Archiv für die Kategorie 'Erklärbär'

physikBild #1: Effizienz von Glühlampen

In der neuen Reihe »physikBild« lassen wir uns von irgendwelchen schönen Bildern (z.B. von Flickr) inspirieren, einen bestimmten Sachverhalt näher zu erläutern.1

Eine Glühlampe geht kaputt, einfach so. Gehören sie einer aussterbenden Art an? (Bild: Cayusa)

Licht.
Kennt ihr sicherlich.
Eine ziemlich praktische Erfindung — schließlich können wir nur dadurch etwas sehen.
Kommt gehäuft in Sternen, Raketenstarts und in Katzenaugen2 bei Fotografien mit Blitzlicht vor. Weil Katzen und Blitzlichtgewitter als Beleuchtungsquelle relativ unpraktisch sind3, Sterne nur schwer in die Wohnung passen und Raketenstarts immer soviel Dreck im Badezimmer hinterlassen, haben sich kluge Männer damalsTM etwas tolles ausgedacht:   Das Feuer   Die Glühlampe.

Lange Zeit war sie die Standard-Lichtquelle für den privaten Hausbedarf, doch man sagt ihr entschiedene Nachteile nach. Zu ineffizient soll sie sein. Man müsse ja jetzt auf die Umwelt achten und so.
Wir vom physikBlog sind da prinzipiell auch für, wollen aber doch etwas konkreter wissen, warum Glühbirnen4 angeblich so ineffizient sind.

Dieser Glibber leuchtet, weil er verdammt heiß ist. (Bild: j o s h)

Dafür muss ich ein wenig ausschweifen, wobei der Aufbau der Glühlampe denkbar einfach ist: In einem mit speziellem Gas gefüllten Glaskolben befindet sich ein Draht, der durch die beim elektrischen Widerstand entstehende Wärme mit ca. 2400°C anfängt zu leuchten. Richtig, er leuchtet, weil es warm ist, nicht weil irgendwelche Moleküle einen chemischen Bewusstseinssprung machen.5 Diesen Effekt kennt ihr auch bei der Heizspirale im Ceranfeld-Herd, den glühenden Kohlen und der Sonne. Sie alle leuchten, weil sie heiß sind.

Anders ausgedrückt kann man auch sagen, sie strahlen. Zwar nicht vor Freude und auch nicht radioaktiv, aber trotzdem elektromagnetisch.6 Das Tolle7 an der Geschicht ist nun, dass man verstanden hat, wie etwas, das heiß ist, strahlt. Nämlich so:

Das Ungetüm entstammt dem Planckschen Strahlungsgesetz und beschreibt, welche Arten bzw. etwas physikalischer welche Frequenzen (\nu) der elektromagnetischen Strahlung wie häufig vorkommen.

Die Strahlungsverteilung für eine Glühwendel mit einer Temperatur von etwa 2700K (~2400°C).

Gezeichnet8 erkennt man ziemlich direkt, dass nur ein kleiner Teil den Bereich des sichtbaren Lichts abdeckt. Um genau zu sein nur ca. 8% der Gesamtfläche unter dem Graphen — was der ausgesendeten Energie entspricht. Mit anderen Worten: 92% der Strahlungsenergie werden in nicht erwünschte elektromagnetische Strahlung umgesetzt, das Meiste in infrarotes Licht, auch Wärmestrahlung genannt.
Das ist dann auch der Grund, warum die Dinge so verdammt heiß werden.

Eine Glühbirne im harten Alltagseinsatz verstrahlt Wärme – und ein bisschen Licht. (Bild: thepartycow)

Die 8% Effizienz werden noch ein bisschen gedrückt, weil es noch weitere Effekte gibt. So ist das oben nur eine sehr vereinfachte9 Modellrechnung, in der Realität wird das nochmal ein paar Castortransporte komplizierter. Andererseits wird das Gas am Glühfaden erhitzt (es nimmt Energie vom Draht auf) und transportiert die Wärme im Kolben, so dass sich die gesamte Lampe aufwärmt. Durch geschickte Wahl des Füllgases10 kann man diesen Effekt minimieren.

Alles in Allem kann man sagen, dass eine Standard Glühllampe eine Lichtausbeute von ca. 3% hat, also schockierend wenig. So gesehen, ist die Förderung des Umstiegs auf Energiesparlampen gar nicht so verkehrt, wenngleich es damit natürlich auch noch so das ein oder andere Problemchen gibt. Im Endeffekt wollen wir schließlich alle auch noch in 20 Jahren Pinguine das (natürliche) Eis entlangrutschen sehen…

So, und als Hausaufgabe dürft ihr nun die Strahlungsformel auswendig lernen und mindestens zweimal im Alltag anweden. Z.B. wenn ihr Lava vorbeifließen seht oder mal wieder jemanden zur Weißglut gebracht habt. Ergebnisse vergleichen wir dann nächste Woche.

