Die Probleme beim Kernkraftwerk Fukushima I

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Die Explosion im Kraftwerk Fukushima I, die ein Teil des Reaktorgebäudes zerstört hat. (Bild: Tagesschau.de)

Wir haben eine Neuauflage geschrieben:
Eine Zusammenfassung der Probleme bei Fukushima I

Der folgende Text ist also veraltet. Bitte beim Lesen berücksichtigen.

Nachtrag: Am Fuße des Artikels gibt’s ein paar Nachträge!

Die Kacke ist am Dampfen. Ziemlich übel sogar. Nach dem Erdbeben vor der Ostküste Japans kam es zu Problemen im Kernkraftwerk Fukushima I. Ein paar persönliche, vorläufige Einschätzungen zur Lage1, nachdem ich zusammen mit Andi schon die technischen Hintergründe bei Druck- und Siedewasserreaktoren abgedeckt habe:

Der Anfang

Nach dem Erdbeben sind 11 der 17 Kernkraftwerke in Japan — korrekterweise — automatisch abgeschaltet worden. Dabei wurden Steuerstäbe mit Neutronenabsorbern in die Kerne gefahren, so dass die Kettenreaktion gestoppt ist. Die Gefahr ist dadurch aber noch nicht gebannt, wegen der sogenannten Nachzerfallswärme muss weiter gekühlt werden.
Der Kühlkreislauf wird durch Pumpen aufrecht erhalten, die mit Strom versorgt werden müssen. Bei Fukushima I sind die Notstromaggregate mit dem eintreffenden Tsunami abgesoffen und Batterien sind eingesprungen.

Soweit alles eigentlich noch kein Problem. Die tauchten erst auf, als die vorhandenen Notstromaggregate nicht wieder ansprangen und später gelieferte Ersatzgeräte kein passendes Anschlusskabel hatten. Infolge dessen liefen die Batterien leer und der Kühlkreislauf wurde schließlich unterbrochen.
Auch die Ventile, die den Druck im Reaktorkern und Sicherheitsgebäude regeln, benötigen Strom, so dass ich vermute, dass hier auch nur noch abgewartet werden kann.

Die Kernschmelze

Steigt der Druck im Reaktor zu stark an, kann es zu Explosionen kommen. Eine davon hat man heute morgen sehen können, die betraf aber vermutlich nur das äußere Gebäude aufgrund eines Pumpsystems. Der Druckbehälter um den Reaktorkern, ein kräftiges Stahlgehäuse, ist vermutlich noch intakt, wenngleich es auch hier widersprüchliche Meldungen gibt.

Durch die ausgesetzte Kühlung heizt sich der Kern weiter auf und irgendwann schmelzen Tragestrukturen und Brennstoff — die Kernschmelze tritt ein. Nach ARD-Informationen ist dies bereits eingetroffen, die Regierung dementiert das aber. Gleichwohl räumt sie ein, dass die Schmelze wahrscheinlich ist.

Die nächsten Stunden sind entscheidend. Hat die Explosion große Mengen radioaktives Material freigesetzt? So wie es momentan aussieht nicht, auch der Druckbehälter, der den radioaktiven Kern enthält, scheint bislang stabil zu sein.
Was passiert, wenn es zur Kernschmelze kommt? Im günstigsten Fall bleibt sie im Druckbehälter. Das ist allerdings nicht sichergestellt. Wenn die Kühlkette langfristig unterbrochen bleibt, kann sie sich nach unten durchbrennen und Boden und Grundwasser verseuchen. Das ist zwar äußerst scheiße, aber lokal relativ begrenzt und somit relativ gut handhabbar.
Der schlimmere Fall ist eine weitere Explosion, die durch Überdruck oder sich entzündeten Wasserstoff hervorgerufen werden könnte. Diese Explosion kann dann nämlich große Mengen radioaktives Material in die Atmosphäre hinaus streuen, dass dann mit dem Wind fortgetragen wird und irgendwo großflächig verteilt als radioaktiver Fallout wieder runterkommt.

So wie Tschernobyl?

Die Ursachen sind sicherlich andere, auch der Ablauf der Katastrophe ist nur schwer vergleichbar. So kam es in Tschernobyl infolge von Ignorieren von Sicherheitsvorschriften und Bedienfehlern zu einer direkten Kernschmelze, ohne dass die Kettenreaktion gestoppt werden konnte. Der entstandene Klumpen hat also fröhlich weiter massiv Hitze produziert und die resultierende Explosion war enorm.

In Fukushima ist eine Kernschmelze zwar auch wahrscheinlich, allerdings nur durch Nachzerfallswärme. Dabei hat man mehr Vorlaufzeit und kann besser mit Notfallmaßnahmen reagieren: Gerade plant man, Meerwasser mit Bor zur Kühlung des Reaktors zu verwenden. Dass es zu einer Explosion mit Freisetzung von radioaktiven Material in die Atmosphäre kommt ist keine unbedingte Folge des Unfalls. Brennt sich die Kernschmelze nur nach unten durch, ist das Ausmaß längst nicht so katastrophal wie in Tschernobyl.
Sollte es doch zur Explosion kommen, ist die geografische Lage günstiger. Das Kraftwerk liegt am Pazifik und hat nach aktueller Windrichtung kaum betroffene Landfläche2, sodass der Fallout nur wenig besiedelte Gebiete treffen würde.

Ich vermute also, dass die Schadwirkung in Japan nicht Tschernobyl erreichen wird. Ausgeschlossen ist es aber nicht – und toll schon gar nicht. Weil die direkte Umgebung so oder so Folgen davontragen wird. Tragisches Detail am Rande: Fukushima I sollte in einem Monat nach 40 Jahren Betriebsdauer abgeschaltet werden.

Weitere Informationen

– Technische Hintergründe, wie so ein Kraftwerk wie in Fukushima überhaupt funktioniert und was da so im Detail bei einem Unfall passiert, haben wir in einem anderen Artikel zusammengefasst: Dampf im Kessel: Druck- und Siedewasserreaktoren.
– Jörg sammelt bei sich im Blog interessante und qualitativ gute Links, die einem helfen, sich ein eigenes Bild abseits von Panikmache zu erstellen.
– Die Live-Berichterstattung von Al-Jazeera ist wieder sehr gut, auch der japanische Sender NHK World liefert zügig Informationen.

Nachtrag (Sonntag, 13. März)
24 Stunden sind ins Land gegangen, seitdem dieser Artikel geschrieben wurde. Viel ist passiert. Aber eines ist gleich geblieben: die verwirrende Nachrichtenlage aus Japan heraus. Aktuelle Informationen entnehmt ihr am besten den Tickern, die überall im Netz zu finden sind. Spiegel Online, Al Jazeera — oder in den Spezialsendungen im TV. Ein besonderer Hinweis weiterhin auf Jörgs Sammelposting, wo er immernoch gute Links zusammenführt.

Wir wollen hier ein paar Fragen besprechen, die in den Kommentaren auftauchten und auch ein kurzes Update zur Lage geben.

  • Notstromaggregate und Energieversorgung: Warum fliegt das Militär nicht einfach mit ein paar Hubschraubern Notstromaggregate ein, schließt sie zur Wiederherstellung der Energieversorgung der Kühlkreisläufe an und verhindert so eine (weitere) Kernschmelze? Wir haben keine Ahnung! Wir können nur Mutmaßen: So einfach wie es klingt, ist das nicht. Man braucht viele Aggregate. Man setzt eine funktionierende Strominfrastruktur vor Ort (nach der Explosion!) voraus. Funktionieren die Kühlpumpen überhaupt noch?3 Wie nah kann man sich an den Reaktor heranwagen? Alles Fragen, für die wir hier keine Erklärungen haben.
  • Meerwasser zur Kühlung: Die japanische Regierung setzt momentan Meerwasser zur Kühlung des Reaktordruckbehälters ein. Das korrodiert die Kühlungsrohre, ist aber für den Moment egal. Ob die Kraftwerke allerdings später wieder aufgebaut werden, ist daher fraglich. Insgesamt scheint diese Aktion nicht im Notfallplan vorgesehen, sondern improvisiert zu sein.
  • Kernschmelze oder Nichtkernschmelze: Auch hier ändert die Regierung häufig ihre Aussage. Gerade ist der aktuelle Stand, dass man vermutet, es habe keine Kernschmelze gegeben. Wichtig: Sollte es trotzdem zu einer Kernschmelze gekommen sein, muss nicht unbedingt der gesamte Kern geschmolzen sein (auch eine Teilschmelze ist möglich) — darüber hinaus muss die Schmelze nicht zwangsweise aus dem stählernen Druckbehälter ausgetreten sein. Letzterer scheint noch intakt, bei der Explosion von Samstag ist vermutlich nur das umgebende Betongebäude zerstört worden.
    Eine hervorragende Animation dazu findet sich auf der Webseite der New York Times.
  • Radioaktivität in der Umgebung: Man liest davon, dass Caesium-137 und Iod-131 in der Nähe der Reaktoren gemessen wurde. Eine wahrscheinliche Erklärung des Ursprungs dieser Spaltprodukte ist der Druckablass am Samstag um eine Explosion des Reaktorkerns zu vermeiden. Dabei wird Dampf abgelassen, der beim Siedewasserreaktor im direkten Kontakt mit den Brennstäben stand und so eine geringe Kontamination aufweist. Die Strahlenbelastung ist höher als die natürliche, aber noch nicht besorgniserregend für die Umgebung. Insbesondere ist sie wesentlich geringer, als wenn der Kern selber in die Gegend verteilt worden wäre.
  • Zweiter Reaktorblock: Mittlerweile ist neben dem Reaktorblock 1 in Fukushima auch Reaktorblock 3 in einer kritischen Situation. Hier deutet sich momentan eine Wiederholung des gestrige Verlaufs beim Schwesterblock an.

Wir hoffen, dass die Maßnahmen der Japaner Erfolg haben und sich die Lage bald zum Positiven aufklärt.

Nachtrag (2), Sonntag, 13. März, 22:32 Uhr: Susi hat unten in einem Kommentar gut erklärt, woher der Wasserstoff für die Knallgasexplosion am Samstag morgen kam.

Nachtrag (3), Montag, 14. März, 13:22 Uhr: In den Kommentaren wurde bereits mehrfach die Frage gestellt, wie lange denn so ein abgeschalteter Reaktorkern noch gekühlt werden muss.
Zwar ist die Kettenreaktion gestoppt, aber andere Kernreaktionen finden weiter statt und produzieren Wärme. Ein genauer Zahlenwert ist dabei nicht gut zu machen, weil zu viele Faktoren reinspielen, die wir momentan einfach nicht kennen. Aktiv gekühlt (also z.B. mit Wasser) werden muss der Kern sicherlich die nächsten ein-zwei Jahre, danach muss weiterhin mit passiver Kühlung gearbeitet werden.
Als Vergleich: wenn ein Brennstab in einem AKW ausgebrannt, also zu schwach zur effektiven Stromproduktion ist, muss er noch 2-3 Jahre in einem Wasserbecken im AKW gelagert und gekühlt werden, obwohl die Kettenreaktion der Kernspaltung in diesem Moment gestoppt ist. Anschließend wird der Brennstoff in CASTOR-Behälter geschafft, die mit Kühllamellen für eine passive Kühlung sorgen. Auch darin ist’s dann noch 400-500°C heiß.

