zu besitzen. []
  19. Inspector Spacetime: Die bewegte und dramatische Geschichte um die Raumsonde Gravity Probe B führte endlich zu einem Ergebnis: Das Gravitationsfeld der Erde verdrillt die Raumzeit in Erdnähe. Allerdings konnte man das Ergebnis nicht mit der gewünschten Präzision erreichen. Zeit und Geld fehlten. []
  20. Higgs: Am LHC fand man Anzeichen des Higgs-Bosons, die sich 2012 entweder in heiße Luft oder ein heißes Teilchen verwandeln werden. []
Matter & Energy
  1. Quantenmechanik via Informationsansatz: Kanadische und italienische Wissenschaftler leiteten die Regeln der Quantenmechanik über neue Informationsansätze ab. Lösungen für Probleme der klassischen Quantenmechanik ergaben sich, vielleicht sogar einmal die Vereinigung von Quantenmechanik und Gravitation.10 []
  2. Metazeitreise: Zeitreise in Metamaterialien ist nicht möglich. Sorry. Vermutlich sind ein paar Metamaterialien von Zeitreise-Early-Adopters bald bei eBay zu finden. []
  3. Mannigfaltige Unsichtbarkeit: Harry Potter ist neidisch. Wissenschaftler versteckten Objekte optisch [] und zeitlich [] und vor der Detektion durch Licht [] und Schall [].
  4. Ein einlagiger Bienenstock.

    Einlagiges Silizium: Ähnlich wie bei Graphen, gelang es Wissenschaftler zweidimensionales Silizium, sogenanntes Silizen11, wachsen zu lassen. Zwar von der Produktion her nicht so cool wie Graphen (Klebeband!), dafür ist Silizium ein industrieerprobtes Material und vergleichsweise günstig. []
  5. Zinksex: Man stellte fest, dass eine Mauseizelle kurz nach der Befruchtung mit der Ausschüttung von Zink die embryonale Entwicklung startet. []
  6. Wellenfunktion: Erstmals konnten kanadische Wissenschaftler eine Wellenfunktion eines Photons im Labor direkt messen. Take this, Heisenberg. []
  7. Atomtronik: Wissenschaftler kontrollierten den Fluss einzelner Atome in einem ultrakalten Gas – ein Schritt Richtung Atomtronik anstelle Elektronik. Das gibt dem gebuzzworteten, neuen Feld erstmals praktische Bedeutung, existieren die Pläne für atomtronische Analogons zu elektronischen Komponenten doch bisher nur auf dem Papier. []
  8. Wasserstoffbild: Erstmals fotografierte man ein einzelnes Wasserstoffatom. Es war gerade beim Einkaufen. []
  9. Magnetischer Strom: Englische Physiker konnten Nord- und Südpol eines Magneten trennen und als eine Art Strom durch einen Kristall fließen lassen. Hallo Magnetrizität. []
  10. Rotations-Umkehr-Symmetrie: Eine neue Art von Symmetrie wurde entdeckt – »rotational-reversal«. []

io9

Forscher züchten eine neue Pusteblumenart, die im oberen Drittel aus ultraleichten Metallgittern besteht.

Auch das Blog io9 hat die »Biggest Scientific Breakthroughs of 2011« gewählt. Eine unsortierte Liste, mit ganz schön viel Zukunftskrams12.

  • Ultraleichte metallische Mikrogitter: Kalifornische Forscher formten ein metallisches Stück, das mit einer Dichte von weniger als einem Milligram pro Kubikzentimeter noch leichter ist als Aerogele. Beste Lagermöglichkeit: Auf Pusteblumen. []
  • Bidirektionale Prothesen: Man entwickelte ein Gehirnimplantat, was nicht nur Informationen senden kann (z.B. an eine mechanische Prothese), sondern auch Informationen empfangen und ans Gehirn weiterleiten kann. WoW 2022 wurde soeben wesentlich spannender. []
  • Vesta: Die NASA-Sonde Dawn erreichte Vesta, mit 500 Kilometer Durchmesser der zweitgrößte Körper des Asteroidenhauptgürtels, und machte Fotos. []
  • Keplerismus: Gab’s letztes Jahr auch bei io9. Insbesondere: der NASA-gehypte Tatooine-Planet mit zwei Sonnen []; zwei erdgroße Planeten []; Vervierfachung des bekannten Planetenbestands; Kepler-22b, der bisher erdähnlichste Planet out there [].
  • Nanogeneratoren: Wissenschaftler des Georgia Institute of Technology13 bauten Halbleiterfilmchen, die Körperbewegungen in Elektrizität umwandeln. Das iPhone 8N kommt mit stylischem Ganzkörpernanogeneratoranzug, hörten wir aus gut unterrichteten Kreisen. []
  • Gehirnbilder: Berkeley-Forschern gelang es, durch Analyse von Gehirnaktivität die vorgestellten Bilder digital darzustellen. Noch etwas unscharf, aber man kann durchaus die den Probanden vorgelegten Bilder erkennen. Crazy. []
  • Historische Malerei: In Afrika fanden Archäologen aus Johannesburg 100 000 Jahre altes Equipment zum Malen. Bisher vermutete man, Menschen hätten erst vor 40 000 Jahren begonnen, komplexere Dinge zu malen. []
  • Gamer against HIV: Computerspieler von »Foldit« entfalteten innerhalb von drei Wochen die Struktur eines HIV-Enzyms, an dem sich Forscher seit zehn Jahren die Zähne ausbissen. »Mom, stop bugging me, I’m curing AIDS!« []
  • Man fand historisches Werkzeug. Dieses ist Keines.

