Archiv für die Kategorie 'Experimentatives'

Veranstaltungshinweis: Physikanten & Co. an der RWTH

Die Physikanten machen Damf!

Physik kann Spaß machen, das ist unsere Devise hier im physikBlog. Manchmal braucht es dazu süße Katzen oder heiße Raketenstartbilder, manchmal geht das aber auch einfach mit Leuten, die Spaß an der Materie haben und das ganze auch vermitteln können.

Deshalb machen wir Die Physikanten sind solche Leute. Die Dortmunder Wissenschaftler zeigen Experimente in Sendungen wie »Kopfball« oder »Frag doch mal die Maus« sowie bei Auftritten zu diversen Gelgenheiten. Eine solche Gelegenheit ist die Physikwoche für hochbegabte Schüler, deren Einführungsveranstaltung schon von so Größen wie Metin Tolan Physik der breiten Masse zugänglich gemacht wurde.

Das Programm — eine Mischung aus Comedy und Wissenschaft in Form von Experimenten — scheint sich im Wesentlichen an Schüler zu richten, aber natürlich ist jeder interessierte Zuhörer willkommen. Dank der Unterstützung der Sparkasse Aachen ist der Eintritt kostenfrei. Wenn ihr interesse habt:
Sa, 16.01. um 17:30 Uhr im Hörsaal Fo1 des Karman-Auditoriums.

Schnee die Zweite

Nehmen wir mal an, Sie hätten ein Elektronenmikroskop. Nehmen wir des Weitern an, es wäre Ihnen langweilig. Oder Sie sind frustriert, weil das Nobelkomitee Sie schon wieder übergangen hat. Oder Ihre Katze mag nicht kuscheln.
Dann ist das der perfekte Zeitpunkt, um den aller-aller-aller-winzigsten Schneemann der Welt zu basteln. Das dachten sich auch ein paar Briten. Das Resultat: Einfach süüüühüüss!1

Mehr Infos bei besagten Briten.

via fuck yeah physics

Von diesem Schneemann beschwingt wünscht das physikBlog seiner Leserschaft einen guten Rutsch und bedankt sich für die Treue. 2010 werden wir selbstverständlich die Berichterstattung zur LHC-Soap weiterführen (Läuft er oder läuft er nicht?), die Leser mit bunten Bildchen und Katzenbabies verwöhnen und niemals die komische Seite unser aller geliebten Wissenschaft vergessen.
Auf dann, gehabt Euch wohl!

  1. kleiner Schönheitsfehler: er ist nicht aus Wasser, sondern aus Zinn und Platin. Aber soooooo knuffig! []

DIY Schwarzes-Loch-Maschine

Blau-bis-schwarzes Loch
Blau-bis-schwarzes Loch. (Illustration)

Wie wir ja alle wissen, wird der LHC, wenn er bald dann wirklich, echt jetzt startet leider kein schwarzes Loch erstellen. Da kann man sich noch so mit halluzinogenen Drogen undoder Energiesteinen zupumpen – die Wahrheit ist bitter, hart und nicht schwarz.

Aber so ein schwarzes Loch, ne?, das ist schon eine fetzige Sache.
Das spielt in gleicher Kategorie wie Hoverboards, Mechs, Steuerrückzahlungen oder diese Katze.

Was also tun?
Instructables hat die Lösung: Die Anleitung für eine Schwarzes-Loch-Maschine zum Selberbauen!
Alles, was man braucht, ist ein mehr oder weniger1 starker Laser, ein paar Wasserstoffisotope, eine Reaktionskammer und ein bisschen Fingerspitzengefühl beim Timing.

Instructables: Make Your Own … Black Hole Fabricator (Eingebettet nach dem Klick.)

Easy, oder? Die nächste physikBlog-Party wird, natürlich, mit ein paar schwarzen Löchern aufgewertet. Vielleicht auch mit Hoverboards. Oder Mechs. Oder dieser süßen Katze.
[via Tagesschau Schlusslicht, via @nigjo] ‘DIY Schwarzes-Loch-Maschine’ weiterlesen

  1. aber mehr mehr als weniger []

Gesucht: Druckkammer für nächste physikBlog-Party

Das physikBlog sucht für die nächste physikBlog-Party eine möglichst große Druckkammer1. Kann jemand helfen?

