Archiv für die Kategorie 'Erklärbär'

Followup: Variationen in der Rotation der Erde

Dieser Artikel ist ein Followup zu Bastis Bericht über die Änderung der Rotationsgeschwindigkeit der Erde durch das Erdbeben in Chile. Es folgt: ganz viel nutzloses Wissen, das wunderbar als Gesprächseinstieg mit dem heißen Date geeignet ist, um danach gemeinsam die Raketenstartbildersammlung bestaunen zu können.

Roboter interessieren sich noch nicht für unterschiedliche Tageslänge. Aber sie haben ja auch noch nicht die Weltherrschaft übernommen. Noch nicht. (Bild von jek in the box auf flickr.)

Das Erdbeben war ja schon ganz schön gewaltig. Ruft es einfach eine Verkürzung der Tagesdauer von 1,26 Mikrosekunden hervor. Aber, wir von physikBlog sind ja auch nicht blöde und sagen uns:
Da geht noch was!

Biomasse

Bei einer Diskussion am Institut entstand die Idee, dass die fallenden Blätter im Winter einen Effekt auf die Rotationsgeschwindigkeit haben müssten. Konkret wurde dabei folgendes angenommen: auf der Nordhalbkugel stehen wesentlich mehr Bäume als im Süden, so dass in unserem Winter mehr Blätter runterfallen als im südlichen Sommer in der Krone hängen. Der Überschuss an Blättern hat eine beachtliche Gesamtmasse, die etwa 10 m näher am Erdkern sitzt und somit eine Änderung des Trägheitmoments verursacht.
Das Trägheitsmoment1 sorgt in Kombination mit der Drehimpulserhaltung dafür, das sich die Drehgeschwindigkeit erhöht, wenn man Masse während der Drehung näher an die Drehachse heranführt. Die Tänzer (oder gelangweilten Büro-Drehstuhl-Besitzer) unter den physikBlog-Lesern kennen das bereits: zieht die hübsche Tänzerin (oder der gelangweilte Büromensch) während einer Drehung die vorher ausgestreckten Arme an den hübschen (gelangweilten) Körper, wird sie hübsch schnell.

Das ist ein klassisches Fermi-Problem – man kennt quasi gar nichts, versucht aber trotzdem, ein Ergebnis zu bestimmen. Ein Blogger hat sich damit beschäftigt und einmal anhand des gefallenen Laubs in seinem Garten versucht zu bestimmen, wie groß der Effekt für die ganze Erde wäre. Am Ende kommt er auf eine Verkürzung eines Tages um ~50 Picosekunden.2 Das ist der Millionste Teil einer Millionstel Sekunde. Also ganz schön wenig, aber prinzipiell durch Atomuhren noch messbar.
Die deutsche Wikipedia bestätigt indirekt diesen verschwindend geringen Effekt:

Auch Verlagerungen der Biomasse spielen eine gewisse Rolle. Die Behauptung, dass die Erde sich im (Nord-)Sommer langsamer drehe als im Winter, weil die Blätter an den Bäumen das Trägheitsmoment vergrößern (Pirouetteneffekt) und es auf der Nordhalbkugel mehr Bäume gibt als auf der Südhalbkugel, ist jedoch nicht haltbar.


Recherche-Katze. physikBlog-Spezial-Züchtung.
Bild aus der Wikipedia.

Das war also nichts. Flugs sind die Recherche-Katzen auf die Pirsch geschickt um weitere Effekte der Variation in der Rotationsgeschwindigkeit der Erde zu entdecken. Und was finden sie? Z.B. das hier:

Sonnenwind

Von der Sonne geht ein stetiger Wind aus. Er besteht nicht, wie wir gewohnt sind, aus Luft, sondern im Wesentlichen Protonen und Elektronen. Wichtig daran zu wissen ist, dass dieser Wind elektrisch geladen ist und folglich in Magnetfeldern abgelenkt werden, natürlich auch in dem der Erde.3 Das Erdmagnetfeld ist aber nicht symmetrisch um die Drehachse der Erde aufgebaut, so gibt es z.B. eine Abweichung zwischen den magnetischen und geographischen Polen.
Wenn nun die Teilchen abgelenkt werden, wirkt wegen der Impulserhaltung und der Asymmetrie eine Kraft auf die Erde, die die Erde langsam bremst. Forscher des Shanghai Observatory haben sich mit dieser Fragestellung beschäftigt und verweisen u.A. auf Abschätzungen von Hans Volland, der eine Tageszeitverlängerung von 46 Mikrosekunden auf ein Jahrhundert bestimmt hat. Das entspricht pro Tag etwa 1,3 Nanosekunden.

