Die Probleme beim Kernkraftwerk Fukushima I

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Die Explosion im Kraftwerk Fukushima I, die ein Teil des Reaktorgebäudes zerstört hat. (Bild: Tagesschau.de)

Wir haben eine Neuauflage geschrieben:
Eine Zusammenfassung der Probleme bei Fukushima I

Der folgende Text ist also veraltet. Bitte beim Lesen berücksichtigen.

Nachtrag: Am Fuße des Artikels gibt’s ein paar Nachträge!

Die Kacke ist am Dampfen. Ziemlich übel sogar. Nach dem Erdbeben vor der Ostküste Japans kam es zu Problemen im Kernkraftwerk Fukushima I. Ein paar persönliche, vorläufige Einschätzungen zur Lage1, nachdem ich zusammen mit Andi schon die technischen Hintergründe bei Druck- und Siedewasserreaktoren abgedeckt habe:

Der Anfang

Nach dem Erdbeben sind 11 der 17 Kernkraftwerke in Japan — korrekterweise — automatisch abgeschaltet worden. Dabei wurden Steuerstäbe mit Neutronenabsorbern in die Kerne gefahren, so dass die Kettenreaktion gestoppt ist. Die Gefahr ist dadurch aber noch nicht gebannt, wegen der sogenannten Nachzerfallswärme muss weiter gekühlt werden.
Der Kühlkreislauf wird durch Pumpen aufrecht erhalten, die mit Strom versorgt werden müssen. Bei Fukushima I sind die Notstromaggregate mit dem eintreffenden Tsunami abgesoffen und Batterien sind eingesprungen.

Soweit alles eigentlich noch kein Problem. Die tauchten erst auf, als die vorhandenen Notstromaggregate nicht wieder ansprangen und später gelieferte Ersatzgeräte kein passendes Anschlusskabel hatten. Infolge dessen liefen die Batterien leer und der Kühlkreislauf wurde schließlich unterbrochen.
Auch die Ventile, die den Druck im Reaktorkern und Sicherheitsgebäude regeln, benötigen Strom, so dass ich vermute, dass hier auch nur noch abgewartet werden kann.

Die Kernschmelze

Steigt der Druck im Reaktor zu stark an, kann es zu Explosionen kommen. Eine davon hat man heute morgen sehen können, die betraf aber vermutlich nur das äußere Gebäude aufgrund eines Pumpsystems. Der Druckbehälter um den Reaktorkern, ein kräftiges Stahlgehäuse, ist vermutlich noch intakt, wenngleich es auch hier widersprüchliche Meldungen gibt.

Durch die ausgesetzte Kühlung heizt sich der Kern weiter auf und irgendwann schmelzen Tragestrukturen und Brennstoff — die Kernschmelze tritt ein. Nach ARD-Informationen ist dies bereits eingetroffen, die Regierung dementiert das aber. Gleichwohl räumt sie ein, dass die Schmelze wahrscheinlich ist.

Die nächsten Stunden sind entscheidend. Hat die Explosion große Mengen radioaktives Material freigesetzt? So wie es momentan aussieht nicht, auch der Druckbehälter, der den radioaktiven Kern enthält, scheint bislang stabil zu sein.
Was passiert, wenn es zur Kernschmelze kommt? Im günstigsten Fall bleibt sie im Druckbehälter. Das ist allerdings nicht sichergestellt. Wenn die Kühlkette langfristig unterbrochen bleibt, kann sie sich nach unten durchbrennen und Boden und Grundwasser verseuchen. Das ist zwar äußerst scheiße, aber lokal relativ begrenzt und somit relativ gut handhabbar.
Der schlimmere Fall ist eine weitere Explosion, die durch Überdruck oder sich entzündeten Wasserstoff hervorgerufen werden könnte. Diese Explosion kann dann nämlich große Mengen radioaktives Material in die Atmosphäre hinaus streuen, dass dann mit dem Wind fortgetragen wird und irgendwo großflächig verteilt als radioaktiver Fallout wieder runterkommt.

So wie Tschernobyl?

Die Ursachen sind sicherlich andere, auch der Ablauf der Katastrophe ist nur schwer vergleichbar. So kam es in Tschernobyl infolge von Ignorieren von Sicherheitsvorschriften und Bedienfehlern zu einer direkten Kernschmelze, ohne dass die Kettenreaktion gestoppt werden konnte. Der entstandene Klumpen hat also fröhlich weiter massiv Hitze produziert und die resultierende Explosion war enorm.

In Fukushima ist eine Kernschmelze zwar auch wahrscheinlich, allerdings nur durch Nachzerfallswärme. Dabei hat man mehr Vorlaufzeit und kann besser mit Notfallmaßnahmen reagieren: Gerade plant man, Meerwasser mit Bor zur Kühlung des Reaktors zu verwenden. Dass es zu einer Explosion mit Freisetzung von radioaktiven Material in die Atmosphäre kommt ist keine unbedingte Folge des Unfalls. Brennt sich die Kernschmelze nur nach unten durch, ist das Ausmaß längst nicht so katastrophal wie in Tschernobyl.
Sollte es doch zur Explosion kommen, ist die geografische Lage günstiger. Das Kraftwerk liegt am Pazifik und hat nach aktueller Windrichtung kaum betroffene Landfläche2, sodass der Fallout nur wenig besiedelte Gebiete treffen würde.

Ich vermute also, dass die Schadwirkung in Japan nicht Tschernobyl erreichen wird. Ausgeschlossen ist es aber nicht – und toll schon gar nicht. Weil die direkte Umgebung so oder so Folgen davontragen wird. Tragisches Detail am Rande: Fukushima I sollte in einem Monat nach 40 Jahren Betriebsdauer abgeschaltet werden.

Weitere Informationen

– Technische Hintergründe, wie so ein Kraftwerk wie in Fukushima überhaupt funktioniert und was da so im Detail bei einem Unfall passiert, haben wir in einem anderen Artikel zusammengefasst: Dampf im Kessel: Druck- und Siedewasserreaktoren.
– Jörg sammelt bei sich im Blog interessante und qualitativ gute Links, die einem helfen, sich ein eigenes Bild abseits von Panikmache zu erstellen.
– Die Live-Berichterstattung von Al-Jazeera ist wieder sehr gut, auch der japanische Sender NHK World liefert zügig Informationen.

Nachtrag (Sonntag, 13. März)
24 Stunden sind ins Land gegangen, seitdem dieser Artikel geschrieben wurde. Viel ist passiert. Aber eines ist gleich geblieben: die verwirrende Nachrichtenlage aus Japan heraus. Aktuelle Informationen entnehmt ihr am besten den Tickern, die überall im Netz zu finden sind. Spiegel Online, Al Jazeera — oder in den Spezialsendungen im TV. Ein besonderer Hinweis weiterhin auf Jörgs Sammelposting, wo er immernoch gute Links zusammenführt.

Wir wollen hier ein paar Fragen besprechen, die in den Kommentaren auftauchten und auch ein kurzes Update zur Lage geben.