Nachtrag (4), Dienstag, 15. März, 14:26 Uhr: Heute Abend um 21 Uhr wird es im WDR eine Quarks-&-Co.-Sendung zu den Vorgängen in Fukushima geben. Ranga Yogeshwar ist normalerweise dafür bekannt, seriöse und gute Beiträge zu geben, daher ganz klare Empfehlung von unserer Seite aus.

Nachtrag (5), Mittwoch, 16. März, 15:00 Uhr: Wir haben einen Beitrag zum Thema Nachzerfallswärme geschrieben.

  1. Zu meinem Hintergrund: ich habe im Rahmen des Studiums das Nebenfach Reaktortechnik belegt. []
  2. Hier war vorher dieses Bild verlinkt, das aber anscheinend nicht so verlässlich ist. Danke David. []
  3. Die Explosion soll durch das Kühlsystem ausgelöst worden sein, nicht ausgeschlossen, dass es einfach am Arsch ist. []
Kurzlink
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461 Antworten auf Die Probleme beim Kernkraftwerk Fukushima I

  1. #1

    Anmerkung:

    Die Karte zur ‘betroffenen Landfläche’ gilt (zumindest momentan) als nicht authentisch. – Generell illustriert sie aber natürlich schon, worum es geht.

  2. Andi sagt:
    #2

    Solltest du auf etwas authentischeres stoßen – nur her damit!

  3. #4

    Hab’ ich natürlich nicht. ;) – Ich dachte nur, dass es der Vollständigkeit halber erwähnt werden sollte.

  4. Susanne sagt:
    #5

    Danke, Andre!
    So deutlich & verständlich muss das mal jemand erklären, damit auch ich die nötigen Hintergrundinfos hab.

  5. WOLF sagt:
    #6

    Es ist schon erstaunlich, wie sich viele ATOMKRAFT-Kernkraft-WERKS-EXPERTEN oder Atomphysiker/Kernphysiker in den Foren und Blogs zum japanischen KKW Srörfall/Unfall/GAU zu “Wort” melden.
    Ich glaube, obwohl ich selber über ein Jahrzehnt für Kernkraftwerkssicherheitsuntersuchungen bei deutschen Kraftwerkstypen (AEG, SIEMENS, danach KWU und BBC) tätig war, oder eben deshalb – daß es genauer Kenntnisse der GE Konstruktion/Anlage bedarf, um genau den Vorgang bei Fukoshima 1 beschreiben zu können. Eins ist aber sicher, daß es eine gewaltige Excursion gegeben haben muß – zu beobachten ganz am Anfang des Videos der Explosion. Danach erst sieht man die Rauchentwicklung hervorgerufen durch die Destruierung des umgebenden Betonmantels. Auf jeden Fall ist die Kontamination der Umwelt (Land und Meer) über Aerosole und Tritium im Wasser/Dampf erheblich und dürfte ungeahnte Schäden hervorrufen. Bei möglicher Kernschmelze könnte Grundwasser und Meerwasser stark betroffen sein.

  6. Andi sagt:
    #7

    @WOLF: Nur damit das klar ist: Wir sind weder EXPERTEN (aber das haben wir auch nirgends behauptet!) noch kennen wir uns besonders gut aus. Wir trauen uns zu, etwas mehr Ahnung von der Thematik zu haben, als es der Gros der Bevölkerung hat. Deswegen melden wir uns »zu “Wort”«.
    Um das Vorgehen der Explosion genauer darstellen zu können, braucht es wesentliche mehr Wissen. Das ist auch unser Standpunkt. Wir versuchten nur die verfügbaren Informationen einzusammeln und einzuordnen, abseits von Panikmache – der Grad ist nämlich ein schmaler (verständlich).
    Wir hoffen, so wie wahrscheinlich die meisten Menschen, auf baldige Aufklärung definitiver Natur!

  7. WOLF sagt:
    #8

    .. wollte keinem HIER die spezifische Kompetenz absprechen, sondern nur darauf hinweisen, möglichst realitätsnah zu argumentieren sofern das auf grund der diffusen Informationslage überhaupt möglich ist.

  8. Steffi Maltzan sagt:
    #9

    Aber die Angst, die jetzt aufkommt, will verstanden werden und da sind die Experten gefragt. Klar, Japan ist weiter weg, aber es kann jederzeit auch ein Atomkraftwerk in Deutschland oder Frankreich (liegen ja an der Grenze) passieren durch andere Zu- und Umstände. Die Frage ist, ob es weiterhin sinnvoll ist, ein solches Risiko für die Menschen einzugehen. Oder ob man mehr Energie in die Lösung für neuere Energiequellen setzt. Aber da ist die Atomlobby gegen.
    Entscheiden können WIR Bürger das wohl nicht, nur die Konsequenzen tragen. Das wird anhand Japan deutlich.
    Ich gestehe, ich habe Angst, auch wegen meiner Kinder und Enkel.

  9. Andi sagt:
    #10

    @Steffi: Ja, da hast du natürlich recht. So ein Ereignis führt zu Sorgen und Befürchtungen für Deutschland. Das ist verständlich. Aber da das ein sehr weites, emotional geprägtes Feld ist, das schnell von einem objektiven Standpunkt weg rückt, wollen wir das hier im physikBlog nicht diskutieren – jetzt zumindest nicht. Das mag wie ein feiger Ausweg scheinen (»Physiker machen einfach und beschäftigen sich nicht mit den Konsequenzen!!1«) aber wir könnten den Sturm an Meinungen sonst nicht die Aufmerksamkeit bieten, die sie verdient hätten.
    Danke :).

  10. licht der aufrechten sagt:
    #11

    Was passiert eigentlich wenn größere Mengen an Kernbrennstoff die Phase
    wechseln.Wird der Neutronenfluss moderiert? Verschwindet die Dopplerverbreiterung
    des Einfangspektrums für Neutronen bei hohen Temperaturen? Verändert sich der Einfangquerschnitt?
    Ist das alles ein großes Experiment ,daß noch nie durchgeführt wurde?

  11. Greg sagt:
    #12

    Nur nochmal der Hinweis: der Unfall von Tschernobyl kam eben _nicht_ von einer Kernschmelze, sondern von einer plötzlichen Leistungsexplosion aufgrund von Fehlkonstruktion und -bedienung. Platt gesprochen: denen ist der Laden direkt um die Ohren geflogen.

  12. Andi sagt:
    #13

    @»licht der aufrechten«: Sorry. Keine Ahnung. Außerdem suggeriert die Anzahl an Fragen, dass du gar nicht an der Antwort interessiert sein könntest… Aber wie gesagt, keine Ahnung, das übersteigt mein Wissen.

  13. licht der aufrechten sagt:
    #14

    An Greg

    Diese Leistungsspitze muß örtlich sehr begrenzt aufgetreten sein.
    Ansonsten wäre alle Blöcke dem Erdboden gleich gemacht worden.
    Kann eine solche Leistungsspitze durch Phasenübergang Fest Flüssig enstehen?
    Spielt hier die Gibbse Phasenregel eine Rolle und kann eine
    Entmischung auftreten?

  14. licht der aufrechten sagt:
    #15

    An Andi

    Natürlich interessiert mich die Antwort! Könnte einer Menge Physikern und
    und Ing,s (unseren Handwerkern) u.u. das Leben retten.

  15. Dirk sagt:
    #16

    Was ich mich die ganze Zeit frage: Warum haben die keinen Strom? Ok, etliche Atomkraftwerke sind abgeschaltet, also weniger Leistung im Netz. Aber das könnte man doch eventuell ausgleichen (gibt ja auch sonst Leistungsspitzen) und notfalls müsste man doch einfach andere Teile des Landes vom Strom trennen dürfen? Dann lieber 2 Tage Tokio ohne Strom, also einen Super-GAU. oder sind einfach die Leitungen zum Kraftwerk zerstört – Warum kann man das nicht schneller reparieren? Sonst sind doch solche Stromschäden nach Stürmen in Deutschland auch innerhalb von wenigen Stunden repariert. Und wenn es um einen Super-Gau geht würde ich halt jeden Elektriker dann rausschicken, der noch laufen kann…
    Und zweitens, der Strom aus den Notstromaggregaten. Ich vermute mal, davon gab es mehrere, weil bei AKWs ja immer alles doppelt und dreifach gesichert ist. Standen die dann nebeneinander (was ich äußerst seltsam fände…)? Oder warum sind ALLE ausgefallen? Haben die bei denen an der Küste nicht auch so riesige Tsunami-Wände – Warum haben die das nicht aufgehalten?
    Und warum zum Geier hat man keine passenden Anschlusskabel? Mit ist schon klar, dass man solche Kabel nicht im Media Blöd um die Ecke kaufen kann, aber trotzdem könnte man doch solche Kabel für den Notfall auf Vorrat da haben?!

    Übrigens zwei tolle Artikel zu dem Thema, die auch mir als Physikniete verständlich waren!

  16. Andi sagt:
    #17

    @Dirk: Du stellst die richtigen Fragen! Ich kann da nur mutmaßen. Vielleicht kann Strom die Kraftwerksblöcke nicht erreichen weil im Zuge des Tsunamis die Leitungen kaputt gegangen sind? Bei den Notstromaggregaten habe ich noch weniger eine plausible Antwort.

    Danke dir für das Lob!