Schnee und starke Winde

Aber es wäre ja langweilig, wenn es das jetzt schon gewesen sein soll. Wenn man nochmal in den Wikipedia-Artikel von eben guckt und das Zitat erweitert, dann steht da auch folgender Satz:

Wie die Grafik zeigt, ist die Tageslänge im Nordsommer gerade am kürzesten, die Erde dreht sich dann also besonders schnell. Der sicherlich vorhandene Einfluss des Laubes wird also durch entgegengerichtete größere Effekte völlig überdeckt. Ein überdeckender Effekt ist unter anderem die Umverteilung von Wassermassen in Form von Schnee auf die Höhenlagen der Gebirge.

OK, das liegt irgendwie auf der Hand, wenn man obige Überlegung mit den Blättern mal weiter spielt. Ein anderer Effekt aber vielleicht nicht direkt:

Auf der nördlichen Hemisphäre blasen die Winde in den Monaten Januar und Februar in großer Einigkeit und besonders stark von Westen nach Osten. Die Erde dreht sich aber von Osten nach Westen. Experten aus verschiedenen Ländern haben festgestellt: das ist entgegengesetzt. Und wenn so einem Experten eine steife Briese mal ordentlich die Frisur durchwirbeld, dann stellt der auch fest, dass da eine gewisse Kraft herrscht.
Und so sorgt dieser Gegenwind dafür, dass die Erde ein Stück weit abgebremst wird. So stark, dass dieser saisonale Effekt das Trägheitsmoment der Atmosphäre verdoppelt und für eine Tageszeitverlängerung von einigen Millisekunden am Tag ausreicht.

Ähnlich ist auch der Effekt des Wetterphänomens El Niño messbar, denn hierdurch werden Änderungen der Jet-Ströme — extrem starke Winde in den hohen Atmosphärenschichten — hervorgerufen.

Dinosaurier. Ob sie noch leben würden, hätte ein schwerer Mond ihre mittlere Lebenszeit dilatiert? (Bild von @superamit auf flickr.)

Tidenhub

Der König unter den Zukunftsaufhaltern ist aber wohl der Mond und der damit verbundene Tidenhub. Das mit dem Tidenhub ist ja so, dass der Mond die Wassermassen auf der ihm zu- und abgewandten Seite anhebt — ein Effekt der Gravitation des Mondes.4 Der Mond dreht sich aber langsamer um die Erde, als die Erde sich um sich selber dreht.
Das heißt, dass auch die durch den Mond hervorgerufenen Tiden-Berge sich mit einer anderen Geschwindigkeit um den gemeinsamen Drehpunkt bewegen als die Erde sich dreht. Die Erde dreht sich also quasi unter den Tiden hinweg. Und jetzt kommt das Gleiche wie beim Wind zum Tragen: es besteht ein Widerstand, der die Erde abbremst. So nimmt der Tag über ein Jahrhundert um etwa 2,3 Millisekunden zu, also etwa 63 Pikosekunden pro Tag. Das ist zwar wenig, kommt aber jedes Jahr hinzu.

Die Erde dreht sich unter den Tiden hinweg, welche widerum den Mond beschleunigen.

