Eine Zusammenfassung der Probleme bei Fukushima I

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Kommentare

Das Erdbeben vor Japan hat zu großen Schäden und enormen Problemen am Kernkraftwerk Fukushima I geführt.

Inhalt

Technische Hintergründe
Normalbetrieb
Notabschaltung
Ausfall der Kühlung
Kernschmelze
Ereignisse in den Reaktoren
Allgemeine Situation
Block 1
Block 2
Block 3
Block 4
Block 5 & 6
Fragen und Antworten…
(Themen: Mo­dera­tion, Was­ser­stoff, Kern­schmel­ze, Strah­len­do­sis, Tscher­no­byl, Ro­bo­ter.)
Schlussworte
Änderungen am Artikel

Disclaimer: Andi und André haben Physik an der RWTH studiert und als Nebenfach Reaktortechnik belegt. Unfehlbar macht uns das allerdings noch lange nicht. Leider. Fehler? → Kommentar!

»Die Kacke ist am Dampfen« schrieben wir am Samstag letzter Woche in der Vorgängerversion dieses Artikels. Leider tut sie das im Kernkraftwerk Fukushima I immer noch ordentlich.
Das Problem an der ganze Chose: Ereignisse und damit Meldungen überschlagen sich, Emotionen sind im Spiel und das ganze wird mit einer Prise Fehlinformationen gewürzt. Heraus kommt ein Brei aus gefährlichem Halbwissen und politischen Meinungen, die eine sachliche Diskussion erschweren.
Wir hier im physikBlog wollen aber eine ebensolche führen, basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Es folgt, wie schon am Samstag, ein Versuch, die Geschehnisse zu ordnen und erklären1.
Dieser Artikel befand sich fünf Tage lang im Ofen, durchlief mehrere Iterationen und einige Erweiterungen. Herausgekommen ist ein 6000-Wörter-Text, der hoffentlich das meiste zum Thema abdeckt. Puh. Beim Schreiben haben uns unsere Kommentatoren Susi und Tr kräftig unterstützt. Ein ganz großes »Danke« dafür!

Stand:
5. April 2011, 15:00 Uhr
Es gibt jetzt ein Diskussions- & Info-Forum!

Bitte beachtet das, schließlich behandeln wir hier ein aktuelles und sich schnell entwickelndes Ereignis. Am Ende des Artikels seht ihr übrigens das Änderungs-Log.

Technischer Hintergrund der Vorgänge im Kernkraftwerk

Um die Situation verstehen und vor allem ein bisschen einschätzen zu können, müssen wir uns leider auch mit ein paar technischen bzw. physikalischen Details zu den Vorgängen beschäftigen. Wir haben uns etwas ausführlicher schon in einem anderen Artikel damit beschäftigt.

Kernkraftwerk im Normalbetrieb

In einem Kernkraftwerk wird über atomare Spaltprozesse Energie freigesetzt, die Wasser erhitzt, schließlich zum Verdampfen bringt und dadurch Turbinen antreiben kann. Die Turbinen sind an einem Generator angeschlossen, der schließlich den gewünschten Strom produziert.
Die antreibende Kernspaltung findet in einer Kettenreaktion statt: Ein Uran-235-Kern spaltet sich — induziert durch ein stoßendes Neutron — in zwei kleinere auf, setzt dabei 2-3 Neutronen und einiges an Energie frei. Die Neutronen fliegen weiter und treffen andere Uran-235-Kerne, die sich dann ihrerseits spalten. Damit sie das tun können, müssen die Neutronen auf die richtige Geschwindigkeit abgebremst werden, sonst fliegen sie einfach dran vorbei. Dafür kommt ein Moderator zum Einsatz. In Fukushima sind verschiedene Reaktoren verbaut: Mark-I-Reaktoren von General Electric, andere von Toshiba und Hitachi. Allesamt sind Siedewasserreaktoren, bei denen Wasser der Moderator ist. Er bremst die Neutronen, weil die dauernd anecken und dadurch Impuls an das Wasser abgeben2. []

Störfall und Notabschaltung

Schema eines SWRs. (Bild: Wikipedia)

Kommt es nun zu unvorhergesehenen Störungen, wird automatisch eine Notabschaltung eingeleitet. Dabei werden Neutronengifte in den Reaktorkern gebracht, die wie ein Staubsauger für die umherfliegenden Neutronen wirken und somit die Kettenreaktion unterbrechen. Das geschieht über Steuerstäbe mit Bor oder Cadmium oder über den Zusatz von Borsäure zum Kühlwasser.
Ist die Kettenreaktion auf diese Weise einmal gestoppt, kann sie ohne weiteres nicht wieder in Gang gebracht werden.

Trotzdem wird es weiter heiß, weil im Brennstoff neben der Kernspaltung3 auch weitere Prozesse zur Kernumwandlung stattfinden. Diese setzen bei weitem nicht soviel Energie frei, wie die Kernspaltung, aber immer noch genug4, um weiterhin für eine Kühlung sorgen zu müssen. Im Artikel zur Nachzerfallswärme haben wir das näher erläutert.

Die Pumpen zur Kühlung laufen allerdings mit Strom5, daher ist es wichtig, dass dieser auch weiterhin zur Verfügung steht. Im Normalfall hat das Stromnetz genügend Kapazitäten, um das abzufangen. Sollte es mal nicht klappen, stehen zunächst Notstromaggregate und schließlich auch noch große Batterien zur Verfügung. []

Ausfall der Kühlung

In Fukushima konnte aber der Stromzufuhr längerfristig nicht wieder hergestellt werden. Die Folge ist, dass die Kühlung ausfällt und mehr Wasser als gedacht verdampft. Das hat zwei entscheidende Nachteile:

Dampf kühlt wegen seiner geringeren Dichte nicht so gut wie Wasser. Durch den hohen Druck6 ist das nicht ganz so schlimm wie bei Atmosphärendruck, aber immer noch blöd.
Dadurch erhöht sich der Druck. Und das ganz gehörig. Um zu verhindern, dass einem der Druckbehälter um die Ohren fliegt, lässt man Druck ab. Das geschieht automatisch über Ventile und ist durchaus vorgesehen.
Weil der Wasserdampf aber direkt mit radioaktivem Material in Kontakt kam, möchte man den nicht in die Umwelt lassen7. Unter anderem deshalb gibt es um den Reaktordruckbehälter eine Sicherheitshülle, das Containment. Also ineinander verschachtelt wie die russische Matrjoschka. Das Containment ist gegen einen gewissen Innendruck ausgelegt, in Fukushima sind das 4 bar8. Bei zu hohem Druck muss aber auch hier Dampf nach außen in das Reaktorgebäude9 abgelassen werden.

Um zu verhindern, dass auf einmal Brennstäbe frei liegen und somit gar nicht mehr gekühlt werden, wird Wasser in den Druckbehälter eingespeist. Dafür gibt es Vorratsbecken mit extra Pumpen10, die den Wasserstand ausgleichen sollen. Klappt natürlich nur, wenn a) Strom da ist, b) noch genügend Vorratswasser vorhanden ist und c) alle Zuleitungen, Ventile und Steuerungen intakt sind. []

Kernschmelze und mögliche Folgen

Werden die Brennstäbe schließlich zu heiß, z.B. weil sie teilweise ohne umgebendes Wasser sind, können sie schmelzen. Der Hauptbestandteil, Uranoxid, hat eine Schmelztemperatur von 2850 °C11, kann also einiges aushalten. Was ab jetzt passiert hängt von vielen Rahmenparametern ab und ist schwer vorherzusagen, auch, weil Erfahrungswerte (zum Glück!) gering sind.
Der günstigste Fall ist, dass die Schmelze im Reaktordruckbehälter bleibt, die Stahlummantelung also standhält. Das wird nur klappen, wenn man irgendwie für eine äußere Kühlung sorgt. Ansonsten wird auch der Stahlbehälter schmelzen12.
Wenn es also schlecht läuft, brennt sich der Klumpen regelrecht nach unten durch, je nach Materialmenge (Containment, Beton-Fundament) auf dem Weg kann das bis zum Erdboden und Grundwasser geschehen. Dann hat man ein Problem, weil verseuchtes Grundwasser nicht sonderlich gesund ist, wie man sich vielleicht vorstellen kann. Allerdings ist das lokal noch relativ eingeschränkt. Zur Geschwindigkeit, mit der das abläuft, haben wir weiter unten ein bisschen ausführlicher berichtet.
Wenn die Schmelze unterwegs auf Wasser trifft, kann es zu schlagartiger Verdampfung kommen, durch die Folgeschäden entstehen können. Vor allem aber steigt der Druck. Fängt man diesen steigenden Druck nicht ab, ist auch eine Beschädigung des Containments nicht ausgeschlossen und der direkte Kontakt zur Atmosphäre ist gegeben. Im schlimmsten Fall entsteht jetzt ein Feuer, dass radioaktive Partikel aufsteigen lässt. Der Wind tut sein übriges und es kann eine ziemlich große Fläche kontaminiert werden.
Prinzipiell kann es übrigens auch zu einer Knallgas-Explosion kommen, die ihrerseits die Schäden vergrößern kann. Das kann man aber mit Stickstoff als Schutzgas im Containment verhindern13. []

Ereignisse in den Reaktorblöcken (Zusammenfassungen)

Allgemeine Situation

Nach dem Erdbeben wurden in diversen Kraftwerken Notabschaltungen durchgeführt, auch in 11 von 53 Kernkraftwerksblöcken14. Das heißt: Steuerstäbe mit Neutronenabsorbern rein, Borsäure zum Kühlwasser dazugeben. Dadurch wird die Kettenreaktion sofort gestoppt, die Stromproduktion des Kraftwerks wird eingestellt.
Kernkraftwerke müssen aber auch nach der Abschaltung weiter gekühlt werden und dafür brauchen sie Strom. Dummerweise hatten Erdbeben und Tsunami auch einen teilweisen Ausfall des japanischen Stromnetzes zur Folge. Kein Strom von außen heißt im Kernkraftwortschatz »Station Blackout« – das Kraftwerk muss sich also selbst versorgen. Spezielle Notstromgeneratoren15 stehen für genau diesen Fall bereit. Die sind auch angesprungen, in Fukushima I allerdings 55 Minuten nach dem Erdbeben aber wieder ausgegangen. Ob das direkt durch den Tsunami verursacht wurde ist nicht klar, da die erste Welle bereits sechs Minuten nach dem Erdbeben ankam16. Das Ergebnis war jedenfalls: kein Notstrom.

Aber auch dafür ist ein Kernkraftwerk eine gewisse Zeit durch Batterien gerüstet. Die halten den Kühlkreislauf provisorisch in Gang, bis von außen wieder Strom eingespeist werden kann. Hat man aber leider nicht so schnell geschafft, so dass es in den einzelnen Blöcken kritisch wurde. []

Block 1 [460 MWel, 292 BE im Abklingbecken17]

Diese Block war der erste mit argen Problemen. Ohne die funktionierende Kühlung ist im Reaktordruckbehälter immer mehr Wasser verdampft, dass über Ventile erst in das Containment und später18 die Umgebung abgelassen werden musste. Das hat zwischenzeitlich die Strahlungsmessgeräte wild ticken lassen, da der Wasserdampf kontaminiert war. Bei intakten Brennelementen handelt es sich hierbei größtenteils um kurzlebige, leichte Nuklide wie Stickstoff-16 mit einer Halbwertszeit19 von 7 Sekunden20. Der Spuk ist also normalerweise schnell wieder vorbei.

Es wurden aber auch kleine Mengen Caesium-137 und Iod-131 nachgewiesen, typische Spaltprodukte von Uran-235. Man kann also daraus schließen, dass bei ein paar Brennstäben die Hülle defekt ist. Ziemlich mies, aber noch OK, wenn man immer nur mal ein bisschen Dampf ablassen muss. Man liest aber auch häufig, dass der Grund dafür eine bereits ablaufende Kernschmelze ist. Das ist zwar durchaus möglich, aber noch lange nicht sichergestellt. Es könnte z.B. auch sein, dass durch das Erdbeben eine Brennstabhülle beschädigt wurde. Sollte es aber trotzdem zu einer (teilweisen) Kernschmelze gekommen sein, so befindet diese sich noch im Reaktordruckbehälter.

Mark-1-Reaktor mit Beschriftungen und Highlights explodierter und gefluteter Bereiche.

Durch die hohen Temperaturen wird der Wasserstoff aus dem Kühlwasser gelöst, der ebenfalls abgelassen wurde. Zusammen mit Sauerstoff hat der dann im Reaktorgebäude das sogenannte Knallgas gebildet — der ein oder andere kennt’s vielleicht noch aus dem Chemieunterricht. Was Knallgas macht, wenn es mit Hitze in Kontakt kommt, sieht man eindrucksvoll den Videobildern: einen ordentlichen Knall. Das wichtige Detail ist hier, dass anscheinend nur das Dach hochgegangen ist, nicht der Reaktordruck- oder Sicherheitsbehälter. Darauf deuten die direkt nach der Explosion sinkenden Strahlungswerte.21

Nach der Explosion hat man jedenfalls alle Versuche, den eigentlichen Kühlkreislauf wieder in Gang zu setzen gestoppt und hat massiv mit Meerwasser geflutet. Sowohl in den Reaktordruckbehälter als auch in das Containment drumherum22. Die Beleuchtung der Schaltwarte sowie einzelne Instrumente sind mit Strom versorgt. Man erhielt erste Daten von Sensoren aus dem Reaktorblock, darunter Temperaturen des Reakturdruckbehälters. Die Kühlung des Druckbehälters wurde mittlerweile von Meer- auf Süßwasser umgestellt, um weitere Salzablagerungen zu vermeiden.
Man fand Wasser, was stark radioaktiv ist, und ist momentan auf der Suche nach den Lecks. Um nicht auf noch mehr unvorhergesehene Wasserstellen zu stoßen, hat man die Wasserzufuhrmenge in den Reaktordruckbehälter heruntergesetzt. Man braucht Platz für abzupumpendes kontaminiertes Wasser, daher wird Wasser durch die Gegend gepumpt — von einem Tank zum nächsten.

Kurzzusammenfassung: Gebäudedach explodiert, Druckbehälter und Containment vermutlich intakt. Durch die Wasserkühlung, mittlerweile mit Frischwasser, ist Block 1 aber momentan relativ stabil. Die Stromversorgung wird Stück für Stück wieder hergestellt. Man fand kontaminiertes Wasser, ist sich aber nicht sicher, woher es stammt.

Auf der internationalen Skala für nukleare Zwischenfälle (INES) hat der Reaktorblock momentan eine 5 von 723. []

Block 2 [784 MWel, 587 BE im Abklingbecken]

Der zweite Reaktorblock war bis zum Anfang der Woche eigentlich relativ unspektakulär. Er musste zwar wie die anderen Reaktoren mit Meerwasser gekühlt werden, aber eine gebäudezerstörende Explosion gab es hier nicht. Im Inneren des Gebäudes änderte sich das aber am Dienstagmorgen: Es kam zu einer Explosion, die zu einer temporären aber starken Erhöhung der Strahlendosis des Gebiets auf kurzzeitig 400 mSv/h führte. Brennelemente sind hier vermutlich ebenfalls beschädigt worden.

Man pumpte weiterhin Wasser zur Kühlung in den Reaktor, kann aber die Brennelemente nicht komplett mit Wasser bedecken – vermutlich ist also ein Leck im Reaktordruckgefäß oder in der Kondensationskammer vorhanden. Das wäre nicht gut und daher macht dieser Block des Reaktors auch mit die meisten Sorgen – er wurde auf der INES-Skala von 3 auf 5 hochgestuft.

Über eine Leitung wurde das System wieder mit dem Stromnetz verbunden. Die Schaltwarte hat wieder Licht, es gibt erste Temperaturmessdaten, die Wasserpumpen funktionieren über diese Leitung. Meerwasser wird massiv ins Abklingbecken gepumpt, ebenso (mittlerweile) boriertes Frischwasser in den Reaktordruckbehälter.
In einem Schacht sammelte sich stark radioaktives Wasser, was durch einen Riss direkt ins Meer gelangt. Man versuchte es mehrfach abzudichten, aber alle Versuche misslangen bisher. Wo das Wasser genau her kommt ist ebebfalls nicht sicher: Farb-Tracer wurden dem Wasser beigemischt, kamen aber nie im Schacht an.
Auch in diesem Block wurde die Wasserzufuhrmenge reduziert. []

Block 3 [784 MWel, 514 BE im Abklingbecken]

Der beschädigte Reaktorblock 3 in Fukushima. (Bild: DigitalGlobe)

Die Entwicklung in Block 3 ist sehr ähnlich zu der von Block 1, der als erster Reaktor Probleme gezeigt hat. Hier kam es ebenfalls zu einer Wasserstoffexplosion, die das Dach des Blocks weggesprengt hatte. Auf den Bildern des Orts sieht Block 3 am stärksten zerstört aus — zumindest von außen. Druckbehälter und Containment könnten beschädigt sein, aber wieder ist Genaues unklar.

Auffallend ist, dass immer mal wieder Dampffahnen über dem Block aufsteigen. Die könnten aus den Abklingbecken stammen, wo die »ausgebrannten« Brennstäbe zur Abgabe ihrer Nachzerfallswärme gekühlt werden24. Dort ist zu wenig Wasser vorhanden, so dass man versuchte, mit Wasserabwürfen aus Hubschraubern und Wasserwerfern vom Boden den Wasserstand zu erhöhen. Immer mal wieder brach man die Wasserbefüllung ab (wegen zu hoher Strahlung, zu gefährlicher Situation) und war sich über den Erfolg nicht sicher. Die lange Befüllung mit Wasserwerfern und später mit einer Autobetonpumpe25 lässt darauf schließen, dass man Erfolg hat. Mittlerweile befüllt man auch hier den Reaktorbehälter mit Süßwasser.
Zwischenzeitlich stieg Rauch auf und man musste wegen vermuteter Brand- oder Explosionsgefahr alle Mitarbeiter abziehen. Trotzdem hat man es mittlerweile auch hier geschafft eine externe Stromversorgung anschließen zu können26, die Warte besitzt wieder Licht.
Beim Verlegen von Kabelleitungen wurden drei Arbeiter hohen Strahlendosen von mehr als 170 mSv ausgesetzt; kontaminiertes Wasser befand sich im Maschinenhaus. Dort könnte es über ein Leck hingelangt sein. Zwischenzeitlich wurde das verseuchte Wasser abgepumpt27.
Aber das führte zu Wasser an anderen, ungünstigen Stellen (Kabelkanal), so dass man das Abpumpen erst ein mal stoppte.
Wasser wird immer wieder zugeführt, auch mit einer Autobetonpumpe in die Abklingbecken.