  17. Dave sagt:
    #18

    Eine sachliche Diskussion? Super, danke dafür :)

    Warum das Kraftwerk keinen Strom hat? Reine Spekulation:

    – Es sollte klar sein, dass die Gegend durch das Erdbeben ziemlich in Mitleidenschaft gezogen wurde. Leitungen sind davon natürlich ebenfalls betroffen. Wenn man sich die Bilder vom AKW ansieht, fällt auch hier der physische Schaden an der Anlage auf. Würde mich also nicht wundern, wenn die Zuleitungen gekappt sind.
    – Wenn man sich dannn noch die Infrastruktur anguckt (Straße u.a.) kommt man zu dem Schluss, dass die Techniker wohl schlicht nicht zu den Problemzonen hinkommen und überhaupt: Wo anfangen?
    – Das mit den Notstromaggregaten verstehe ich auch nicht. An sich müsste in einem Siedewasserreaktor die Restwärme reichen um Strom für die Pupmen und damit für die Kühlung zu erzeugen. Dazu kommen noch die mehrmals redundant vorhandenen Notstromaggregate. Hierzu fällt mir eignetlich nur ein, dass die Schäden durch das Erdbeben auch die Notstromaggregate beschädigt haben. Wo wir wiederum beim Punkt oben sind: Infrastruktur kaputt – woher neue Generatoren beschaffen? Über den Seeweg vielleicht – gut, aber es ist sicher nicht einfach, mal eben einen passenden Generator herbeizuschaffen. Den bekommt man sicher nicht bei Conrad. Und dann spielt der Faktor zeit noch eine Rolle. Sprich: In 4 Wochen werden die wohl keinen Generator mehr brauchen.
    – Es ist nicht so, dass das Notkühlsystem eine Steckdose für den Notfall hat: “Hier bitte Batterie/ Generator beim Versagen aller Sicherheitssystem anschließen.” Dafür muss man sich mit der Konstruktion des Kraftwerks genauestens auskennen. Erst dann kann man reagieren. Und eventuell müssen diese Experten erst eingeflogen werden: Die Planer zum Beispiel. Ich denke nicht, dass der Schichtleiter die Konstruktionspläne vom Kühlsystem kennt und sofort entscheiden kann wie und wo man am besten ein Ersatznotromaggrat anschließen muss. Und nebenei könnten die Zuleitungen auch defekt sein.
    – Ironie des Schicksals. Im Kraftwerk fehlt der Strom. Da sieht man mal, wie wir davon abhängig sidn. Es darf auch nicht vergessen werden, dass alle Reaktorblöcke notabgeschaltet wurden (scheint wohl ein automatisches Sicherheitssystem in Japan bei Erdbeben zu sein). Dann benötigen also alle Blöcke Strom, der dann knapp wird. Ich weiß es nicht mehr auswendig, meine mich aber zu erinnern, dass ein KWW ca. 5-10% Strom für den Eigenbedaf benötigt. Insb. die Kühlpumpen. In der Regel kein Problem, weil der Strom dann aus dem Netz kommt. Hier aber schon, weil das Netz kaputt ist ;-)

    Wie wurde das eigentlich in der Vergangenheit gehandhabt? Erdbeben gibt es in Japan ja nicht seit gestern und KKWs dort auch schon seit gut 40 Jahren.

    Puh, wie gesagt, alles reine Spekulationen.
    Ich denke, wir müssen abwarten. Die Mitarbeiter in dem Kraftwerk werden jetzt wichtigeres zu tun haben, als Pressekonferenzen zu geben.

  18. ponyhof sagt:
    #19

    Also die Notstrommotoren wurden vom Tsunami erwicht, so wie es ausschaut. Die dummgesagt einfach abgesoffen.

    So wie ich das sehe ist dort noch ein Wasserbecken vor. Der Tsunami muss so stark gewesen sein, das er einfach drüber weggespühlt ist.

    Das erklärt vermutlich auch, warum dort kein Saft von außerhalb ankommt. Weil da nicht einfach nur ne Leitung ausgefallen ist, sondern einfach alles was nicht massiv wie ein AKW gebaut ist zerstört wurde.

    Guck dir die Videos an. Das ist ein Masse aus Wasser, Schlamm, Gebäuteteilen, Geröll, Autos, Schiffen, Containern, etc.

    Da kannst ist Zweifelsfall erstmal gar nicht gescheit durch mit nem LKW. Und wo soll die ganze Logistik, die das benötigt aufeinmal herkommen, wenn vieles durch den Tsunami zerstört oder weggespühlt wurde?

    Außerdem läuft nebenher mit Ende der Naturkatastrophe sofort ne humanitöre Katastrophe an. Wo soll da angefangen werden? Menschen aktiv durch Bergung/Erste Hilfe retten oder passiv durch Hilfe an und um den Krisen-AKW?
    Wie soll das in dem Chaos vorort bitte koordiniert und kommuniziert werden`, ein Problem ist ja der fehlende Strom gewesen?!

    Der SuperGAU dort war dieser Monster-Tsunami. Der hat das Sicherheitskonzept des AKW, was bis dahin funktioniert hat, im wahrsten Sinne des Wortes weggespühlt, wenn ihr mich fragt!

    Diese Technik oder ne unsere Technik allgemein ist bei dem Level, was unsere Naturkatastrophen bislang erreicht haben, einfach am Ende!

    Libertärer Grüsz

    Ponyhof

  19. hilti sagt:
    #20

    Was ich mich die ganze Zeit frage: Warum haben die keinen Strom?[…] oder sind einfach die Leitungen zum Kraftwerk zerstört – Warum kann man das nicht schneller reparieren? Sonst sind doch solche Stromschäden nach Stürmen in Deutschland auch innerhalb von wenigen Stunden repariert. Und wenn es um einen Super-Gau geht würde ich halt jeden Elektriker dann rausschicken, der noch laufen kann…

    Gerade im Brennpunkt wurde gesagt, dass in der kompletten Region der Strom ausgefallen ist. Ob da nun der Tsunami Leitungen und Umspannwerke abgeräumt hat nachdem die das Erdbeben gut überstanden haben oder ob das Erdbeben schon ausreichte weiß ich nicht. Das Problem dürfte aber sein die Reparaturmanschaften und die Ersatzteile an die richtigen Stellen zu bekommen wenn die Strassen selbst auch durch Erdbeben und Tsunami beschädigt wurden.

    Und erinnere dich einfach mal dran wie lange es vor ein paar Jahren im Münsterland gedauert hat die Stromversorgung wiederherzustellen nachdem die Masten unter den Schnemassen zusammengebrochen waren.

    Und zweitens, der Strom aus den Notstromaggregaten. Ich vermute mal, davon gab es mehrere, weil bei AKWs ja immer alles doppelt und dreifach gesichert ist. Standen die dann nebeneinander (was ich äußerst seltsam fände…)? Oder warum sind ALLE ausgefallen? Haben die bei denen an der Küste nicht auch so riesige Tsunami-Wände – Warum haben die das nicht aufgehalten?
    Und warum zum Geier hat man keine passenden Anschlusskabel? Mit ist schon klar, dass man solche Kabel nicht im Media Blöd um die Ecke kaufen kann, aber trotzdem könnte man doch solche Kabel für den Notfall auf Vorrat da haben?!

    Tja, das sind die richtigen Fragen. Insbesondere die Sache mit dem Anschlusskable lässt mich fassungslos zurück.

  20. Chris sagt:
    #21

    Ich meine irgendwo gelesen zu haben, dass besagtes Notstromaggregat von irgendwoher als Ersatz aufgetrieben wurde, also ursprünlich wahrscheinlich nicht für das AKW bestimmt war. Das zugehörige Kabel war dann wahrscheinlich für das AKW nicht passend (- kenne mich mit solchen Kabeln nicht aus, aber vermute mal, dass das nicht dasselbe ist wie z.B. ein einfaches Verlängerungskabel…..)

    Und wenn gerade die komplette Infrastruktur erst von einem starken Erdbeben und gleich im Anschluss von einem heftigen Tsunami heimgesucht werden… dann ist nichts mehr so wie man es kennt

  21. Caesar sagt:
    #22

    Hat hier jemand eigentlich eine plausible Erklärung, wie die von den Behörden (NISA und unter Berufung auf diese auch IAEA) gleichzeitig gestreuten Informationen, die primäre Reaktorhülle sei intakt UND in der Umgebung sei Caesium 137 detektiert worden, zusammengehen?

    Kann jemand schnell die Tunnelwahrscheinlichkeit für große Moleküle und dicke Stahlwände ausrechnen?

  22. Dirk sagt:
    #23

    Danke für eure Antworten. Eure Aussagen mit der völlig kaputten Infrastruktur machen für mich Sinn, dann finde ich es aber trotzdem eine völlige Fehlplanung. Ich meine, die AKWs sind ja für starke Erdbeben (ich habe glaube ich irgendwo 8,2 gelesen) ausgelegt. Demzufolge kann man doch im Sicherheitskonzept nicht davon ausgehen, dass alle Infrastruktur tadellos ist und mal schnell Ersatzteile geliefert werden können – Das hätte man doch einplanen können. Das Szenario eines Erdbebens mit anschließendem Tsunami ist ja nun wirklich nicht so unrealistisch, auch wenn dieses jetzt besonders stark war.
    Auch sollte die Infrastruktur ja hauptsächlich in der Küstenregion zerstört sein, durch den Tsunami. Eigentlich sollte der Reparaturaufwand da doch machbar sein, finde ich.

    Was ich mich als Laie weiterhin frage: Wie groß und schwer muss ich mir denn so Notstromaggregate für ein AKW vorstellen? Ich hätte mir die ja jetzt so vorgestellt wie circa ein LKW. Und da frage ich mich wiederum, warum man die nicht mit Militärhubschraubern transportieren kann? Die sind ja im Normalfall auch dafür gemacht, besonders schwere Lasten zu transportieren.

  23. Nobu sagt:
    #24

    @Caesar: Man hat Dampf aus dem Reaktorsicherheitsbehälter abgelassen, um ebendiesen zu entlasten, oder vor dem bersten zu bewahren. Bei diesem Vorgang wurde radioaktives Material in die Umwelt freigesetzt. Es sind wohl Filter installiert, damit ein großer Teil der radioaktiven Stoffe im containment bleibt, aber dem sind auch technisch Grenzen gesetzt. So tritt Radioaktivität auch aus einem “intakten” containment an die Außenwelt.

  24. Tr sagt:
    #25

    Eine Gute Frage von Caesar:

    Hat hier jemand eigentlich eine plausible Erklärung, wie die von den Behörden (NISA und unter Berufung auf diese auch IAEA) gleichzeitig gestreuten Informationen, die primäre Reaktorhülle sei intakt UND in der Umgebung sei Caesium 137 detektiert worden, zusammengehen?

    Bedeutet dies tatsächlich einen direkten Leck, oder kann Kühlwasser mit den Reaktionsprodukten kontaminiert werden, sodass der Reaktor intakt bleibt?
    Zweite Frage ist bezüglich der Explosion: wie nah an dem Reaktor dran kann etwas explodieren? Kann es sein, dass ein Betongebäude bis auf Grundstein zerstört ist, aber ein Stahlbehälter unmittelbar drin ganz bleibt?

  25. André sagt:
    #26

    Allgemein erstmal ein Lob an unsere Kommentatoren: ich bin sehr erfreut über das sachliche Niveau der Diskussion. Danke!

    Zur Radioaktivität in der Umgebung: Die ist wahrscheinlich auf das Ablassen von Druck zwischendurch zurückzuführen, wodurch kontaminierter Wasserdampf entweicht. Das stützt auch die Messungen, dass erst 1 mSv/h und später nur noch 75 µSv/h an Strahlung gemessen wurden.
    Wie Nobu richtig sagt deutet das noch nicht unbedingt auf eine Beschädigung des Druckbehälters hin.

    @Tr: zur ersten Frage: Ja, kann es. Das wird über Ventile abgelassen.
    Zur zweiten Frage: Auch das kann sein. Der Druckbehälter ist auf enorme Druckverhältnisse ausgelegt, so dass auch eine Explosion um ihn herum nicht unbedingt zu Schäden führt. Aber das ist natürlich auch keine Behandlung mit Samthandschuhen.