Übrigens ist das auch der Grund dafür, dass der Mond sich langsam aber sicher von der Erde entfernt. Durch die sich schneller drehende Erde sind die Tiden-Berge leicht zur Mond-Erde-Achse verschoben (siehe Bild) und laufen dem Mond etwas voraus. Die Tiden-Berge besitzen in ihrer Gesamtheit aber auch eine ordentliche Masse, die wiederum wegen der Gravitation einen Einfluss auf den Mond ausüben. Zwar ist die zur Erde gerichtete Gravitation noch annährend gleich (es ist ja auch keine Masse dazugekommen), aber durch die asymmetrische Verteilung der Wassermassen wird der Mond ein Stück mehr nach “vorne” gezogen als anders rum. Er wird also etwas beschleunigt — nicht viel, aber immerhin genug, damit der Mond langsam schneller wird und somit pro Jahr etwa 4 cm von der Erde weg wandert.

 
Mir ist jetzt vor lauter Herumdreherei schwindelig, daher soll hier Schluss sein. Und wenn ihr euch das nächste Mal wieder fragt, warum dieser Tag kein Ende nehmen will: jetzt wisst ihr’s!

  1. Also der Widerstand eines Körpers, sich zu drehen. Ist bei einer hungrigen Katze übrigens größer. []
  2. also ~5·10^-11 s []
  3. Dadurch sieht man dann auch diese lustigen Lichter am Himmel nur an den Polen, weil nur dort der Sonnenwind in die Atmosphäre eindringen kann. []
  4. Natürlich gibt es auch noch andere Effekte für den Tidenhub. Z.B. die Gravitation der Sonne oder Winde. Oder Meereskatzen. Bestimmt. []

Wie funktioniert eigentlich so ein Blitz?

Blitze über dem Hafen von Colonia del Sacramento  (Bild: LONELY DANCER von Ezequiel1984)

Blitz. Donner. 40 Mal pro Sekunde auf dem gesamten Erdball. Für viele Menschen sind Gewitter eine sehr anziehende Angelegenheit, wenn auch teilweise sehr beängstigend. Aber wer weiß schon, wie so ein Blitz funktioniert? Wo kommt er her, wo geht er hin und was hat Shakespeare damit zu tun? Ich versuche im folgenden Artikel einmal, die Hintergründe der Blitzentstehung verständlich zu erklären.

Um das ganze etwas übersichtlicher zu machen, teile ich diesen Post in fünf Teile, wobei die ersten vier die Phasen der Blitzentstehung beschreiben. Und weil wir hier im physikBlog sind, Deutschlands Insider-Blog für heiße Raketenstartbilder, sind die Phasen einem Raketenstart nachempfunden — erklärt natürlich mit Katzenparabeln.

Phase I: Befüllen der Tanks

Die Cumulonimbus-Wolke kündigt ein sich anbahnendes Gewitter an. (Bild: Wikipedia)

Wie bei einer Rakete, einem Auto oder auch nur bei der Katze vor dem Sprung: Um irgendetwas zu erreichen, muss eine bestimmte Energie verfügbar gemacht werden. Im Falle von Rakete und Auto ist das der Treibstoff im Tank, bei der Katze die in den Fetten und Zuckermolekülen gespeicherte Energie und im Falle des Blitzes ist es elektrische Energie, bzw. eine Spannung.

Vom Prinzip her das Gleiche, wie bei euch zu Hause in der Steckdose: positive und negative Ladungen sind voneinander getrennt und wollen sich so lange bewegen, bis sie sich gegenseitig neutralisiert haben. Dieses Streben nach Ladungsausgleich nennt man Spannung oder Potential — das Potential, etwas zu tun. Deswegen können wir auch den elektrischen Dosenöffner für das Katzenfutter betreiben.

‘Wie funktioniert eigentlich so ein Blitz?’ weiterlesen

Felicia Day erklärt wie Galaxien kollidieren – oder so

Wer kennt das nicht: Man steht extra früh auf, verzichtet mal auf’s Zähneputzen (aber wirklich nur dieses eine Mal), zieht sein Regencape an und geht zum Angeln. Man sitzt da, wartet auf Sonnenaufgang, Fische und seine Mitte und denkt sich: “Hey, wie ist das eigentlich, wenn Galaxien kollidieren?”

Um diese brennendste, aller astronomischen Fragen zu klären, hat die Gruppe des NASA Spitzer-Teleskops ein Lehrvideo erstellt.
Der Star dieses (ziemlich verrückten) 10-Minuten-Videos ist Felicia Day, neben den The-Big-Bang-Theory-Schauspielern die nerdigste aller amerikanischen Darsteller1. Achja: Und Sean Astin seine Stimme.