Die Zwischenfallsituation wird ebenfalls nach INES 5 bewertet. []

Block 4 [784 MWel, 1331 BE im Abklingbecken]

In Reaktorblock 4 passierte etwas anderes als in den Blöcken 1 bis 3. Denn Block 4 war zum Zeitpunkt des Erdbebens nicht »scharf«, es fand also keine Kernspaltungs-Kettenreaktion statt und die Brennstäbe waren nicht im stählernen Reaktordruckbehälter, sondern lagerten im Abklingbecken. Das ist der normale Aufbewahrungsplatz, wenn man zu Inspektionen den Reaktorkern leerräumen muss. Man kann sie schließlich nicht einfach in das Regal im Keller legen28. Eine schöne Animation dazu gibt es bei der New York Times.

Man könnte also denken, der Block sei vorerst sicher. Von wegen! Denn auch hier gab es eine Explosion, die den Betonaufbau ordentlich zerstört hat. In der Außenwand des Reaktorgebäudes klafft ein großes Loch. Zwei mal brach Feuer aus, was von alleine wieder verschwand. Die Temperatur des Wassers im Abklingbecken ist hoch (die letzten Messwerte vom 14.03. lieferten 84 °C, teils scheint es zu kochen), zudem ist zu wenig Wasser im Becken vorhanden. Direkte Meerwassereinspeisung funktioniert nicht, dafür ist man etwa im Tagesrhythmus dabei, mit der Autobetonpumpe jeweils ca. 150 t Wasser da rein zu leiten.

Auch Block 4 hat mittlerweile einen Anschluss an die externe Stromversorgung und verfügt über Stromzufuhr in einzelnen Anlagenteilen.

INES: 3. []

Block 5 [784 MWel, 946 BE im Abklingbecken]
& Block 6 [1.100 MWel, 876 BE im Abklingbecken]

Die Temperaturverläufe der Blöcke 5 und 6 im Vergleich zu einer Normaltemperatur29.

Die beiden Blöcke waren genauso wie Block 4 für Wartungsarbeiten abgeschaltet. Auch in ihnen liegen Brennstäbe in den Abklingbecken, so dass der Wasserstand darin langsam sank. Hier gelang es, mit einem Notstromaggregat eine notdürftige Stromversorgung herzustellen, so dass die Becken mit Wasser nachgefüllt werden können. Waren die Wassertemperaturen in den letzten Tagen noch über 60 °C, sind sie momentan bei ca. 38 °C (Block 5) bzw. 21 °C (Block 6) und damit auf Fastnormalniveau. Der Grund dafür: Die Stromversorgung ist wieder hergestellt, das Nachkühlsystem läuft wieder – Juchu! Entsprechend gibt es keine INES-Bewertung für diese beiden Blöcke.

Insgesamt ist die Lage kritisch, Tendenz mal in Richtung Stabilität, mal in Richtung »wow, fuck, raus hier«. Der Einsatz von Wasserwerfern scheint Erfolg zu haben und die Autobetonpumpe scheint die Abklingbecken kühlen zu können. Alle Blöcke sind wieder ans Stromnetz angeschlossen und Schaltwarten und Maschinenhäuser haben teilweise wieder Licht.

Neben den bisherigen Problemen, die sich etwas abzukühlen scheinen, macht das in den Blöcken verteilte Wasser nun Stress: Teilweise ist es stark, teilweise schwach radioaktiv und befindet sich an Stellen, wo es nicht sein sollte. Wasser fließt ins Meer und wird mitunter bewusst dorthin abgeleitet. Fand man erst nur Radionuklide im Meerwasser, z.B. Iod-13130, so ist man mittlerweile dabei die Flüsse des Wasser nachzuvollziehen.

Über den Blöcken steigt kontinuierlich Wasserdampf auf – vermutlich das verdampfende Wasser, das von außen draufgeworfen wurde.

Die von uns angegebenen Zahlenwerte und Aussagen stützen sich, wenn nicht anders angegeben, auf die Pressemitteilungen der Nuclear and Industrial Safety Agency (NISA).

Detailreichere und dadurch genauere Informationen zu den Status der Reaktorblöcken findet ihr auf der hervorragenden Seite der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit sowie (hört hört) in der deutschen Wikipedia: Der Kernkraftwerk-Fukushima-I-Artikel ist mit vielen Quellen belegt, wird häufig aktualisiert und stichprobenartige Überprüfung ergab solide Zusammenfassungen. Hervorragend. Ebenfalls sehr gut31: Der englischsprachige Schwesterartikel sowie die Unfalltimeline in der englischen Wikipedia. Außerdem ein kurzer Hinweis auf die Übersichtsbeiträge von BraveNewClimate, z.B. diesen vom 26. März32. []

Ein paar Fragen, die man häufig gestellt bekam

…damit ihr euch nicht auch durch die hunderten Kommentare der anderen Artikel wühlen müsst.

Moderation? Ich dachte, das Wasser ‘bremst’ die Kettenreaktion?

Wahrscheinlichkeit der Spaltung von U-235 und Pu-239 für verschiedene Neu­tro­nen­ener­gien. (Bild: Vorlesungsskript)

Nein. Die Moderation sorgt dafür, dass die Neutronen langsamer werden. Erst dann können sie im großen Maße eine neue Kernspaltung auslösen. Das liegt daran, dass die Wahrscheinlichkeit, mit der eine Reaktion zwischen Neutronen und dem Spaltmaterial U-235 stattfindet, nicht immer gleich ist. Rechts sieht man den Verlauf dieser Reaktionswahrscheinlichkeit33 in Abhängigkeit der Neutronenenergie (die der Geschwindigkeit entspricht). Vereinfacht könnte man sagen: sind die Neutronen zu schnell, fliegen sie einfach am Uran vorbei.
Ohne Moderator ist die Kettenreaktion schwierig, aber noch nicht ausgeschlossen. Daher müssen zusätzlich Neutronenabsorber wie Bor eingesetzt werden. []

Der Reaktor ist doch abgeschaltet, warum müssen wir dann noch weiter kühlen?

Auch wenn keine eigentliche Kettenreaktion mehr stattfindet, befinden sich im Reaktor noch Spaltprodukte aus dem Betrieb. Diese radioaktiven Elemente sind instabil und zerstrahlen nach einer gewissen Zeit34 unter Aussendung von Energie. Es entsteht Nachzerfallswärme. Und zwar sowohl in Brennstäben im Reaktorkern als auch für solche, die im Abklingbecken lagern.
Wir haben dem Thema einen eigenen Artikel gewidmet, in dem Detail-Infos inkl. konkreter Zahlenwerte zu finden sind. []

Die haben keinen Strom? In einem Kernkraftwerk??

Klingt bescheuert, was? Nach dem Erdbeben fuhren die Atomkraftwerke ganz automatisch in »STOP«-Position. Steuerungsstäbe: rein, Neutronengifte: Go! und was sonst noch so dazu gehört. Wie gut oder schlecht das geklappt hat, ist noch nicht sicher — aber sie stoppten. Das heißt die Kraftwerke produzierten keinen Strom mehr.
Vermutlich wurden durch das Erdbeben, durch den Tsunami, oder ebenfalls durch die Notabschaltung auch die externen Stromversorgungen gekappt, so dass auch hier keine Zulieferung stattfinden konnte. Es deutet jedenfalls alles darauf hin, dass die Zuleitungen auch nicht eben mal so wieder repariert werden konnten. In wie weit das japanische Hochspannungsnetz überhaupt dazu geeignet ist, die Kernkraftwerke zu betreiben, ist auch gar nicht klar.
Blöder Strom. []

Warum hat man nicht sofort ein großes Notstromaggregat mit einem LKW hingeschafft?

Um das Kraftwerk überhaupt zu erreichen, mussten erst Aufräumarbeiten vorgenommen werden. In den ersten Tagen war nur schwer Durchkommen bis zu den Reaktorblöcken. Kleinere Aggregate hätte man auch mit dem Helikopter dahin transportieren können, zumindest um das Nötigste in Gang zu bringen.
Hat man auch geschafft, man hatte ca. einen Tag nach dem Ausfall Stromaggregate vor Ort, konnte sie aber nicht nutzen. Hier kommt das komplexe Gebilde eines Kernkraftwerks mit all seinen Einzelteilen zum Tragen: ist nach dem Erdbeben (Pumpen und Ventile beschädigt?), Tsunami (Wasseraufbereitung verstopft?) und Explosionen (Zuleitungen intakt?) die Wiederaufnahme der Kühlung überhaupt so einfach möglich? Insbesondere die direkte Stromversorgung zu den Pumpen schien Probleme bereitet zu haben.
Mittlerweile gelingt es übrigens, über eine Behelfskonstruktion immer mehr Kraftwerksanlagen mit dem 110-kV-Stromnetz zu verbinden. []

OK, aber man wird doch eine motorbetriebene Pumpe zum Kühlen da hinbauen können, oder?

Dort, wo die Strahlungwerte hoch sind, kann man keine Arbeiten mehr unmittelbar an den Reaktoren durchführen. Man muss etwas Abstand halten. Daher ist der Betreiber dazu übergegangen, »extern«, aus sicherer Entfernung Wasser in bzw. an den Reaktor zu befördern. Dies geschieht durch Hubschrauber, Feuerwehrwagen oder durch einen Betonpumpwagen.
Numbercrunching zur benötigten Wassermenge: Wenn man 1 MW Wärme (=3,6 GJ/h) durch Verdampfen von reinem Wasser (15 °C kalt) abführen möchte, sind bei Atmosphärendruck etwa 1,4 Tonnen Wasser pro Stunde zuzuführen. Geschieht der Vorgang unter einem höheren Druck als 1 bar erhöht sich die Kochtemperatur, und es wird weniger Wasser benötigt. Zahlenbeispiel für einen intakten Siedewasserreaktor: Bei 71 bar hat Wasser eine Siedetemperatur von 286 °C und es wird 1 Tonne Wasser pro Stunde benötigt. []

Ohne Kühlung kommt die Kernschmelze, was passiert da eigentlich genau? Und wie lange dauert das?

Brennelemente können so heiß werden, dass Tragestrukturen und Brennstoff schmelzen35. Es gibt mehrere Möglichkeiten, was mit dieser Schmelze geschieht. Wir haben sie weiter oben erläutert.

Der geschmolzene Reaktorkern aus Tschernobyl. (Bild: INSP | Galerie)

Um mal den hypothetischen Fall abzuhandeln, dass sich die ungekühlte Kernschmelze »nach unten durchfrisst«, folgt ein bisschen Numbercrunching zur Geschwindigkeit. Die Reaktorblöcke 2-5 erreichen jeweils 784 MWel Leistung (2.381 MWth), die sie aus 548 Brennelementen beziehen36. Aus dem Reaktortechnik-Vorlesungsskript von André und Andi hätten wir anhand der dort angegebenen Referenzdaten 490 Brennelemente geschätzt37. Wir gehen also davon aus, dass wir zum groben Abschätzen mit weiteren Angaben daraus rechnen können (konkret zu den Fukushima-Reaktoren sind die nämlich schwer zu finden).
Jedenfalls besteht ein Brennelement aus mehreren Brennstäben, typischerweise bei SWR aus 8 · 8 = 64 Stäben38. Zusammen sollten sich also etwa 35.000 Brennstäbe im Kern befinden. In einem Brennstab steckt größtenteils Uran, das pro Stab ein Volumen von etwa 466 cm339 einnimmt, der gesamte Kern also etwa 16,3 m3. Das würde bedeuten, dass alleine durch das Uran eine Masse von 310 t zusammenkommt.
Man kann sich nun überlegen, dass die geschmolzene Masse, nennen wir sie »Klumpen«, als Halbkugel auf einem ebenen Stahlboden ruht. Ist zwar ziemlicher Quatsch, weil der Druckbehälter unten rund ist, aber wir wollen ja auch nicht zu komplex werden. In unserem einfachen Modell hätte die Halbkugel einem Durchmesser von ca. 4,0 m und würde somit eine Fläche von 12,3 m2 bedecken. Der Klumpen produziert nach einer Woche noch ca. 6 MW thermische Leistung aus der Nachzerfallswärme, sagen wir mal, dass die Hälfte auf den Stahlboden darunter geht.
Die Stahlwand eines Reaktordruckbehälters sind im Bereich von 20 cm40, direkt unter dem Klumpen befinden sich also etwa 20 t Stahl. Gehen wir mal davon aus, dass wir die von 500 °C auf 1.500 °C erhitzen und schmelzen müssen, damit die Wand nachgibt, so würde das ungefähr eine Stunde und 20 Minuten dauern.
Der Klumpen lagert jetzt auf dem Betonfundament, das direkt unter dem Reaktorkern ziemlich dick ist. Wir nehmen hier mal 3 m und eine Starttemperatur von 20 °C an. Da durchzukommen würde nochmal etwas über einen Tag dauern.
Wohlgemerkt: diese Zahlen stellen eine ganz grobe Abschätzung dar und auch nur für den Fall, dass man den Reaktor sich selber überlassen würde. Dass es nicht so ist, wissen wir mittlerweile. Ebenfalls vernachlässigt wurde der kühlende Effekt des zu schmelzenden Materials.
Sollte dieser Klumpen am Ende noch heiß genug sein, um in den Erdboden einzudringen und schließlich auf (Grund-)Wasser zu treffen, so kommt es zu einer physikalischen Explosion. Dabei verdampft das Wasser schlagartig und durch den Dampf entsteht ein hoher Druck. Der entlädt sich in Richtung des schwächsten Widerstandes — vermutlich das Schmelzloch entlang nach oben, sodass der Klumpen teilweise hochgeschossen wird. Es ist jedoch recht schwer, zuverlässig die Auswirkungen vorherzusagen, insbesondere weil auch hier wieder Erfahrungswerte (zum Glück!) fehlen. Aber: momentan wird gekühlt und der Fall ist rein hypothetisch! []

Aber es hat doch da schon Explosionen gegeben, was war denn das?

Die haben nicht unbedingt etwas mit der Kernschmelze zu tun und können auch auftreten, wenn im Reaktordruckbehälter alles intakt ist. Die Explosionen, die man sah, sind ziemlich sicher auf eine Knallgasreaktion zurückzuführen, also der Kombination aus Wasserstoff, Sauerstoff und Hitze. Das macht ordentlich wumms und reicht aus, das Reaktordach abzureißen. []

Wasserstoff, mhm? Der war doch vorher nicht da…

Auch bei der Hindenburg hat Wasserstoff zur Zerstörung geführt. (Wikimedia)

Bei Temperaturen ab 900 °C entsteht durch chemische Reaktionen von Wasserdampf mit der Hülle der Brennelemente Wasserstoffgas. Diese Reaktion setzt zusätzlich sehr viel Wärme frei. Es gibt Berechnungen, dass in einem Druckwasserreaktor im Falle einer Kernschmelze in 6 Stunden ca. 5000 m3 Wasserstoff entstehen — das sind 5 Millionen Liter. In Verbindung mit Sauerstoff ist das eine hochexplosive Mischung: Das allseits bekannte Knallgas.
Dieses zusätzliche Problem wird erst seit dem Unfall im Kernkraftwerk Three Mile Island im Jahr 1979 bei der Auslegung eines Kernreaktors berücksichtigt. In Siedewasserreaktoren wird daher das Containment mit Stickstoff geflutet, so dass es nicht zu einer Knallgasreaktion kommen kann.
Darüber hinaus wird durch die radioaktive Strahlung im Reaktorkern Wasser direkt in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Allerdings ist die dabei entstehende Menge an Knallgas lange nicht so hoch wie bei der weiter oben beschriebenen Reaktion. Diese so genannte Radiolyse läuft auch während des Normalbetriebs des Kraftwerkes ab, so dass es Vorrichtungen (»Töpfer-Kerzen«) gibt das entstandenen Knallgas abzubauen.
Trotz dieser Vorkehrungen ist im Kernkraftwerk Brunsbüttel im November 2001 ein an den Reaktordeckel angeschlossenes Rohr durch eine Knallgas-Explosion zerstört worden41. []

Was bedeuten die gemessenen Strahlungswerte und wo kommen sie her?

Die Meldungen über die Strahlungsbelastung vor Ort sind häufig sehr vage. Angaben über »400-fache« Strahlungswerte oder »mehr als 2000 Mikrosievert« sind etwa so nützlich, als würde jemand seinen Benzinverbrauch mit »mehr als 3,4 Liter« bezeichnen.
Strahlung kann man sich gut als einzelne winzige Projektile vorstellen, die Schäden auf molekularer Ebene hervorrufen (siehe nächste Frage). Wenn man alle Teilchen zählt, die einen Menschen »verstrahlt« haben, kriegt man eine Strahlungsdosis. Wird diese Dosis wiederholt oder gar kontinuierlich zugeführt, spricht man von Strahlenbelastung. Wie unten erklärt kann der menschliche Körper einiges an Strahlung wegstecken, eine gewisse Belastung durch Hintergrundstrahlung aus dem Weltraum oder vom Boden erfahren Menschen jeden Tag und es beschwert sich niemand42.

Eine übersichtliche Darstellung verschiedener Strahlendosen bei xkcd.com.

Die Stärke der verursachten Schäden hängt von der Größe der Teilchen (ein ?-Teilchen macht mehr Krach), von ihrer Energie und der Durchdringungsfähigkeit (ein ?-Teilchen kann eine längere Strecke zurücklegen) ab. Daher wählt man häufig die Äquivalenzdosis, die Vergleiche untereinander einfacher macht. Die gängige Weise, die Äquivalenzdosis zu beschreiben, ist in Sievert, kurz Sv43; wird diese stetig zugefügt, spricht man von Sievert pro Stunde oder pro Jahr — Sv/h bzw Sv/a.

Der Herkunft der Strahlung in der Nähe des Reaktors ist vielerlei, lässt sich aber zusammenfassen in zwei Hauptquellen: Im Betrieb strahlen die Brennstäbe Neutronen ab, die durch das Design des Reaktors ausreichend abgeschirmt werden sollten. Zweitens strahlen nach dem Ausbrennen die Zerfallsprodukte (ob in geordneter Form von Brennstäben oder nach deren Bruch) ?- und ?-Strahlung ab. Im Reaktorgebäude sind die ausreichend abgeschirmt und machen keinen Stress. Erst wenn die Zerfallsprodukte nach außen gelangen fangen die Probleme an.

Radiologische Messungen zur Strahlendosis am Kernkraftwerk Fukushima I. (GRS)

In den radiologischen Messungen sieht man, dass zum Beispiel am Mittag des 16. März nach »Freisetzungen aus Block 2 und 3« die Strahlungsbelastung am Westtor schlagartig etwa 12.000 µSv/h erreicht hat und dann innerhalb von ca. 3 Stunden wieder auf 1.000 µSv/h gesunken ist. Das bedeutet, dass wahrscheinlich eine kontaminierte Wolke ausgestoßen wurde, einen Sensor erreicht hat, dann immer weiter verdünnt und abgezogen ist. Wichtig ist, dass dies nicht bedeutet, dass dort permanent 12 mSv/h herrschen. Dieser Wert war dort nur für einen relativ kurzen Zeitraum messbar. Es bedeutet ebenso nicht, dass die Wolke diese Intensität beibehält — sie wird sich verdünnen und über einer immer größeren Fläche eine immer kleinere Belastung bedeuten.
Anhand der Messkurve, die man rechts sieht, wird klar, dass das bei allen bisher durchgegebenen Messwerten vom Kraftwerk der Fall ist44. []

Lustiges Einheitenkarussell: Sievert, Milli, Gray, Röntgen, BecquerHÄ!?l

In den Berichten der Presse und auch den offiziellen Statusmeldungen aus Japan werden häufig gemessene Strahlendosen angegeben. Leider scheinen dabei die Einheiten auf ein großes Karussell gepackt worden zu sein, aus dem dann immer mal wieder zufällig eine möglichst verwirrende von ihnen aussteigen gelassen wird.