    @Dirk: Atomkraftwerke vor 1990 (oder so, müsste es nochmal nachgucken) müssen sogar nur bis 7,5 auf der Richterskala ausgelegt sein. Darunter fällt dann auch Fukushima.
    Was die Notstromaggregate angeht: ich würde auch sagen, LKW-Anhänger. Und die sind auch tatsächlich mit Hubschraubern da hin verfrachtet worden, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Aber hat irgendwie trotzdem nichts gebracht.

    @Chris: Ah, das wusste ich noch nicht, dass die Aggregate von anderen AKWs stammen.
    Dass es allgemein eher drunter und drüber geht gerade ist wohl natürlich. Aber dann ist es eigentlich umso wichtiger, dass gescheite Notfallpläne und -vorrichtungen bestehen, die das Handeln in solchen Situationen erleichtern.

    @hilti: Wie auch schonmal hier gesagt wurde: wenn alles drunter und drüber geht und die normalen Verkehrswege auch nicht mehr funktionieren, dann kann man halt nicht mehr so schnell Stromleitungen nachbessern.
    Trotzdem muss man natürlich auch gerade auf so einen Fall vorbereitet sein, wenn von außen einfach kein Strom mehr ranzuschaffen ist. So ein kritisches Teil wie ein AKW muss autak funktionieren.

  26. hilti sagt:
    #27

    @Dirk
    Soo gewaltig groß sind die gar nicht. Bis etwa 3MVA bekommst die betriebsfertig im Container geliefert. Wobei ich jetzt nicht weiß wie viel Leistung benötigt wird. Wahrscheinlich eher mehr, weil Kühlwasserpumpen in großen Kraftwerken schon ordenlich Leistung schlucken.

    Sie hatten ja auch eins aufgetrieben wo dann das passende Kabel fehlte. Kabel für sowas sind armdick und da gibts dann keine Stecker für sondern die werden angeklemmt. Wild spekuliert würde ich sagen, dass mit “nicht passend” zu kurz gemeint war. Alles andere erscheint mir noch unlogischer.

    Und zur erdbebensicheren Auslegung sag ich nur: Planung ersetzt Zufall durch Irrtum…

  27. Splantor sagt:
    #28

    Also was mich da viel mehr beunruhigt ist diese Explosion … Die sah nicht so aus, als wäre sie durch nen 8-10bar Druck entstanden ( ca doppelter zulässiger Gebäudeinnendruck ) ! Davon “zerfetzt” kein vermutlich robuster Stahlbeton.

    Wie viele Reporter und Experten bereits sagten könnte das nämlich eine sogenannte Knallgas Explosion gewesen sein.

    Die Frage ist nur woher kommen solche enormen mengen Wasserstoff auf einmal her ? Dies kann in einem KKW nur einen Grund haben –> Die Schmelze ist bereits soweit fortgeschritten, dass bereits soviel Wasser verdampft/soviel Hitze im inneren des Reaktors entstanden ist, dass diese ausreicht, um selbst wasser in grossem stil aufzuspalten.
    Dies geschieht wohl erst ab kp? mehreren 100/ 1000 °C ?

    Dies würde auch bedeuten dass es da bereits ein grösseres Leck vom reaktorkern über das sog Containment in die Reaktorhalle gibt /gegeben hat ( irgendwie muss das gas ja in die halle gekommen sein, denn entstehen kann es ja nur im Kern selber vorerst ^^ ) Dies würde wiederum auch die stark erhöhte strahlung erklären die dort auftritt, aber anscheinend von offizieller Seite her stark heruntergespielt wird ( Die radioaktivität würde zurückgehen wurde mehrfach gesagt/geschrieben )

    Mal angenommen diese Theorie stimmt, dann ist es wahrscheinlich bereits gelaufen und der GAU wird zum SUPER-GAU.

    Wenn die Gase so enorm entstanden sind , dass die komplette Halle ( die ja RIESENGROSS ist ) einfach explodiert, dann herrschen dadrin bereits temperaturen von einigen tausend °C … Und ab da schmelzen Metalle eben ! Und wenn diese extrem heisse Masse dann sozusagen durchschmilzt und evtl sogar noch mit eingeleitetem Meerwasser in berührung kommt, dann ist sowas von Essig in Japan, denen fliegt der ganze rotz dann so richtig um die Ohren.

    Bleibt nur zu hoffen, dass ich damit falsch liege

  28. Knox sagt:
    #29

    Gut und auch mal wirklich verständlich erklärt.
    Wenn ich davon ausgehe, dass bei einem zweiten Reaktor angeblich auch die Kühlung ausgefallen ist und auch hier wieder eine Explosion drohen könnte stellt sich mir die Frage ob diese Explosionen nicht noch weitere Reaktoren beschädigen könnten und so noch auf andere Weise eine Kettenreaktion entstehen könnte.
    Dann wäre wohl auch der Schaden entsprechend größer.
    Außerdem müsste man dann von mehreren Kernschmelzen ausgehen. Sollte das der Fall sein, könnte die Katastrophe nicht womöglich doch noch ähnlich viel Schaden verursachen wie Tschernobyl?

  29. juppes sagt:
    #30

    Es stellen sich schon zahlreiche Fragen:

    – warum hat man nicht einen Block nach dem Erdbeben wieder angefahren, um die anderen mit Energie zu versorgen?

    – wie kann es sein, dass alle Notstromdiesel nicht anlaufen, die sind normalerweise in erdbebensicheren Gebäuden untergebracht?

    – jedes weitere AKW, jedes Hochhaus und jedes konventionelle Kraftwerk hat einen Notstromdiesel, wieso wird ein solcher nicht aus einem nicht betroffenen AKW per Hubschrauber angeliefert?

    – wie kann es sein, dass ein Anschluss an einem fehlendem Verbindungskabel scheitert, man kann doch dieses von einem der nicht funktionierenden Notstromdiesel adaptieren – AKW’s haben hervorragend ausgestattete Werkstätten?

    Nein, ich denke nicht, dass es nur dieses eine Problem gab, vermutlich sind durch das Erdbeben auch Armaturen bzw. Rohrleitungen in Mitleidenschaft gezogen, so dass eine ausreichende Kühlung gar nicht mehr möglich war/ist.

    Indizien dafür gibt es ja, z. B. der Verlust von Kühlflüssigkeit in einem an sich geschlossenen System.

    Wenn man nun bedenkt, dass der Betreiber nicht mal in der Lage ist, für ausreichend Energie zu sorgen, wie will er dann den Reaktor mit Meerwasser kühlen?

    Und will er nur die Stahlsicherheitshülle kühlen, den Reaktor direkt oder das Meerwasser unmittelbar als Kühlmittel einspeisen?

    Gibt es dort keine Sumpfpumpen, die das kondensierte Kühlmittel wieder einspeisen?

    Fragen über Fragen – ich denke nicht, dass unsere stark vereinfachten Vermutungen nahe an der Realität sind, sie spiegeln eher unsere Hoffnungen auf einen weniger kritischen Verlauf.

  30. Webdesigner sagt:
    #31

    So wie man das jetzt höhrt, hat die explosieon an dem Atomkraftwerk, ist nicht so schlimm wie damls in Tschernobel. Aber damls hat man auch gesagt, dass es nicht schlimm sein und immer noch werden Kinder mit Behinderungen gebohren. Wann kriegen wir endlich die Wahrheit zu höhre?

  31. Dave sagt:
    #32

    @ jupper

    – Nach der Notabschaltung dauert es ein paar Tage, bis man den Reaktor wieder anfahren kann. Das geht nicht so schnell. Desweiteren werden wohl auch bei den anderen Reaktoren oder den Kühlsystem Schäden aufgetreten sein, weshalb ein erneutes Anfahren nicht ratsam gewesen wäre.

    – Keine Ahnung.

    – Wurde eventuell getan. Siehe Kommentare oben.

    – Anscheinend nicht ;) Außerdem wissen wir nichts über die Hintergründe. Also alles reine Spekulation.

    – Ich bin kein Reaktorfahrer, könnte mir aber durchaus vorstellen, dass Meerwasser in den Reaktor geleitet wurde (mit Borsäure versetzt, um die reaktivität zu senken und zu verhindern, dass der Reaktor wieder anfährt). Ich weiß aber nicht genau, was passiert, wenn salzhaltiges Wasser mit den heißen Brennstäben in Berührung kommt. Klingt irgendwie nicht gut.

  32. JanG sagt:
    #33

    Klasse Artikel, grad schreib ich da auch was auf meinem Blog, da würde ich diesen hier sehr gern verlinken.

    @Webdesigner:
    die Wahrheit bekommen Sie schon zu hören, in zahlreichen (offiziellen) Quellen im Netz finden Sie gute Fakten. Beispiel: Tschernobyl-Report der WHO von 2006. Zur aktuellen Situation in Japan empfehle ich Ihnen ‘Diax Rakete’ auf den Scienceblogs oder eben hier die Links.

    Sie sehen: die Wahrheit(TM) zu finden ist nicht schwer, allein sie zu glauben fällt nicht leicht. Vor allem wenn man überall Verschwörungen riecht.

  33. André sagt:
    #34

    @JanG: Danke!

    @Dave, @juppes: Zu dem Meerwasser: ich denke, das hat auch noch andere Probleme. Der Reaktor-Druckbehälter ist aus dickem Stahl, der momentan heiß ist. Leitet man jetzt mehrere hundert Grad kälteres Wasser auf die Außenwand, kommt es zu Spannungen, die durchaus Risse oder komplettes Versagen der Hülle bedeuten können.
    Und dann hat man auf jedenfall Radioaktivität draußen. Daher hat man damit sicherlich auch so lange gewartet.

  34. Till sagt:
    #35

    Das mit dem Meerwasser scheint den Reaktor zu zerstoeren, deswegen wurde das wohl auch erst als letztes in Erwaegung gezogen. Siehe hier (m.M.n. guter Artikel mit Kommentaren von Leuten, die baugleiche Reaktoren konstruiert haben):
    http://www.nytimes.com/2011/03/14/world/asia/14nuclear.html?_r=1&hp
    Von der japanischen Atomsicherheitsbehoerde gibt es auch regelmaessig Updates, allerdings hinkt die englische Version der japanischen immer um einige Stunden hinterher:
    http://www.nisa.meti.go.jp/english/index.html
    Gruss aus Tokyo

  35. juppes sagt:
    #36

    @Dave:

    das Anfahren solle beim SWR nicht so lange dauern, da hier dem Kühlmittel kein Bor zugesetzt wird.

    Beim DWR dauert es nach meiner Erinnerung aber auch nur einen Tag bis er wieder im Vollastbetrieb ist – dieser wird aber für den Eigenverbrauch gar nicht benötigt

    @Andre:

    je länger man wartet, desto heißer und damit kritischer wird es. Die Zuspeisung erfolgt doch wahrscheinlich nicht direkt im RDB, sondern im Kondensator bzw. in der Notkühleinrichtung, so dass der Temperaturunterschied sich auf dem Weg zum Kern relativiert – immer vorausgesetzt, es stehen Pumpen und Energie zur Verfügung und die Rohrleitungen sind intakt.