  1. All unsere Gäste, ca. 100 Personen sollten reinpassen []

Monopole – Blektronen

Maxwell-Gleichungen. Schon mal von gehört? Ziemlich krasser Scheiß, den sich der Herr von und zu Maxwell da im 19. Jahrhundert aus seinen elektrisierten Gehirnwendungen gequetscht hat.

Für das ästhetische Befinden des durchschnittlichen Physikers1 wahrscheinlich vier der heißesten Gleichungen, die man so von Affen auf Schreibmaschinen getippt bekommen kann.

Maxwell-Gleichungen
Maxwell-Gleichungen im wunderhübschen Gauss-SI-System

Vier Gleichungen, die beschreiben, wie elektrische Felder mit ihren magnetischen Brüdern zusammenspielen, was das ganze jetzt mit diesen bewegten und unbewegten Ladungen zu tun hat und wer heute Abend die Rechnung bezahlt2.

Für hundertausende Physiker wären sie mit ihrem ganzen Wirbel wohl Quellen schlafloser Nächte3 voll liebestrunkener Halbträume geworden, wäre da nicht seit 150 Jahren diese schreckliche Anti-Symmetrie zwischen magnetischem und elektrischem Feld.
Beim bloßen erwähnen schüttelt es mich.

Und Krach-Bumm – geht eine kleine Sensation durch die Blogs4 und Restnachrichtenwelt:
Es gibt sie. Die ominösen, mystischen Monopole5.

Allerdings mit einem Sternchen: Nur als Quasiteilchen. Aber für einen Physiker, der den ganzen Tag mit Lichtteilchen und Gitterschwingungsteilchen hantiert ist das halb so wild.
Symmetrie gerettet, Maxwell gesund.6 Maxwell-Gleichungen tot?
‘Monopole – Blektronen’ weiterlesen

  1. Na, wer lacht denn hier?! []
  2. egal in welchem beschleunigten Bezugssystem, sie sind nämlich sogar kovariant – da kommst du jetzt nicht wieder raus []
  3. Actually… bereiten sie wirklich schlaflose Nächste. Aber das ist eine andere Geschichte und die hat weniger mit Liebe als mehr mit Prüfungen zu tun. []
  4. wie z.B. Diax’s Rake []
  5. »Monopol«, wie bei Südpol; nicht wie bei Monopol-y und Telekom. Ihr wisst schon. []
  6. Diagnose war zuvor: Streifen verrutscht. []

Antimaterie-Bananen

Bananen sind lecker, gelb und es gibt sogar Weltraumbananen. Aber Bananen können noch mehr, sie können nämlich Antimaterie produzieren — konkret die Antimaterie-Partner des Elektrons, Positronen.

Das können sie, weil sie sehr reich an Kalium sind und dessen natürliches Isotop 40K mit einer Halbwertszeit von 1,2 Milliarden Jahren radioaktiv zerfällt.1 Das tut es u.A. über den positiven Beta-Zerfall, der Positronen produziert (statt der häufigeren β--Strahlung, die aus Elektronen besteht).
Jongliert man ein wenig mit den Zahlen wie Halbwertszeit, natürliches Vorkommen und Anteil des β+-Zerfalls unter allen möglichen Zerfällen rum (wie es auf dieser Seite2 ausführlich vorgerechnet wird) so gelangt man zu der Erkenntnis, dass durchschnittlich etwa alle 75 Minuten ein Positron produziert wird.

Für eine Antimateriebombe reicht das freilich nicht, toll ist es trotzdem.

(via US/LHC-Blogs)

Und zum Schluss noch etwas Blödelei:

Direktbananaphone

  1. Übrigens ist dieses Isotop auch zu 10% für die natürliche Strahlenbelastung des Menschen verantwortlich. Und zwar durch radioaktives Kalium im Körper! []
  2. Übrigens² ist “potassium” der englische Ausdruck für Kalium. []

Mondüberflug in HD

Kennt ihr das?
Immer wenn ihr vom Mond zurückkommt, wieder im Alltagsstress seid, da habt ihr schon nach ein paar Stunden vergessen, wie es da oben eigenltich aussah.

Aber dank der japanischen Raumsonde Kaguya hat das jetzt ein Ende!
Von ihrer Mission gibt es nämlich ein Video von einem Überflug der Mondoberfläche in HD-Qualität. Toll!
Am Besten schaut ihr es in höchster Auflösung direkt bei YouTube.