Sievert (Formelzeichen Sv) ist die Einheit der Äquivalenzdosis. Sie gibt an, wie stark die Strahlung den Körper beeinflusst bzw. schädigt (siehe vorheriger Abschnitt). Früher gab es dafür das rem, das »roentgen equivalent in man«, wobei 100 rem = 1 Sv sind. Die Äquivalenzdosis ist eine gewichtete Energiedosis, also durch die Strahlung deponierte Energie pro Masse (J/kg) plus einen Faktor für die Strahlungsart45.
Lässt man diesen Gewichtungsfaktor weg, landet man bei der reinen Energiedosis und bezeichnet sie Gray (Gy). Ist der Gewichtungsfaktor der Strahlung 1 (z.B. bei β- oder γ-Strahlung), so ist entsprechend 1 Gy = 1 Sv. Hierfür wiederum gab es früher das Röntgen (R), dessen Definition (wie so häufig bei alten Einheiten) etwas WTF?! ist, in trockener Luft aber ähnlich wie oben: 100 R = 1 Gy.

Das ganze bezeichnet jetzt aber nur die insgesamt deponierte Energie. Strahlung ist allerdings über einen langen Zeitraum vorhanden und eine Person vielleicht nur kurz in einem verstrahlten Gebiet. Daher will man die Strahlungsdosis für eine gewisse Zeit haben, z.B. pro Jahr (/a) wenn es um natürliche Belastungen geht oder pro Stunde (/h), wenn man mit hoher künstlicher Radioaktivität hantiert. Denn als Arbeiter ist man eher ein paar Stunden im Kernkraftwerk und lebt da nicht. Daher sieht man häufig Einheiten wie mSv/h, also Milli-Sievert pro Stunde. Dass da vor Sievert noch Milli steht, liegt daran, dass Sievert pro Stunde schon ziemlich übel ist (siehe vorheriger Abschnitt) und man daher Vorfaktoren wählt, die eher passen. Genauso wird natürliche Strahlenbelastung häufig in Microsievert (µSv/h) pro Stunde angegeben, einem tausendstel eines Millisieverts. Man müsste sonst zuviele Nullen hinter’m Komma mitschleifen. Und dann vertut man sich nur.
Dass man sich auch so vertut, zeigt das fröhliche Vorsatzundzeiteinheitskarussell, was gerade in viele Pressemeldungen betrieben wird. Sievert, Mikrosievert pro Stunde und Millisievert pro irgendwas geht munter durcheinander, wird teils falsch umgerechnet und unpassend dargestellt. Ein hoher Spitzenwert von 400 mSv/h heißt noch nicht, dass wirklich über eine Stunde diese Äquivalenzdosis geherrscht hat — wahrscheinlicher ist, dass für nur ein kurzer Zeitraum46 über diese starke Dosis verfügte und der Wert dann auf eine Stunde hochgerechnet ist. Es heißt, wie so häufig: Aufgepasst und mitgedacht!

Jedenfalls: Wir wissen nun also, wie man angeben kann, wieviel Wumms die Strahlung verursacht — gewichtet oder ungewichtet. Also eigentlich das, was uns interessiert, wenn wir von irgendwelchen Gefahren für Menschen ausgehen. Manchmal interessiert einen aber, wie häufig man von einem Stoff ein Strahlungsteilchen erwarten kann (z.B. für Untersuchungen am Stoff selber). Dafür gibt es dann das Becquerel (Bq): ein Maß für die Aktivität eines Stoffes. Es ist 1 Bq = 1 Zerfall pro Sekunde. Auch hier gibt’s die Pensionierungsversion davon: das Curie (Ci) mit 1 Ci = 3,7·1010 Bq. Prinzipiell ist auch hier ein höherer Wert schlecht, aber 10.000 Bq sind nicht gleich 10.000 Bq was die Schadensleistung angeht. Der eine Stoff mag etwas harmloser Strahlen als ein anderer.
Wie schon bei Millisievert pro Stunde gibt man auch hier häufig die relative Größe an, diesmal allerdings pro Menge, also z.B. Bq/cm3 oder Bq/kg, damit man Stoffe besser untereinander vergleichen kann.

Also in Kürze:
(Milli-, Micro-)Sievert: Wumms im Körper (mit Gewichtung der Schadwirkung).
Sievert pro Stunde: Wumms pro Stunde Aufenthalt im Körper.
Gray: Wumms in Materie (ohne Gewichtung der Schadwirkung).
Becquerel: Strahlungsteilchen pro Sekunde.

In etwas mehr Länge hat Slate sich ebenfalls der Dosenkonfusion angenommen. []

Was heißt »kontaminiert« eigentlich, giftig oder einfach radioaktiv? Wieso duschen sich die Arbeiter und Feuerwehrleute im Fernsehen?

Man spricht im physikalischen Sinne von einer Kontamination, wenn man radioaktive Stoffe dort entdeckt, wo die üblicherweise nicht hingehören. Wie etwa im Umfeld eines Reaktors oder in einer Siedlung.
Uran, Plutonium und auch deren Zerfallsprodukte strahlen nicht nur munter vor sich hin, sondern sind auch häufig chemisch für den Organismus nicht so gesund wie ein Arztbesuch oder der tägliche Apfel. Wenn diese Stoffe pulverisiert werden, können sie sich mit der Luft oder Wasser vermischen und verteilt werden.
Darüber hinaus können unbeteiligte Materialien und Stoffe kontaminiert werden, indem sie der Strahlung ausgesetzt sind, sich »aktivieren«47 und selbst anfangen zu strahlen.
Normalerweise wird viel daran gesetzt, die strahlenden Substanzen vor der Umwelt abzugrenzen: Stahlbehälter, dicke Betonmauern, getrennte Wasserkreisläufe, Sicherheitsschleusen. Wenn die Kontamination wie im aktuellen Unfall doch eintritt, tut man alles, damit die Stoffe nicht inkorporiert werden – Atemschutzmasken und Overalls sind Pflicht.
Ist die eingesetzte Schutzkleidung keine Einwegkleidung, die man nach dem Einsatz fachmännisch entsorgt, wird sie nach der Arbeit dekontaminiert: man wäscht die radioaktiven Staubpartikel ab — und das ist das aus Film und Fernsehen bekannte Duschen. [??]

Ist das gefährlich für die Menschen die dort leben?

Radioaktive Strahlung führt zu Veränderungen an den Zellen aller davon betroffenen Lebewesen. Allerdings sind Menschen und höhere Tiere empfindlicher dagegen als primitive Tiere48, Bakterien oder Pflanzen. Die an den Zellen entstandenen Schäden zeigen sich dann in den verschiedenen Organen und letztendlich am gesamten Organismus.
Geschädigt werden vor allem die Proteine in der Zelle und die Erbsubstanz, DNA, im Zellkern. Für DNA-Schäden hat die Zelle gut funktionierende Reparaturmechanismen, die allerdings auch manchmal Fehler machen. Gelingt die Reparatur, dann bleibt die betreffende Zelle ungeschädigt. Treten bei der DNA-Reparatur Fehler auf, wird die Zelle nicht mehr richtig funktionieren. Sie stirbt dann ab oder kann sich zu einer Krebszelle entwickeln. Oft haben diese Zellschäden aber keinerlei Auswirkung. Werden die Keimzellen geschädigt, kann der Fehler an die nächste Generation weitergegeben werden.
Wie stark eine Zelle durch die Strahlung geschädigt wird hängt von der Dosis ab, die vom Körper aufgenommen wird. Ganz grob kann man sagen, je mehr aufgenommene Strahlung, desto größer der Schaden und desto schneller tritt er auf.

Die durchschnittliche Strahlenbelastung eines Menschen. (Daten: Wikipedia)

Die natürlich vorkommende radioaktive Strahlung beträgt etwa 0,02 bis 0,03 µSv/h49. Sie hat dabei verschiedene Quellen: die kosmischen Strahlung, die auf der Erde ankommt; Baustoffe; verschiedene natürlicherweise in der Umgebung vorkommende radioaktive Substanzen oder Bananen (s.u.).
Dieser Strahlung ist jeder von uns seit seiner Geburt ausgesetzt. Sie variiert von Ort zu Ort und nimmt mit zunehmender Höhe zu. Auch die Bodenbeschaffenheit spielt dabei eine Rolle: in Gebieten in denen man Granit findet ist die Strahlung hoch, in denen mit Kalkstein niedrig. Zum Beispiel findet man in Bremen 0,03 µSv/h, in Oberfranken 1,3 µSv/h Strahlendosis. Der Mittelwert in Deutschland beträgt 0,05 µSv/h; der Maximalwert 5,7 µSv/h. Dazu kommt zusätzliche Strahlung durch Röntgen und andere medizinische Behandlungen (Krebstherapie!) und nicht zu vergessen durch Flugreisen. In großen Höhen wird die Strahlung intensiv und Strahlendosen beim Fliegen liegen bei 2 µSv/h.
Beim havarierten Kraftwerk wurde, nach Angaben des Betreibers, am 17. März gegen 11:00 Uhr Ortszeit eine Strahlendosis von 646 µSv/h gemessen. Sie soll zeitweilig sogar zwischen 100 und 400 mSv/h gelegen haben. Würde die Intensität konstant bleiben (was sie aber nicht ist, s.o.), würde das für jemanden, der sich eine Stunde dort aufhält, bedeuten, dass eine Äquivalentdosis von 100 bis 400 mSv aufnimmt. Das ist deutlich höher als die übliche Strahlendosis und bleibt natürlich nicht ohne Folgen für die Menschen, die dieser Strahlung ausgesetzt sind.
Dabei gilt: Je höher die Dosis,

  • desto schwerwiegender sind die Auswirkungen,
  • desto schneller treten die Symptome auf,
  • desto länger dauert die Erholungsphase,
  • desto länger bleibt die Krankheit bestehen und
  • desto geringer werden die Überlebenschancen.

Über Verlauf und Überlebenschancen entscheidet die erhaltene Äquivalentdosis.
Dabei treten die folgenden Symptome auf50:

  • weniger als 0,5 Sv: Keine akuten Symptome. Nachweis, wenn überhaupt, nur über eine verringerte Anzahl der roten Blutkörperchen.
  • 0,5 – 1 Sv: klinisch messbar (weniger rote Blutkörperchen), Kopfschmerzen (Strahlenkater), erste Schädigungen des Immunsystems.
  • 1 – 2 Sv (leichte Strahlenkrankheit): Übelkeit, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Unwohlsein; 10 % der Betroffenen sterben innerhalb eines Monats.
  • 2 – 4 Sv (schwere Strahlenkrankheit): Haarausfall, Verlust der weißen Blutkörperchen, Sterilität, Durchfall, Blutungen unter der Haut; bis zu 50 % der Betroffenen sterben innerhalb eines Monats.
  • 4 – 50 Sv (akute Strahlenkrankheit): mit steigender Dosis steigt die Zahl der Todesfälle; ab einer Dosis von 6 Sv kann man davon ausgehen, das alle Betroffenen innerhalb weniger Tage sterben.
  • über 50 Sv: Sofortiger Eintritt des Todes.

Langfristige Schäden sind ein mit der aufgenommenden Dosis steigendes Risiko an Krebs zu erkranken und Veränderungen an der DNA, die an die folgenden Generationen weitergegeben werden können.

In Tokio, etwa 250 km von Fukushima entfernt, wurde am 17. März eine Strahlendosis von 0,14 µSv/h gemessen. Die natürliche Strahlung in Tokio liegt nach Angaben der japanischen Behörden zwischen 0,028 und 0,079 µSv/h. Das bedeutet, dass die Menschen die dort leben vorerst nicht gefährdet sind.
Allerdings muss man in einem Umkreis von mehreren Kilometern um das Kernkraftwerk mit langfristig erhöhten Strahlendosen rechnen, die zu einer erhöhten Krebsrate und genetischen Schäden in den folgenden Generationen führen können. []

Kommt die radioaktive Wolke auch bei uns an und ist für uns gefährlich?

Strahlenbelastung der letzten Jahre in Mitteleuropa. (Quelle: Quarks & Co.51 )

Nach einiger Zeit52 kommen sicherlich einzelne Teilchen um die Erde. Sehr unwahrscheinlich dagegen, dass sie in Europa schädlich werden können — vermutlich hat sich die Wolke bis dahin bis zur homöopathischen Konzentration (lies: Ungefährlichkeit) verdünnt. Auf jeden Fall aber wird sie weit unter den Werten liegen, die man bisher in Mitteleuropa aufgrund der Kernwaffentests und Tschernobyl gemessen hat.
Es ist bei uns also in keiner Weise notwendig mit einem Geigerzähler seine Umgebung und Nahrung zu kontrollieren oder gar noch vorbeugend Iodtabletten einzunehmen. Im Gegenteil: die bei Katastrophensituationen zum Schutz der Schilddrüse notwendige Menge an Iod53 kann unter normalen Bedingungen schon gefährliche Nebenwirkungen haben. []

Heißt das jetzt, wir haben ein zweites Tschernobyl oder wie?

Kurz: Nein. Der bisherige Unfallverlauf ist unterschiedlich zu dem in Tschernobyl. In Tschernobyl geschah sehr viel sehr schnell. Dagegen ist das, was wir von Fukushima mitbekommen, fast eine Slow-Motion-Aufnahme. Außerdem hatte Tschernobyl einen anderen Reaktortyp mit einer anderen Art Unfall. Ein komplexes und großes Themenfeld, daher nur soviel: Es gab eine große Explosion, die zu starker Zerstörung und einem schwer zu löschenden Graphitbrand führte. Somit wurden über Tage hinweg große Menge radioaktiver Partikel freigesetzt. In den Wochen danach arbeiteten viele, viele Leute in extremer Nähe zum Reaktor, um das Ereignis zu kontrollieren.
Möchte man den jetzigen Unfall mit einem bekannten Ereignis vergleichen, dann ist das wohl eher ein zweites Three-Mile Island. Bei diesem Kernkraftwerk mit Druckwasserreaktor in den USA kam es Ende der 70er zu einer Kernschmelze, weil das Kühlsystem nicht so lief, wie es sollte. Dieser INES-5-eingestufte Unfall lief allerdings relativ glimpflich ab und konnte unter Kontrolle gebracht werden. []

Aber den Super-GAU haben wir doch?!

Meh. Darüber kann man sich streiten und es geht eigentlich an der Sache vorbei. Ein GAU bezeichnet den größten anzunehmenden Unfall, den man eingeplant hat. Ein Super-GAU geht darüber hinaus und provoziert einen Kontrollverlust. Wenn man sich also festlegen will, dann ist es eher ein Super-GAU, wobei man mittlerweile wieder beginnt, Kontrolle zu gewinnen.
Wichtig ist eher, dass man versteht, was genau passiert ist und daraus lernt. Ob das ein GAU oder Super-GAU ist, ist dabei egal. []

Kann es zu einer Explosion wie bei einer Atombombe kommen?

Nein. Das hat zwar beides etwas mit Kernspaltung und Neutronen zu tun, aber es gibt einen wichtigen Unterschied: Die Anreicherung. Bei Kernkraftwerken setzt man Uran in den Brennelementen ein, dass zu etwa 3 bis 4 % mit dem spaltbaren U-235 angereichert ist — eine leichte Anreicherung gegenüber dem natürlichen Niveau von 0,8 %. Damit eine Kettenreaktion so wild abläuft, wie die Freaks, die Atombomben bauen, es gerne hätten, muss Uran-235 zu wesentlich größeren Anteilen in der Kernwaffe vorhanden sein. Mehr als 80 % sind hier verwendete Anreicherungen.
Sollte es entgegen des momentanen Anscheins doch noch zu einer großen Explosion im Kraftwerk kommen, bei dem auch Materialien der Brennelemente freigesetzt werden, so ist der Effekt eher mit dem einer schmutzigen Bombe vergleichbar: Durch eine nicht-nukleare Explosion werden radioaktive Elemente in der Umgebung verteilt und verstrahlen dort das Gebiet. Partikel können dann auch weggeweht werden und weiter entfernte Bereiche verseuchen. Aber eine riesige Explosion mit dem klassischen Pilz, die gibt’s nicht. []

Warum lassen die Japaner nicht ihre Roboter im Kraftwerk arbeiten?

Ein sowjetischer Mondroboter hat bei der Räumung von Brennelementen in Tschernobyl versagt.

Der hochtechnologische Ansatz ist (mittlerweile) kein Science-Fiction — Roboter könnten dort agieren, wo die Strahlung für Menschen zu gefährlich ist. Abgesehen von organisatorischen und finanziellen Hindernissen gibt es aber auch eine physikalische Komplikation: die Halbleiterelektronik ist empfindlich gegenüber der ionisierenden Strahlung54.
Die gesamte moderne Elektronik basiert auf Halbleitern (z.B. Silizium) und die Bestandteile von CPUs, genauso wie RAM oder Festplatten werden immer kleiner. Dies hat zur Folge, dass ionisierende Strahlung genügend Energie in den Bauteilen deponieren kann, um die Nullen und Einsen durcheinander zu bringen. Und wenn das bei einem Bit geschieht, das Zuständig ist, den Motor anzuschalten, versteht der nur noch Bahnhof und funktioniert entweder falsch oder gar nicht.
Im Weltraum hat man übrigens ein ähnliches Problem: Die Strahlung ist allgegenwärtig. Der Robustheit wegen werden daher z.B. die Mars-Rover mit knapp bemessenen 20MHz-CPUs ausgestattet. Unmöglich ist es also nicht, aber schwierig55. []

Wo kommt eigentlich auf einmal das Plutonium in Reaktor 3 her? Ist das nicht schlimm?

Ja, Plutonium ist schlimm. Als Schwermetall ist es giftig für den Körper, das ist Uran aber auch. Das Problem bei beiden56 ist, dass sie α-Strahler sind. Das Üble an α-Strahlung ist, dass dabei Helium-Kerne absondert werden, die aufgrund ihrer hohen Masse (im Vergleich z.B. zu β-Strahlung) eine hohe Schadwirkung erziehlen können. Glücklicher Nebeneffekt: sie kommen auch nicht weit, ein bisschen Luft oder im Zweifelsfall die oberen Hautschichten halten α-Strahlung ab. Problematisch wird es, wenn es in den Körper gelangt. Die Schwermetalle machen sich dann in allen möglichen Organen häuslich ein und richten über einen langen Zeitraum — beide haben hohe Halbwertszeiten57 — radiologischen Schaden an.
Plutonium ist dabei aber etwas schlimmer als Uran, denn es hat eine kürzere Halbwertszeit (24.110 Jahre statt 4,5 Milliarden). Dadurch strahlt es häufiger bei gleicher Menge und erreicht somit schneller extrem schädliche Bereiche.