→ Wikipedia-Artikel zur Glühlampe: deutsch | englisch

  1. Interessanterweise klappt das direkt beim ersten Bild nicht: es war mit normalem Copyright geschützt und der Autor hat auf meine Anfrage bisher nicht geantwortet. Also doch CC-Bilder. []
  2. Also die Augen von Katzen, nicht Katzenaugen. Ihr wisst schon. []
  3. Das Weglaufen. Das Haaren. Ihr wisst schon. []
  4. die umgangssprachliche Bezeichnung []
  5. oder in Wissenschaftssprech: angeregt werden []
  6. Kurz zur Erinnerung: Licht ist elektromagnetische Strahlung, genau wie die Funkwellen fürs Radio oder Handy. Nur mit unterschiedlicher Frequenz. []
  7. jedenfalls für einen Physiker []
  8. Als Grenzen für den sichtbaren Bereich wurden 380-780nm angenommen. Das ROOT-Script gibt es hier. []
  9. Ja, einfach. Relativ jedenfalls. []
  10. Man wählt möglichst schwere Moleküle/Atome, die dadurch nur langsam die Energie aufnehmen und abtransportieren können. []

Stephen Hawking über Zeitreisen

So ähnlich sehen Wurmlöcher aus. Nur weniger braun. Und nicht aus Papier. (Bild von EricGjerde auf flickr.)

Update unten im Artikel!
Vor ein paar Tagen machte unser aller liebster Astrophysiker Stephen Hawking mit einem umstrittenen Text von sich reden. Man solle den Kontakt zu Aliens doch besser sein lassen. Die wollten uns doch bloß dematerialisieren und unsere Heimatwelt mit ihren Tentakeln verknechten. Oder so.

Etwas weniger lehnt sich Hawking in einem neuen Text aus dem Fenster. In »How to build a time machine« schreibt er für die britische Daily Mail, was man alles braucht, um eine Zeitmaschine zu bauen.
Für uns Spezies1 ist nichts Neues im Text zu finden. Aber schön zusammengefasst sind die verschiedenen Arten der Zeitreise und auf allgemeinverständliche, populärwissenschaftliche Art erklärt.
Außerdem hat der Text Wurmlöcher, mindestens ein Paradoxon, ein lichtschnelles Raumschiff, den LHC UND es gibt ein Foto von Stephen Hawking, wie er mit Einstein, Data und Newton zusammen pokert.

Daily Mail: STEPHEN HAWKING: How to build a time machine

[via irgendwo in meiner Twitter-Timeline]

Nachtrag, 18. Mai 2010: Die Essenz dieses Artikels wird in folgendem Video von ein paar Kindern vorgestellt – und dabei bunt animiert.

YouTube-Direktkinderzeitreise

[via Nerdcore]

  1. Spezies. Nicht Spezies. Also so wie Spezi, nicht wie Spezie. Getränk, nicht Gattung. Weißte? []

Gastbeitrag für’s Bildblog über Medien zum LHC

Für das Bildblog haben André, Basti und ich mal erklärt, warum uns das mit diesem andauernden LHC-Urknallweltuntergangsschwarzenlöchern auf die Nerven geht – und was eigentlich dran ist, wissenschaftlich betrachtet.

Bildblog: Keine Panik!, oder direkt: Bildblog: Massives spontanes Existenzversagen verschoben

Wie funktioniert ein Satellit?

Knuffig oder? (Quelle: Wikimedia)

Kennt ihr das? Ihr seid gerade auf einer Expedition im Regenwald von Papua Neuguinea unterwegs um eine bisher unentdeckte Abart des Galapagos-Pinguin zu finden, macht eine kurze Pause und dann taucht auf einmal so ein Plumploris1 an eurem Bein auf. Die Kamera ist natürlich zur Hand, aber wie bekommt ihr jetzt dieses Bild auf Twitter?
Zum Glück habt ihr euch vorher um den günstigen Satelliten-UMTS-Flatrate-Vertrat gekümmert und könnt nun das Bild bequem allen daheimgebliebenen Langweilern zeigen.

Doch damit das ganze funktioniert, braucht man natürlich Satelliten. Und weil so ein Satellit etwas komplizierter als der Wasserkocher zu Hause ist, hat sich der Satellitenbetreiber Astra gedacht, dass es gut wäre, wenn man das komplexe Thema in nette Videos packt, die das dann erklären.

Umgesetzt hat es dann This is Real Art und die zweite Episode »Physics« erklärt, warum der Satellit um die Erde kreist und fängt damit schön grundlegend beim vom Baum fallenden Apfel an:


DirektSatellit

Wer jetzt Lust bekommen hat, noch mehr zu sehen, findet hier alle Videos:
Satellites: A users manual

(via Astrodicticum simplex)

  1. aka: Slow Loris []

Drunk History: Nikola Tesla

Alles, was ihr immer schon mal über Nikola Tesla wissen wolltet.
Erzählt von einem Betrunkenen.
Achtung, irgendwo bei Minute 4 wird’s dann kurz etwas… fies.

Das Video wurde bei YouTube entfernt. Leider ist es an offizieller Stelle, bei Funny or Die Drunk History, noch nicht online (weil es erst in der letzten Episode von HBOs »Funny or Die Presents…« ausgestrahlt wurde). So lange – probiert’s mal mit diesem Suchlink

Wenn das mal nicht zum physikBlog passt, wie ein Photon auf’s Auge.

Und wer macht jetzt das erste Drunk Physics? Unser Vorschlag: Maxwellgleichungen erklären.
Update 26.3.2010: Video wurde bei Dailymotion gelöscht. Jetzt durch YouTube-Embed ersetzt.
Update 26.3.2010 (II): Video wurde wieder entfernt. Hab’s jetzt auch hier rausgenommen und durch einen YouTube-Suchlink ersetzt…