  • Notstromaggregate und Energieversorgung: Warum fliegt das Militär nicht einfach mit ein paar Hubschraubern Notstromaggregate ein, schließt sie zur Wiederherstellung der Energieversorgung der Kühlkreisläufe an und verhindert so eine (weitere) Kernschmelze? Wir haben keine Ahnung! Wir können nur Mutmaßen: So einfach wie es klingt, ist das nicht. Man braucht viele Aggregate. Man setzt eine funktionierende Strominfrastruktur vor Ort (nach der Explosion!) voraus. Funktionieren die Kühlpumpen überhaupt noch?3 Wie nah kann man sich an den Reaktor heranwagen? Alles Fragen, für die wir hier keine Erklärungen haben.
  • Meerwasser zur Kühlung: Die japanische Regierung setzt momentan Meerwasser zur Kühlung des Reaktordruckbehälters ein. Das korrodiert die Kühlungsrohre, ist aber für den Moment egal. Ob die Kraftwerke allerdings später wieder aufgebaut werden, ist daher fraglich. Insgesamt scheint diese Aktion nicht im Notfallplan vorgesehen, sondern improvisiert zu sein.
  • Kernschmelze oder Nichtkernschmelze: Auch hier ändert die Regierung häufig ihre Aussage. Gerade ist der aktuelle Stand, dass man vermutet, es habe keine Kernschmelze gegeben. Wichtig: Sollte es trotzdem zu einer Kernschmelze gekommen sein, muss nicht unbedingt der gesamte Kern geschmolzen sein (auch eine Teilschmelze ist möglich) — darüber hinaus muss die Schmelze nicht zwangsweise aus dem stählernen Druckbehälter ausgetreten sein. Letzterer scheint noch intakt, bei der Explosion von Samstag ist vermutlich nur das umgebende Betongebäude zerstört worden.
    Eine hervorragende Animation dazu findet sich auf der Webseite der New York Times.
  • Radioaktivität in der Umgebung: Man liest davon, dass Caesium-137 und Iod-131 in der Nähe der Reaktoren gemessen wurde. Eine wahrscheinliche Erklärung des Ursprungs dieser Spaltprodukte ist der Druckablass am Samstag um eine Explosion des Reaktorkerns zu vermeiden. Dabei wird Dampf abgelassen, der beim Siedewasserreaktor im direkten Kontakt mit den Brennstäben stand und so eine geringe Kontamination aufweist. Die Strahlenbelastung ist höher als die natürliche, aber noch nicht besorgniserregend für die Umgebung. Insbesondere ist sie wesentlich geringer, als wenn der Kern selber in die Gegend verteilt worden wäre.
  • Zweiter Reaktorblock: Mittlerweile ist neben dem Reaktorblock 1 in Fukushima auch Reaktorblock 3 in einer kritischen Situation. Hier deutet sich momentan eine Wiederholung des gestrige Verlaufs beim Schwesterblock an.

Wir hoffen, dass die Maßnahmen der Japaner Erfolg haben und sich die Lage bald zum Positiven aufklärt.

Nachtrag (2), Sonntag, 13. März, 22:32 Uhr: Susi hat unten in einem Kommentar gut erklärt, woher der Wasserstoff für die Knallgasexplosion am Samstag morgen kam.

Nachtrag (3), Montag, 14. März, 13:22 Uhr: In den Kommentaren wurde bereits mehrfach die Frage gestellt, wie lange denn so ein abgeschalteter Reaktorkern noch gekühlt werden muss.
Zwar ist die Kettenreaktion gestoppt, aber andere Kernreaktionen finden weiter statt und produzieren Wärme. Ein genauer Zahlenwert ist dabei nicht gut zu machen, weil zu viele Faktoren reinspielen, die wir momentan einfach nicht kennen. Aktiv gekühlt (also z.B. mit Wasser) werden muss der Kern sicherlich die nächsten ein-zwei Jahre, danach muss weiterhin mit passiver Kühlung gearbeitet werden.
Als Vergleich: wenn ein Brennstab in einem AKW ausgebrannt, also zu schwach zur effektiven Stromproduktion ist, muss er noch 2-3 Jahre in einem Wasserbecken im AKW gelagert und gekühlt werden, obwohl die Kettenreaktion der Kernspaltung in diesem Moment gestoppt ist. Anschließend wird der Brennstoff in CASTOR-Behälter geschafft, die mit Kühllamellen für eine passive Kühlung sorgen. Auch darin ist’s dann noch 400-500°C heiß.

Nachtrag (4), Dienstag, 15. März, 14:26 Uhr: Heute Abend um 21 Uhr wird es im WDR eine Quarks-&-Co.-Sendung zu den Vorgängen in Fukushima geben. Ranga Yogeshwar ist normalerweise dafür bekannt, seriöse und gute Beiträge zu geben, daher ganz klare Empfehlung von unserer Seite aus.

Nachtrag (5), Mittwoch, 16. März, 15:00 Uhr: Wir haben einen Beitrag zum Thema Nachzerfallswärme geschrieben.

  1. Zu meinem Hintergrund: ich habe im Rahmen des Studiums das Nebenfach Reaktortechnik belegt. []
  2. Hier war vorher dieses Bild verlinkt, das aber anscheinend nicht so verlässlich ist. Danke David. []
  3. Die Explosion soll durch das Kühlsystem ausgelöst worden sein, nicht ausgeschlossen, dass es einfach am Arsch ist. []
Kurzlink
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461 Antworten auf Die Probleme beim Kernkraftwerk Fukushima I

  1. Ralf_1962 sagt:
    #401

    @Eng
    Woher kommt die Einschätzung, dass 40-50 Mio. Japaner gefährdet sind?
    Wenn ich es richtig verstehe, handelt es sich absehbar um einen Störfall der Stufe 4, dh. mit “lokaler Relevanz”. Der Kettenreaktionsprozess ist gestoppt.
    Eine Kernschmelze aufgrund Nachzerfallswärme ist konstruktiv bei der Reaktorentwicklung berücksichtigt. Zwar hier noch nicht durch einen Core Catcher, aber durch das Containment und die Absorbtion des Untergrunds.
    Damit geht es -überspitzt gesagt- doch eigentlich nur darum, durch Vermeidung der Schmelze die Kosten der später anstehenden Räumarbeiten für den Betreiber im Rahmen zu halten.
    Oder?

  2. Paule sagt:
    #402

    Jetzt heisst es auf die Entwicklung der Strahlenentwicklung, möglicherweise auch dann mal in Tokio, zu warten. Hier ein sehr guter Link mit Geigerzählern in Japan und der Umrechnung cpm in mSv.

    http://ratzingeronline.blog.de/2011/03/15/sorgen-katastrophen-tsunamis-kommt-automatisch-angst-atomkraftwerken-passiert-drei-explosionen-10827963/

  3. Manuel sagt:
    #403

    Hallo, gibt es jamanden hier, der mir diese Werte für den Reaktor Druck erklären kann.
    Entnommen aus dem Bericht von der GRS (http://www.grs.de/informationen-zur-lage-den-japanischen-kernkraftwerken-fukushima-onagawa-und-tokai)

    Block 1
    Messstelle 1:
    17.03.2011, 12:00 Uhr: 0,173 MPa
    18.03.2011, 2.50 Uhr: 0,265 MPa
    Messstelle 2:
    17.03.2011, 12:00 Uhr: 0,144 MPa
    18.03.2011, 2.50 Uhr: 0,243 MPa
    Der Füllstand im Reaktordruckbehälter ist im gleichen Zeitraum von -1800 mm auf -1700mm gestiegen.