YouTube-Direktspitzen

Ja. Achtung, wenn in ein paar Jahren Glasstürme über’s Land ziehen. Unbedingt das alte Silberbesteck rauslegen, damit’s danach sauber ist.

Danke, psim.

  1. Wer »The Guild« noch nicht kennt – unbedingt nachholen! []

Publikationen in der Physik – Eine Anleitung

Folgende Beschreibung ist an den gemeinen forschenden Physiker (gfP) gerichtet. Sie behandelt das korrekte Erstellen wissenschaftlicher Publikationen in der Physik und soll als Hilfestellung verstanden werden.

Wissenschaftliche Artikel verfügen meist über eine Zusammenfassung (neudeutsch: “abstract”), die sehr aussagekräftig sein kann oder auch nicht, eine Einleitung, Hauptteil und eine Schlussfolgerung. Ein weiteres, hier nicht erschöpfend abgehandeltes Thema ist die anschliessende Danksagung.

I. Beschleunigerphysik

Teilchenbeschleuniger sind gross. Sehr gross. Meist werkeln da Dutzende von Forschungsgruppen dran rum. Dementsprechend sind die ersten zwei Seiten einer solchen Veröffentlichung schon durch die Nennung der Namen gefüllt. Weitere zwei Seiten gehen für die Referenzliste drauf. Macht bei einer durchschnittlichen Publikation von acht Seiten noch deren vier, die mit Resultaten zu füllen sind.  Verzichte deshalb auf  vernünftige Einleitung und Schlussfolgerung und verknappe den Text sosehr, dass gerade noch die in das Experiment involvierten Leute verstehen, worum es geht.

II. Theoretische Physik

Überzeuge deinen Leser, dass deine Arbeit eine praktische Anwendung hat. Dabei ist völlig irrelevant, ob dem auch so sei. (Doch die Begründung “Reines Selbstvergnügen” reicht nicht, um an Forschungsgelder zu gelangen.) Als anwendungsnahe gelten in dieser Disziplin beispielsweise eindimensionale Galaxien.

Benutze die Formulierung ”after some trivial calculations”, um die Arbeit zusammen zu fassen, die deinen armen Doktoranden zwei Monate lang schlaflose Nächte und kein Privatleben bescherte.

Führe einen neuen Formalismus ein oder ändere zumindest einige Symbole, um dich bei deinen Kollegen besonders beliebt zu machen.

Exkurs: Die Publikationsverweigerung

Bei der Publikationsverweigerung kann grundsätzlich zwischen zwei Arten unterschieden werden:

  1. Verweigerung aus edlen Gründen
  2. Notwendige Bedingung: Kein Bedürfnis der Selbstbestätigung durch Dritte.
    Hinreichende Bedingung: Ein Genie zu sein.
    Kommt in der Praxis relativ selten vor, wird von der physikalischen Gesellschaft gerne mit einem liebevollen Kopfschütteln bedacht.

  3. Verweigerung aus anderen Gründen
  4. Notwendige Bedingung: Verfüge über eine längerfristige Geldgarantie. Da bietet sich besonders Vater Staat an. Besonders erfolgreich sind auch undurchsichtige Verwicklungen mit Vater Staat und privaten Interessenten. Achtung: diese Praxis wird von der physikalischen Gesellschaft gerne lautstark verwünscht.

Exkursende.

Andi: Ihr habt soeben den ersten Beitrag unserer neuen physikBlog-Autorin Christine gelesen! Christine wird als fünfte Person in die Riege der physikBlog-Autoren einsteigen. Und das ist nicht nur toll, weil Christine mindestens so toll bloggt wie die restlichen physikBlogger (!) (s.o.), nein, sondern das ist auch toll, weil fünf ungerade und prim gleichzeitig ist. Toll, nicht?1
Jedenfalls: Willkommen, nimm’ dir ‘nen Keks und leg’ den digitalen Stift besser gar nicht erst wieder hin.
  1. Besser wäre nur sechs. Oder sieben. Oder… []

Videos von Feynman-Vorlesungen – The Character of Physical Law

Richard Feynman hat gerade eine Idee bekommen. Oder auch nicht.