Dass man in Reaktor 3 Plutonium einsetzt hat, bedeutet aber trotzdem keine besonders gesteigerte Gefahr gegenüber den Nachbarreaktoren. Tatsächlich sind Brennelemente mit einer Mischung aus Uranoxid und Plutoniumoxid nicht selten. Sie finden auch hier in Deutschland Verwendung. Der Grund ist einfach: Plutoniumoxid, konkret mit Pu-239, entsteht in gewissen Mengen58 als Nebeneffekt im Kernkraftwerk, hat aber noch Potential zur Kernspaltung (wie U-235). Es wäre also verschwendet, würde man es als Atommüll deklarieren. In der Wiederaufbereitungsanlage wird das Pu-239 vom Rest getrennt und zusammen mit frischem Uran-235 in sogenannten Mischoxid-Brennelementen (MOX-Brennelement) zum Kernkraftwerk gebracht. Der Anteil spaltbaren Materials bleibt dabei im Wesentlichen gleich, teilt sich jetzt aber auf U-235 und Pu-239 auf. []

Warum dauert es so lange, die Stromversorgung der einzelnen Blöcke wieder herzustellen?

Stück für Stück wächst der Anteil in der Kraftwerksanlage, der wieder mit Strom versorgt ist. Aber es dauert. Es ist eben nicht so einfach, da die Kabeltrommel auszurollen und den Stecker in die Steckdose zu stecken.
So ein Kraftwerk ist ein komplexes Gebilde, bei dem selbst kleinere Unterschiede andere Elektronik erfordern. Die Baujahre der ersten vier Blöcke liegen ca. 2 Jahre auseinander, die Anlagen sind von unterschiedlichen Firmen – das Prinzip des SWRs ist gleich, aber die Bauteile sind vermutlich alles andere als das. Außerdem ist der Schadensverlauf unterschiedlich, sodass nicht klar ist, was überhaupt noch funktioniert.
Ausführlich hat Eng in den Kommentaren etwas dazu geschrieben. []

Bonus-Track: Fukushima in Bananen-Äqulivalenz-Dosis

Und für alle die, die bis hier her ausgehalten haben, noch ein kleines Schmankerl: Bananen sind leicht radioaktiv — erfahrene physikBlog-Hasen wissen das bereits. In Bananen ist Kalium enthalten, dass natürlichweise auch zu 0,012 % aus dem radioaktivem Kalium-40 besteht. Durch das Essen einer Banane wird man somit einer Strahlendosis von etwa 0,1 µSv ausgesetzt59.
Das bedeutet also, dass die Leute in Tokyo einer Strahlung ausgesetzt sind60, die etwa einer Banane pro Stunde entspricht. Vermutlich ist das nicht so gesund, liegt aber wohl eher an der dann unausgewogenen Ernährung. []

Schlussworte

Ohne die besten Leser und Kommentatoren aller lila physikBlogs da draußen wären wir nichts. Und dieser Artikel auch nicht. Denn in den vielen vielen Kommentaren zu unseren letzten Artikeln kamen über die sachlichen Diskussionen Ergebnisse, die uns geholfen haben, den Artikel zu schreiben.

Ich gehe mal davon aus, dass das hier nicht anders wird.
In diesem Sinne: fröhliches Kommentieren!

Änderungen am Artikel

21.03. 18:20 Uhr: Frage/Antwort zu Plutonium im Reaktor 3 hinzugefügt.
21.03. 18:45 Uhr: Fußnote zur Entwicklung von Robotern durch die Kraftwerksbetreiber hinzugefügt
21.03. 19:50 Uhr: Änderung beim Ablauf der Kernschmelze: eine direkte Explosion in Folge einer Kernschmelze wurde früher mal angenommen, mittlerweile nicht mehr — insbesondere wegen Stickstoff als Schutzgas13. Ein reines Durchschmelzen scheint der wahrscheinliche Weg zu sein61.
21.03. 21:30 Uhr: Kleine Änderungen. Zur Verdeutlichung die nicht vorhandene INES-Einstufung von Block 5 & 6 erwähnt. Am Ende des zusammenfassenden Teils, kurz vor den Fragen, die Sekundärliteraturlinkliste noch um zwei Wikipedia-Links erweitert: Fukushima I nuclear accidents und Timeline of the Fukushima nuclear accidents. Wolfram-Alpha-Links durch Kurz-URL-Äquivalente ersetzt.
22.03. 18:30 Uhr: Containment in Fukushima ist gegen 4 bar ausgelegt, nicht 8 bar (das sind typische Druckwasserreaktoren in Deutschland).
23.03. 10:00 Uhr: Stand der Reaktorblöcke aktualisiert.
23.03. 13:31 Uhr: Frage/Antwort, warum die Stromversorung so lange braucht hinzugefügt.
27.03. 16:00 Uhr: Frage/Antwort zu verschiedenen Einheiten der Strahlungsmessung hinzugefügt.
27.03. 22:35 Uhr: Stand der Reaktorblöcke aktualisiert, einen neuen Weitere-Infos-Link hinzugefügt.
30.03. 00:33 Uhr: Antwort zur Schädlichkeit von Plutonium etwas überarbeitet.
05.04. 15:30 Uhr: Stand der Reaktorblöcke etwas aktualisiert (in kurz: Wasser überall, wo es nicht sein soll, Strom in den Maschinenhäusern, alles andere relativ unverändert)
11.04.: Es gibt ein Diskussions-Forum zu Unfall! Im passenden Blog-Artikel findet ihr etwas mehr Info.

  1. Wer den Beitrag von Samstag kennt, wird ein paar Überschneidungen feststellen. Aber dazwischen findet sich auch Neues. Durchhalten! []
  2. Das funktioniert mit Wasser deswegen so gut, weil es leicht ist. Stellt euch vor, ihr nehmt einen Tischtennisball (= Neutron) und schießt ihn auf eine Billiardkugel (=schwerer Kern) – der Tischtennisball wird zurückprallen und nicht langsamer werden. Tischtennisball auf Tischtennisball wird dafür sorgen, dass der andere Ball schneller wird und unser Startball langsamer ? wir haben das Neutron gebremst. []
  3. Die haben wir mittlerweile ja gestoppt. []
  4. direkt nach Abschalten etwa 5% der ursprünglichen Leistung []
  5. Die Pumpen für den Primärkreislauf haben eine Leistungsaufnahme von ca. 7 MW und werden mit 10 kV betrieben! []
  6. Betriebsdruck: 70-80 bar. []
  7. In deutschen Kernkraftwerken kommen dafür übrigens Wallmann-Ventile mit eingebauten Filtern zum Einsatz, die radioaktive Stoffe auf ein hunderstel reduzieren sollen. []
  8. Quelle: Zusammenfassung des BMU. []
  9. Das Reaktorgebäude wird ab und zu als »secondary containment« bezeichnet, hat aber keine hermetische Abriegelung gegenüber der Atmosphäre. (Siehe Kommentar von Christoph) []
  10. Die brauchen dann sinnvollerweise nicht mehr so viel Leistung wie die Pumpen im Primärkreislauf. []
  11. Quelle: http://www.insc.anl.gov/matprop/uo2/melt.php []
  12. Schmelzpunkt: ca. 1500 °C, hängt von der genauen Zusammensetzung ab. []
  13. Siehe Kommentar von Susi [] []
  14. Quelle: JAIF-Report, Karte auf Seite 3. Ich habe allerdings in den offiziellen Pressemitteilungen der NISA (Beispiel) nur 10 gefunden, das AKW Tokai fehlt dabei. Keine Ahnung warum. []
  15. Station Blackout Diesel Generators. []
  16. Quelle: Technology Review bzw. diese Übersicht der Tsunami-Ankunftszeiten. []
  17. Quelle: Kurzbericht der GRS, die sich auf AKW-Betreiber TEPCO berufen. Alle weiteren Zahlen zu der Anzahl der Brennelemente in den Becken ebenfalls dieser Bericht. []
  18. als der Druck 8,4 bar überschitten hat — ausgelegt war er für 4 bar. Quelle: Zusammenfassung des BMU. []
  19. Die Zeit, nach der nur noch die Hälfte des Stoffs vorhanden ist. []
  20. Stickstoff ist deswegen da, weil es als Schutzgas eingesetzt wird. []
  21. Quelle: JAIF-Report vom 18.03. []
  22. Übrigens wird der Reaktordruckbehälter mittlerweile über Feuerlöschleitungen gefüllt. []
  23. Er liegt dabei auf einer Höhe mit dem Unfall im AKW Three Mile Island in den USA, bei dem es nach Aussetzen der Kühlung zu einer teilweisen Kernschmelze kam. []
  24. Das geschieht normalerweise durch einen aktiven Kühlkreislauf. []
  25. So ein Ding mit 58 m Gelenkarm, die mit einer Förderleistung von 50 m3/h betrieben wird. []
  26. Quelle: TEPCO Pressemitteilung []
  27. Quelle: Zusammenfassung der GRS, Stand: 27.03.2011, 20:00 Uhr. []
  28. Übrigens erreichen die dort gelagerten Brennelemente eine Leistung über die Nachzerfallswärme von etwa 2 MW (Quelle: Kurzbericht der GRS). []
  29. Temperaturdaten aus den Presseberichten von NISA und JAIF []
  30. 74 Bq/cm3, das ist ca. 2.000 mal mehr als erlaubt. Wie schlimm das jetzt aber wirklich ist, wissen wir leider auch nicht. []
  31. Vermutlich noch ein Stück besser? []
  32. Aber Achtung, mit der nötigen Skepsis genießen! Aber das solltet ihr bei dem Thema sowieso immer und überall. []
  33. Das Fachwort dafür ist: »Wirkungsquerschnitt«. []
  34. Zeitraum: Sekunden, Stunden oder gar Jahre. Das ist völlig unterschiedlich. []
  35. Allerdings auch nur bei extrem hohen Temperaturen mit über 2000°C. []
  36. Quelle: Kurzbericht der GRS []
  37. Dort sind typische Daten von deutschen Siedewasserreaktoren mit 1300 MWel angegeben. []
  38. Streng genommen gibt es noch eine Stabposition in der Mitte, durch die Wasser fließt — Temperatur und so. Aber wir wollen ja hier nur grob abschätzen. []
  39. Durchmesser der Uran-Pallets bei 12,5 mm, aktive Höhe 3,8 m []
  40. Quelle: Reaktortechnik-Skript, allerdings für einen typischen Druckwasserreaktor. []
  41. Siehe auch Wikipedia Kernkraftwerk Brunsbüttel. []
  42. Tatsächlich gibt es Vermutungen, dass die Strahlung die Evolution mit voran getrieben hat []
  43. 1 mSv (milli) = 1.000 µSv (mikro) = 1.000.000 nSv (nano). []
  44. Ein besonders schlechtes Beispiel war ein »Experte« in einer Radiosendung, der mit dem bisherigen Maximalwert von 400 mSv/h ausgerechnet hat, dass die Techniker spätestens nach einem Tag tod sein müssen (weil man dann im Bereich von 10 Sv ist, siehe übernächste Frage). Dass es aber nur kurz so stark war, schien er unter den Tisch fallen gelassen haben. []
  45. Also ?-, ?-, ?-, und Pony-Strahlung. Eine von denen haben wir soeben frei erfunden. []
  46. Minuten oder nur Sekunden. []
  47. Das heißt, es entsteht ein radioaktives Isotop eines bekannten Elements. []
  48. Damit ist nicht euer Nachbar gemeint, sondern Kakerlaken und anderes solches Krabbelvieh. []
  49. Mikrosievert pro Stunde, s.o. []
  50. Siehe auch Symptome der Strahlenkrankheit der Wikipedia. []
  51. Das ganze scheint auf Daten zu basieren, die auch in diesem PDF, S. 17 verwendet werden. []
  52. Wochen? Monate? Jahre? []
  53. Bei einem Erwachsenen ca. 75 mg in einer einzelnen Dosis []
  54. Es wird dazu Forschung betrieben, hier auch ein Wikipedia-Artikel. []
  55. Laut dieserm Interview haben die Betreiber in Japan die Entwicklung von passenden Robotern abgelehnt, weil es dafür keinen Bedarf gebe. [via Kommentar von hilti] []
  56. Wir beziehen uns hier auf die häufigen Isotope U-238 und Pu-239, die in den Brennstäben vorkommen. []
  57. Ganz im Gegensatz z.B. zu Iod-131 oder Caesium-137. []
  58. ca. 1 % eines abgebrannten Brennelements aus einem Leichtwasserreaktor ist Plutonium — ganz im Gegensatz zu einem Brutreaktor, dessen Aufbau auf die massive Produktion von Plutonium ausgelegt ist. []
  59. Quelle: http://www.ehs.unr.edu/Documents/RadSafety.pdf, Seite 31 []
  60. Daten wie oben vom 17.03. []
  61. Quellen dafür: Vorlesungsskript sowie eine Beschreibung des Karlsruher Instituts für Technologie. []
Kurzlink
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947 Antworten auf Eine Zusammenfassung der Probleme bei Fukushima I

  1. Willi sagt:
    #401

    @Tom: Soweit ich das lese, z.B. auf der GRS-Seite, dann wird es seit Tagen direkt in den RDB gepumpt.

  2. Tom sagt:
    #402

    @Mechtild

    ich meine gelesen zu haben, dass bei 5+6 eines der vorhandenen Aggregate wieder in Gang gebracht wurde. Bei 1-4 soll u.a. auch die Dieseltanks weggerissen worden sein. Was dort sonst noch an den NEA beschädigt wurde, ist bislang nicht beschrieben worden.

    In Deutschland gingen die 7 Atommeiler vom Netz, weil man in der Zeit eine Sicherheitsüberprüfung durchführen sollte und nicht weil es Szenarien des Ausfalls aller Sicherheitseinrichtungen geht. Das waren m.E. politische Schnellschüsse vor den bevorstehenden Landtagswahlen. Das ist aber off Topic und sollte woanders diskutiert werden.

    @Matthias

    Ich kann Dir sagen, dass in BW (weiß nicht, ob das nur Ländersache ist) jegliche Störungen unverzüglich an die zuständige Aufsichtsbehörde (hier Stuttgart) zu melden ist. Man müsste mal das Atomgesetz studieren, dort sollte der Ablauf bei einer weitreichenden Störung geregelt sein, zumindest die Rahmenbedingungen geschaffen worden sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das dann dem Betreiber alleine überlässt, wir alle kennen doch die deutsche Bürokratie. Aber vielleicht ist da einer im Forum firm in den Fragen.

  3. Tom sagt:
    #403

    @Matthias

    Wie ich vermutet habe, hier würde eine Staatliche Aufsicht greifen und das Zepter dem Betreiber aus der Hand nehmen http://www.buzer.de/gesetz/6234/a86731.htm 2. + 3 Absatz.

  4. Eng sagt:
    #404

    @Andi: wo die Werte stehen ist mir bekannt, aber ich habe gerne fertige Arbeit. ;) Wenn es also die Werte schon als Diagramm irgenwo gibt würde ich gerne darauf zugreifen.

  5. Eng sagt:
    #405

    @Mechtild 415: Das ist eine gute Frage, die Tom mit 417 zum Teil schon beantwortet hat. Die Blöcke 5 und 6 stehen darüber hinaus in einer anderen Geländeumgebung. Dadurch allein können die Auswirkungen des Tsunamis schon verändert worden sein. Leider haben wir nicht genug Details über die Standorte und den Zustand der Nebenaggregate (Kühlung, Tanks, Stromverteilung usw.) um weitere Rückschlüsse ziehen zu können.
    Ein kompletter Stromausfall (Station Black Out) ist ansonsten zumindest in Deutschland in den Notfallplänen berücksichtigt.

  6. Matthias sagt:
    #406

    @Tom: Klasse, herzlichen Dank!

  7. chefin sagt:
    #407

    @Cyberyogi

    Wie Andre schon in dein Posting kommentiert habe, geraten wir zwei ziemlich auf die Spekulationsschiene und hier ist dafür der falsche Ort.

    Welche Sicherheit heutige Elektronik hat, kann man vieleicht daran erkennen, das selbst hartgesottene altgediente VDE-Gruftis für die alles mit Transistor bereits als Gefahr in sich gilt, ein WLAN basierendes Notaussystem zertifiziert hat.

    Das ist einfacher als man denkt: in Deutschland zb werden Elektromagnete benutzt um die Steuerstäbe am Regelantrieb festzuhalten. Jeder Ausfall führt also zwangsläufig zum gravitationsgetriebenen Notaus. In Japan war das ein Hydraulikpuffer, der prinzipiell das selbe macht.

    Damit dürfte der Punkt Gefahr durch zu viel Elektronik wohl abgehakt sein. Oder denkst du wirklich, das wir so verblödet konstruieren, das wir bei Ausfall Vollgas geben statt bremsen? Jede Schaltung, auch elektronische folgen eine bewährten Schema, das man Schütze so verschaltet das Failsafe erreicht wird. Durch Elektronik sogar noch um einiges besser machbar, da es einem SPS-Ausgang egal ist ob eine Verknüpfung zu Dauer 1 oder Dauer 0 führt.

    Nur kann man eben nicht jeden Zustand so Failsafe definieren, das er in jedem Scenario passt. Und ab dann ist es egal ob Elektronik, Klappertechnik oder Handbetrieb mit 1000 “Hiwis”. Das hat nichts mit Technikgläubigkeit zu tun sondern mit der Erfahrung aus über 30 Jahren Steuerungsbau.

  8. Eng sagt:
    #408

    @Matthias 414 und Tom 418: die zitierten Paragraphen aber bitte nicht falsch verstehen. Das bedeutet jetzt nicht das die Behörden den Leitstand “entern” und den Betrieb übernehmen. Kein Außenstehender und auch keine Behörde ist in der Lage so eine komplexe Anlage einfach zu übernehmen. (Selbst ein Leitstandfahrer, wenn wir bei diesem Beispiel bleiben, von einem anderen Kraftwerk hätte damit Probleme). Es gibt Situationen da ist ein Unternehmen verpflichtet (nicht nur Kernkraftwerke) die Aufsichtsbehörden zu informieren. Und wenn die Aufsichtsbehörde erst einmal mit am Tisch sitzt werden die Anordnungen der Aufsichtsbehöre vom Unternehmen in der Regel auch durchgeführt, es sei denn das es erhebliche Einwände gibt. In der Technik ist es nämlich wie im wirklichen Leben: es gibt manchmal mehr schlechte als gute Lösungen. Und die Anordnung der Behörde muß nicht zwingend die beste Lösung sein. Deshalb greifen Behörden auch erst dann richtig massiv ein, wenn es offensichtlich keinen anderen Weg mehr gibt. In Fukushima möchte ich jedenfalls auf keinen Fall die Aufsichtsbehörde sein.