    Block2:
    Messstelle 1:
    17.03.2011, 12:00 Uhr: 0,029 MPa
    18.03.2011, 2.50 Uhr: 0,085 MPa
    Messstelle 2:
    17.03.2011, 12:00 Uhr: 0,047 MPa
    18.03.2011, 2.50 Uhr: 0,069 MPa
    Der Füllstand im Reaktordruckbehälter ist im gleichen Zeitraum von -1800 mm auf -1400mm gestiegen.

    Wenn ich das richtig verstanden habe, würde dass doch bedeuten, dass im Block 1 etwa 265Bar druck herschen wären in Block 2 “nur” 85bar herschen.

    Kann jemand die Messwerte interpretieren??

    Ps.: Leider habe ich auf dem Gebiet AKW nur Laienkenntnisse die ich mir seit einem Besuch im AKW Lubmin (KGR 6) angelesen habe und bin dadurch nicht in der Lage mir den gewaltigen Druckunterschied von Block 1 und Block 2 zu erklären.

  4. Michi sagt:
    #404

    @Manuel: Block 2 hat ja wahrscheinlich eine Explosion im Suppression Pool erlitten. Dort herrscht gar kein Überdruck mehr. Da dieser eng mit dem Reaktordruckbehälter verbunden ist, wäre dies eine Erklärung für den niedrigeren Druck.

  5. André sagt:
    #405

    @Manuel: Wenn ich mich jetzt nicht ganz blöde vertan hab, dann sind in Block zwei etwas unter Normaldruck und in Block 1 etwa 2,5 bar. Weil: 0,1 MPa = 100 kPa = 1 bar. Würde sich also mit Michis Aussage decken.

  6. ham sagt:
    #406

    @Manuel @Andre: Ja Manuel, Andre’s Umrechnung ist richtig. Und jetzt die spannende Frage, was sagt das über den Zustand der Druckbehälter aus!

  7. chefin sagt:
    #407

    @Ralf

    Wenn wir inzwischen eines erkannt haben dann das:

    Von dem was Theoretisch hätte passieren dürfen und dem was Praktisch passiert ist klafft ein gewaltiger Unterschied. Theoretisch hätte es bei der Menge an Sicherheitstechnik nie zur Explosion kommen dürfen, nicht in einem derart hochtechnisierten Land wie Japan.

    Praktisch ist zumindest ein Bereich in der Größenordnung von Tschernobyl verseucht und das mit “selbstverlöschenden” Reaktoren. Für mich stellt sich das in etwa so dar, das die Sicherheitsplanungen ziemlich geschönt waren und man vermutlich jedes mögliche Scenario nur für sich alleine betrachtet hat und dafür die Sicherheit mit ein paar kleinen Abstrichen der Wirtschaftlichkeit wegen (Arbeitsplätze, Strompreiserhöhungen, etc). Was wir gerade erleben zeigt, das alles möglich ist. Inzwischen bin ich nicht mehr so 100% überzeugt ob nicht doch noch beim Schmelzen eine überkritische Masse enstehen kann, die sich selbst neu Zündet und damit einen enormen Energieerzeugungsprozess in Gang setzt. Irgendwo habe ich einen Artikel aus Wikipedia zitiert in dem folgende Daten standen: der Zerfallsprozess wird mit einer Verdoppelungsgeschwindigkeit von 10 hoch -14 expandieren. Das ist ausserhalb der Reaktionszeit jedwelcher Technik.

    Abklinkbecken gefüllt mir Brennstäben, Reaktor voll mit gebrauchten Brennstäben, Energien im Terra oder Pentawatt bereich die in einem Worstcase-scenario nahezu schlagartig freiwerden, das ist nahe an einer Atomexplosion, zumindest aber wird das ganze radioaktive Mist Kilometer hoch geschleudert und dabei feinstpulveriesiert. Man braucht nur zum falschen zeitpunkt eine Neutronenquelle. Und die hat man dummerweise an dem Mix-Reaktor in Form von Plutonium.

    Glaub mir, da dürfte das Wort unmöglich inzwischen nicht mehr zum Wortschatz gehören. Ich muss allerdings sagen, das ich auch eine erfolgreiche Bekämpfung inzwischen nicht mehr für Unmöglich halte. Was wir gerade in Japan erleben ist noch nie simuliert worden. Wie auch. Ich kenne kein Labor, das einer Kernschmelze standhalten würde. Wir betreten Neuland, incl aller Kerntechniker und Kraftwerksingenieure, alle können nur aus den aus anderen Störfällen bekannten Daten hochrechnen und Hypothesen erstellen.

    Kennst du Doc Brown, Zurück in die Zukunft. Da sagte er: wenn du und dein ICH der Zukunft zusammentreffen könnte verherrendes Passieren. Entweder ihr werdet beide Ohnmächtig oder das Universum mit allen Galaxien wird in einem Paradoxon vernichtet werden. Vieleicht auch nur unsere Galaxie.

    Ich finde das ist die lustigste Umschreibung für: ich weis nicht und irgendwie so typisch für Techniker und Ingenieure (will mich da jetzt nicht ausschliessen)

  8. Manuel sagt:
    #408

    Danke für die schnellen Antworten.
    Ja, da habe ich dann wohl beim Komma verrücken daneben gelegen.
    Ich Stelle mir auch noch die Frage, wenn der Druck im Block1 nur bei 2,5 bar und im Block 2 nur bei etwas über Ausendruck, fängt doch das Wasser sehr schnell zu sieden an. Ist es dann überhaupt möglich einen Kühlkreislauf aufzubaun? Also einen der von dem Konzept, Wassernachfüllen und schaun wo es Hindampft, abweicht?

  9. Quantum sagt:
    #409

    Ich höre heute in den Medien immer wieder, das sich im Reaktorblock 4 erneut Wassertoff sammlet und damit die Explosionsgefahr wieder steitg. Läßt sich aufgrund dieser Info auf den Wasserstand in den Kühlbecken schließen ?

  10. ham sagt:
    #410

    @Manuel: Schau dir mal auf folgendem Link den Zustand für Reaktor 2 an (http://www.bmu.de/atomenergie_sicherheit/doc/47114.php). Wie kommen die bei bisherigem Kenntnisstand (KOKA) zu der Aussage? Ja, wenn alles Dicht aber heiß wäre mit Wasser- oder Wasserdampfresten wäre der Druck höher! Dieses wird vom Druck im Reaktorgefäß seit Tagen auf dieser Seite bestätigt. Man kann auch dort natürlich mit Wasser kühlen, aber auch klar: nur unter weiterer Freisetzung von Strahlung. ABER: die einzige Möglichkeit noch schlimmeres zu verhindern ist seit letztem Freitag eine Kühlung, egal was dabei noch passiert.
    @chefin: Ich stimme dir soweit zu. Was da seit 3-6 Tagen passiert ist totale Improvisation, weil nicht mehr wirklich bekannt, beherrschbar und schon gar nicht berechnenbar mit den derzeitlich bekannten oder zugänglichen Eingangsdaten.