Einer der wenigen Shootingstars der Physik, die nicht nur wissenschaftlich Wertvolles geleistet haben, sondern auch ihr Können in anderen Dingen der Allgemeinheit zeigten1, ist Richard Feynman.
Geboren 1918, gestorben 70 Jahre später 1988 zeichnet er sich verantwortlich für drölfhundert Entdeckungen und bahnbrechenden Ideen auf dem Gebiet der subatomaren, also der Elementar-Teilchen, die wohl wichtigste darunter die Quantenelektrodynamik2, die (also die) Beschreibung von Elementarteilchen, mit der heute ganze milliardenteure Teilchenbeschleuniger berechnet werden3 und für die er den Nobelpreis bekam. Er assistierte beim Bau der Atombombe4 und erdachte erstmalig Nanotechnologie.
Soweit zu »wissenschaftlich Wertvolles« aus dem ersten Satz. Mindestens ebenso interessant und faszinierend sind aber die »Dinge, die er der Allgemeinheit zeigte«. Denn Feynman war bekannt dafür, selbst die hartesten und verwirrendsten physikalischen Zusammenhänge locker flockig herüberzubringen. Derartig, dass die Physik selbst Nicht-Physiknerds Spaß machte. Ja, sowas gibt es5.
Dessen war man sich nach sich bereits damals™ bewusst, und so lud man ihn fleißig zu Gastvorlesungen ein und filmte sie ebenso fleißig.

Play Feynman

Microsoft-Gründer Bill Gates hat jetzt eine Vorlesungsreihe, die Feynman an der Cornell-Universität hielt, online gestellt. Im Rahmen der »Messenger Series«-Vortragsreihe6 hielt Feynman sieben Vorträge unter dem Gesamttitel »The Character of Physical Law«, in denen er beginnenden mit den Gravitationsgesetzen einen physikalischen Rundumschlag vollzieht.

Die Videos promoten eine neue Technik von Microsoft, hörend auf »Project Tuva«. Dabei wird das schwarz-weiß Video von Feynman auf Wunsch mit Untertitel, mit Kommentar undoder mit Zusatzmaterial begleitet. Außerdem durchsucht eine Suchfunktion oben rechts das komplette Video nach Wunsch und hält entsprechende Stelle im Video bereit.
Leider benötigt die Feynman-Vorführung Microsoft Silverlight7. Aber es braucht ja einen Haken, wenn’s um Microsoft geht, ne?

Genug des Geschwafels…

Microsoft Research – Richard Feynman: The Messenger Series
[Danke, Lars, für die Linkeinsendung]
Und wenn ihr euch diese kleine Bearbeitung der Tuva-Seite anschaut, na, wer möchte da den Feynman-Lookalike-Contest gewinnen?

  1. Puh, ganz schön wild umschrieben, was? Aber es soll ja möglichst allgemein sein… []
  2. QED, das, was immer unter mathematischen Beweisen steht. Nein. Scherz. []
  3. Verzeiht mir meine übertreibende, populärwissenschaftlich-verkürzende Übertreibung. []
  4. Man kann ja nicht nur awesome sein, was? []
  5. I kid you not! []
  6. Nach dem Sponsor Hiram Messenger benannt. []
  7. Dieser Versuch von Microsoft, etwas vom Flash-Kuchen abzubekommen, der eigentlich gut gemeint ist, aber viel zu spät kommt und eben eine weitere, pluginbenötigende Technik vorstellt… Wer das ganze unter Linux ans Laufen bekommen will, dem sei das OpenSource-Projekt Moonlight empfohlen. []

Monopole – Blektronen

Maxwell-Gleichungen. Schon mal von gehört? Ziemlich krasser Scheiß, den sich der Herr von und zu Maxwell da im 19. Jahrhundert aus seinen elektrisierten Gehirnwendungen gequetscht hat.

Für das ästhetische Befinden des durchschnittlichen Physikers1 wahrscheinlich vier der heißesten Gleichungen, die man so von Affen auf Schreibmaschinen getippt bekommen kann.