    Bevor ich eine Kernschmelze in Kauf nehme, würde ich den RDB fluten und die Überdruckventile öffnen – damit könnte die Nachwärme über die ebenfalls mit Meerwasser gekühlte Stahlsicherheitskuppel relativ zügig abgebaut werden ohne das Radioaktivität freigesetzt würde (vorausgesetzt, diese ist noch dicht).

  36. bny sagt:
    #37

    Wenn wir das so in Deutschland verfolgen, was in Japan passiert, dann kommt mir das so vor wie ein unwirklicher Taum. Der Atommeiler Fukushima 1 droht zu überhitzen, auch in Anlage 3 ist das Kühlsystem ausgefallen. Falls mehr Radioaktivität entweicht, wären ganze Regionen verseucht. Der erste Gedanke ist, alles AKWs abschalte. Aber dann, woher bekommen wir unsere Energie? Ich glaube wir sind energiepolitisch in einer Sackgasse.

  37. zch sagt:
    #38

    > Was passiert, wenn es zur Kernschmelze kommt? Im günstigsten Fall brennt sie
    > sich einfach nach unten durch und verseucht Boden und Grundwasser.

    Wieso ist das der “günstigste Fall”?

    Ist der günstigste Fall nicht vielmehr, dass die durch die “Kernschmelze” entstandene geschmolzene Masse im Reaktorkern GAR NICHT nach außen gelangt?

    Die Schutzhülle und -sohle wurde doch sicherlich für diesen Fall bemessen und entsprechend massiv ausgelegt.

  38. guwi sagt:
    #39

    Ganz oben liest man “Notstromaggregate und Energieversorgung: … Man braucht viele Aggregate.”
    Hat jemand ‘ne Ahnung, wieviel Leistung zur Kühlung eines Blockes benötigt wird?

  39. Andi sagt:
    #40

    @zch: Da hast du recht. Der günstigste Fall wäre wohl, wenn die Schmelze gar nicht austräte. Wir werden’s oben ergänzen! Zu deinem zweiten Teil: Man kann einen Auffangbehälter nur schwerlich auf sämtliche Eventualitäten auslegen. Wir sprechen hier von tausenden Grad, da schmilzt Einiges.

  40. juppes sagt:
    #41

    @guwi:

    Nach meiner Kenntnis wird für die Notkühlung nur Energie für die Regelsysteme benötigt, nur darum ging das überhaupt so lange mit (Industrie-)Batterien – die zur Umwälzung notwendigen Pumpen werden mit dem erzeugten Dampf angetrieben.

  41. Eng sagt:
    #42

    Betr.Gebäude und Explosion. Ich bin Projektleiter für Anlagenbau und kann vielleicht etwas zur Gebäudekonstuktion beitragen. Man sieht deutchlich das nur der obere Teil des Gebäudes keine “Außenwände” mehr hat, und man sieht vor allem ganz deutlich die verbliebene Stahlkonstruktion. Das bedeutet: der untere Teil des Gebäudes ist aus massivem Stahlbeton und der obere (kleinere Teil) war eine Stahlkonstuktion mit Ausmauerung (oder vorgehängten Betonplatten), die natürlich keinem nennenswerten Überdruck standhält. Deshalb auch dieser glatte “Gebäudeschnitt”: Oberes Drittel weg, unten steht noch alles. Die verbliebene Stahlkonstruktion sieht dagegen noch relativ gut aus, eine Hitzeverformung ist nicht erkennbar.
    Jetzt sind wieder die Physiker an der Reihe.

  42. Andi sagt:
    #43

    @Eng: Danke für deine professionelle Meinung! Super, dass wir solche Leser hier in die Kommentare bekommen :).

  43. Caesar sagt:
    #44

    Danke für die Antwort schon einmal. Dennoch. Sollte sich der Brennstoff nicht in schönen kleinen Pellets gut verpackt in einem Rohr/Brennstab befinden und gar keinen Kontakt zu Wasser respektive Dampf haben? Wie könnte dann bei ausbleibender Kernschmelze und intaktem Containment ein Spaltprodukt des Uran in die Umwelt gelangen?
    Damit Spaltprodukte beim Dampfablassen in die Umwelt gelangen, müssen die sich ja erst einmal im Druckbehälter befinden, was sie im Grunde gar nicht sollten, oder?

  44. André sagt:
    #45

    @Caesar: Das Kühlwasser selber kann angeregt werden, so dass es radioaktiv wird. Konkret geschieht das z.B. bei Sauerstoff durch den inversen Beta-Zerfall, bei dem radioaktives Stickstoff-16 produziert wird.
    Wie die Spaltprodukte Caesium und Jod in das Kühlwasser kommen weiß ich auch nicht, ich vermute hier kann man tatsächlich von einem kleinen Leck sprechen. Also einem Leck in den Brennstäben. Aber das übersteigt leider mein Wissen.

  45. Tobias sagt:
    #46

    Wie schätzt ihr das ein, dass heute eigentlich nur wenig passiert ist. Ich hätte ja erwartet, dass da entweder etwas explodiert oder Entwarnung gegeben wird. Ich stelle mir das mal vereinfacht mit einem Wasserkocher vor: das Wasser innen ist verkocht und abgelassen, aber der Kocher kocht fleißig weiter. Jetzt kippe ich von außen Wasser drauf um das ein wenig abzukühlen. Und da ergeben sich für mich drei Möglichkeiten: die Kühlung von außen reicht um den Kocher weiter abzukühlen. Oder die Kühlung von außen reicht nicht und der Wasserkocher schmilzt mir irgendwann weg. So oder so würde ich aber (bei einem Wasserkocher) erwarten, dass sich das recht schnell entscheidet. In die eine oder die andere Richtung. Es sei denn, beides hält sich in etwa die Waage und es passiert nur wenig. Und das würde ja heißen, dass ich zusätzlich noch andere Maßnahmen treffen kann um die Sache zu regeln. Also wäre es ein halbwegs positives Zeichen, dass heute nichts explodiert ist. Wie seht ihr das? Gelten hier vielleicht auch ganz andere Zeiträume?

  46. André sagt:
    #47

    @Tobias: Ob da wirklich das gesamte Wasser raus ist weiß ich nicht. Dazu ist die Nachrichten-Lage zu unsicher und man kann auch nicht einfach nachgucken gehen. Aber auch ohne Wasser explodiert das nicht, sondern fängt höchstens an zu schmelzen, vielleicht auch nur teilweise.
    Das muss dann nicht unbedingt austreten sondern kann für eine gewisse Zeit im stählernen Druckbehälter bleiben.

    Dass da heute nichts explodiert ist, ist sicherlich ein gutes Zeichen. Auch dass man mit Meerwasser kühlt und somit schlimmeres verhindern will. Ob nicht doch noch was passiert kann man glaube ich momentan nicht abschätzen.

  47. Eng sagt:
    #48

    Thema Strom. Die Notstromaggregate können theoretisch die ganze Zeit betriebsbereit gewesen sein, auch nach dem Tsunami. Wahrscheinlicher ist, das durch das Wasser irgendwelche Schalträume oder Verteiler ausgefallen sind. Jetzt müssten die Physiker wieder sagen wieviel Zeit dann zur Verfügung steht um diese Teile zu reparieren bevor es im Umfeld zu heiß wird.
    Fakt ist aber doch wohl das die Mannschaft vor Ort es geschafft haben muß irgendwie wieder an Strom zu konnen, denn sonst könnten die notwendigen Pumpen für das Meerwasser nicht laufen.

  48. zch sagt:
    #49

    @Caesar:

    MIT-Wissenschaftler Dr. Josef Oehmen erklärt das im vom Fukushima-Reaktor abgelassenen Dampf in sehr kleinen Mengen vorgefundene radioaktive Cäsium und Jod damit, dass die Stahl-Hüllen der Brennstäbe (aber noch nicht die Brennstäbe selbst) bereits begonnen hatte, zu schmelzen.

    Und dass das die Betreiber dazu veranlasst hat, zu Plan B – der Flutung mit Meerwasser – überzugehen.

    (Quelle: https://morgsatlarge.wordpress.com/2011/03/13/why-i-am-not-worried-about-japans-nuclear-reactors/)

  49. Richie sagt:
    #50

    Hier ein interessanter Link:

    https://morgsatlarge.wordpress.com/2011/03/13/why-i-am-not-worried-about-japans-nuclear-reactors/

    Kommentar von André: Die am Ende des Artikels angegebenen Links deuten auf eine starke Ausrichtung in die Pro-AKW-Richtung hin. Bitte beim Lesen beachten.

  50. André sagt:
    #51

    @Eng: Die vorhandene Zeit hängt ganz davon ab, wieviel von dem Kühlwasser noch vorhanden ist und wieviel Brennmaterial wirklich im Reaktor ist. Genaue Zahlen müssten Leute bestimmen, die damit mehr zu tun haben, wobei auch das mehr oder weniger schwierig sein wird, weil man die exakten Umstände im Reaktorkern nicht kennt.

  51. Faßstärke sagt:
    #52

    @Richie: Dieser Blogeintrag ist wirklich sehr interessant und beim Durchlesen klingt er ziemlich schlüssig und beruhigend. Jedoch finde ich es seltsam, dass der Autor (der angeblich nur ein Verwandter des eigentlichen Verfassers ist) darauf hinweist, sämtliche mainstream Medien zu ignorieren und man stattdessen 3 Links am Ende folgen soll. Diese Webseiten hat dann in den Kommentaren prompt jemand der Atomlobby zugeordnet: https://morgsatlarge.wordpress.com/2011/03/13/why-i-am-not-worried-about-japans-nuclear-reactors/#comment-93

    Für mich hat der Artikel ein Geschmäckle, weil er der einzige Post ist und der eigentliche Autor (Josef Oehmen) nicht als Quelle verifiziert werden kann.

  52. Richie sagt:
    #53

    @Faßstärke

    Ja, mir geht es ähnlich nachdem ich die Kommentare durchgelesen habe. Außerdem irritiert mich die Art der Ferndiagnose, die man so nicht stellen kann, wenn man nicht selbst vor Ort ist/war.

  53. Andi sagt:
    #54

    Jan hat in seinem Blog »Kerngedanken« über die Folgen für die Deutsche AKW-Landschaft geschrieben. (Selbst hab ich’s noch nicht gelesen.)

  54. Manuel sagt:
    #55

    Als langjähriger Leser möchte ich diese Gelegenheit nutzen, euch für die vielen tollen Artikel zu danken, die man hier regelmässig lesen kann! Ich danke euch, dass ihr euch die Mühe macht, komplexe Vorgänge verständlich darzustellen. Danke für die witzigen “Paper zum Advent”, für das Space Shuttle-Handbuch, die Physikwitze, die Erklärungen zu Brutreaktoren und die Artikelreihe über Kernkraftwerke und die Probleme in Japan!