  11. Ralf_1962 sagt:
    #411

    @ Chefin
    Zunächstmal: Respekt vor dem ausgezeichneten Niveau dieses Blogs
    Aber gerade deshalb sollten wir auch bei der allgemeinen Lageeinschätzung Sachlichkeit walten lassen.
    Daher erscheint es mir unangemessen, die aktuelle Situation mit Tschernobyl
    gleichzusetzen (…ein Bereich in der Größenordnung von Tschernobyl verseucht…). Bei den entweichenden radioaktiven Substanzen handelt es sich nach meinen Informationen im Unterschied zu Tschernobyl nicht um lange strahlendes Uran, sondern um Radioaktivität mit sehr, sehr viel kürzerer Verfallszeit. Das ist keine Nebensache. Na klar, für die Arbeiter vor Ort ist es vermutlich egal, woher eine Überdosis stammt. Aber für die radioaktive Wolke, die kürzlich über Tokio gezogen ist, ist das ein entscheidender Unterschied.

  12. André sagt:
    #412

    @Ralf: Danke, du nimmst mir die Worte aus dem Mund! ;)

    @allgemein: ich bitte die Diskussion wieder ein bisschen auf das zu lenken, was tatsächlich Potential hat, aufgelöst zu werden. Das Gebiet abzuschätzen, dass dabei verstrahlt wird, ist nicht so einfach. Hängt vom Zeitpunkt bzw. dem Wetter und der freigesetzten Menge ab. Das ist so spekulativ, dass wir leider nur abwarten können.
    Ich bitte das einfach so hinzunehmen, so leid es mir für die unbefriedigende Antwort tut.

    Ansonsten war das hier in den letzten Tagen eine sehr produktive Diskussion. Danke!

  13. ham sagt:
    #413

    @Ralph_1962: Tschernobyl war anders! Aber wir reden hier jetzt von bis zu 6 Reaktoren und dem Material in den Abklingbecken. http://www.n-tv.de/mediathek/sendungen/spezial/Wie-sieht-Worst-Case-fuer-Japan-aus-article2857736.html Der grauhaarige Herr mit Bart ist der Päsident der Gesellschaft für Strahlenschutz in Deutschland Hr. Sebastian Pflugbeil.

  14. Manuel sagt:
    #414

    @ham
    Da sehe ich doch gerade, dass die Angaben bei der GRS auch nicht gestimmt haben und der Druck im Block 1 und 2 garnicht so sehr abweicht, nur erschreckend gering ist. Wobei ich nun gleich über die nächsten merkwürdigen Daten gestolpert bin.
    Laut dem Status bericht der JAIF vom 18.3.11 22:00 (MEZ +8h) gibt es Folgende Werte von den Blöcken 1 2 und 3
    Block 1
    18.3.11 14:50 Water Level (a) -1700mm (b) down scale
    Reactor pressure (a) 0,164MPaG (b) 0,142MPaG
    Block 2
    18.3.11 14:50 Water Level (a) -1400mm
    Reactor pressure (a) -0,016MPaG (b) -0,032MPaG
    Block 3
    18.3.11 08:00 Water Level (a) -1900mm (b) -2300mm
    18.3.11 14:45 Water Level (a) -2000mm (b) -2300mm
    Reactor presure (a) -0,005MPaG (b) 0,014MPaG

    Wenn man den Messgeräten noch Trauen kann und der Druck ist bei allen drei Blöcken gegen 0 bar, müssten dann nicht die Reacktorgebäude an allen Ecken und Enden dampfen? Denn JAIF werden die Reacktordruckbehälter ja mit Meerwasser gefüllt. Oder ist der Dampf so heis, dass er nicht kondensiert wenn er mit Umgebungsluft in Berührung kommt. (keine Ahnung wie sich Dampf bei hohen Temperaturen verhällt.
    Irgend wie habe ich riesen Schwierigkeiten mir aus den Daten ein Bild über die Situation zu machen. Das passt alles vorne und hinten nicht…

  15. ham sagt:
    #415

    @Manuel: Frag mal bitte Andre an für meine EMail Adresse und melde dich per Mail. Auf deine Anfrage geben ich hier bewusst keine Antwort.

  16. chefin sagt:
    #416

    Tschernobyl war auf einem Radius von ca 100km verseucht. Japan wird gerade von experten gefordert die Evakuierungszone von 20 auf 80km auszudehnen.

    Daher mein Vergleich. Das langlebige Uran ist auch in Japan ausreichend vorhanden, die aus Plutonium emiitierte Strahlung ist in der Tat kurzlebig. Gegenüber 80.000 Jahre Halbwertszeit (dann hat sich die Strahlung halbiert…nicht genullt) beim uran sind Strahlungsabfälle aus Plutonium mit 57 Jahren sehr kurzlebig. geviertelt in einer Menschenlebenszeit.

    Nur die Alphastrahlung ist in wenigen Tage vorbei, sofern nicht neue Spaltung entsteht. Wir reden also auch bei Plutonium von einer aus menschlicher Sicht langen Zeit. Die Dosis akkummuliert sich über die Zeit. 30 Jahre bei 5µS entspricht 15 Jahre bei 10µS oder 2 Monate bei 1mS. Ab einer bestimmten Strahlungsdosis auf einer Lokation ist es nur eine frage der Zeit bis die gefährliche Dosis erreicht ist. Damit ist das Gebiet aus menschlicher Sicht Unbewohnbar. Der Radius ergibt sich aus der Windstärke und wie schnell das Material durch regen wieder auf den Boden gewaschen wird (Fallout). Je langsamer der Wind und je mehr Regen desdo kleiner das verseuchte Gebiet, aber desdo höher die Strahlungsmenge auf diesem Gebiet.

    Deswegen ist alles eben hochspekulativ. Aber eben vom Volumen und Schadenspotential sind wir inzwischen bei der Größenordnung die Tschernobyl erwischt hat. Nur wird es in Japan mit wessentlich mehr Knowhow und Technik angegangen und so ist die Chance höher, die Katastrophe noch abzuwenden. Diese Chance gabs in Tschernobyl ab dem Zeitpunkt nicht mehr als der Fehler im Reaktor sichtbar wurde. Ab da war es unausweichlich…in Japan gibts noch Hoffnung.

    Hoffe damit den Tschernobyl-vergleich erklärt zu haben, da ich mich nicht auf die technischen oder menschlichen Fehler beziehe sondern nur auf die potentiellen Auswirkungen. Für diese ist es egal ob ein Grafitreaktor oder BWR hochgeht und radioaktives Material verteilt.

  17. ham sagt:
    #417

    @chefin: Zusatz: Vollkommen unabhängig von der Radioaktivität ist Plutonium einer der giftigsten Substanzen für den menschliche Organismus!

  18. hilti sagt:
    #418

    @ham
    Die Gesellschaft für Strahlenschutz nicht mit dem Bundesamt für Strahlenschutz verwechseln. Die Gesellschaft ist nur eine NGO wie Greenpeace auch und steht in der selben Ecke wie Greenpeace während das Bundesamt eher in der Ecke der Kraftwerksbetreiber steht.

    Und zur Kompentenz von Sebastian Pflugbeil bin ich noch unschlüssig. Der fällt mir die letzten Tage vor allem durch Schwarzmalerei und Unkenntnis der Situation auf. Hat noch “Meerwasser wird nicht zur Kühlung des Reaktorkerns verwendet, damit wird nur der Druckbehälter von außen besprüht” behauptet als uns hier das Gegenteil schon länger klar war.

  19. Manuel sagt:
    #419

    @ham danke für das Angebot, muss leider nebenbei noch Arbeiten, werde also ein wenig brauchen, um mich nach der Anfrage bei Andre an dich zu wenden.