  9. Dirk sagt:
    #409

    Ein neues Statement: Wasser im Block 2 (1000mSv/h) und den Gebäudezustand (basierend auf dem Video von gestern). u.a wird vermutet das der Kran in das Abklingbecken gefallen ist.
    http://www.jaif.or.jp/english/
    2011-03-28
    Earthquake Report 34

  10. Eng sagt:
    #410

    @Cyberyogi 400: Beton drauf? Bei der Größe der Anlage dauert eine komplette und langfristig sichere Abdeckung mehrere Monate. Sollen in der Zwischenzeit die Reakoren sich selbst überlassen werden? Kann hier irgendjemand vorhersehen wie sich die Reaktoren dann verhalten? Eine Explosion gleich welcher Art nach der anderen oder eine Finale-Explosion? Dann gibt es eine weitere Option: Wir können die Anlage auch sprengen – dann haben wir es hinter uns und schütten dann Beton drauf? Wie ich in 423 bereits gesagt habe: ich möchte in Fukushima nicht die Aufsichtsbehörde sein, denn egal was man anordnet – alles kann falsch sein.

  11. Tom sagt:
    #411

    @Eng
    Völlig richtig, keine Behörde würde hier in D-Land die Kontrolle übernehmen, aber sie würden hier permanent unterrichtet werden und Entscheidungen verstehen wollen. In Japan scheint mir die Regierung nicht hinreichend informiert zu werden, das hat der Regierungssprecher schon mehrfach betont.
    Und keiner kann seine Anlage besser fahren als der Betreiber selbst. Nur dieser kennt die technischen Zusammenhänge bis ins kleinste Detail. Noch nicht mal die prüfenden Stellen, die permanent die Anlagen prüfen können hier bis ins Detail mitreden.

    Wenn irgendwann eine Aufklärung auf technischer Seite betrieben wird, dann werden auch wir wissen, was sich hier bis ins kleinste Detail abgespielt hat und ich hoffe, dass irgendwann diese Dinge an die Öffentlichkeit gelangen. Dann erst kann man die Schritte verstehen, die hier gegangen worden sind. Derzeit gibt es einfach noch viel zu viel Spekulationspotential und Worte wie “hätte man”, “sollte man”, etc. Ich möchte nicht mit den Entscheidungsträgern vor Ort tauschen, bin mir aber ziemlich sicher, sie wissen was sie tun, auch wenn es für Laien eben laienhaft aussieht.

  12. Matthias sagt:
    #412

    @Tom, @eng
    Stimme absolut zu. Mich wundert eben vor allem, wie sehr man auf die Messdaten der Tepco angewiesen ist.

    @Dirk #424
    Im PDF ist ja von „more than 1000 Sv/h“ die Rede. Das von dir hinzugefügte „m“ entspricht aber sicher eher den Tatsachen, hoffe ich.

  13. chefin sagt:
    #413

    Ihr glaubt doch wohl nicht, das dort ein paar Techniker ihre Zeit damit verbringen, Websidecontent zu überarbeiten oder ihre Messwerte in irgendwelche Tabellen zu hacken damit die Presse genug Futter hat um was schreiben zu können. Die werden ihre Daten intern benutzen und ab und zu wird ein Filebackup zur Pressestelle gemacht. Die können dann draus machen was sie wollen, das interessiert keinen der Techniker. Die haben genug damit zu tun aus den Werten die richtigen Schlüsse zu ziehen und Entscheidungen zu treffen, die schreiben bestimmte keine Emails für die Öffentlichkeit, damit keiner Dumm sterben muss.

    Irgendwelche Werte aus der Presse, auch aus offiziellen Dokumenten sind momentan nicht sehr viel Wert. Die Techniker, die das richtig interpretieren könnten, werden momentan wohl mehr um die Anlage kümmern als um Pressemitteilungen. Und die Reporter wissen eben nicht so genau wie man das auslegen muss.

  14. André sagt:
    #414

    @Matthias, @Dirk: In der TEPCO-Pressemitteilung steht 1000 mSv/h.

  15. Dirk sagt:
    #415

    Es finden sich BEIDE Werte in dem PDF wieder. Ich hoffe doch auch das in dem ersten Wert das “m” nur vergessen wurde.

  16. hilti sagt:
    #416

    Der Technology-Review-Artikel (Fußnote 16) wird auch regelmäßig aktualisiert. Auf Seite 3 des Artikels findet man übersichtlich zusammengefasst einige Zahlen (Brennelemente in den Reaktorkernen und Abklingbecken, Größe und Wasserkapazität der Becken).

    Und eine interessante mögliche Ursache für den Wasserverlust der Becken. Zitat:

    Die Ursache für den sinkenden Wasserspiegel in den Abklingbecken ist zur Zeit noch unklar. Die UCS verweist jedoch auf eine interessante, konstruktionsbedingte Fehlerquelle. Demnach sind die Becken so konstruiert, dass man die Brennelemente bei einer Revision nicht aus dem Wasser heben muss, um sie aus dem Reaktorkern in das Abklingbecken umzuladen. Vielmehr wird dazu eine Art Spundwand zwischen Reaktorkern und Abklingbecken herungergefahren und der gesamte Bereich geflutet.

    Nachdem die Brennstäbe umgeladen sind, wird die Wand wieder hochgefahren. Abgedichtet wird dieses technische Wunderwerk von mit Luft aufgepumpten Dichtungen, deren Druck mit Hilfe elektrischer Pumpen aufrecht erhalten wird. Das Versagen der Stromversorgung könnte also auch zu einem langsamen Versagen der Dichtungen im Abklingbecken geführt haben.

  17. Michi sagt:
    #417

    @Mechthild: Block 6 hat als einziger das modernere Mark II Containment, ist also anders aufgebaut als Blöcke 1-5. Kann leider nicht sagen, was das für Auswirkungen auf die Notstromaggregate hat.

  18. KD sagt:
    #418

    Danke für den tollen Blog! Ich finde hier viele technische Details, die mir (Laie)sehr helfen, die Zusammenhänge zu verstehen.
    Weiss jemand, wie hoch die gefundenen Plutonium “Spuren” sind, die im Umfeld der Reaktoren festgestellt wurden? Sind diese signifikant erhöht? Kann das von einem Venting stammen oder bedeutet das, dass der RDB von Reaktor 3 beschädigt ist?
    (Auf Welt.de war in einem Kommentar von einem “normalen” Wert die Rede) Vielen Dank schonmal!
    KD

  19. Dirk sagt:
    #421

    Das AKW das komplett fertig ist, aber nie in Betrieb ging.
    Sehr gute Fotos vom Inneren. einige Details, Pumpen, Steuerstäbe, Abklingbecken mit Schleuse etc.
    http://www.zwentendorf.com

  20. hgf sagt:
    #422

    @Tom: Top Link (kit). Die dort hinterlegte Präsentation zu den bisherigen Abläufen in den Reaktoren ist wirklich sehr gut.

  21. #423

    @KD In TV-Nachrichten wurde vor allem erwähnt, dass TEPCO das Plutonium im Erdreich schon vor 1 Woche(!) festgestellt hat.

    Offenbar wird (zwecks Panikvermeidung, oder Angst das Gesicht zu verlieren?) wohl tatsächlich so ziemlich alles getan, die bittere Wahrheit zu verschweigen. Ein Greenpeace-Mitarbeiter (in ZDF KulturZeit?) maß mit Geigerzähler und Schutzanzug in 40km Entfernung im Erdreich eine Strahlendosis, die er als klar gesundheitsschädlich einstufte. Er forderte eine noch weitere Ausweitung der evakuierten Zone, doch stattdessen kehren schon einige Bewohner sogar in die 20km-Zone zurück.

    Es ist natürlich auch die Frage, ob es nicht noch stärker die Menschenwürde verletzt, Anwohner (wie einst in Tschernobyl) mit Polizei- und Militärgewalt komplett davon abzuhalten in ihre als per Gesetz unbewohnbar geltenden Häuser zurückzukehren um ihre Habseeligkeiten zu retten. (Ins Innere der Häuser gelangen die Partikel ja verhältnismäßig langsam, solange Fenster und Türen intakt sind und nicht offen stehen.) Auf jeden Fall muss die Bevölkerung nach bestem Wissen und Gewissen sachlich über die Gesundheitsgefahr informiert werden, um eine nicht menschenverachtende Lösung zu finden.

  22. Willi sagt:
    #425

    Laut GRS erfolgt die Einspeisung von 120 L/min Wasser (jetzt Süß) in den RDB. Wie groß ist denn das Volumen von so einem RDB?

  23. Daniel sagt:
    #426

    Danke für diesen ausführlichen und sachlichen Artikel!

  24. #427

    In diesem Video http://www.youtube.com/watch?v=Xs5p_5mlCeM habe ich versucht meine Erkenntnisse/Ansichten zum Thema ‘Explosion in Reaktor 3′ zusammenzufassen.

    Dabei habe ich meine Analyse leicht revidieren müssen. Erst ist das südliche Abklingbecken explodiert, dann flog das Gebäude von Süden nach Norden auseinander. Erst dann, bzw. während es auseinander flog, erfolgte eine zentrische Explosion senkrecht nach oben, welche das Dach senkrecht hochschleuderte und den Betondeckel des Reaktors zerstörte. Das Dach viel wieder genau in die Mitte. Mit der asymetrischen angeblichen Ursache ist das nicht vereinbar.

    Für sachliche Kritik und eine Diskussion des Inhalts wäre ich dankbar.

    Es ist weder Werbung noch eine einseitige Schuldzuweisung an “Juden, Islamisten, Illuminati” (außer das ich finde das Tepco über die Messwerte von Plutonium lügt) zu finden.

  25. Andi sagt:
    #428

    Auch »Information is Beautiful« hat ein Radiation Chart gemacht: http://www.informationisbeautiful.net/visualizations/radiation-dosage-chart/

  26. Andi sagt:
    #429

    @Antidot: Ich kann deine Ergebnisse nicht teilen. Ich finde, die Dinge, die du im Video beschrieben hast, sehen nicht so klar nach denen aus, was sie deiner Ansicht nach sind. Die Schlüsse daraus kann ich entsprechend nicht teilen. (Das soll kein Diskussionsanstoß sein, nur eine Antwort auf den Kommentar bzw. die E-Mail von dir.)

  27. Eng sagt:
    #430

    @H.D. 439: Vielen Dank für die Diagramme.

  28. Eng sagt:
    #431

    @Antidot 442: ich habe mir jetzt noch einmal mehrmals hintereinander die Zeitlupenvideos aus dem Hubschrauber angesehen (Beitrag Antidot 220) und könnte jetzt ein Buch darüber schreiben was mir dabei alles aufgefallen ist. Und das Buch wäre voller Widersprüche. Es gab sowohl in Block 3 als auch in Block 4 mehr als eine Explosion, sonst wären die Schadensbilder kaum zu erklären. Eisen verbiegt sich bei Explosionen und daraus können Gebilde entstehen die irgendwas ähnlich sind. Aber weitere Details könnte man nur vor Ort klären wenn man auch das Innere der Gebäude sehen könnte. Es gibt nämlich um den Reaktor herum angeordnet eine Vielzahl von unterschiedlich großen Räumen und Montageschächte. Es besteht also durchaus die Möglichkeit dass sich in einem oder mehreren dieser Räume ebenfalls Wasserstoff angesammelt hat. Es kann also ein Raum unterhalb der Reaktorbühne explodiert sein und dadurch anschließend die große Halle oberhalb des Reaktors. Wie kommt der Wasserstoff in die Räume? Es gibt mehr als genug Rohrleitungen im Reaktorgebäude die bei Beschädigungen als Transportmittel dienen können. Ob es aber wirklich so war? Das werden wir von hier aus nicht klären können.
    Die gleichen Rohrleitungen stellen übrigens die Verbindung zwischen Reaktorgebäude und Turbinenhaus her, da der Dampf vom Reaktor direkt zur Turbine die den Strom erzeugt geleitet wird. Und deshalb könnte über beschädigte Rohleitungen auch das radioaktive Wasser vom Reaktorgebäude ins Turbinenhaus gelangt sein. (Bei neueren Kernkraftwerken gibt es übrigens einen separaten Dampf/Wasserkreislauf im Reaktor und einen Dampf/Wasserkreislauf für die Turbine).

  29. chefin sagt:
    #432

    Das einer der Reaktoren Plutonium geladen hat war bereits 1 Tag nach dem Erdbeben bekannt. Was passiert, wenn dieser Reaktor Kernschmelze erreicht, ist auch klar. Das nun die Plutoniummesswerte nicht Bildzeitungsmässig an die große Glocke gehängt werden, ist verständlich.

    Die nötigen Entscheidungen können auch getroffen werden ohne das man Schlagzeilen produziert und die Sensationsgeilheit der Menschen befriedigt. Plutonium strahlt unterm Strich nicht mehr als Uran, da es aufgrund der größeren Strahlung pro Volumeneinheit als geringere Menge vorliegt. Es hat zwar zusätzlich noch eine toxische Wirkung, aber dazu muss es erstmal sich ausbreiten. Für Ausbreitung sind ne Menge Dinge nötig, die momentan nicht vorhanden sind.

    Zum einen: eine gewaltige Explosion, dann starke Winde und natürlich eine große Menge an Plutonium, das mit dieser Explosion in die Atmosphäre geblasen wird. Es kann zwar alles noch kommen, aber wir können es so oder so nicht beeinflussen. Was nützt also zu wissen, das Plutonium gemessen wurde? Nichts….wir wissen ja schon das es zur Kernschmelze gekommen ist und damit ist klar das Plutonium frei geworden ist. Und es wurde nicht mittels Winde über große Flächen verbreitet, so das die Menschen gewarnt werden müssten.

    Ich versteh nicht, wieso immer gefordert wird, das jedes Detail gleich publiziert werden muss, zumindest wenn es sich sensationell anhört. Warum interessiert sich keiner dafür wieviel Sprit die Notstromaggregate verbrauchen und wieviel CO2 damit produziert wird?

    Genau, das ist uninteressant, da besteht ja für miemanden eine Gefahr.

    Hört doch mal auf, hinter jeder Informationslücke sofort eine Verschwörung zu sehen und hinter jeder Fehlinformation sofort NSA oder CIA oder die Aliens als Schuldige ausmachen. Übrigens…1000Sv ist eine derartige Strahlung, die wird im inneren eines Reaktor im vollen Betrieb erreicht und in der Nähe des Explosionszentrums einer Atombombe. Würde das irgendwo gemessen werden ausserhalb des Reaktors wird es mehr wie kritisch. Die Überlebenszeit eines Menschen bei einer solchen Strahlung beträgt ungefähr … etwas weniger als du zum lesen dieses Satzes gebraucht hast.

  30. H.D. sagt:
    #433

    #438 & #447 bitte kürzer fassen.
    sonst kommen wichtige Informationen
    hier nicht mehr an.
    lasst uns doch, im interesse der wahrheitsfindung bei fakten bleiben.

    ———————
    hab jetzt polemisieren nicht erwähnt !

  31. Felix sagt:
    #434

    Ich habe mal eine grundlegende Verständnisfrage Frage zu Plutonium bzw. allgemein zur Radioaktiviät / Strahlung. Mir fehlt da etwas die Vorstellung von der Materie (im wahrsten Sinne des Wortes ;-)

    Wird Strahlung nur in dem Moment abgegeben, wenn ein Atom zerfällt, oder strahlt ein Element auch in Ruhe? Falls es nur beim Zerfall Strahlung abgibt, würde das nicht bedeuten, dass so langlebige (also “relativ stabile”) Elemente wie Plutonium gar nicht besonders stark radioaktiv sind, weil es ja so lange dauert, bis sie wieder zerfallen? Oder ist die Strahlungsmenge beim Plutonium besonders hoch? Oder sind die dem Plutonium Zerfall folgenden Elemente kurzlebiger als Plutonium und sorgen dadurch in Folge für mehr Strahlung?

    Oder ist Plutonium gar nicht wegen seiner Radioaktivität so gefährlich sondern wegen seiner sonstigen Eigenschaften (Giftigkeit)?

    Übrigens: super Seite mit vielen sehr interessanten Infos, vielen Dank für die damit verbundene Mühe!

  32. Susi sagt:
    #435

    @Felix: Ich versuch das mal so anschaulich wie möglich darzustellen (@alle anderen: bitte seid jetzt ein wenig nachsichtig wegen der Formulierungen; die werden etwas unkorrekt sein). Man kann sich radioaktiven Zerfall so vorstellen: aus dem betreffenden Atomkern “bricht” ein kleines Stück ab und fliegt aus dem Kern raus. Das ist dann die radioaktive Strahlung. Dadurch entsteht ein neues Element, das entweder radioaktiv ist oder nicht mehr weiter zerfällt.
    Je nachdem welches Teilchen aus dem Kern kommt, spricht man von Alpha- oder Beta-Strahlung. Gamma-Strahlung ist dem normalen Licht ähnlich (nur eben nicht zu sehen) und kommt oft zusätzlich aus einem Atomkern.
    Lies doch vielleicht mal hier nach: http://de.wikipedia.org/wiki/Radioaktivit%C3%A4t
    Plutonium gibt Alpha-Strahlung ab, die, vorsichtig ausgedrückt, eher harmlos ist. Aber Plutonium ist hoch giftig. Wenige Milligramm sind tödlich. Die Strahlung spielt da eher keine Rolle. Siehe auch hier : http://de.wikipedia.org/wiki/Plutonium

  33. André sagt:
    #436

    [Nachtrag: ups, da war Susi schneller …]
    @Felix: Du ziehst genau die richtigen Schlüsse. Die Strahlung entsteht nur beim Zerfall, also nicht »in Ruhe«. Dadurch, dass man aber mehr als ein Atom in einem Klotz radioaktiven Material hat, strahlt es halt relativ häufig und nicht nur einmal.
    Zu Plutonium: Richtig, Plutonium selber ist — im Vergleich z.B. zu Iod-131 oder Caesium-137 — nur schwach radioaktiv. Das skaliert direkt mit der Halbwertszeit: größere Halbwertszeit = geringere Strahlungsintensität, sprich weniger Bq/kg.
    Bei Plutonium kommt aber noch hinzu, dass es ein Schwermetall ist und somit ziemlich giftig für den Körper ist. Ganz abgesehen von der Radioaktivität.

    Was mich nur wundert: auch Uran ist ein Schwermetall und somit giftig. Trotzdem wird bei Plutonium immer dessen Giftigkeit hervorgehoben. Weiß da vielleicht jemand eine Antwort drauf? Ist Plutonium vielleicht etwas mehr giftig als Uran? Wenn ja, warum?