  55. Susi sagt:
    #56

    Hallo miteinander,
    ich hab eure Diskussion gerade bis hier verfolgt. Vielleicht kann ich etwas zur Klärung beitragen.
    Der Wasserstoff entsteht im Containemnet durch die chemische Reaktion von Wasser(dampf) mit dem Zirkonium in der Hülle der Brennstäbe. Mit Sauerstoff bzw. Luft gibts dann Knallgas. Der Dampf wurde zur Druckentlastung abgelassen, das ist ein “normales” Vorgehen in dieser verzwickten Situation. Damit kam der Wasserstoff in das Gebäude und ist dann explodiert.
    Das Cäsium kann nur aus den Uran-Pellets im Innern der Brennstäbe kommen, was bedeutet, das mindestens einige Brennstäbe bereits defekt sind.
    Normalerweise verhindert Stickstoff die Knallgasreaktion im Reaktor und bei der Druckentlastung könnte man radioaktive Stickstoffisotope nachweisen. Theoretisch jedenfalls, denn die haben eine Halbwertszeit von etwa 5 Sekunden.

    Hoffe ich konnte was beitragen.

  56. André sagt:
    #57

    @Manuel: Vielen Dank für das nette Lob! Das motiviert zum Weitermachen ;)

    @Susi: Oh, vielen Dank! Ich werds mal oben in den Artikel übernehmen.

  57. blub sagt:
    #58

    Ich bin kein Physiker aber ich habe mich heute auch informiert. Besonders über die Energieentwicklung bei einer Notabschaltung und habe ein PDF gefunden, dieses hier:

    http://www.nuceng.ca/papers/decayhe1b.pdf

    Es wird darin angegeben, wie schnell die abgegebene Energie nach einer Notabschaltung ab nimmt. Wenn das Dokument glaubwürdig ist und es stimmt was dort steht, ist nur noch ein winziger Bruchteil der ursprünglichen Restenergieabgabe übrig.

    Selbst wenn es zur Kernschmelze gekommen ist, heizt praktisch nur noch der natürliche Zerfall der vorhandenen Elemente. Ich weiß nicht ob die Spaltprodukte ausreichen und genug Energie zu entwickeln um die Reaktorwände aufzuschmelzen. Aber das müsste jemand mit mehr Fachwissen beantworten.

    Gruß, Blub

  58. hilti sagt:
    #59

    Um nochmal auf den Leistungsbedarf der Pumpen zurückzukommen. In der deutschen Wikipedia steht bei Kernkraftwerken was von 20MW ohne weitere Angeaben, was die Zahl werlos macht. Da: Speisewasserpumpen finden sich schon mehr Zahlen. Da die blockgröße in Fukushima mit unter 500MW eher klein ist schätze ich, dass der Leistungsbedarf der Pumpen in der Größenordnung von etwa 10MW liegt.

  59. Eng sagt:
    #60

    Ich bin eigentlich immer noch etwas irritiert über das “Meerwasser-Pumpen”.
    1. Wenn das funktioniert könnte man doch auch den ganz normalen Kühlkreislauf wieder in Gang bekommen – oder sind durch die Hitzeentwicklung bereits die entsprechenden Rohrleitungen weggeschmolzen?
    2. Oder wurden die normalen Kühlwasserpumpen wieder in Betrieb genommen und man weiß einfach gar nicht wo das Wasser herauskommt? Das Gebäude kann man ja wohl mit Sicherheit nicht mehr betreten – oder? Aber gerade die Japaner dürften ja wohl Kameras in jeder Ecke haben.
    3. Oder ist einfach nur gemeint das der ganz normale Kühlkreislauf wieder in Gang ist, aber nicht mit vorbehandelten Wasser sondern eben direkt mit Meerwasser gespeist wird?

  60. FrF sagt:
    #61

    Eine Ergänzung zur Abschaltung: Über die englischsprachige Wikipedia habe ich einen Artikel im “Forbes”-Magazine gefunden, in dem steht, dass zwar ursprünglich geplant war, Fukushima 1 stillzulegen, es aber im Februar 2011 eine Laufzeitverlängerung um 10 Jahre gegeben hat.

  61. nigecus sagt:
    #62

    Klasse Artikel. Man kann nur abwarten und hoffen dass die Behälter halten.

    Wie diese Meerwassersache funzt frag ich mich auch. Wasserschlauch reinhalten, oben ein Loch offen wo das erhitzte Wasser rauslauft?

  62. André sagt:
    #63

    Zur Meerwasserkühlung: Da lese ich mal solches und solches wie das jetzt genau realisiert wurde/wird. Da das aber bisher anscheinend noch nie gemacht wurde, findet man auch kein »Standardvorgehen«. Und weil die Informationen aus Japan immer mal wieder wechseln, insbesondere was Details angeht, kann man dazu momentan leider keine konkrete Aussage machen.

  63. LenaJ sagt:
    #64

    Offenbar sind alle Kühlversuche ja bisher gescheitert, aber die Reaktoren wurden ja zuvor heruntergefahren. Die jetzigen Probleme treten durch die enorme Restwärme durch die noch laufenden atomaren Zerfallsreaktionen.

    Dazu eine Frage: Kommt die eigentliche Kernreaktion beim Eintreten der
    Kernschmelze eigentlich wieder in Gang oder bleibt hiere wenigstens noch eine Hoffnung dass die Restwärme durch die Zerfallsreaktion nach ein paar Tagen oder Wochen abklingt?

  64. Eng sagt:
    #65

    @Plutonium: Sorry, aber Dein Beitrag ist nicht wirklich sachlich. Wenn man es schafft den Überdruck aus dem Kern in die umgebende Hülle abzulassen (Stichwort Ventile) dann kann der Kern noch unversehrt sein.
    EDIT (Andi): Den Beitrag von »Plutonium« habe ich gelöscht. Danke dir für die Mühe des Antwortens!

    Die Explosion am Reaktor 3 war jedenfalls heftiger, aber dieser Fall wurde ja bereits vorher angekündigt. Das Gebäudeoberteil flog als großes Teil durch die Gegend, also wahrscheinlich eine Gebäudeausmauerung mit vorgehängten Trapezblechen, welche die Stahlkonstruktion etwas zusammengehalten haben.
    Eine Wasserstoff-Explosion im Kern hätte meiner Meinung nach andere Auswirkungen auf das Außengebäude gehabt. Der Kern ist vom Rauminhalt viel kleiner als das Außengebäude, Überdruck entspannt sich sehr schnell, und die Explosion hätte mit den Stahl- und Betonwänden “etwas Arbeit” gehabt. Wahrscheinlich wären dann zuerst Stahl- und Betonteile durch die Außenwand durchgeschlagen. Dummerweise könnte aber natürlich auch die Wasserstoffexplosion in der Außenhülle die Folge einer Explosion im Kern sein.

    Wir wissen eigentlich nicht wirklich genug über die Vorgände und den Zustand vor Ort …

    Die gleiche Explosion wird aber wahrscheinlich am Reaktor 2 auch noch erfolgen.

  65. Andi sagt:
    #66

    @LenaJ: Wenn du mit »eigentliche Kernreaktion« die Reaktion meinst, die ein Atomkraftwerk zum Energieproduzenten macht, dann nein. Es fehlt der Moderator und das eingesetzte Bor tut als Neutronenabsorber sein übriges. Sorge macht in Fukushima die Nachzerfallswärme.

  66. Dave sagt:
    #67

    @ LenaJ

    Die Steuerstäbe wurden bereits nach dem Erdbeben in den Reaktor gefahren und “sammeln” die Neutronen ein. Ein erneutes Anfahren halte ich daher für unwahrscheinlich. Dem Meerwasser wurde aus dem selben Grund übrigens Borsäure zugegeben. Auch dies fängt Neutronen ein. Sprich: Der Reaktor ist aus.

    Zur Nachzerfallswärme. Die klingt nach einiger Zeit schon ab.
    Hier http://de.wikipedia.org/wiki/Nachzerfallswärme gibts sogar eine (Näherungs) Formel, die dir die Leistung in Abhängigkeit der vergangenen Zeit t, der Laufzeit T0 und der Anfangsleistung P0 angibt. Sprich: Der Reaktor kühlt sich immer weiter ab. Die (anfängliche) Nachzerfallswärme reicht aber für eine Kernschmelze aus. Deshalb kann es durchaus sein, dass es zu einer part. Kernschmelze gekommen ist. Das kann man erst genau sagen, wenn man nach dem Abkühlen den Reaktor aufmacht und sich den Kern anschaut.

  67. Susi sagt:
    #68

    Die Wasserstoffproduktion setzt schon bei etwa 900°C ein. Da schmelzen die verwendeten Werkstoffe noch nicht, aber die Temperatur erreicht ein nicht gekühlter Reaktor natürlich relativ schnell. Der Wasserstoff stammt aus der Hülle der Brennstäbe, nicht aus dem Inneren.
    Aber wie bereits erwähnt, zeigt der Nachweis von Cäsium, dass wenigstens ein Teil der Brennstäbe nicht mehr ok sind. Wie der Klumpen genau aussieht werden wir erst wissen, wenn das ganze Zeug soweit abgekühlt ist, dass man mit Kameras rein kann.

    Übrigens hab ich heute in der Zeitung lesen müssen, dass der Block 1 noch diesen Monat hätte stillgelegt werden sollen.
    Ironie des Schicksals oder Wink mit dem Zaunpfahl?

  68. Andi sagt:
    #69

    @Susi: Danke für die weitere Info. Das mit dem Stillgelegtwerden hatte André auch bereits hier in diesem Artikel geschrieben :).

  69. Susi sagt:
    #70

    Sorry hab ich überlesen.

  70. Caro sagt:
    #71

    Kann mir jemand nochmal in aller Kürze erklären, was denn jetzt genau da (vermutlich) abgeht? Weil, spekuliert wird hier und in den Medien ja ziemlich viel, genauso wie abgewiegelt, nur: Wenn amerikanische Kriegschiffe und Flugzeugträger 260 km vor der Küste abdrehen, weil die Strahlung zu hoch ist (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,750629,00.html), dann klingt alles, was man hört, doch mächtig untertrieben an, oder? Was meint ihr?

  71. André sagt:
    #72

    @Caro: Dass die Schiffe abdrehen halte ich eher für eine Vorsichtsmaßnahme, sollte es zu einer Freisetzung von großen Mengen radioaktiven Materials in die Atmosphäre kommen. Denn dann wären die nach aktueller Windrichtung betroffen.
    Insgesamt ist die Nachrichtenlage nach wie vor schwierig einzuschätzen. Nur weil eine Nachrichtenargentur etwas berichtet muss es noch nicht stimmen. Und genauso kann auch die Regierung Informationen zurückhalten, um Paniken zu vermeiden. So blöd das ist, aber man wird abwarten müssen, wie sich das die Tage entwickelt.