  20. Ralf_1962 sagt:
    #420

    Hmm, ich habe den Eindruck, dass die Beiträge gerade etwas unsachlich werden:
    Der n-tv-Beitrag ist sehr deutlich tendenziös und unsachlich. Wording: “unkontrollierbare Kernschmelze” / Explosionsbilder bei der Beschreibung des Schmelzvorgangs / “Es können die Reaktorgefäße bersten”: Ja, aber gerade hierfür ist ja das umgebende Containment konstruktiv vorgesehen / “in das Grundwasser fressen”: Für wieviele Meter Felsenlava wird die Energie einer *Nachzerfalls*schmelze wohl reichen? / “Maschine in Gang, lässt sich nicht mehr bremsen” … Sorry, gerade hier würde ich Beweisführungen durch fehlerhafte, tendenziöse Journalistenbeiträge nicht erwarten.

  21. ham sagt:
    #421

    @hilti: Die genannten Unterschiede sind mir bewußt (wahr jahrelang bestellter Strahlenschutzbeauftragter). Aber was ich seit drei Tagen mitteilen will, ist, wenn eines richtig knallt, gehen 6 Blöcke plus Abklingbecken hoch (ob atomar oder nur dreckig) kann ich im Moment nicht mehr beurteilen.

  22. Eng sagt:
    #422

    @Ralf: zu den meisten der selbsternannten Experten die gerade im TV aus ihren Löchern hervorgekrochen kommen oder herausgezerrt werden kann ich nur sagen:
    Keine Ahnung habe ich selber, da brauche ich keine anderen.
    Erschreckend ist auch immer wieder, wie Nachrichtensendungen alte Sachverhalte als Brandneu verkaufen, vor allem wenn diese schon gar nicht mehr zutreffend sind.
    Ich habe im Moment die Zeit einige Stunden pro Tag für Recherchen im Internet im Zusammenhang mit Fukushima durchzuführen. Und da passt nicht wirklich viel zusammen. Es wird einen nur sehr, sehr kleinen Personenkreis geben der wirklich weiß wie es um Fukushima steht.

  23. Eng sagt:
    #423

    Fragen zum GRS Datenblatt über die gemessenen Dosierleistungen:
    http://www.grs.de/sites/default/files/images/Messungen_Japan_18.03_19.30Uhr.pdf
    Ist das Datenblatt eigentlich realistisch? Die hohen Ausschläge am Messpunkt Haupttor ohne Ausschläge am MP 5 und 8?

    Laufen die Messpunkte eigentlich mit Akku? Und der Empfänger?
    Die gleiche Frage kann man für die Druckmessungen, Füllstandsmessungen, Temperaturmessenungen usw. in den Reaktorgebäuden stellen. Ist der Strom doch nicht komplett weg, oder welche Erklärung gibt es dafür?

  24. ham sagt:
    #424

    @Eng: das bedeutet in meinen Augen nur, dass keine anderen Werte vorliegen!

  25. ham sagt:
    #425

    @Eng: Auch deine anderen Fragen stelle ich mir schon seit Tagen.

  26. Lorenz sagt:
    #426

    @untxin
    1% Abweichung beim Reinschieben hat kein Durchbrennen zur Folge. Die Leicht-und Schwerwasserreaktoren haben nämlich einen guten Trick:

    Die Kettenreaktion mit U-235 wird ja mit Neutronen am Leben gehalten, wobei nach der Spaltung durchschnittlich etwa 2.5 schnelle Neutronen zur Verfügung stehen (bei PU-239 sind es etwa 3.5). Anwesend ist in den Brennstäben auch das Isotop U-238 und das kann die schnellen Neutronen schlucken. Direkt spalten lässt es sich mit der Energie der im Reaktor vorkommenden Neutronen nicht, dafür braucht es noch deutlich schnellere (die ungradzahligen Isotope sind generell leichter zu knacken). Wenn U-238 die schnellen aufnimmt, dann fehlen sie aber der Spaltung und die Reaktion wird verlangsamt. Damit das nicht passiert, werden die Neutronen abgebremst und dann stehen sie nur noch der Spaltung von U-235 zur Verfügung. Abgebremst werden die Neutronen zB durch kleine Atome üblicherweise Wasserstoff oder Kohlenstoff (das war der Grund für die Anwesenheit von Graphit in Tschernobyl).
    Wenn Du nun die 1% daneben liegst, dann passiert relativ wenig, weil dann das Wasser dort verdampft, die Neutronen nicht mehr gebremst werden und dann von zB U-238 geschluckt werden. Es ist, wie wenn Regelstäbe etwas reingeschoben werden, wenn kein Wasser da ist. Die Reaktion reguliert sich also innerhalb einer bestimmten Grenze von selber.

    Und genau das ist das Problem beim schnellen Brüter, der in der Mitte relativ hochangereichertes U-235 und an der Wandung U-238 hat. Der Brutreaktor will gerade die schnellen Neutronen, um sie von U-238 einfangen zu lassen. Also muss dort ein Kühlmittel verwendet werden, welches keine Neutronen schluckt und sie auch nicht bremst. Die gute Idee heisst hier Natrium. Aber wehe, wenn dieser Reaktor mit den Regelstäben etwas daneben liegt. Das schlägt voll durch, denn dieser Typ reguliert sich NICHT von selbst. Das ist einer der Gründe, warum schnelle Brüter als deutlich gefährlicher erachtet wird. Aber dafür hat es bei dem noch mehr Gründe….

  27. Eng sagt:
    #427

    Offizeller Ablauf der Vorgänge in Fukushima:
    http://www.world-nuclear-news.org/RS_Insight_to_Fukushima_engineering_challenges_1803112.html

    Der Tsunami hat neben Pumpen und Notstromdiesel wie hier bereits vermutet unter anderem auch Schalträume beschädigt.

  28. Eng sagt:
    #428

    Für die gezielte Befüllung der Abklingbecken könnten Betonpumpen zum Einsatz kommen. Beispiel für eine derartige Pumpe mit Leitungsdaten:
    http://www.pmw.de/cps/rde/xchg/pm_online/hs.xsl/32_550_DEU_HTML.htm

  29. chefin sagt:
    #429

    Betonpumpen nutzen, dies und das wurde beschädigt, vermutlich und vieleicht…..

    Es gibt 100 verschiedene Maschinen die man nutzen kann. Die Frage ist, welches der Möglichkeiten ist die beste. Die Mannpower ist begrenzt, keiner will russische Verhältnisse und tausende Menschen neben dem Reaktor arbeiten lassen.

    Ist die Hoffnung bereits gestorben, das man eine Flächenverseuchung übers halbe Land verhindern kann, braucht man keine Pumpen mehr, dann ist alles doch nur ein nutzloser Aktionismus.

    Die Hoffnung es verhindern zu können ist aber noch nicht gestorben. Und bei allem Unglück das dort passiert muss man mal eines deutlich sagen:

    BIS JETZT SIND DURCH DIE REAKTOREN NULL MENSCHEN GESTORBEN.

    Im Vergleich zu Russland ist das eine phantastische Arbeit die dort geleistet wird und ohne die Fehler der Vergangenheit ausser acht zu lassen, momentan arbeiten die Menschen dort nahezu Fehlerfrei und tun wohl genau das richtige. Den ich kann mir nicht vorstellen, dass sie 1 Woche schaffen den Fallout zu verhindern, wenn sie Fehler machen würden.