Maxwell-Gleichungen
Maxwell-Gleichungen im wunderhübschen Gauss-SI-System

Vier Gleichungen, die beschreiben, wie elektrische Felder mit ihren magnetischen Brüdern zusammenspielen, was das ganze jetzt mit diesen bewegten und unbewegten Ladungen zu tun hat und wer heute Abend die Rechnung bezahlt2.

Für hundertausende Physiker wären sie mit ihrem ganzen Wirbel wohl Quellen schlafloser Nächte3 voll liebestrunkener Halbträume geworden, wäre da nicht seit 150 Jahren diese schreckliche Anti-Symmetrie zwischen magnetischem und elektrischem Feld.
Beim bloßen erwähnen schüttelt es mich.

Und Krach-Bumm – geht eine kleine Sensation durch die Blogs4 und Restnachrichtenwelt:
Es gibt sie. Die ominösen, mystischen Monopole5.

Allerdings mit einem Sternchen: Nur als Quasiteilchen. Aber für einen Physiker, der den ganzen Tag mit Lichtteilchen und Gitterschwingungsteilchen hantiert ist das halb so wild.
Symmetrie gerettet, Maxwell gesund.6 Maxwell-Gleichungen tot?
‘Monopole – Blektronen’ weiterlesen

  1. Na, wer lacht denn hier?! []
  2. egal in welchem beschleunigten Bezugssystem, sie sind nämlich sogar kovariant – da kommst du jetzt nicht wieder raus []
  3. Actually… bereiten sie wirklich schlaflose Nächste. Aber das ist eine andere Geschichte und die hat weniger mit Liebe als mehr mit Prüfungen zu tun. []
  4. wie z.B. Diax’s Rake []
  5. »Monopol«, wie bei Südpol; nicht wie bei Monopol-y und Telekom. Ihr wisst schon. []
  6. Diagnose war zuvor: Streifen verrutscht. []

Weltraumzentrum mit doppelter Staatsangehörigkeit: Baikonur

Cape Canaveral Launchpads

Wenn es um Raumfahrt geht, da denkt man als Standardkulturellgeprägter immer an die USA. Von Houston aus werden die Probleme gelöst, von Cape Canaveral bzw. mittlerweile vom Kennedy Space Center starten sie. Das Ganze dort sieht amerikanisch-typisch sehr beeindruckend aus. Abflugrampe neben Abflugrampe.
Wenn man etwas länger darüber nachdenkt1, stellt man fest, dass wir Europäer ja mittlerweile2 auch im Weltraum angekommen sind. Wir haben unseren eigenen Weltraumbahnhof. Der steht im südamerikanischen Französisch-Guayana, in der Nähe vom äquatornahen Kourou.

Aber da gibt es ja noch ein weiteres Land, was viel im Weltraum macht und machte: Russland.
Wie sieht es mit deren Raumfahrthafen aus?

Baikonur Rakete

Der russische Weltraumbahnhof, also, DER russische Welraumbahnhof befindet sich in Baikonur – im kasachischen Baikonur.
Denn dort wurde nach dem zweiten Weltkrieg, also zum Anfang unserer Lieblingswettrüstungszeit, Ende der 50er Jahre eine Teststation für Langstreckenraketen errichtet. “Da” ist allerdings nicht ganz korrekt – denn das Forschungszentrum war weit entfernt von der Stadt »Baikonur« und mehr im Nichts gelegen. Als dann aber erste Raketen vom Bahnhof starteten und durchaus pionierhafte Erfolge lieferten – »erster Satellit –«, »erstes Tier im All«, »erstes Tier im All was auch wieder zurück kommt«, erstes… naja, eigentlich Alles bis auf »erster Mensch auf dem Mond« – als also etwas Tolles dort passierte, wollte die russische Propagandamaschine dem Volk3 auch einen Namen verkaufen. Und das wurde schließlich Baikonur – bis irgendwann der Ort tatsächlich so umgenannt wurde.