  34. Andreas Lichte sagt:
    #438

    @ Susi & André

    falls – falls! – wikipedia korrekt ist, ist die Giftigkeit zu vernachlässigen, und die Zitat Susi – “eher harmlose” (sic!) – Alpha-Strahlung bringt den Tod, bei Inkorporation/Inhalation:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Plutonium#Toxizit.C3.A4t

    “Plutonium ist wie andere Schwermetalle giftig und schädigt besonders die Nieren. Es bindet ebenfalls an Proteine im Blutplasma und lagert sich unter anderem in den Knochen und der Leber ab. Die für einen Menschen tödliche Dosis liegt wahrscheinlich im zweistelligen Milligrammbereich, für Hunde beträgt die LD50-Dosis 0,32 mg/kg Körpergewicht.[21] Die chemische Giftigkeit von Plutonium wird jedoch von vielen anderen Stoffen übertroffen.

    Viel gefährlicher als die chemische Wirkung ist seine Radioaktivität, die Krebs verursachen kann. Bereits die Inhalation von 40 Nanogramm 239Pu reicht aus, um den Grenzwert der Jahres-Aktivitätszufuhr für Inhalation bei Arbeitern zu erreichen. Diese Menge ist so winzig, dass die Giftigkeit von Plutonium noch gar nicht zum Tragen kommen kann.[49] Zur sicheren Entstehung von Krebs reicht vermutlich eine Menge von einigen Mikrogramm aus. Die von Plutonium 239Pu ausgesendete α-Strahlung wird durch die oberste Hautschicht aus abgestorbenen Zellen abgeschirmt. Diesen Schutz gibt es nicht bei Inkorporation, beispielsweise Inhalation von Plutonium enthaltendem Staub, oder durch verunreinigte Nahrung. Diese unterschiedliche Wirkung kommt aufgrund der geringen Reichweite der mit dem umgebenden Material stark wechselwirkenden α-Strahlung zustande…”

  35. André sagt:
    #439

    @Andreas: Jo, das macht Sinn. α-Strahlung ist aufgrund der hohen Masse (im Vergleich z.B. zu β-Strahlung) extrem schädlich, wenn es einmal im Körper ist. Und da Plutonium eine lange Halbwertszeit hat, hat sich das auch nicht abgebaut, bevor es in den Körper kommt, sondern strahlt in einem drin munter weiter.

  36. Susi sagt:
    #440

    Eine sichere Entstehung von Krebs gibt es nicht. Die Entstehung von Krebs ist ein stochastischer Prozess. Man kann ihn bekommen oder auch nicht. Zahlen zur Krebsentstehung sind immer Prozentangaben.
    Und ja, Alpha-Strahlung ist relativ harmlos.
    Uran kommt natürlich als Mineral vor. Die Chance damit in Kontakt zu kommen ist nicht so groß. Aber es scheint so, dass das bisher noch nicht untersucht wurde. Es gibt nur ein paar Zahlen von Arbeitern in den Uran-Minen.

  37. Henri sagt:
    #441

    Hier stand eine Antwort auf den letzten Kommentar von chefin (#447), die wir (=physikBlog) gelöscht haben. Der Kommentar enthielt kaum Fakten sondern antwortete auf die Thesen von chefin in emotionaler Weise. Eine Eskalation wollen wir verhindern.
    Gleichwohl sind die Kommentare von chefin manchmal recht lang, so dass die Kernaussagen darin teilweise schwer zu finden sein können. Dazu kommt eine Portion Polemik, die es manchem Mitkommentator möglicherweise schwer macht, den Kommentar so ernst zu nehmen, wie man ihn vielleicht sollte.

    Wir bitten darum, zukünftig etwas mehr das Geschriebene zu überdenken, insbesondere in Hinblick auf Lesbarkeit und der Beschränkung auf das Wesentliche.
    Wir gehen davon aus, dass die Leser im physikBlog bei einem ernsten Thema wie diesem keine sprachliche Keule brauchen, um auf etwas Besonderes hingewiesen zu werden.

  38. Michi sagt:
    #442

    Sorry, Susi, aber Alpha-Strahlung ist nicht “relativ harmlos”. Das stimmt nur, wenn die Strahlung außerhalb vom Körper bleibt. Sobald ein Alphastrahler im Körper ist, sind die Zellschäden enorm, und wesentlich stärker als Schäden durch Betastrahler.

  39. Tom sagt:
    #443

    Andreas Lichte
    29. März 2011 um 22:01
    @ Susi & André
    Es gibt zu diesem Thema (Plutonium) eine recht gute Seite des BfS
    http://www.bfs.de/de/ion/wirkungen/plutonium.html
    Habe selber mal als Physiker zu dem Thema veröffentlicht (speziell über Radon). Problem bei den Strahlern ist der hohe Ionisierungsgrad bei den Zellstrukturen. Infolge dieser Defekte kommt es dann zu Krebs.

  40. André sagt:
    #444

    Ich habe die Antwort zur Schädlichkeit von Plutonium oben im Artikel mal etwas abgeändert. Danke für die Kommentare dazu!

  41. Tim sagt:
    #445

    Gibt es eine statistische Aussage darünber, wieviel Masse an z.B. Plutonium 239 vorhanden sein muss, damit es konstant strahlt? Das hieße ja auch, dass bei geringen Mengen radioaktiver Stoffe mit langen Halbwertszeiten es in ein paar Jahren zu einstweilig erhöhter Strahlung kommen kann, eben wegen des statistischen Zerfallsprozesses?

  42. André sagt:
    #446

    @Tim: Nope, da liegt ein Verständnisfehler vor. Dass der Zerfallsprozess statistisch abläuft bedeutet, es gibt eine Wahrscheinlichkeit, dass ein Kern in der nächsten Sekunde zerfällt. Sagen wir mal sie ist 1/10. Nehmen wir 100 Kerne, sind also nach einer Sekunde 10 zerfallen, bleiben noch 90 übrig.
    Von 90 zerfallen in der nächsten Sekunde wieder 1/10, also 9 Stück. Bleiben noch 81. Jetzt müssen wir anfangen zu runden, denn im nächsten Schritt wären es 8,1, also etwa 8. Wir sind also bei 73. Dann 66. 59. 53. 48. (Zahlen gerade im Kopf runter gerechnet und gerundet, ich will hier aber auch nur das Prinzip klar machen).
    Wenn du dir jetzt anguckst, wieviel in jeder Stunde zerfallen ist, dann nimmt das immer weiter ab, nämlich 10;9;8;7;7;6;5;5 … das nennt man einen exponentiellen Abfall und nähert sich immer weiter der 0. Das bedeutet, dass du am Anfang eine starke Aktivität hast (= viele Zerfälle pro Sekunde), die aber mit der Zeit weniger wird. Nach der Halbwertszeit (in meinem Beispiel etwa 7 Sekunden) ist nur noch die Hälfte der Ursprungsanzahl da. Und das stimmt immer, ob wir mit 100, 1000 oder 1.032.652 Kernen anfangen.

    Ich hoffe, das macht es etwas verständlicher. Eigentlich wollte ich gerade ins Bett, bin also etwas müde. Man verzeihe mir mögliche Detailfehler ;).

  43. Demokrat sagt:
    #447

    Hier ein Hinweis auf einen anderen Ansatz zur Frage der Reaktorsicherheit aus der Frankfurter Allgemeinen (nicht unter Betrachtung einer theoretischen Ausfallwahrscheinlichkeit, sondern unter Berücksichtigung tatsächlicher Ausfälle):

    http://www.faz.net/s/Rub163D8A6908014952B0FB3DB178F372D4/Doc~E1DF592B0369A4B808FF0D874C8760B16~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Man beachte, dass der Harrisburg-Unfall in die Betrachtung nicht mit eingegangen ist.
    Wie würden sich dann die Wahrscheinlichkeiten ändern?

  44. Mechthild sagt:
    #448

    Nach meinem Verständnis hat der mengenmäßige Nachweis eines Radionuklids über seine Aktivität einen Messfehler, der mit der Halbwertszeit skaliert. Ein Becquerel Jod-131 (HWZ 8 Tage) ist eine viel geringere Stoffmenge als Jod-129 (HWZ: 15 Mio Jahre). Die radiologische Gefahr hängt aber primär an der Aktivität, nicht an der Stoffmenge (die für die Migration relevanten chemischen Eigenschaften sind hier ja gleich). Größere Mengen des unter der messtechnischen Nachweisgrenze “durchschlüpfenden” Jod-129 bleiben aufgrund der selteneren Zerfälle unkritisch, selbst wenn sich das Isotopenverhältnis langfristig in Richtung “mehr Jod129-Anteil in Teilen der Nahrungskette” verschiebt. Da das Verhältnis Jod-131/Jod-129 im frisch abgeschalteten Reaktor gut bekannt ist, würde es ausreichen, das Jod131 zu messen, um daraus das 129 zu berechnen. Jod131 gilt darum auch als “Leit-Isotop”, weil es vergleichsweise schnell nachweisbar ist und man damit auch weitere Stoffe aus dem Cocktail rechnerisch mitbestimmen kann. Da Jod131 nur wegen seiner Strahlung schädlich ist, bestimmt die aktuelle Messung die aktuelle Gefährdung.

    Ganz anders sieht es jedoch dann aus, wenn man einen vor allem chemotoxischen Stoff wie Plutonium betrachtet. Da für die Giftigkeit die Stoffmenge wesentlich ist, ist der Nachweis über die Alpha-Strahlung wegen der hohen HWZ auch mit höheren Ungenauigkeiten behaftet. Die beiden Pu-Isotope 238 und 239 hat man nach Chernobyl nur sehr kurze Zeit in Schweden nachweisen können über die Vorläufer Neptunium 238 und 239, die beide als Betastrahler mit ca. 2 Tagen HWZ zerfallen, was man gut messen kann, wenn man schnell genug dran ist. Nachdem das (Pu-Leitisotop) Neptunium zerfallen war, verschwand das Chernobyl-Plutonium in Schweden quasi von den Bildschirmen. Da ist es aber immer noch, nur eben viel schwerer nachzuweisen.

    Um das Thema “Messfehlerpraxis” abzurunden, sei hier noch ein schwer zu messender, aber sehr radiotoxischer Stoff erwähnt, der bisher in Japan kaum gesichtet wird: Strontium90 wird bestimmt über den Nachweis des schneller mit mehr Wumms zerfallenden Folgeprodukts Yttrium90. Hier werden eingesammelte Proben erstmal 2 Wochen einlagert, bis sich genug Folgeprodukt gebildet hat. Schnellverfahren zur groben Sr90-Bestimmung sind zwar in Fachkreisen bekannt, sie wurden jedoch m.W. in Unfallszenarien bisher nicht durchgeführt. Es gibt hierfür kein Leitisotop, dessen schnelle Bestimmung die aktuelle Gefährdung anzeigen und damit wirksam warnen könnte.
    Strontium90 ist daher aufgrund von messtechnischen Problemen weitgehend unsichtbar unterwegs und gleichzeitig von hoher radiotoxischer Relevanz.
    Anders als Jod 129 lädt Sr90 seinen Doppelwumms (der erste kann Leukämie auslösen, der zweite Gendefekte bei Nachgeborenen) zu einem großen Anteil noch während unserer Lebzeiten ab. Diese HWZ-Relevanz hat es mit dem zweiten prominenten Leitisotop Cäsium137 gemein, doch kann man durch Cs137-Messung nicht wirklich auf die Verteilung von Sr90 Rückschlüsse ziehen.

    Hat jemand schon irgendwo Sr-90 Messungen aus der Provinz Fukushima gesichtet?

  45. Willi sagt:
    #449

    Ich würde mal sagen, es ist genau andersherum. Ganz eherlich, ob man nun 1, 10 oder 500 mSv pro Jahr durch “Umgebungsstrahlung” ab bekommt ist ziemlich irrelevant. Wichtig ist was man inkorporiert. Deshalb ist Alpha-Strahlung deutlich gefährlich als Beta-Strahlung, weil deutlich stärkere Ionisierung. Es ist auch wichtig welche Isotope man inkorporiert (auch wenn Susi das bestreitet), da die verschiedenen Isotope in unterschiedlichen Geweben eingelagert werden.

  46. Antidot (Dipl.-Phys.) sagt:
    #450

    Kleine Frage: Weiß jemand wie hoch die Schornsteine sind und wie viel die Deckenkonstruktion gewogen hat? Ich würde gerne mal grob ausrechnen wie viel H2 man braucht, um Zerstörung vom Ausmaß wie beim 3. Reaktor zu erzeugen.
    Und es ist auch immer noch nicht klar wie dann so viel H2 sich im Gebäude veteilen konnte. Es hieß doch der Druck und damit das H2 sein in den Torus bzw. das Containment um den Druckbehälter abgelassen worden. Der war aber doch mit N2 geflutet um Explosionen zu verhindern?
    Und ja, natürlich kann man die Videos auch anders interpretieren. Da wäre es schön wenn Tepco mal die highres Photos veröffentlichen würde. Moderne Hubschrauber und Drohnen können wesentlich deutlichere Aufnahmen machen. Und Tepco hat ja wohl inzwischen eine im Einsatz. Weiß jemand wo man die Aufnahmen bekommt?

  47. Dirk sagt:
    #451

    Auf der Betonpumpe soll ja auf dem Ausleger eine CAM installiert sein.
    Die Aufnahmen wären auch interessant

  48. Eng sagt:
    #452

    @Demokrat 462: Vorher haben die Statistiker uns noch gesagt wie unwahrscheinlich ein Reaktorunfall ist und hinterher haben sie selbstverständlich gewusst das so etwas wie in Fukushima passiert. Und Kernkraftwerke mit Flugzeugen in Beziehung zu setzen – was soll uns dieser Vergleich sagen? Man kann 1 : 250.000 auch anders erklären: es kann erst in 249.000 Jahren oder schon morgen passieren.
    Und Statistik an sich kann man auch einfach erklären: Wenn man mit einer Hälfte des Hinterns auf einer heißen Herdplatte sitzt und mit der anderen auf einem Eisblock, dann fühlt man sich im statistischen Mittel pudelwohl. (Entschuldigung liebe Statistiker, aber das musste jetzt sein).

  49. Tom sagt:
    #453

    Antidot (Dipl.-Phys.)
    …Da wäre es schön wenn Tepco mal die highres Photos veröffentlichen würde.”

    Hallo Antidot, ich habe Bilder im Spiegel gesehen, die wohl von einer Drohne aufgenommen waren. Die Amerikaner hatten ja auch eine im Einsatz. Was daraus geworden ist weiß ich nicht.

  50. Susi sagt:
    #454

    @Willi: Das Isotop spielt da keine Rolle, der Ort an dem es eingebaut wird schon. Dabei bleibe ich auch weiterhin. Unser Körper ist gar nicht in der Lage, die Isotope voneinander zu unterscheiden. Ihm ist es egal welches Iod da ankommt oder welches Cäsium er einbaut (statt Kalzium). Das ist ein chemischer Prozess und bei chemischen Prozessen spielen die Isotope nicht die geringste Rolle. Es werden die verschiedenen Elemente ohne weitere Differenzierung dort eingebaut, wo sie hingehören (oder wie bei Cäsium auch nicht hingehören).
    Und wenn ich Angaben zur Strahlung mache, wie z.B. 100mS/a oder so in der Art, gebe ich immer nur die Summe der einzelnen Strahlungsarten an und nicht wo sie herkommen.
    Da sind wir uns ja wohl einig, oder?

  51. chefin sagt:
    #455

    @Eng

    Der Statistikvergleich war gut, er zeigt aber auch wie unzuverlässig die meisten der Aussagen in der Presse sind.

    @ All

    Alles was nicht auf unumstösslichen Fakten basiert, sondern Interpretiert werden muss ist prinzipiell diesen Gesetzmässigkeiten der Statistik unterworfen.

    99% Verfügbarkeit meines DSL heist nichts anderes als das ich im Jahr damit rechnen muss ca 85std ohne DSL auszukommen.

    Aber hey….99% hört sich doch im ersten Moment gut an. Immerhin besser als wenn man die Betriebsdauer eines Autos mit durchschnittlich 2000-3000std bis zur Verschrottung angibt. In dieser Betriebsdauer muss aber mindestens mit 10-15 Werkstattbesuchen gerechnet werden, also all 100-150Std. Und wer jetzt mal nachrechnet, stellt fest das 3000std bereits 210.000km auf dem Tacho bedeuten. Normalerweise also auch ca 15 Jahre alt bei Otto Normalo.

    Zahlen sind wie Huren, sie tun was der will der bezahlt

    @Andre

    Danke für deine Geduld mit mir, ich weis das ich manchmal schwierig bin, gelobe aber in Zukunft statt 2 mal 3 mal über einen Artikel zu lesen bevor ich ihn abschicke.

  52. Willi sagt:
    #456

    @Susi: Ich denke es haben alle kapiert wie ich den Begriff Isotop verwendet habe. Aber ich hätte natürlich schreiben müssen: Es ist auch wichtig welche “radioaktiven” Elemente man inkorporiert, da die verschiedenen Elemente in unterschiedlichen Geweben eingelagert werden.

  53. André sagt:
    #457

    @chefin: Hehe, dankeschön.

    @all: Wenn ich die Diskussion über die Schädlichkeit von radioaktiven Isotopen richtig verfolgt habe, meinen wir alle das gleiche. Die ein oder andere Formulierung (wahrscheinlich auch von mir) lässt aber Interpretationsspielraum zu, der vielleicht von der eigentlichen Aussage abweicht.
    Allgemein bitte ich darum, hier nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, es sind eben nur Kommentare. Im normalen Leben würde man verdutzt gucken und nachfragen, hier dauert die Interaktion länger.

  54. Susi sagt:
    #458

    @Willi: Alle ausser mir? Oder was willst du damit sagen? Falsch ist und bleibt falsch.

    So und jetzt verabschiede ich mich in meinen wohlverdienten Urlaub. Ohne Internet und PC.
    Bist mich also los.

  55. Eng sagt:
    #459

    @Susi @Willi und viele andere: Ich bedanke mich für die vielen Beiträge zum Thema Radioaktiviät. Ich habe einiges dazugelernt, einige völlig falsche Vorstellungen die ich hatte wurden korrigiert – aber ich muß ehrlich sagen das meine natürliche Grundintelligenz (ich habe ja nichts gelernt außer Technik) diesmal nicht ausreicht um das alles wirklich zu verstehen. Die Komplexität wann ein Stoff in welcher Menge, unter welchen Umständen und in welcher Kombination wie lange gefährlich ist oder auch nicht – da bleibe ich doch lieber bei Doppelturbolader und Einspritztechnik. Auch sehr kompliziert, aber wir Techniker haben es jedenfalls geschafft das damit jeder Idiot fahren kann – Ihr löst mit dem Thema Radioaktivität in der Bevölkerung dagegen nur Panik aus. Dummerweise ist das Thema auch nicht annähernd einfach zu erklären, wie ich hier erkennen mußte. Deshalb wird es für die meisten wohl “Teufelswerk” bleiben. Und ich habe keine Ahnung wie man das ändern könnte.