    Uns fehlt die Nähe zum Objekt und die Daten. Es macht auch keinen Sinn, wenn jetzt 20 Reporter dort jeden Messwert in die Welt posaunen. Es nutzt vieleicht unsere Sensationsgier zu befriedigen, aber nicht die Auswirkungen des Unglücks zu begrenzen. Eher im Gegenteil, die meisten Menschen würden noch mehr Angst bekommen, weil sie die Daten nicht richtig einordnen können. Stirbt deswegen auch nur ein Mensch aus Panikgründen, halte ich es für gerechtfertigt, Informationen momentan nur an die zu geben, die diese Informationen für ihre Entscheidungen brauchen. Schuldzuweisungen und Verantwortung klären wir später, selbst auf die gefahr hin, das deswegen sich jemand aus der Verantwortung stehlen kann.

    Meine persönliche Meinung: ich vertraue den Menschen die gerade versuchen die Atomkatastrophe einzudämmen. Sie haben 4 Reaktoren zu versorgen, die sich in einem Zustand befinden, den wir uns garnicht vorstellen können, wo Kräfte am Werk sind für die uns die Worte fehlen und die Zahlen im Kopf kaum noch zu erfassen sind. Wenn ich könnte würde ich gerne jedem der Männer auf die Schulter klopfen und danken. Ich weis nicht ob sie das jemals lesen werden, aber ich hoffe sie spüren, wie die Welt zu ihnen aufschaut und sie können Kraft und Hoffnung draus schöpfen, weiter über die Grenzen des Menschenmöglichen rausgehen.

    Sorry…wenns gerade etwas moralisch wird, aber nach der Menge an Ideen und den zwischen den Zeilen spürbaren Vorwürfen die gemacht werden, muss das mal gesagt werden.

    Aber auch mal einen riesen Dank an alle, die hier Informationen sammeln und bündeln und allen die sich hierher verirren helfen, zu begreifen, was dort los ist.

  30. Hans sagt:
    #430

    Ohne deie Katastrophe verharmosen zu wollen. Die akut gröbste Gefahr einer verschlimmerung scheint vorbei.
    Aber ist die das nicht schon viel länger?
    Ich habe mit Interesse die Beiträge und Kommentare hier gelesen.
    So wie ich das verfolgt habe, wurde erst am Donnerstag richtig mit Kühlmaßnahmen begonnen.
    Es ab dann von Tepco eine Pressemeldung “Dampf steigt auf, also wirkt die Kühlung”.
    Da zuvor kein Dampf aufstieg, schließe ich die Brennelemente lagen teilweise im trockenen.
    Wenn sie trocken liegen wird sich nach meinem Verständniss innerhalb kürzester Zeit die maximale Hitze entwickeln.
    Worauf begründete dann sich am Mittwoch Annahme, dass es am Freitag zum endgültigen Super-Gau kommen könnte?
    Braucht die Hitze bei ausgesetzter Kühlung so lange um sich zu auszubreiten?

  31. chefin sagt:
    #431

    Sehen wir es mal aus einer anderen Warte: Kachelofen heizen eine Wohnung mit reiner Luftzirkulation als Wärmetransportmedium. Luft ist zwar hervoragender Isolator, aber nichts desdo trotz kann Wärme auch gut transportiert werden.

    Wasserlos heist nicht unbedingt das keine Hitze mehr transportiert wird. Ab 370grad und ca 220bar kann Wasser nicht mehr weiter den Druck erhöhen. Es hat dann auch wieder die Dichte von flüssigem Wasser. Würden wir Fotos machen, würden wir es für flüssiges Wasser halten. Nur das die Eigenschaften denen von gasförmigem Wasser entsprechen. Die Wärme wird jetzt über den Wasserdampf transportiert, da Wärme (Energie) zur kälteren Stelle wandert (Stelle mit geringerem Energiegehalt). Das Containment ist aus Stahl, auch wenn Stahl nicht der beste Wärmeleiter ist, so wird er bei dem Temperaturgefälle eine recht große Menge transportieren können. Aussen kommt nun Konvektion in Gange, für uns mangels Wasser unsichtbar. Luft wird in großen Mengen unten angesaugt und nach oben weggeblasen (Heissluftballons funktionieren nach dem selben physikalischen Prinzip). Dieser Wärmetransport kann viel Wärme transportieren, aber er belastet das Material stark und hat vermutlich bei weitem nicht ausgereicht. Für eine zeitliche Verzögerung hat es aber gereicht, da die Umgebungsluft weiterhin kalt bleibt, im inneren jedoch die Temperatur steigt und damit der Betrag der übertragenen Menge ansteigt. Der Betrag ist von Fläche und Temperaturdifferenz abhängig. Genauso heizt man ja mit einem Heizkörper die Wohnung.

    Wenn jetzt Wasser als Wasserdampf aufsteigt und für uns sichtbar wird heist das nur eines: das Wasser verdampft in einer Form, das es Wassertröpfchen mitreist, welche wir nun sehen. Es heist nicht das vorher keine Wärme abtransportiert wurde.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Wasserdampf

    Wird in Wikipedia recht gut erklärt, wann wir Wasserdampf sehen können und wann nicht.

    Welche Auswirkungen das jeweils hat, liegt ausserhalb der Informationen die wir haben. Ich weis nicht, wieviel Restwärme noch entsteht, da ich nicht weis welche Mengen an Brennstäbe überhaupt vorhanden sind, welchen Zustand sie haben usw.

    Es ist schwer, zu beurteilen. Deine Schlussfolgerung liegt zwar nahe, aber bei weitem nicht nahe genug um daraus eine Hypothese abzuleiten. Es stimmt schon das am Anfang durch den Zusammenbruch zu wenig Kühlleistung da war. Diese Fehler wurden bereits beim Design der Anlage gemacht. Darüber werden sich später Heerscharen von Anwälten und Gutachter den Kopf zerbrechen. Jetzt und heute ist nur wichtig, was die Menschen vor Ort tun innerhalb der Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. Mittel die nicht oder nur mit großere zeitlicher verzögerung zur Verfügung stehen könneen wir vorschlagen, aber nutzen werden sie wenig. Man muss aus dem Zeitpunkt X zu dem man eine Entscheidung treffen muss die Ressourcen wählen die zur Verfügung stehen. Wenn man weis das man 24Std Zeit hat und eine Pumpe in 25 Std da wäre, kann man diese nicht benutzen. 2 Tager später zu fragen, warum man diese nicht benutzt hat, bringt uns nicht weiter. Und jetzt sind wohl genug Pumpen vor Ort um sich die zeit zu erkaufen, eine optimale Lösung zu finden.

  32. Folke Stender sagt:
    #432

    Lt. Meldungen ist ein Betonpumpfahrzeug tatsächlich auf dem Weg, sie soll für das Auffüllen der Abklingbecken zum Einsatz kommen, da man mit dem hyd. Schlauchkran wohl gezielt mehr Wasser in die Becken bekommt als mit den Wasserwerfern der millit. Flugplatzfeuerwehr. Lt. Berichterstattung soll es sogar ein Fahrzeug aus deutscher Produktion sein.