Baikonur Huckepack zum Transport

Aber noch ein mal auf das großgeschriebene DER zurückzukommen; warum DER?! Russland hat ein paar Weltraumbahnhöfe4, aber Baikonur ist mit Abstand der wichtigste. Von dort aus starten nicht nur alle bemannten Missionen, sondern sogar insgesamt 70 % aller russischen Flüge.

Zwischendurch passierte etwas arg Blödes, weshalb man als aufrichter Bürger Baikonurs zwei Gesetzesbücher auswendig lernen muss: Die Sowjetunion zerbrach. Und damit lag das 40 Jahre ausgebaute, hochspezialisierte und mit 100.000 Einwohnern bevölkerte Weltraumzentrum auf einmal im neuen Kasachstan. Russland und Kasachstan konnten sich nicht so recht über eine Zusammenarbeit einigen. Das Personal vor Ort blieb unbezahlt, das Gelände wurde geplündert. 1994 dann schließlich schaffte man doch eine Übereinkunft und einigte sich auf einen Vertrag. Russland pachtete für jährlich 115 Millionen Dollar5 das Gelände von Kasachstan, worauf hin in Baikonur sowohl russisches, wie auch kasachisches Recht gilt. Eine Zwei-Staaten-Stadt.

Start einer Rakete von Baikonur

Mit der Zeit geht es dem größten Weltraumbahnhof der Welt schon wieder besser, es starten kommerzielle und staatliche Raketen – z.B. zur internationalen Raumstation ISS.
Um sich von der Abhängigkeit von Kasachstan zu lösen, findet Ende diesen Jahres der erste Spatenstich eines neuen Kosmodroms mit dem Namen Wostotschny statt. Im äußerten Osten Russlands, fast schon in China gelegen, sollen ab 2015 die Sterne von dort erklommen werden. Außerdem hat die russische Raumfahrtagentur einen Vertrag mit der ESA geschlossen, der ab 2010 Starts der Sojus-Raketen von Kourou vorsieht.

Was vor ein paar Jahrzehnten wegen des eisernen Vorhangs noch unmöglich war, kann man jetzt dank des Internets nachholen: Fotos gucken von Baikonur.
Ich finde es super Interessant, den typisch russischen Stil6 in allen Gerätschaften zu sehen, diese andere, nicht hollywood- und presse-bekannte Raumfahrtkultur zu begutachten…

Es gibt Big Pictures aus dem Kosmodrom Baikonur, auf English Russia ein paar Bilder, die ESA hat welche bei flickr hochgeladen.
Und, natürlich, god bless the internet, kann man das Gelände virtuell via Google Maps erkunden. Hier geht’s zum Beispiel zur Abflugrampe, von der Uri Gagarin damals in den Äther aufgebrochen ist7.
– Beides eingebunden nach dem Klick.

Viel, viel, viel mehr Info zu Baikonur gibt’s auf8
russianspaceweb.com,
astronautix.com,
ROSKOSMOS

‘Weltraumzentrum mit doppelter Staatsangehörigkeit: Baikonur’ weiterlesen

  1. Der fleißige physikBlog-Leser hat da natürlich als aller erstes dran gedacht! []
  2. Jaja, wissentliche Übertreibung. Man verzeihe mir das. []
  3. Und den Amerikanern… []
  4. Insgesamt vier Stück, mit einem fünften gerade im Bau befindlichen – s.u., also s.o.… ach, siehe Text. []
  5. Und nicht für den erst von Kasachstan vorgeschlagenen Milliardenbetrag… []
  6. Der in meinen Augen immer so sehr zusammengeproscht, dreckig und falsch aussieht, dann aber doch auf wundersame weise funktioniert (und erstaunlich zuverlässig…). []
  7. Eine Liste mit den Koordinaten der Startpositionen gibt’s in der englischen Wikipedia. []
  8. aber Achtung, ihr solltet Zeit haben… []

Link: Wie funktionieren eigentlich Teilchenbeschleuniger?

Drüben in seinem ScienceBlogs-Blog Diax’s Rake gibt Blogger- und Aachen-Kollege Jörg einen kurzen Abriss über die Funktionsweise von Linearbeschleunigern.
Wenn ihr euch also schon immer gefragt habt, was Elektronenvolt sind, wie so ein Beschleuniger von Grund auf funktioniert – dort könnt ihr’s nachlesen.
Tut auch gar nicht weh, denn die beiden benutzten Formeln kennt man schon seit dem Physikunterricht der fünften Klasse.