YouTube-Direktmondfahrt.

Mit dem Video sollte jetzt auch bewiesen sein, dass der Mond tatsächlich still ist. Oder hört ihr etwas?
[via Michaels Weblog]

Kalte Fusion — der nächste Versuch

Vor einem halben Jahr habe ich hier schonmal über die kalte Fusion berichtet. Eine (wirklich) kurze Einführung, worum es geht:


Bei der Kernfusion ist es das Ziel, Atomkerne zu verschmelzen. Macht man das mit leichten Kernen (z.B. Helium) entsteht dabei Energie — so wie in der Sonne. Dummerweise braucht man bestimmte Bedingungen, damit das auch klappt. Entweder hohen Druck und enorme Temperaturen (heiße Fusion) oder man schafft andere Rahmenbedingungen, damit das auch bei Raumtemperatur klappt (kalte Fusion).

1989 hat eine Forschergruppe erstmals behauptet, die kalte Fusion entdeckt zu haben, das stellte sich leider als falsch heraus. Vor knapp einem Jahr hat eine japanische Arbeitsgruppe die gleiche Entdeckung mit einem anderen Verfahren behauptet. Der Beweis dazu steht allerdings noch aus. Und jetzt gibt es wieder eine Gruppe, die behauptet, Energie mit kalter Fusion erzeugt zu haben.


Eine Forschergruppe um Mosier-Boss des US-Navy-Instituts Space and Naval Warfare Systems Command (SPAWAR) in San Diego behauptet, einen Effekt beobachtet zu haben, der mit kalter Fusion zu erklären sei. Das haben sie im Oktober 2008 in einem Paper veröffentlicht und nun auf einer Konferenz in Salt Lake City vorgetragen.

Das verwendete Experiment sah so aus: In einer Lösung aus schwerem Wasser (Deuterium), Lithiumchlorid und Palladiumchlorid befanden sich zwei Elektroden, zwischen denen eine Spannung angelegt wurde. Aufgrund dieser Elektrolyse des Palladiumchlorid ist das Experiment sehr ähnlich zum ersten von 1989 — dort kam Palladium und schweres Wasser zum Einsatz.

Prinzip der Detektion
Das Prinzip des Rückschlusses auf Neutronen (Quelle: NewScientist)

Neben dem Experiment wurde ein Teilchendetektor aus Plastik gebaut, in dem nach ein paar Wochen drei 3-µm-lange Löcher entstanden sind. Diese Löcher stammen wohl von α-Teilchen1, die von einem hochenergetischen Neutron mit 14 MeV erzeugt worden sein sollen. Und dieses Neutron kann in dieser Energie nur aus einem Kernfusionsprozess entstehen.

Dummerweise gibt es noch ein paar Probleme mit dem Experiment:
1. Das Experiment muss reproduziert werden können, das steht noch aus.
2. Es ist nicht klar, ob die Spuren im Detektor wirklich auf ein Neutron schließen lassen oder nicht durch Hintergrundstrahlung oder andere Effekte hervorgerufen sind.
3. Wenn man das ausschließen kann und es wirklich Neutronen aus der Elektrolyse sind, dann ist die Frage ob man das Experiment so erweitern kann, dass man damit schließlich Energie gewinnen kann.
4. Und dann besteht noch die Frage, warum das überhaupt funktionieren kann. Alle bisherigen theoretischen Ansätze sagen voraus, dass kalte Fusion nicht sein kann.

Mal gucken, was sich da noch so entwickelt.

Quellen & mehr:
Spiegel Online
NewScientist
EurekAlert!
Paper der Gruppe

  1. Helium-Kerne ohne Elektronenhülle []

Das Open Moon Projekt

Das Open Moon Projekt
Immer auf der Suche nach dem heißen Scheiß im Internet ist mit Andi und mir in dieser Woche eine Delegation des physikBlogs zur re:publica nach Berlin gereist um eben solchen zu finden.

Ein sehr interessantes Projekt kam direkt nach der ersten Mittagspause zur Sprache: Das Open Moon Projekt der c-base. Es geht darum, einen Roboter zum Mond zu bringen, dort ein wenig umherfahren und ein Signal zurück zur Erde zu funken. Wird das erfolgreich umgesetzt, folgt ein Sponsoring über $30 Mio. von Google im Rahmen des Google Lunar X Prize.