  33. ham sagt:
    #433

    @chefin: 11:12 Danke. Wir können uns kein einigermassen realistisches Bild machen. Es Fehlen die Fakten und wahrscheinlich fehlt uns auch allen hier das Fassungsvermögen für das was da passiert ist. Es wird Monate oder Jahre brauchen das Geschehene dort einigermassen vollständig zu rekonstruieren. Es wird bereits direkt durch das Erdbeben nicht nur den Stromausfall, sondern auch schwere mechanische Schäden gegeben haben (realistische Spekulation!). Dann kam der Tsunami. Die verursachten Schäden sind mit Sicherheit groß gewesen, wenn man sich mal die kursierenden Vorher-Nachher Bilder anschaut. Dann kam es zu Wasserstoffexplosionen. Das sind mächtige Explosionen. Nach jeder Explosion “regnen” Trümmer, auch das wird weitere Schäden gegeben haben. Weiterhin hat es hunderte Nachbeben gegeben, die an der einen oder anderen geschwächten Konstruktion realistischer Weise angenommen auch weitere Schäden verursacht haben. Und wir reden nicht über einen Reaktor sondern einen Komplex von 6 und den Zwischenlagern.
    Ich fühle mich nicht mehr in der Lage irgendetwas dort einzuschätzen.

  34. anna sagt:
    #434

    Wurde hier im Forum eigentlich schon auf die Dokumentation aus dem Jahre 1998 aufmerksam gemacht? Die ukrainischen und russischen Wissenschaftler behaupten, dass der wahre Grund für die Tschernobyl-Katastrophe eine Erdbeben gewesen sei und dieses Wissen gezielt vertuscht wurde.
    http://www.videogold.de/der-wahre-grund-von-tschernobyl-erdbeben-dokumentation-ndr-1998/
    Die Wissenschaftler klettern jedenfalls fröhlich im Reaktor herum, auch in den inneren Bereich. Sie versuchen den Beweis anzutreten, dass bei der Explosion und dem Graphitbrand das gesamte radioaktive Material in die Luft gepustet wurde und es gar keinen, bzw. nur noch einen sehr kleinen radioaktiven Schmelzrest im Reaktor gibt. Demnach hätten wir tatsächlich ein ganz anderes Szenario, denn in Tschenobyl wäre dann kein glühender, heißer und gefährlicher Kern vergraben worden, sondern nur noch ein vergleichsweise harmloser Rest. In Japan ist aber noch alles gebündelt und lokal und heiß…

  35. Peterueps sagt:
    #435

    Hallo zusammen,

    ich habe da eine Verständiss-Frage zu den Abläufen in dem Kraftwerkskomplex:

    – stammt die gemessene, an- und absteigende Strahlungsintensität lediglich aus den Abklingbecken, oder ist der auch zuvor ausgetretene(abgelassene) Wasserstoff des Reaktorkerns und dessen Exposion dafür verantwortlich? Oder durchdringt die Strahluung des Kerns das Containment?

    Vielen Dank

  36. Eng sagt:
    #436

    @chefin: Deinen Beitrag von 11:12 habe ich jetzt nicht wirklich verstanden. Du hast völlig recht das wir nicht wirklich wissen wie es vor Ort aussieht. Aber hier wurden und werden Fragen aller Art gestellt und es wird versucht die Fragen so gut es geht zu beantworten. Dazu gehören dann auch Vermutungen (sonst könnten wir den Blog einstellen) und das Beschreiben von technischen Möglichkeiten, damit man erkennen kann das es noch Hoffnung für Fukushima gibt. Das es Fehler in Fukushima gab steht doch mittlerweile völlig außer Frage, wann, wieso und von wem auch immer. Das die Männer die nun vor Ort deshalb ihre Gesundheit riskieren müssen unseren höchsten Respekt verdienen, habe ich bereits mehrmals geschrieben und steht auch völlig außer Frage.
    Aber Aussagen wie: “Wenn man mit dem Auto fährt, nutzen die Reifen ab” sind zwar zu 100% richtig, helfen aber nicht wirklich weiter. (Bitte nicht weiter auf meinen Beitrag eingehen).

  37. Andi sagt:
    #437

    Hallo zusammen! Eine Woche ist es her, dass wir diese Beiträge veröffentlicht haben. Wow. Was ist seitdem passiert! Soviel mehr und dann gar nicht so sehr. Immer mehr Kraftwerksblöcke warfen Probleme auf, die Lage verschlechterte sich und jetzt scheint sie sich marginal zu verbessern.

    Die Kommentare habe ich in den letzten Tagen nur noch überflogen. Es war einfach zu viel — und hinter den Kulissen schreiben wir am nächsten Beitrag, der die aktuellen Ereignisse zusammenfasst.
    Wir haben hier bewusst Spekulationen zugelassen, da sie meist auf technischem Fundament gebaut waren. Jeder konnte eine andere Idee mit einbringen und ihr habt wirklich fleißig überschlagsgerechnet.
    In den Beiträgen an sich, die ihr hier kommentiert, haben wir uns bemüht, nur die bekannten Fakten darzustellen, einzuordnen und sie unter dem, was wir wissen, grob zu bewerten. Dabei haben wir uns mit Spekulationen zurückgehalten.

    Mir scheint, das Meiste in den Kommentaren ist gesagt. So lange die Lage in Japan nicht umschlägt und sich völlig neue Informationen auftun, sollte sich nichts Neues ergeben.
    Wir werden daher die spekulativeren unter den Kommentaren stärker moderieren. Seht uns das nach, aber es wird sonst zu übersichtlich — und es führt zu nichts, außer Horrorszenarien, die hoffentlich nicht eintreten werden.

    Vielen Dank für all eure Mithilfe!
    Der Folgebeitrag kommt hoffentlich morgen — wir erwarten eure kritischen und mittlerweile sehr professionellen Meinungen und Kommentare dazu :).

    (Und nochmal: WIR SIND EIN BLOG, KEIN FORUM!!! Jedes Mal, wenn das jemand verwechselt, stirbt eine kleine Dot-Com-Blase :(.)

  38. Susi sagt:
    #438

    @anna: Die Dokumentation kenn ich nicht, aber ich denke das macht nix. Ein Erdbeben als Grund kann so gut wie ausgeschlossen werden. Die Bebentätigkeit wird weltweit überwacht und man hätte das an allen seismischen Stationen festgestellt. Vor allem wenn es stark genug war, den Reaktor lahmzulegen. Und, um gleich Einwänden vorzubeugen, man kann nicht die Seismologen und Geophysiker auf der ganzen Welt mundtot machen. Zumal die USA das als gute Gelegenheit gesehen hätten ihen “Erzfeind” Sowjetunion zu blamieren. Fazit: Es gab dort in der Ukraine kein Erdbeben. Ausserdem ist ein solches Gerücht ein gutes Mittel eine Entschuldigung für eigenes Fehlverhalten zu finden.

    @Peterueps: Die erhöhte Strahlung ist auf die Druckentlastungen im Reaktor, das/die beschädigten Containment(s) und natürlich die frei liegenden Abklingbecken zurückzuführen. Durch ein intaktes Containment darf keine Strahlung nach aussen kommen.

  39. Peterueps sagt:
    #439

    Hallo zusammen,

    @Susi:

    danke für Deine Erklärung!

    Somit kann man nicht eindeutig von unbeschädigten Containment(s) ausgehen?
    Und schwankende Strahlungsemissionen könnten auf unterschiedliche Wasserstände in den Abklingbecken liegen?

    @all:

    Ich hoffe, das die Hilfskräfte es dort schaffen, die Lage unter Kontrolle zu bringen!