    Aber jetzt meine Fragen:
    1) Die gefundene Plutoniummenge soll an der Nachweisgrenze liegen. Ganz geringe Mengen können schon tödlich sein. Wie weit ist die Menge der Nachweisgrenze von dieser sehr geringen tödlichen Menge entfernt?
    2) Man hat in Japan bereits vorher gelegentlich Spuren von Plutonium in Bodenproben gefunden, und deshalb ist es angeblich gar nicht sicher ob das Plutonium jetzt aktuell angefallen ist oder bereits vorhanden war. Kann man das irgendwie nachweisen?

  56. Dirk sagt:
    #460

    @antidot
    Die Fotos von der Drohne sind jetzt zu finden. Allerdings habe ich bis jetzt nur rel kleine Dateigrößen gefunden. Da bringt das reinzoomen nicht viel.
    die Beschädigung am Turbinengebäude von Block 3 ist auch recht gut zu erkennen, bei der Größe vom Loch frag ich mich was da reingesegelt ist. Ein Locj in der Größe durch eine Betondecke zu schlagen muss ganz schön schwer gewesen sein.
    Der gelbe Deckel (Block 4) ist ebenfalls gut zu sehen, demnach muss der Reaktor zumindest teilweise offen gewesen sein.

  57. Angelika sagt:
    #461

    fotos z.b. hier bei #2009 inkl. jpgs
    http://www.physicsforums.com/showthread.php?t=480200&page=126

    // ich erkenne da sehr viel. mir reicht das erstmal, was ich da sehe //

  58. Eng sagt:
    #462

    @Angelika 476: Danke für die sehr beeindruckenden Bilder. Ich bleibe allerdings bei meiner Aussage in Beitrag 446.

    @Dirk 475: Du hast recht, das muss schon ein größeres Teil gewesen sein, oder ein Treffer von einem rotierenden Teil. Allerdings haben Betondächer auch nicht die Festigkeit von Betonbühnen.

  59. Angelika sagt:
    #463

    z.K., Arnie Gundersen (war u.a. bei TMI dabei), vom 29.3., englisch

    http://vimeo.com/21630171

  60. Dirk sagt:
    #464

    Das Loch hat “ungefähr” die größe eines LKW/Feuerwehrfahrzeugs (6-8m) Sicherlich werden größere Löcher beim einschlag gerissen als die Teile groß sind, aber selbst dann…
    Auf dem Explosions Video sind auch zwei Teile zu sehen die aus recht großer Höhe herabfallen. Fragt sich nur was ist so groß was da hätte einschlagen können?

  61. Eng sagt:
    #465

    Als Link die von Arnie Gundersen verwendete Grafik:
    http://fairewinds.com/content/projected-radioactive-leak-path

  62. Angelika sagt:
    #466

    @Eng – danke.
    das ist die BP/HP von A. Gundersen. hatte ich vergessen mitzuposten.

  63. Antidot (Dipl.-Phys.) sagt:
    #467

    Gute Sendung! Habe Sie aufgezeuchnet falls sie jemanden hier interessiert.
    http://programm.daserste.de/pages/programm/detail.aspx?id=F47431463A56086C0B3B4876D19203D3
    Der Kampf um den Reaktor
    Vom 30.03.2011 23:30 (Gut gewählter Termin! Aufklärung kommt im Ersten als Letztes.)
    Wird heute am 31.03 auf EIns Extra wiederholt.

    Der Kampf um den Reaktor – Der Film von Sebastian Eberle, Svea Eckert und Sonia Kennebeck berichtet von den Technikern, die unter Lebensgefahr versuchen, die Kühlung wieder in Gang zu bringen, und schildert die Lebensumstände der Menschen, die rund um Fukushima leben und nun um ihr Zuhause fürchten müssen. Die Rolle des Skandal-Konzerns Tepco, der das Atomkraftwerk betreibt, wird ebenfalls dokumentiert. ARD-Experte Ranga Yogeshwar erläutert die aktuelle Lage aus wissenschaftlicher Sicht.

    Dort weist Herr Ranga Yogeshwar darauf hin was noch passieren kann und wohl auch passieren wird: Die nicht mehr zu kühlenden Kerne werden sich durch die Hülle des Reaktors nach unten schmelzen oder sogar erneut eine Kernspaltungsreaktion in Gang setzen, wenn die Schmelze sich entmischt und das Uran (bzw. in Reaktor 3 das Uran/Plutonium Gemisch kritisch wird.)
    Man hat die Folgen in dieser Sendung sehr gut animiert dargestellt.
    Ich bin sicher das genau das passieren wird.

  64. Angelika sagt:
    #468

    @482
    achjanee … metanalyse zu diesem topic ist das auch nicht.

    z.K.
    http://meedia.de/nc/details-topstory/article/wie-die-atom-lobby-yogeshwar-hofiert_100033900.html

  65. #469

    Zum Plutonium an der Nachweisgrenze in Japan: Gibt es ständige Untersuchungen (oder gar Landkarten), wo und wie viel Pu sich durch die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki im ganzen Land abgelagert haben?

    Prüft man das mit Massenspektrometern, die ab und zu (wie häufig pro Probe?) nur ein einzelnes Atom erkennen, oder ist es eine größere Anzahl gemessener Ereignisse, aus denen man die genaue Menge errechnen kann?

    (Geigerzähler scheinen ja bei Alphastrahlern nutzlos zu sein, und Elemente unterscheiden die schon garnicht.)

    Kann es sein, dass TEPCO deshalb erst nach 1 Woche das Vorhandensein bestätigte, weil Laboranalyse so lange dauert, oder ist es (wie ich vermute) alles die berüchtigte Salamitaktik?

  66. ungeBILDed sagt:
    #470

    Zu 482

    Unter dem Link kam man sie nicht ansehen, sondern nur bestellen.

    Aber ist das vielleicht diese Sendung hier?
    http://www.youtube.com/watch?v=xNhq8Dr6ok4

  67. ungeBILDed sagt:
    #471

    Behinderte PM Kan die arbeiten?
    http://www.tagesschau.de/ausland/fukushima352.html

    “Kan wies Kritik der Opposition zurück, sein Hubschrauberflug über dem AKW kurz nach Beginn der Krise habe möglicherweise den Katastropheneinsatz des Betreibers Tepco behindert. Die Opposition hatte kritisiert, Kans Aufenthalt am 12. März habe den AKW-Betreiber Tepco davon abgehalten, Luft aus Reaktor 1 abzulassen, um darin den Druck zu vermindern.”

    Was ist dran? Wann genau (Uhrzeit) war der Flug?
    (JAIF, arichiviert) http://www.webcitation.org/5xKrp1OCS
    ========
    “4:00
    Pressure in the containment vessel at Unit 1 of Fukushima Daiichi rose to approx.
    840 kPa beyond the design value.
    5:22
    The pressure-control function was lost at Unit 1 of Fukushima Daini, and that was
    reported to the government pursuant to Article 15 of the Law.
    5:32
    The pressure-control function was lost at Unit 2 of Fukushima Daini, and that was
    reported to the government pursuant to Article 15 of the Law.

    7:11 The PM visited Fukushima Daiichi.

    9:07
    A pressure relief valve on the pressure vessel at Unit 1 of Fukushima Daiichi was
    opened.
    14:49
    There was information that radioactive cesium (Cs) had been detected around Unit
    1 at Fukushima Daiichi.
    15:36 An hydrogen explosion occurred at Unit 1 of Fukushima Daiichi.

    ===
    zum Vergleich die Timeline von GRS (http://www.grs.de/sites/default/files/Timeline_Fukushima_Daiichi_Stand%202011-03-28-1800_%282%29.pdf)

    Ortszeit
    Block 1
    Block 2
    Block 3
    Block 4
    Block 5 & 6 11.03.2011 14:46 Erdbeben
    15:42
    Station Blackout
    Station Blackout
    Station Blackout
    16:36
    Ausfall der Notkühlung
    Ausfall der Notkühlung
    12.03.2011
    00:49
    Abnormaler Anstieg des Containment-Druckes wurde ver-zeichnet.
    15:00 (14:30)
    Eine gefilterte Dru-ckentlastung wurde vermutlich durchge-führt (Beginn der Dru-ckentlastung).
    15:36
    Es hat sich eine Was-serstoffexplosion in-nerhalb des Reaktor-gebäudes aber außer-halb des Containments ereignet.
    20:20
    Einspeisung von bo-riertem Meerwasser in den Reaktordruckbe-hälter (RDB).

    Oder auf Wikipedia
    http://de.wikipedia.org/wiki/Nuklearunf%C3%A4lle_von_Fukushima-Daiichi#Reaktorblock_1
    “Am 12. März kam es um 0:46 zu einem abrupten Druckanstieg. Daraufhin wurde ab 9:07 Dampf aus dem Reaktordruckbehälter abgelassen und ab 14:30 gefiltert aus dem Sicherheitsbehälter (Containment), da sich der Druck dort von 4 auf 8,4 bar erhöht hatte”

  68. ungeBILDed sagt:
    #472

    Alle Mann abziehen und nach Hause gehen? Ist das wirklich die Lösung?

    Hintergrund:

    “Edmund Lengfelder erklärt, wieso die Kernschmelze nicht mehr zu stoppen ist. Der Mann ist der Chef des Münchener Otto-Hug-Strahleninstituts. Seine Position ist: die Kernschmelze ist nicht mehr zu stoppen, das Wasserspritzen können die sich auch sparen, das ist nur sinnloses Menschenverheizen. Außerdem: Das Krisenmanagement der Russen war besser als das der Japaner jetzt. Und im Übrigen gibt es jetzt nur eine wichtige Sache zu tun: Evakuieren, und zwar mindestens 50km Radius, eher mehr.
    ” Quelle: http://blog.fefe.de/?ts=b36cd027

    Text des Interviews
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1422381/

    Anzuören:
    http://www.youtube.com/watch?v=dFx4kLsM2WI

  69. Eng sagt:
    #473

    Hmmm, wenn man im Moment 10 “Experten” fragt was zu tun ist bekommt man 11 Vorschläge. Und alle waren nicht vor Ort …

  70. Andreas Lichte sagt:
    #474

    “Hmmm, wenn man im Moment 10 “Experten” fragt was zu tun ist bekommt man 11 Vorschläge. Und alle waren nicht vor Ort …”

    “Scharfe Kritik an der Informationspolitik der japanischen Behörden und des Tepco-Konzerns kam derweil vom Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Achim Steiner. “Was im Augenblick für viele am schwersten nachzuvollziehen ist, ist die Frage, wieso Information, deutliche, klare, präzise Information, so schwierig zu bekommen ist”, sagte Steiner der “Berliner Zeitung”.” http://www.tagesschau.de/ausland/fukushima368.html

    Ich frage mich: wieso gibt es keine UN-Vereinbarung, dass im Falle eines schweren Reaktorunfalles UNABHÄNGIGE Beobachter vor Ort sein müssen, die die Öffentlichkeit informieren?

    So grossartig ich den Artikel “Eine Zusammenfassung der Probleme bei Fukushima I” finde, so aussichtslos erscheint mir der Versuch, die aktuelle Entwicklung zu deuten: es fehlen einfach die harten Fakten.

  71. Andi sagt:
    #475

    @Angelika #483: Sorry, aber den Meedia-Artikel zu Yogeshwar finde ich… nichtgut ;). Das hat schon Mondverschwörungs-eske Züge. Allein die Sichtung der letzten Quarks-&-Co-Folge zum Thema widerlegt doch schon große Teile der These, dass er von der Atomlobby seine Meinung erhält. Dass er als Sprecher sein Geld verdient kann man gut oder schlecht finden – das ist sein Beruf mittlerweile. Und dass da auch große Energiekonzerne seine (nicht zu knappen) Rechnung begleichen, ist nichts besonderes. Wenn man sich auf dem Themenfeld bewegt, hat man zwangsläufig Kontakt.
    Die Krönung des Artikels ist das Ende. Die Preisübergabe an Peter Grünberg für seine Festkörperarbeit hat etwas mit dem Forschungsreaktor zu tun!? Ehm… Moment.

  72. Andi sagt:
    #476

    @Andreas Lichte #489: Genau richtig. Daher lassen wir uns auch Zeit, Updates oben einzupflegen. Und über das hinaus, was Tepco / NISA veröffentlichen, können wir auch nicht wirklich etwas sagen und lassen es lieber weg. Das Ganze ist arg unbefriedigend, aber die Informationströpfelei lässt nichts anderes zu…
    (Und die Idee mit den UN-Beobachtern finde ich sehr gut!)

  73. Eng sagt:
    #477

    Hmm, die Frage ist natürlich, welche Informationen würden uns hier wirklich weiterhelfen? Das Problem ist das Fehlinformationen durch Übersetzungsfehler entstehen können, und manche pyhsikalischen und technischen Vorgänge bei der Wiedergabe falsch interpretiert werden. Und wie unterschiedlich die gleiche Meldung in TV und Zeitschriften vermittelt wird. Und wie unterschiedlich die Expertenmeinugen über das weitere Vorgehen sind. Und auch Tepco selbst wird nicht bis ins Detail den Zustand aller Anlageteile kennen, weil einige Bereiche nicht begehbar sind und deshalb nicht kontrolliert werden können. Die werden wahrscheinlich täglich selbst mit neuen Sachverhalten konfrontiert. Sachverhalte die gerade in einer Pressekonferenz verkündet werden können vor Ort genau in diesem Moment nicht mehr zutreffend sein. Ich kenne das alles aus eigener Erfahrung. Wenn man vor Ort am kämpfen ist (ich sage das nochmal: nur diese Leute wissen wirklich was da vorgeht) und dauernd kommt jemand fragen: “Na, wie läuft es, wo gibt es Fortschritte, wann wird es fertig, gleich ist wieder Pressekonferenz, was können wir denen sagen?” dann kommt irgendwann die Antwort: LmA, lasst uns hier arbeiten.
    Das was aus meiner Sicht in Fukushima aber auf jeden Fall fehlt sind unabhängige Messungen der Radioaktivität und alles was dazugehört.

  74. Quantum sagt:
    #478

    Hi, ich verfolge die Lage von Anfang an und bin inzwischen immer mehr besorgt wie die japanische Regierung und die Betreiber Firma Tepco mit der Situation umgehen.

    Ich glaube es ist ganz wichtig das die japnaische Regierung über ihren Schatten springt und viel, viel mehr Hilfe vom Ausland in allen Bereichen (personell, materiell usw..) anfordet.

    Ich denke es müssen dringen neue Evakuierungszonen geschaffen werden um die Menschen in einem größeren Radius aus der Gefahrenzone bringen zu können.

    Ich hab hier auch nochmal ein interessantes Diagramm, was zeigt über welchen weg radioaktives Wasser aus dem Containment gelangt sein könnte. http://www.physicsforums.com/showthread.php?s=f96205ef63049a1a8d14107df11aa6ae&t=480200&page=134

    Zum Abschluss nochmal ne Frage :

    Man hört jetzt immer wieder, das versucht werden soll mit Kunstharz die Reaktoren zu besprühen, um einen weiteren Austritt von Radioaktivität zu verhindern. Unm dann später die Reaktoren mit Planen abzudecken.

    Kann dazu jemand mit mehr Fachwissen bitte mal Stellung nehmen. Ich finde das hört sich doch sehr , naja.. unkonventionell an. Könnten diese Aktionen am Ende nicht mehr Probleme bringen als sie helfen. Sichwort Kühlung ?

    Ist es möglich das die “Experten” die behaupten das eine Kernschmelze nicht mehr aufzuhalten ist doch recht behalten und diese Aktionen aus der Not geboren sind, weil man schon bald einen noch größeren Austritt von Radioaktivität fürchtet ?

  75. Antidot sagt:
    #479

    @Quantum “Ist es möglich das die “Experten” die behaupten das eine Kernschmelze nicht mehr aufzuhalten ist doch recht behalten und diese Aktionen aus der Not geboren sind, weil man schon bald einen noch größeren Austritt von Radioaktivität fürchtet ?”

    Genau das nehme ich auch an.

    IMO ist Reaktor 3 schon mal kurz durchgegeangen und hat den Deckel und das Dach abgesprengt. Aber die Wolke ist übers Meer nach Osten gewandert und hat Tepco und die Regierung vor einem Erklärungsnotstand bewahrt.
    Es ist ja auch auffällig das man nur im Norden, Westen und Süden Meßstationen hat. Auf dem Pier und dem Wasser hat man bei der Explosion von R3 noch nicht gemessen. Messbojen wären nicht schlecht.
    Jetzt werden Nr1. u. 2 bald folgen, wenn man nicht ganz dolle Glück hat, denn die Kühlwirkung des Meerwassers ist ja wohl doch sehr mickrig ausgefallen.

    Wir werden´s sehen. Im besten Fall bleibt nur ein Haufen atomarer Schrott übrig den man mit Sand und Beton überziehen muß und eine 10km Sperrzone.

  76. flyer303 sagt:
    #480

    Die besagte Dokumentation von #482 findet sich in der ARD Mediathek:
    http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/799280_reportage—dokumentation/6841530_der-kampf-um-den-reaktor

    Im übrigen hat der werte Herr Lesch ein interessantes 12min “Spezial” zu seiner “Abenteuer Forschung” Sendung vom 16.03.11 gemacht. Ob das auch im TV kam, weiss ich nicht, zumindest ist es in der ZDF Mediathek:
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1285938/%C3%9Cbrigens–zur-Sendung-vom-16032011

    Dabei geht es weniger um Fakten zu Fukushima sondern um eine mMn recht anschaulichen Erklärung zur Kernspaltung. Sehr empfehlenswert!
    Seine Schlussworte in diesem Beitrag sind sicherlich diskussionswürdig, wobei eine Diskussion dazu natürlich hier nichts verloren hat, wenn ich das richtig sehe :)
    (aus dem Grund habe ich mich selbst moderiert und meine Meinung dazu gelöscht *g*)

  77. Angelika sagt:
    #481

    @Andi #490 : mE darf jede_r finden/meinen, was mensch will. ich habe hier links generell “zur info/z.K.” gepostet und nicht, weil sie “meine meinung” spiegeln ;)
    //meine meinung zu diesem vorgang/thema eures posts habe hier mir selbst erarbeitet//

  78. Willi sagt:
    #482

    @Andreas Lichte: Der Artikel ist nutzlos weil er viel zu schwammig ist. Er bezieht keine klare Position, die Situation wird nicht analysiert sondern nur wiedergegeben. Ich kann ihnen aber ein paar Infos geben, die sie nirgends bekommen. Sie können sie glauben oder nicht. In Reaktorblock 1-3 kommt es schon seit 2 Wochen immer wieder zur Kernschmelze. Man leitet deshalb Wasser in die RDB ein. Das hat den Vorteil, dass man das System kühlt und entstandene Radioaktivität ins Meer abführt. Deshalb ist die Strahlung auf dem Land um den Reaktor noch ziemlich gering. Man hat also das kleinere Übel gewählt. Eigentlich ganz gut, weil sich dir Radioaktivität im Meer verteilt und gebunden ist (besser als in der Luft). Nur beim Plutonium ist es andersherum besser. Plutonium ist auf dem Land relativ lokal gebunden, weil es schwer ist und so auch nicht so häufig in die Nahrungskette gelangt. Im Meer verteilt sich Plutonium besser und nur wenige Moleküle PLutonium können beim Menschen schon ziemlich viel Schaden anrichten. Später wird aber keiner mehr nachweisen können, dass dieser oder jener Fisch jetzt ein paar Moleküle PLutonium aufgenommen hat.