  72. Sebastian sagt:
    #73

    Hm, mal angenommen die Kerne schmelzen wirklich. Über was für einen Zeitraum spricht man dann eigentlich? Wie lange würden dann noch die Zerfallsprozesse innerhalb einer solchen “Masse” laufen und letztlich weiter Wärme produzieren? Sind das dann eher Stunden, Tage, Wochen, Monate oder Jahre?

  73. Jörg sagt:
    #74

    Ihr bietet hier eine eine gute Information für jemanden der nicht Physiker ist.Danke euch allen.
    Was mich beschäftigt ist der Umstand das zwei Reaktoren in einem Vierer Komplex ( so sehe ich Fukushima I) in einem höchst kritischen Zustand sind. Wenn es zur Kernschmelze kommt was bedeutet das für die anderen Reaktoren. Und kann dann Vorort noch so gearbeitet werden um schlimmeres zu verhinder.

  74. trte sagt:
    #75

    @ Sebastian: Soweit ich weiß, besteht das größte Risiko bei einer Schmelze darin, dass durch eine andere (dichtere) Anordnung des Urans der Reaktor wieder kritisch bzw. überkritisch werden könnte, was dann den Druckbehälter zerlegen würde.

    Ein anderes Risiko besteht darin, dass der Behälter schmilzt und es zu einer weiteren Knallgasexplosion bei offenem Containment kommt, worduch Spaltprodukte weit verteilt werden.
    ————————————-

    Abgesehen davon ist die Nachzerfallswärme natürlich ein Problem. Weiß jemand, wie lange diese noch über einer gefährlichen Temperatur bleiben könnte?

  75. André sagt:
    #76

    Da die Frage nach der Restkühlzeit jetzt schon häufiger kam, hab ich oben im Artikel mal ein Update gemacht.

    @Jörg: Wenn es zur Kernschmelze kommt (was vermutlich schon geschehen ist) hängt es davon ab, was damit passiert: bleibt sie im Druckbehälter (wie momentan), schmilzt sie nach unten oder wird sie durch eine Explosion in die Atmosphäre freigesetzt.
    Sobald es zum Austritt kommt, ist Arbeiten in der direkten Umgebung sehr gefährlich und nur für sehr kurze Zeit möglich. Für die anderen Reaktoren ist höchstens die Explosion gefährlich, weil durch eine Druckwelle der noch intakte aber belastete Druckbehälter angeschlagen werden könnte. Aber wie groß die Gefahr dafür ist kann ich nicht abschätzen.

    @bulb: (Sorry, hatte nicht gesehen dass dein Kommentar noch in der Moderation hängt) Ja, auch die Nachzerfallswärme reicht zur Kernschmelze aus. Daher auch lange Kühlzeiten im Nachhinein (siehe Update oben).

  76. Marcus Brühl sagt:
    #77

    Hallo,
    Wie viele nicht-Experten mache ich mir meine Gedanken. Vielen Dank für die Aufklärung! Eine Frage taucht bei mir immer wieder auf, ich stelle Sie mal hier:
    Wie Abhängig sind die deutschen AKW von der Verfügbarkeit des Kühlwassers?
    Ich meine mich erinnern zu können, das in einem der letzten Sommer mal die Meldung rumging, es könne sein, das AKW abgeschaltet werden müssen, weil das Kühlwasser zu warm werde. Was ist wenn das Wasser ganz fehlt? Ein plötzliches “Versiegen” eines Flusses könnte ja am Rhein und Neckar durch einen Erdrutsch, oder die Fehlfunktion in einem Sperrwerk verursacht werden?
    Wieviel Zeitpuffer gebe es in so einem Fall?

  77. blub sagt:
    #78

    Ein par mehr Hintergrundinformationen gibt es auf Technology Review bei Heise:

    http://www.heise.de/tr/artikel/Der-Alptraum-von-Fukushima-1207205.html

    Da wird unter anderem noch einemal die Entstehung des Wasserstoffgases thematisiert und wie das Cäsium in den Wasserdampf gelangt ist. Außerdem wird noch ein Aspekt angesprochen der hier bisher nicht erwähnt wurde: Die Oxidation des Zirkoniummantels der Brennstäbe ist exoterm und heizt die Brennstäbe zusätzlich für einen Moment auf, so dass die Temperatur der Brennstäbe in recht kurzer Zeit auf über 2100 Kelvin (über 1800° Celsius) aufgeheizt werden können.

    Lieben Gruß und danke für den guten nd informativen Blog!
    Blub

  78. Andreas sagt:
    #79

    Eine sehr schöne (und vor allem sachliche) Diskussion zu diesem Thema hier. Die tägliche Panikmache in den Medien ist ja nicht mehr auszuhalten.

    Was mich ein bisschen wundert ist, dass oft von Halbwertszeit gesprochen wird, als ob dies die Zeit wäre, nach der “alles vorbei” ist. Leuten mit naturwissenschaftlichem Hintergrund mag das klar sein, “normalen Menschen” aber vermutlich nicht: bei der Halbwertszeit handelt es sich um die Zeit, nach der die Menge eines radioaktiven Stoffes auf die Hälfte gesunken ist. Bei einer 100fachen radioaktiven Belastung, würde es also die 6-7 fache Halbwertszeit dauern, bis die “Gefahr vorbei” wäre.
    Ich weiss nicht, wie hoch die Belastung beim Ablassen eines Überdrucks ist, aber das klingt für mich nicht, als ob nach 5 Sekunden alles vorbei wäre, oder mache ich da einen Denkfehler?

    Außerdem beschäftigt mich die Kühlung mittels Meerwasser ein bisschen. Heisst das, dass man den ganzen Reaktorraum voll Meerwasser gepumpt hat, um ihn zu kühlen? Würde denn so ein Raum voll “stehendem” Wasser ausreichen? Zur Kühlung wird doch eine Umwälzung benötigt, damit warmes Wasser abtransportiert und kühles Wasser zugeführt wird. Den ganzen Reaktor einfach unter Wasser zu stellen würde doch nicht weit führen, oder? Also wenn das Meerwasser in Bewegung sein muss um zu kühlen, frage ich mich, wie es in Bewegung gehalten wird, wenn es den ganzen Reaktor geflutet hat und es sich um eine improvisierte Maßnahme handelt. Wird es irgendwo wieder abgepumpt? Und wenn ja, wohin?
    Oder ist es eher wahrscheinlich, dass der normale Kühlkreislauf mit Meerwasser benutzt wird? (Was den Hinweis auf die korrodierende Rohre und wieso man dies sonst nicht tut erklären würde). Das wiederum würde ja bedeutet, dass Kühlkreislauf und Pumpen intakt sind und funktionieren, nur zu wenig Wasser im Kreislauf ist.

  79. André sagt:
    #80

    @Andreas: Genau weiß ich leider auch nicht, was mit dem Meerwasser gemacht wird. Ranga Yogeshwar (den ich für sehr kompetent halte) hat aber gestern für die ARD erklärt, dass der gesamte Raum gefüllt wurde und jetzt daran gearbeitet wird, einen Kreislauf einzurichten. (Video). Aber auch dazu hab ich schon andere Meldungen gelesen, daher ist das etwas mit Vorsicht zu genießen.
    Zum Ablassen: da kommt dann eher kurzlebiger Kram mit, wie Stickstoff-16 mit einer Halbwertszeit von 5 Sekunden glaub ich.

    @Marcus: Ich denke, die vorgeschlagene Abschaltung wegen zu warmen Kühlwasser wäre eine Vorsichtsmaßnahme für den Regelbetrieb gewesen. Im Notfall kann man damit immer noch kühlen.

  80. Susi sagt:
    #81

    @Andreas:
    Nein, es ist nicht nach 5 Sekunden alles erledigt, sondern es dauert schon etwas länger, bis die Strahlung nicht mehr nachgewiesen werden kann. Die 5 Sekunden Halbwertszeit gelten nur für dieses eine Stickstoffisotop aus dem üblicherweise eingesetzten Schutzgas. Das würde z.B. das schnelle Absinken der Radioaktivität gestern nach einer der ersten Druckentlastungen erklären. Angeblich hatte ja die gemessene Radioaktivität nach einigen Minuten deutlich abgenommen, was zu dem Stickstoff passen würde.
    Leider sind in dem abgelassenen Dampf in diesem Fall schon andere Stoffe drin, deren Halbwertszeit viel länger ist. Wie genau, müsste ich selber erst recherchieren; solche Daten hab ich leider nicht im Kopf.

  81. Susi sagt:
    #82

    @Marcus:
    Das Problem war wohl der Wasserstand, nicht so sehr die Temperatur. Wenn die Pumpen nicht mehr genug fördern und drohen trocken zu laufen haben wir die gleiche Situation wie gerad in Japan. Und das ganz ohne Naturkatastrophe.
    Oder anders ausgedrückt: ohne Wasser für die Kühlung muss ein Kernreaktor abgeschaltet werden.

  82. Michi sagt:
    #83

    Was mir nicht ganz einleuchtet:

    Es wurde schon ca. 1 Tag vor der Explosion in Block 3 darüber berichtet, dass sich Wasserstoff in der Reaktorhalle von Block 3 ansammelt und es möglicherweise/wahrscheinlich auch dort zu einer Explosion kommen würde.

    Wäre nicht das einfache Öffnen einer Luke im Dach der Reaktorhalle ausreichend gewesen, um dieses Problem aus der Welt zu schaffen? Die Dichte von H2 ist bekannterweise sehr gering, so dass eine kleine Öffnung oben ausgereicht hätte, um das sich anstauende H2 zu entfernen. Und wenn keine Luke vorhanden ist, hätte man dann nicht ein Loch bohren können? (Auch wenn ich nicht der sein möchte, der den Bohrer betätigt.)

  83. Susi sagt:
    #84

    @Michi: Um da jetzt genau zu antworten bräuchte man genauere Kenntnisse über die Konstruktion dieses Komplexes. Eigentlich sollte das Ventil über das der Druck abgelassen wird bis ins Freie gehen. Warum das nicht so lief? Keine Idee.

    Es gibt auch Gerüchte, das die Decke bewusst abgesprengt wurde. Aber was da dran ist weiss ich nicht. Denkbar wärs schon, weil bei einer gezielten Sprengung wenigstens die Ausbreitung und Verteilung der Trümmer etwas gesteuert werden könnte.

    Aber wer geht da freiwillig rein um die Ladungen anzubringen?

  84. Andi sagt:
    #85

    @Marcus: Gegen Versiegen von Flüssen gibt es zumindest im Kernkraftwerk in Biblis Wassertanks, die ein Wasserreservoir bieten. Wie mir scheint, kann das Kraftwerk dadurch nicht unbedingt dauerhaft auf Volllast betrieben werden, aber für Nachzerfallswärme wird das wohl reichen. Links: Kernkraft-Wiki, RWE-PDF zu »Biblis – Erdbebensicherheit und Sicherstellung der Reaktorkühlung bei Störungen der Stromversorgung« (vermutlich gebiased).