Diax’s Rake » Linearbeschleuniger und das Elektronenvolt

Und nächste Woche dann die Einführung in Ringbeschleuniger, ja, Professor Jörg?

Colliding Particles – Webserie über ein LHC-Forscherteam

Wow!
Über das rechtshändische »Link einsenden« kam ein Link in unser Postfach geflattert, der uns den Mund offen stehen ließ. Vor lauter Awesomeness1, die wir nicht mehr nur über unsere Augen aufnehmen konnten!

Colliding Particles
Denn in der Webserie »Colliding Particles« wird in kurzen und sehr tollen Filmchen ein Forscherteam dabei begleitet, wie sie am LHC-Teilchenbeschleuniger, genauer: beim ATLAS-Experiment, arbeiten. Und das ist ziemlich awesome2!

Physiker

Gefilmt und produziert ist das Ganze sehr professionell und erinnert stark an diesen Stil, den man aus den nächtlichen BBC-Dokumentation kennt, die irgendwo zwischen »Bernd das Brot« und dem simplen »Rate die nächste Fibonacci-Zahl«-Rätsel auf 9Live laufen.
Während die Wissenschaftler auf ihrem Weg begleitet und interviewed werden, erfahren wir ganz nebenbei, wie das denn alles mit dem Higgs-Feld, dem LHC und sowas funktioniert. Und das auf die allercoolste weise: Mit Animationen, die in die wirkliche Umgebung reinmontiert wurden. Sehr toll!
Noch Nebenbei-er wird nicht nur die physikalische Sicht der Hochenergiephysik dargestellt, sondern auch die internationale Kollaboration, die ein Projekt wie der LHC, das CERN darstellt.

Produziert werden die zehnminütigen Filme im Auftrag des »Science and Technology Facilities Councils«, was in UK ein Staatsding ist, der (physikalische) Forschungseinrichtungen finanziert. Quasi-Offiziell ist »Colliding Particles« also auch noch! Ehrfurchtgebietend! Solltet ihr auf die Idee kommen, eurer Klasse, euren Geschwistern, Eltern, Katzen oder dem Taubenzuchtverein Neu-Wied noch mehr als die Videos zu zeigen: die Webseite bietet einen Haufen von »class room«-Zusatzmaterialien an. Affengeil!

Momentan ist die vierte Folge der Serie aktuell, aber die Nächste kommt sicherlich schon bald.
Nach dem Klick haben wir der Reihe nach die bisherigen Episoden eingebunden.

Danke an Erik für den Tipp!

Und jetzt: Mundöffnen und Klicken … ‘Colliding Particles – Webserie über ein LHC-Forscherteam’ weiterlesen

  1. Das physikBlog ist Mitglied bei der nichtgegründeten Gesellschaft, zur Vermeidung unnötiger Anglizismierungen in physikBloggischen physikBlogtexten; aber das, was mit dem Wort »Awesomeness« (oder auch »awesome«) ausgesagt wird, findet sich einfach nicht in unserer Lieblingssprache (Deutsch). Wir bitten das zu entschuldigen. []
  2. Wie hört sich das denn an, wenn ich hier “ehrfurchtgebietend” schreibe!? Oder “toll”!? []

Leidhafte Mathematik und das Norbert Theorem

Ja, es ist korrekt: das physikBlog befindet sich wiedermal in der periodisch aufkommenden, von modernen Ethologen erst noch zu erforschenden Videophase. Damit die Inflation nicht abbricht, hier das nächste Video.

Geteiltes Leid ist halbes Leid? Was aber, wenn man Leid durch Teilen größer macht? Macht das dann noch Sinn, oder ist man’s dann langsam leid? Leiden Lieder leidlicher Liebeslyrik?
Bis auf die letzte Frage klärt dies »das Norbert Theorem« von Kloß und Spinne:

YouTube-Direktleiden.

[via @kaal]