  79. Silene sagt:
    #483

    @Willi #497
    Das kommt mir durchaus plausibel vor. Am 28.03. habe ich einen ganz ähnlichen Gedanken hier als Frage/Hypothese gepostet. Der Beitrag wurde leider wegmoderiert. :-(

  80. Quantum sagt:
    #484

    @ Willi

    Das sind sehr interessante Infos die die aktuelle Radioaktivität im Meer gut erklärt. In 497 schreiben Sie …”In Reaktorblock 1-3 kommt es schon seit 2 Wochen immer wieder zur Kernschmelze”.
    Muss ich mir das so vorstellen, das die Kernschmelze einsätzt wenn nicht genung Wasser im RDB ist und wieder unterbrochen wird wenn genung Wasser nachgepumpt wird ?

    Ist das aus Ihrer Sicht ein Verfahren das langfristig die weitere Freisetzung von Radioaktivität eindämmen kann, oder wird das Kühlen der Brennstäbe mit der Zeit eher immer schwieriger ?

  81. Dirk sagt:
    #485

    Ich sehe das ähnlich wie “Willi”. Im Moment versucht Tepco irgendwie die Reaktoren halbwegs zu kontrollieren, wobei von kontrolle zu sprechen übertrieben ist. durch einleitung von Wasser versucht man die Temperaturen in Grenzen zu halten. In der Zwischenzeit werden die Leitungen (Elektro, Wasser, Hydraulik, etc)zu reparieren bzw Provisorien herzustellen. Das sowas nicht so einfach ist sollte klar sein. Man kann nicht mal grad irgendeine Elektrosicherung einschalten und schauen was dann passiert, im Hochspannungbereich kann das dann ganz schön blitzen. Das gilt auch für Pumpen, wer weiß wo die Leitungen dann undicht sind und evtl alles unter Wasser setzen. Wenn man dann noch in die Bereiche wo man arbeiten müsste nicht rein, bzw herankommt, wird das dann zur Unmöglichkeit.
    Als Betreiber würde ich auch nicht alle Daten die ich habe öffentlich stellen, sondern das schon ein wenig selektieren. das gilt sowohl für die Messdaten sowie für Bild/Videomaterial. Gerade bei den letzen Fotos /Video kann man schon sehen das da gut geschnitten wurde. wirkliche Details sind dort nicht zu erkennen.
    ich kenne das auch mit den Nachfragen von Kunden. Wenn mal eine Störung ist, ich arbeite im Telekom Bereich, kommen sofort die Fragen: wann funktioniert das wieder? Und wehe man sagt eine Zahl, spätenstens 2 Minuten später kommen die erbosten Fragen: sie haben doch gesagt um xxUhr geht das wieder. Also Antwort: die Techniker arbeiten mit Hochdruck an der Störung, schnellstmöglich geht es wieder.

  82. chefin sagt:
    #486

    @Antidot

    Der Reaktor ist nicht durchgegangen und hat damit Löcher gesprengt sondern es wurde Wasserstoff erzeugt. Der Unterschied liegt in der Art der Explosion. Wasserstoff ist nicht Radioaktiv. Er kann lediglich radioaktive Partikel mitreisen bzw falls der Wasserstoff aus dem Reaktorkern selbst kommt war er mit Radioaktiven Partikeln vermischt. Da braucht es keine zusätzliche Sprengkraft für diese Schäden.

    Als nächstes dürfte dann wohl jegliche Kühlung versagt haben und damit konnte der Kern nicht mehr kontrolliert werden. Jetzt muss das Material aber erstmal 1000Grad erreichen, dabei wird allerdings irgendwas druckbedingt nachgeben. Ein Rohr, eine Dichtung, ein Ventil…irgendwas wird den schwächsten Punkt ausgemacht haben und lässt nun kontaminiertes Material in das Reaktorgebäude ab. Parallel wird aber auch viel viel Wasser auf alle möglichen Flächen gesprüht um Wärme abzuführen. Solange ich Wärme abführe besteht eine gute Hoffnung, das der Stahlkern nicht schmilzt. Ich schmiede hobbymässig (Aktiv auf Mittelaltermärkte unterwegs), wenn ich es drauf anlege lasse ich mit einer Handvoll Kohle einen Eisenstab schmelzen. Aber ich kann es auch ganz leicht verhindern, da reicht schon minimale Abweichungen und ich bekomme die Temperatur einfach nicht mehr hin, die Luft aussenrum kühlt zu stark ab.

    Was uns fehlt sind verlässliche Berichte über Kernschmelzen. Die sind aber sehr spärlich und zeitlich stark versetzt. Von Schmelze zu Schmelze macht die Technik derartige Fortschritte, das man kaum vorherige Methoden weiter verwenden kann.

    Und wie weiter oben schon gesagt: momentan werden die Menschen vor Ort andere Sorgen haben als die Menscheit mit Informationen zu versorgen. Zumal ihnen die meisten Messgeräte und Sensoren kaputt gegangen sind bei den Explosionen und den nachfolgenden Beschädigungen. Aus dem ausbleiben von Informationen auf Verschleierungstaktik zu schliessen ist fahrlässig und kontraproduktiv.

  83. Eng sagt:
    #487

    @Willi 497. Wir sind fast einer Meinung, allerdings: es könnte so sein – oder auch nicht. Es sind ja nicht nur die Reaktoren, sondern die Abklingbecken spielen auch noch eine große Rolle bei der möglichen Herkunft von Radioaktivität. Zumindest in Gebäude 3 wäre es ein Wunder wenn das Becken und die Brennstäbe unbeschädigt sind. Dann müsste sich der große Hallenkran beim Herunterfallen schützend auf das Becken gelegt haben. Er könnte aber auch abgeknickt sein und ins Becken hineinragen – vom ganzen Schutt der eigentlich ins Becken hineingefallen sein müßte mal ganz abgesehen.

    @Dirk 499. Kann ich mich nur anschließen (siehe 492).

    @Quantum 493: siehe auch Link 480 (direkter Weg zur Grafik).

  84. Tom sagt:
    #489

    Hier neue Infos, von der Gemeinschaft der Deutschen Forschungszentren:

    Plutoniumkontamination beim japanischen Kernkraftwerk Fukushima I
    http://www.kit.edu/downloads/Japan-Hintergrundinfo_Nr029_potentielle-Freisetzung_Update027_00_AH.pdf

    Behandlung von radioaktiv kontaminiertem Wasser
    http://www.kit.edu/downloads/Japan-Hintergrundinfo_Nr030_Behandlung_kontaminiertes_Wasser_00_AH.pdf

    Plutoniumkontamination beim japanischen Kernkraftwerk Fukushima I
    http://www.kit.edu/downloads/Japan-Hintergrundinfo_Nr031_Pu_00_AH.pdf

  85. Eng sagt:
    #490

    Anhand der niedrigen Druckwerte in Block 2 und 3 schlussfolgert die NISA auf einer Pressekonferenz, dass die Reaktordruckbehälter defekt sein könnten. Es wird jedoch ausgeschlossen, dass größere Schäden am RDB aufgetreten sind.

    http://fukushima.grs.de/informationen-zur-lage-den-japanischen-kernkraftwerken-fukushima-onagawa-und-tokai

    (Deshalb waren mir die Diagramme so wichtig Daraus kann man einiges ableiten. Siehe 439)

  86. Eng sagt:
    #492

    @ham 503: nicht ganz – offiziell ist “defekt sein könnten”.

  87. ham sagt:
    #493

    @Eng #504: Ich meinte mehr die Denkweise. Wenn ich in ein geschlossenes, über 100 Grad Celsius warmes System Wasser Pumpe, was ja wohl geschieht, muss der Druck steigen, oder?

  88. Nora sagt:
    #494

    Guten Abend.

    Erste einmal möchte ich Euch für Euren Blog danken. Er hat mir sehr geholfen, die Vorgänge vor Ort besser zu verstehen. In den Medien wird alles immer nur sensationsheischend verwirrend dargestellt. Also Dankeschön!

    Ich habe zu den neuen Bildern ein paar kleine Fragen. Vielleicht weiß ja jemand dazu eine Antwort:

    1. Auf allen bisher gesehenen Bildern scheinen die Bauteile der Lagerbecken und des Kranaufbaus immer irgendwie grünlich zu leuchten (z.b. auch beim Bild 3-30-0-50-20, beim Bild 3-30-3-20-0 auch leicht zu sehen und sogar ganz leicht bei Block 3 im Bild 3-30-1-11-12). Wieso ist das so? Aus welchem Metall bestehen die denn? Alle anderen Löcher in den Gebäuden sind immer matt und schwarz.

    2. Im Bild 3-30-0-20-11 sieht man wie nass der Boden um den Block 4 ist und das das Wasser so viel zu sein scheint, dass sich eine Fließrichtung ausmachen lässt (müsste Südwest sein). Ist das das Wasser des Lagerbeckens, das sich da davon macht?

    3. Was befindet sich eigentlich in den niedrigeren Gebäuden die immer auf einer Seite direkt an den jeweiligen Block anschließen und das bei Block 3 leider auch vollständig zerstört vorliegt?

    4. In den Meeresbecken der Anlage schwimmt ein Ölteppich. Wozu wird das denn auf der Anlage benötigt?

    Im übrigen bezweifel ich, dass auf dieser Anlage noch irgendeine Technik richtig funktioniert. Der Grad der Zerstörung sieht gewaltig aus.

  89. Mechthild sagt:
    #495

    @KD433:
    Das muss hier mal deutlich gesagt werden, weil die Spekulationen ins Kraut schießen: Alle abgebrannten Kernbrennstäbe enthalten Plutonium (dem gut spaltbaren 239Pu steigt man ja in sog. Wiederaufarbeitungsanlagen nach), das sich während des Betriebs aus Uran bildet. Akute Plutoniumfunde können also nicht nur aus dem frisch abgeschalteten Reaktor 3, sondern auch aus sämtlichen Abklingbecken stammen, in denen es zu einer Müllschmelze gekommen sein kann. Ich sehe bis zum Beweis des Gegenteils jeglichen Pu-Fund als Emission aus einem der kochenden Abklingbecken an.

    @Eng474:
    Wie alt das Plutonium ist, könnte man ermitteln durch Aktivitätsvergleich mehrerer Isotope mit unterschiedlicher Hwz. Das Prinzip (vieler solcher altersbestimmenden Untersuchungen) lautet, das Verhältnis der Isotope bei einem bekannt zusammengesetzten Spaltprodukt-Cocktail zu vergleichen mit dem Verhältnis an der Fundstelle. Wenn überwiegend langlebigere Isotope da sind, liegen sie schon länger dort.

    Was beim Cäsium in den kommenden Jahren prima funktionieren wird (134Cs/137Cs), ist beim Daiichi-Plutonium nicht so einfach: Dort kommen mehrere Plutoniumquellen mit unterschiedlichem Grad des Abbrands in Frage. Es wird nicht ganz einfach sein, hier zu klären, was letzendlich von wo aus zu einer zusätzlichen Pu-Kontamination geführt hat. Ich wage mich aber mal an das Thema und hoffe, obwohl ich hier wenig praktische Erfahrung habe:
    239Pu und 240Pu kann man schlecht auseinanderhalten, da sie sehr ähnliche Alpha-Energien haben und beide zu einem ziemlich stabilen Uran-Isotop zerfallen. Da sie beide ähnlich langlebig sind, kommen sie für einen Altersvergleich nicht in Frage, wohl aber zur Quellenidentifikation: Wer es schafft, das Verhältnis der beiden zu bestimmen, hat so etwas wie einen Fingerabdruck der Quelle in der Hand, weil hier der Grad des Abbrands drin steckt.

    Ein vergleichsweise schnell zerfallendes Pu-Isotop ist 241Pu, das im laufenden Reaktor zum Teil gespalten wird und ansonsten als schwaches Beta zerfällt zu Americum-241. Das kann als Alphastrahler spektroskopisch gut von 239Pu unterscheiden werden. Außerdem erzeugt sein Zerfall auch niederenergetische Gammastrahlung, die messbar ist. Das 243´Pu jetzt noch über seine Beta-Strahlung zu finden, dürfte schwer fallen, denn mit um die 5 Stund Hwz ist es aber recht schnell weg, so dass man hier nur noch das nicht gammastrahlende 243Am sehen wird. Ich würde mal drauf tippen, dass man mit einer Bestimmung des Verhältnisses von 239/240Pu zu 241Am reicht weit kommt bei der Frage, ob es sich um eine Waffenkontamination handelt.

    Die Frage nach der Nachweisgrenze ist schwer zu interpretieren. Sie hängt schlicht vom Gerät, von der Methodik und von der Art der Probe ab. In der Praxis kommt es darauf an, in bezahlbarer Weise möglichst schnell möglichst flächendeckend Werte für die Hauptbelastungspfade zu bekommen, wenn es sein muss auf Kosten der Genauigkeit. Was den Pfad “Inhalation von Alphastrahlern” angeht, würde ich ein Rudel Hochleistungsstaubsauger und eine große Menge Filter an den Start bringen, um die Nachweisgrenzen zu drücken. Den Rest erledigen Kuriere und ein auf Durchsatz optimiertes Labor.

    @CyberYogi484:
    Ja, GM-Rohre taugen vor allem für Gammastrahlung; wenn ein dünnes Fenster eingebaut ist, auch für Betas. Ihre größen Brüder, die Proportionalzählrohre, können verschiedene Energien unterschieden und sind als Kontaminationsmonitor oder Labormessplatz beliebt, vor allem weil sie große Detektorflächen ermöglichen. Alphastrahlung geht damit auch, wenn man die Probe in das “Rohr” bringt, so dass es gar keine Barriere gibt, in der die Alpha-Teilchen stecken bleiben können. Die Proben muss man flach auswalzen, damit die Strahlung nicht schon in der Probe stecken bleibt. Das ist aber nur im Labor machbar denn es ist einiger Aufwand nötig mit sauberem Arbeiten und einen Haufen Blei drumrum.

    Als Spektrometer mit so feiner Unterscheidung der diversen Alpha-Energien, dass man einzelne Isotope identifizieren kann, sind vor allem Halbleiter in Gebrauch. Eine neuere Arbeit über den Plutonium-Nachweis mit Oberflächensperrschicht-Detektor ist die Thesis von Tanja Bisinger http://www.zsr.uni-hannover.de/arbeiten/drbising.pdf , die sich auch mit der Frage beschäftigt hat, wie man 239Pu und 240Pu getrennt bestimmen kann. Wenn Du massenspektrometrisch geringsten Plutonium-Mengen hinterhersteigen willst,
    so solltest Du Dir hier http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/broschuere_fachgespraech-teild.pdf
    den letzten Beitrag über das RIMS anschauen.

  90. Eng sagt:
    #496

    @ham: Die von mir genannten Diagramme unterstützen Deine Denkweise – anders könnte man sie schlecht erklären.

  91. Eng sagt:
    #497

    @Dirk 503: Danke für die Bilder. Ich habe mal in Photoshop so gut es ging Details vergrößert. Die Schäden durch den Tsunami sind noch heftiger als ich angenommen habe und durch die Explosionen wurde im Umfeld der Schaden nochmals erheblich vergrößert.

    Der große Hallenkran von Gebäude 3 liegt fast mittig im Gebäude unter der Dachkonstruktion aus Stahlträgern. Das der Reaktor explodiert und der Reaktordeckel nach oben geflogen sein soll ist daher unwahrscheinlich, sonst müsste der Kran das voll mitbekommen haben. Danach sieht es nicht aus.
    Die Stahlbetonstürzen zur Meerseite stehen noch fast komplett, die zur Landseite sind umgefallen – aber die Stützen links und rechts sind richtig „zerbröselt“ worden, so als wenn die Explosion sich nicht kreisförmig sondern vor allem nach links und rechts ausgebreitet hätte. Man hat auf den Explosionsvideos ja auch zuerst eine sichtbare Explosion zur Seite gesehen.

    Das Schadensbild von Gebäude 4 verstehe ich immer weniger. Auf jeden Fall eine Explosion mit ebenfalls hauptsächlich Seitenwirkung im Bereich Abklingbecken. Dort sind zwei bis drei Betonstützen samt Wände weg, aber das Dach ist nicht nachgestürzt. Dagegen ist die gegenüberliegende Wand nach innen eingeknickt (von der Explosionsdruckwelle Reaktor 3?). Und auf der Meer- und Landseite sind wahllos Wandteile erhalten geblieben. Insgesamt also wahrscheinlich mehrere kleinere Explosionsorte.

    Da auch die Vergrößerung in Photoshop irgendwann ihre Grenzen hat, halte ich meine anderen Beobachtungen zurück, da sie aus meiner Sicht nicht sicher genug sind. Die Arbeiten in Fukushima sind jedenfalls unglaublich schwierig und nicht nur wegen der Radioaktivität lebensgefährlich.

  92. Silene sagt:
    #498

    Auf dem Foto japan-earthquake-2011-3-30-0-50-12.jpg ist gut erkennbar, das Wasser aus dem Kühlwasserauslauf strömt! Dafür fällt mir nur eine Erklärung ein, und die wäre nicht schön…

  93. Eng sagt:
    #499

    @Nora 509: Das grüne Leuchten könnten unter anderem Teile der Lademaschinen der Abklingbecken sein. Siehe Innenaufnahme:
    http://www.welt.de/multimedia/archive/01336/japan151_fukushima_1336294p.jpg

  94. Dirk sagt:
    #500

    Ich habe leider kein Photoshop sondern nur die herkömmlichen Progs. Auf den Details von B3 scheint.. der Rauch von zwei Stellen zu kommen, einmal aus dem Abklingbecken und zum anderen mehr aus der Mitte-rechts-unten. Schwer zu erklären. Wenn ich da den Reaktor vermute scheint der undicht zu sein. Verglichen mit B4 ist an der Stelle auch ein “Loch” zu erahnen (diagonal links unten vom gelben Deckel) Der Reaktor soll ja im B4 geöffnet gewesen sein.
    Die Zerstörungen auf dem Gelände sind wirklich massiv, das ist dann kein Wunder das da auch in den Gebäuden reichlich Schäden sind.
    @eng
    beim B4 ist wirklich alles komisch. Das da “nur” das Abklingbecken schuld dran sein soll… merkwürdig.
    Zu B1: Das verstehe ich auch nicht wirklich. Ist denn B1 anders gebaut wie die anderen? Die Fläche müsste doch auch die Servicefläche mit Kran etc sein