  85. Tr sagt:
    #86

    @Andreas:
    im Prinzip müsste einfache Konvektion und/oder Kochen ausreichend sein um Wärme abzutransportieren

    Was mich beunruhigt, wenn das Stahlaei des Reaktors noch intakt ist, was für Sinn hat es dem Meereswasser Bor beizumischen? Entweder wird der Reaktor von außen gekühlt, oder man gibt Moderator IN den Reaktor rein.
    das ist recht widersprüchlich

  86. André sagt:
    #87

    @Tr: Sollte es doch zum Durchbruch der Kernschmelze kommen, ist das Neutronengift direkt da, um ein wiedereintreten der Kettenreaktion zu verhindern.

  87. Tr sagt:
    #88

    @André: das wäre etwas zu spät. Bor könnte nicht mehr “zwischen” die Brennstäbe gelangen um die Neutronen abzufangen, weil die zu einer (wasserdichten) heißen Masse verbacken würden.
    Es hat sehr viel Aufwand und Menschenleben in Tchernobyl gekostet einen Wasservorrat unter dem Reaktor mit Hilfe eines Tunnels _abzupumpen_, damit es nicht zur schnellen Dampfbildung und Explosion beim Kontakt mit der Schmelze kommt. Die Schmelze, die ja oben drauf war, wäre größtenteils rausgeschleudert.
    Zzt wird zwar radioaktives Material aufgewirbelt, aber die Explosionen sind offenbar “über” dem Reaktor

  88. Susi sagt:
    #89

    @Tr
    Ich glaube nicht, dass einfache Konvektion ausreicht. Wenn das so wäre würden wir hier jetzt nicht über die Probleme der japanischen Reaktoren diskutieren sondern vielleicht über kleine rosa Männchen aus Alpha Centauri.

  89. Tr sagt:
    #90

    @Susi:
    ok, ich ging von einem weggesprengten Dach aus, im Normalfall sollte wirklich gepumpt werden

  90. Susi sagt:
    #91

    Es kam weiter oben ja öfter die Frage auf, wann der abgeschaltete Reaktor als wirklich abgeschaltet und damit “ungefährlich” einzustufen ist.
    Dazu eine Pressemeldung der Atom-Energie-Kommission in Wien.

    Danach gilt der Reaktor als vollständig abgeschaltet, wenn die Kühlmitteltemperatur dauerhaft unter 100°C liegt. Das soll bei Fukushima II in drei Blöcken erreicht worden sein. Gedauert hat es 34 Stunden.

    Hier der Link:
    http://www.world-nuclear-news.org/RS_Cold_shutdowns_at_Fukushima_Daini_1403112.html

    (Hoffe er funktioniert)

  91. André sagt:
    #92

    @Tr: Hm, stimmt. Das macht Sinn. Dann weiß ichs auch nicht, warum Bor zugesetzt wurde. Außer um einfach auf Nummer sicher zu gehen.

  92. Tr sagt:
    #93

    @André:
    wenn es eine partielle Schmelze gab, so ist der Kern im thermischen Kontakt mit dem Kessel, sodass es Sinn macht beides mit demselben Mittel von innnen zu kühlen.
    So könnte auch der Caesium erklärt werden, wie oben erläutert wurde, kann es nur aus den Brennstäben selbst stammen und durch Kühlmaßnahmen aus dem Reaktor gespüllt/verdampft worden sein.
    Um nochmal kurz ein Beispiel zu nennen, wurde der Kern in Tschernobyl mit Blei “gekühlt”, um einerseits durch Vermischung die Kernreaktion zu stoppen, andererseits wahrscheinlich Abzuschirmen, aber auch direkt Temperatur zu senken – es wurden große Mengen von dem Zeug direkt verdampft :( – bei den Temperaturen schmelzen/kochen schon sehr viele Stoffe

  93. Konstantin sagt:
    #94

    1. Ich habe gerade gehört, dass ein japanischer Nachrichtensender (NHP?) berichtet hätte, dass an einem der AKW nur noch ferngesteuert gearbeitet würde.
    Das wiederspricht ja der Aussage, dass bei der Explosion an Fukushima I 3 sieben (?) Menschen verletzt worden wären. So eine Meldung würde ja unnötig beunruhigen. War wohl eine Ente?

    2. Hat jemand Informationen über die Messwerte der Radioaktivität um die Kraftwerke herum?
    Eine Gamma-Spektroskopie könnte ja Aufschluss geben über die tatsächlich vorhandenen radioaktiven Stoffe. Das ist nicht sehr aufwändig und verhältnismaßig schnell machbar. Habe ich selbst im Praktikum einmal gemacht. Darüber ließen sich Schlüsse ziehen wie es im Reaktordruckbehälter aussieht, denn von dort kommt ja offenbar der Wasserdampf der die Knallgasexplosion auslöste.
    – Nur das Kühlwasser ist aktiviert (durch Neutroneneinfang radioaktiv geworden)
    – Es sind nur gasförmige Stoffe nachweisbar die auch beim normalen Betrieb (durch Rissbildung im Zirconiummantel der Brennstäbe) entstehen könnennn Quelle glaube ich Wikipedia oder angeblicher Josef Oehmann -> Noch keine Kernschmelze
    – Es sind auch feste Stoffe nachweisbar die sich nur im inneren der Brennstäbe befinden dürften -> Kernschmelze bereits im Gange bzw. abgeschlossen.

    Ich gehe davon aus, dass diese Messungen bereits durchgeführt werden, frage mich aber wie wir an solche Messdaten kommen könnten. Hat jemand Ideen bzw. Kontakte?
    Wie sieht die normale Reaktion im Siedewasserreaktor aus? Entsehen dabei immer die gleichen Spaltprodukte oder ist da ein breites Spektrum von Spaltprodukten möglich? Hat sich jemand mal damit beschäftigt? Die Wikipedia gibt (soweit ich mich erinnere) nichts dazu her.

    3. Für den Fall, dass die Kühlung nicht ausreicht und der Kern sich durch den Reaktordruckbehäter und das Containment hindurchbrennt gibt es – zumindest bei neueren Druckwasserreaktoren noch eine Sicherheitsvorkehrung: Den Core-Catcher. Der soll die Suppe auffangen und möglichst großflächig ausbreiten damit eine Abkühlung erleichtert wird.
    Dadurch soll sich ein Durchbrennen bis zum Grundwasser verhindern lassen.
    Weiß jemand, ob Fukushima auch schon so etwas hat?

    4. Hat jemand schon etwas über den Josef Oehmann herausgefunden? Immerhin ist ja eine Mailadresse vom Blogbetreiber angegeben an die man sich wenden könne, wenn man Oehmann kontaktieren wolle.
    Vielleicht lässt sich ja seine Einschätzung so besser bewerten.

  94. Eng sagt:
    #95

    Die RWE-PDF zu Bilbis mit den Sicherheitsmaßnahmen sind bekannt – und die Japaner schlafen ja nun auch nicht auf den Bäumen, es müsste dort also eigentlich die gleichen Sicherheitsmaßnahmen geben. Und auch die erforderlichen technischen Einrichtungen sind jetzt nicht wirklich außergewöhnlich kompliziert und übermäßg aufwendig (ja ich weiß, ist alles relativ).
    Haben die sich wirklich vom Tsunami überraschen lassen? Kann ich mir irgendwie nicht vorstellen. Ein Kernkraftwerk direkt am Meer sollte eigentlich wenigstens in den wichtigen Bereichen (Energieversorgung und -verteilung) vor Wassereinbruch geschützt sein.
    Also wo liegt der Knackpunkt?

  95. André sagt:
    #96

    Irgendwie hat die plötzliche Kommentarwelle unseren Spamfilter dazu gebracht, ein wenig willkürlich zu werden. Er konnte durch eine Notabschaltung deaktiviert werden, ein Anderer hilft hoffentlich besser.

    @Konstantin: 3) Fukushima hat leider keinen Core-Catcher.

  96. Michi sagt:
    #97

    @Konstantin, 3: Einen Core-Catcher nach dem modernen Verständnis (also eine große, ebene Fläche, die hoch hitzebeständig ist, auf der sich der geschmolzene Kern verteilen kann) haben weltweit keine Anlagen, die momentan schon betriebsbereit sind. Der EPR, der momentan u.a. in Finnland gebaut wird, besitzt solch einen Core-Catcher im eigentlichen Sinn.

    Natürlich haben die Reaktoren auch unter dem Druckbehälter eine dicke Betonschicht. Diese kann den geschmolzenen Kern eventuell auch auffangen, sollte er aus dem Druckbehälter ausdringen.

  97. Tr sagt:
    #98

    @Konstantin:
    zu 1: gerade im Spiegel gefunden:

    +++ Deutsche Techniker schildern Erlebnisse in Fukushima +++

    [15.59 Uhr] Auf einer Pressekonferenz haben Gordon Huenies und Robert Meister, zwei Techniker des deutsch-französischen Kraftwerkherstellers Areva, am Montag in Erlangen von ihren Erlebnissen während des Erdbebens in Japan berichtet.
    […]
    Nachdem sich die Erde etwas beruhigt habe, seien sie aus der Anlage, in der zum Zeitpunkt des Erdbebens schätzungsweise 700 bis 1.000 Japaner gearbeitet hätten, herausgeführt worden. Dabei seien alle “sehr, sehr gelassen” mit der Situation umgegangen. Die Evakuierung des Blockes sei mit absoluter Disziplin vor sich gegangen. Alle seien wohlauf gewesen und – wie sich später herausgestellt habe – auch nicht verstrahlt.

    zu 2:
    kann man etwa Gammaspektroskopie an Gasen durchführen? ich denke, es muss dafür genüg Stoff vorhanden sein, keine spuren.
    Wie kann man Wasser aktivieren, über Sauerstoff?

  98. Susi sagt:
    #99

    @Konstantin: Ich glaube gestern kam scheibchenweise raus, dass in der Umgebung Cäsium und Iod nachgewiesen wurde. Damit hat die Kernschmelze begonnen denke ich.
    Die Angaben über die Messwerte sind eher nutzlos. Wieviel ist 200mal höher? Als was überhaupt?
    Core-Catcher haben noch nicht alle KKWs; dieser Reaktor sicher nicht. Zu alt und nachträglich einbauen dürfte zu kompliziert und teuer sein. Btw aus was macht man die eigentlich? Spezialkeramiken wie man sie im Labor verwendet?

    @Eng: Die Schutzmauern sollen zu niedrig gewesen sein.
    Das Ganze ist ein typisches Beispiel für einen Single Point of Failure: Ein einziger Fehler legt ein an sich ausreichend ausgelegtes System vollständig lahm.

  99. Susi sagt:
    #100

    Hier steht was darüber, wie die Meerwassereinspeisung vonstatten gehen sollte ( gegangen ist?).

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,750855,00.html

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