  • Historische Landflucht: Bei Ausgrabungen in den Arabischen Emiraten fand man Werkzeug was darauf hindeutet, dass unsere Vorfahren bereits vor 125 000 Jahren begannen, von Afrika in die weite Welt hinauszuziehen — und nicht erst vor 65 000 Jahren. []
  • Neanderthalüberreste: Hatten wir ja schon – Leipziger Genetinker fanden Neanderthal-DNA im Homo sapiens. Insgesamt also einige neue Erkenntnisse, die die Evolution des Menschen vom bisherig vermuteten Schema abgelenkt haben. []
  • Gehirnchip: IBM stellt einen Chip vor, der wie ein Gehirn aufgebaut ist. []
  • Mars Science Laboratory: Mit dem Mars Science Laboratory startete im November ein wissenschaftliches Ungetüm ins All Richtung Mars. Die Landung des Rovers dieses Jahr auf dem Mars wird so crazy; wenn das mal gut geht… []
  • Durch die Wand: MIT-Menschen erfanden ein Gerät, das ein Echtzeit-durch-die-Wand-gucken ermöglicht. []
  • Tattoo-Sensoren: Amerikanische Ingenieure bauten flexible Sensoren, die wie Tattoos auf der Haut auflegen und Krams messen. []
  • Mausverjüngung: Hatten wir schon – das Entfernen von alten Zellen aus Mäusen lässt diese länger gesund bleiben. []
  • Kunst-H5N1: Im Labor wurde verschiedene, hochansteckende H5N1-Versionen entwickelt, die zu einer Kontroverse über die Veröffentlichung von wissenschaftlichen Ergebnissen führten. []
  • Higgs: Endlich, auch bei io9, die Vorzeichen für eine mögliche Higgs-Entdeckung dieses Jahr. []
  • Neutrinos: Ein Blog, was sich dauernd mit Zeitreise beschäftigt, hatte natürlich auch die überlichtschnellen Neutrinos im 2011-Programm. []

Et Cetera

Bei LiveScience hat man auch »11 Biggest Science Stories 2011«, eine kommentierte Bilderstrecke. Dort geht’s um sozialwissenschaftlich untersuchten Einfluss der Wirtschaftskrise in den USA, um eine Bakterium auf Melonen, was dreißig Amerikaner umgebracht hat, um das Space-Shuttle-Programm, H5N1-Mutationen, Fukushima, Neutrinos, Kepler, Neanderthal-DNA, Higgs, amerikanische Unwetter – und um das erste Ozonloch über der Arktis sowie den (zweit)eisärmsten Sommer seit Messungsbeginn.
Bei TheWeek gibt’s noch was, bei Ranker und bei PopSci, wobei letzteres entgegen des Namens keine wissenschaftlichen Sachen enthält.

2011 ist wissenschaftlich gesehen einiges passiert. Puh.

  1. U.a. fand man heraus, dass der Asteroid aus dem gleichen Material besteht, wie übliche Meteoriten. []
  2. »Kreuzung« klingt in dem Zusammenhang so doof. []
  3. Nicht zu verwechseln mit dieser Gewerkschaft da. []
  4. Nicht zu verwechseln mit der Malariaprophylaxe, die zwar auch gegen Malaria schützt, aber nur sehr kurzfristig wirkt und ständig aufgefrischt werden muss. []
  5. Die Forschung wurde übrigens von der Bill and Melinda Gates Foundation mit 200 Millionen US-Dollar bezuschusst. Wow. []
  6. Dessen Entdeckung übrigens zu einer radikalen Neueinschätzung der Anzahl der Planeten im Universum führte. []
  7. Zusammengestellt von mir: Über alle interessanten Wissenschaftskategorien hinweg, ohne Stories aus den anderen, blöden Nichtwissenschaftskategorien. []
  8. In diesem Zusammenhang: Man vermutet die chinesische Raumstation als Spionage-Missionsziel für das Air-Force-Mini-Space-Shuttle X-37B. []
  9. Ob die Mayas das auch wussten? []
  10. Keepin’ Quantum Physics the craziest shit since 2011. []
  11. Das deutsche Wort fand ich nirgends, Englisch ist »Silicene«. []
  12. Was ja auch die Tagline von io9 ist. Trotzdem. []
  13. GIT. Hihi. []

Physikalische Euphemismen

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Kommentare

Physiker sind ja in allen anderen Wissenschaften allgemein bekannt als Player. Als Draufgänger. Während andere Professionen noch die Laborratte zur Untersuchung auf den Tisch legen, haben die Physiker längst ihr Strahlrohr ausgepackt, kurz vorbeschleunigt und dann den Beam injiziert. Haben das sichtbare Spektrum untersucht und die Lieblingslinie spektroskopiert. Die Sputterkammer angeschmissen. Das Radioteleskop ausgerichtet1.

Wir könnten stundenlang so weiter machen. Wie bereits im Comic oben erkennbar, physikalische Euphemismen sind außerordentlich großartig.

Aber jetzt ihr.
Packt eure besten physikalischen Euphemismen in die Kommentare.
Für den Notfall erlauben wir übrigens auch anonyme Kommentare.

via Florian auf Twitter

  1. Take this, Florian. []