Die meisten teilnehmenden Teams sind von irgendwelchen Firmen, die diese natürlich finanziell gut unterstützen können. Das besondere am Team des Open Moon Projekts ist jetzt, dass es offen ist. Jeder der will kann mitmachen — ähnlich wie bei der Wikipedia oder anderen Gemeinschaftsprojekten.
Was man macht, ist einem selber überlassen: Vorschläge einbringen, konkrete Mitarbeit oder einfach nur spenden. Soweit eine interessante und unterstützenswerte Idee.

Mich persönlich hat aber bei dem Vortrag gestört,1 dass er recht oberflächlich war und da anscheinend noch ein wenig der Durchblick und das nötige Fachwissen fehlt. In einem Promo-Video sah man das Konzept, was den Roboter zum Mond bringen soll:
Eine an einem Ballon hängende Rakete soll erstmal mit diesem in die oberen Atmosphärenschichten vordringen, um Treibstoff zu sparen. Von dort aus geht es konventionell mit Schubkraft weiter Richtung Mond um dann dort mit einem Fallschirm und Airbags auf der Oberfläche zu landen.

Na, ist euch was aufgefallen? Fallschirm, Mond, fehlende Atmosphäre… Richtig! Keine signifikante Atmosphäre bedeutet kein Gas, dass einem Fallschirm als Widerstand dient.2

Aber: Das Projekt ist ja noch in der Planungsphase und steht und fällt durch die Community. Hoffen wir mal, dass es klappt, schön wäre es ja schon irgendwie.

Open Moon Projekt

Nachtrag 18:45 Uhr: Ich habe den Betreibern mal eine Email geschickt, was das mit dem Fallschirm sollte und warum das Team nicht bei Google gelistet ist.
Ersteres sollte ein Aprilscherz sein, der Vortrag war am 1. April. Damit hat sich dieses Projekt spontan 20,6 Sympathiepunkte bei mir eingebüßt – ich mag diese Aprilscherze nicht.
Zweiteres liegt schlicht daran, dass sie noch die $10.000 für die Anmeldegebühr zusammenbekommen müssen.

  1. Abgesehen davon, dass er unglaublich schlecht vorgetragen wurde. []
  2. Und bevor das in den Kommentaren kommt: Ich weiß, dass der Mond ein ganz kleines bisschen Atmosphäre hat. Aber ich vermute, dass das niemals für einen Fallschirm reichen wird. Jedenfalls habe ich keine vergleichbaren Missionen finden können. []

Kepler zieht seine Bahnen

Vorgestern ist mit dem 339. Start einer Delta-Rakete das neue Weltraumteleskop Kepler der NASA erfolgreich in Richtung Sonne geschossen worden. Der Start erfolgte am 7. März 2009 um 03:49:57 UTC und verlief einwandfrei, nach dem Klick gibt es auch ein Video für unsere Raketenstartfans.

Auch wenn es das neue Weltraumteleskop der NASA ist, soll Kepler Hubble nicht ersetzen. Das neue Teleskop hat ein spezielles Einsatzgebiet: Die gleichzeitige Suche nach extrasolaren Planeten bei etwa 100.000 Sternen im Sternenbild Schwan. Der untersuchte Ausschnitt der Himmelskarte ist also fixiert, dafür ist die Genauigkeit so gut, dass auch Planeten in Erdendimensionen erkannt werden.
Damit der Ausschnitt so festgehalten werden kann, dass man selbst kleinste Änderungen1 in der Helligkeit der Sterne feststellen kann, wird Kepler auf eine Umlaufbahn um die Sonne geschickt. Für 3,5 Jahre soll das Teleskop dann suchen, ob da draußen neben Melmac und einem Planeten in Beteigeuze noch andere bewohnte (bzw. bewohnbare) Planeten gibt.

Nachtrag 11.03.: Gerade ein ziemlich geniales Bild des Starts bei APOD gefunden.

NASA-Seite zu Kepler
→ Wikipedia-Artikel (deu|eng)
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‘Kepler zieht seine Bahnen’ weiterlesen

  1. Man rechnet hier mit einer Abdunklung von etwa 84/1.000.000 der normalen Helligkeit wenn der Planet am Stern vorbei zieht. Und das natürlich auch nur, wenn der Planet genau zwischen uns und dem Stern vorbei zieht – man rechnet hier mit 1 von 275 überhaupt detektierbaren Planeten. []