  40. Susi sagt:
    #440

    Ich denke ja. Aber ich glaube, wenn ein oder mehrere Containments deutlich beschädigt wären, dann würde die Strahlung gleichmässig hoch bleiben.
    Man weiß ausserdem, dass an mindestens einem Reaktor tatsächlich ein Schaden an der inneren Hülle vorliegt, aber bis jetzt hat nnoch niemand wirklich reinsehen können.
    Schwankende Strahlungsangaben können auch wetterbedingt sein, z.B. wenn die Strahlung nicht an allen Messpunkten vorbei kommt (Windrichtung!). Dann wieviel Dampf, auch von den Lösch/Kühlmaßnahmen aufsteigt usw.
    Ist ganz schwer zu sagen was da alles eine Rolle spielt.

  41. hilti sagt:
    #441

    @Peterueps

    – stammt die gemessene, an- und absteigende Strahlungsintensität lediglich aus den Abklingbecken, oder ist der auch zuvor ausgetretene(abgelassene) Wasserstoff des Reaktorkerns und dessen Exposion dafür verantwortlich? Oder durchdringt die Strahluung des Kerns das Containment?

    Da hat dich die ungenaue Berichterstattung der Medien etwas aufs Glatteis geführt. So lange es keine größeren Löcher im Druckbehälter und im Containment gibt wird die Strahlung des Reaktorkerns abgeschirmt.

    Das Problem ist die Freisetzung radioaktiver Stoffe, die dann durch den Wind in der Umgebung verteilt werden können.

    Hier gibt es mehrere Quellen für die freigesetzten Stoffe:
    Gezieltes ablassen von Dampf um den Druck im Reaktor zu verringern. Durch die Strahlung im Reaktorkern können Wasser und Stickstoff aktiviert worden sein. Weiterhin durch kleine Undichtigkeiten der Brennelemente Caesium und Jod im Wasserdampf enthalten sein. Das wär der “Normalzustand”. Falls die Kernschmelze schon eingesetzt hatte könnten Uran und alle möglichen Zwischen- und Endprodukte der Zerfallskettenen im Dampf drin sein.

    Falls Druckgefäß und Containment undicht geworden sind wird die ganze Suppe “ungezielt” freigesetzt.

    Die zweite Quelle der Strahlung bzw. der freigesetzten Stoffe sind die Brennstäbe in den trocken gefallenen Abklingbecken. Die Brennstäbe können durch Trümmer des Daches beschädigt sein. Oder evtl. auch angefangen haben zu schmelzen.

  42. hilti sagt:
    #442

    Vergessen weswegen ich eigentlich hier war. Frank und Fefe haben sich in Alternativlos, Folge 14 mit Michael Sailer über Fukushima, Reaktortypen und ihre Risiken und havarierende Reaktoren allgemein unterhalten. Fand ich unerwartet gut.

  43. Peterueps sagt:
    #443

    Guten abend zusammen,

    @Susi & Hilti:

    vielen Dank für Eure Statements, jetzt kann ich das ganze besser verstehen!

    Gruß Chris (“Peterueps” ist nur der Name meines analogen Anrufbeantworters)

  44. Friedrich sagt:
    #444

    Es wird ja immer wieder behauptet, Kernkraftwerke sind sicher bei Flugzeugabstürzen. Wenn ich mir jetzt ansehe, welche Schäden an dem Kraftwerk in Fukushima durch Erdbeben und Tsunami entstanden sind, fällt es mir schwer, zu glauben, dass ein Flugzeugabsturz nicht mindestens auch diese Probleme bringen würde. Man muss sich nur mal ansehen, welche Explosionen es gab, als am 11.9.2001 die Flugzeuge ins World Trade Center geflogen sind.
    Es mag ja sein, dass Druckbehälter und Containment unversehrt bleiben, aber wie wir in Fukushima sehen, nützt uns das grad gar nichts! Ein Flugzeug muß nur die Stromkabel kappen, die Pumpen treffen und den Swimmingpool mit den abgebrannten Brennelementen von der Kühlung abschneiden und schon haben wir die maximale Katastrophe.

    Ich denke, da wird es noch eine Menge an Diskussionsstoff zur generellen Sicherheit von Kernkraftwerken geben, die man jetzt in einem völlig neuen Licht sehen muss.

    Edit Andi: Risiko- und Folgenabschätzung sind ein großes, kompliziertes Feld. Da geht es viel um Wahrscheinlichkeiten und spezielle Szenarien. Das ist etwas ganz Eigenes, in das wir hier nicht einsteigen wollen. Deine Bedenken sind berechtigt, doch wollen wir hier die Diskussion auf das beschränken, was wir direkt Wissen können und von dem wir Ahnung haben. Das ist schließlich nichts, was jetzt in Fukushima passiert ist, sondern dreht sich um potenzielle Folgen bei Störfällen in anderen Atomkraftwerken.

  45. styx sagt:
    #445

    Kann jemand sagen, ob die Reaktoren in Fukushima so was wie ein Wallmann-Ventil am Containment besitzen?

  46. Susi sagt:
    #446

    @styx: Ja, haben sie. Darüber wurde das venting, die Druckentlastung gemacht. Haben seit Three Mile Island alle SWR.

  47. Knox sagt:
    #447

    @Friedrich: In den Forderungen zur Erhöhung der Sicherheitsmaßnahmen steht ja unter anderem drin, dass die Pumpen und Generatoren verbunkert werden sollten.

  48. ham sagt:
    #448

    @Knox: Bitte hört Euch mal den Link im Beitrag hilti: 19. März 2011 um 18:01 an. (Ich habe nicht wirklich Neues erfahren, aber ich bin seit 30 Jahren interessierter Laie). Ich kann sicher die genannten Szenarien nicht selber rechnen, aber die genannten Fakten und zwischen den Zeilen zu lesenden Dingen habe ich schon verstanden. Gestern morgen habe ich die besagten 6 Seiten gelesen und denke wenigstens zu 95% wirklich verstanden. Aber ich war über viele der genannten Forderungen recht überrascht, weil ich die schon als sowieso Standart betrachtet hatte.

  49. Eng sagt:
    #449

    Am 18.März um 12:39 Uhr habe ich geschrieben: Wenn die Physik uns keinen Strich durch die Rechnung macht, dann schaffen es die Techniker.

    Und so wie es zur Zeit aussieht könnte es wirklich so sein.

    Bei dieser Gelegnehit. Es war immer zu lesen und hören: Wenn die Pumpen tätsächlich anlaufen …
    Diese Aussage ist wahrscheinlich fast überall falsch ausgelegt worden. Die Pumpenmechanik ist in der Regel schnell überprüft, aber wie wir ja mittlerweile wissen sind doch etliche Schalträume und Schaltschränke überflutet worden. Das Hauptproblem war also die elektrischen Schaltungen und wenn notwendig auch Regelkreisläufe wieder herzustellen. Das ist wesentlich komplizierter als man sich das so vorstellt

  50. George sagt:
    #450

    Für mich als Nicht-Physiker erscheint Fukushima klar gravierender als Three Miles Island. Brennstäbe und Kerne liegen über längere Zeiträume fast blank. Mehrfach wird Druck abgelassen, wobei Radioaktivität austritt. Dies war in Three Miles Island nur jeweils einmal der Fall.
    Nichts desto trotz erscheint mir solch ein Vorfall der INES Stufe 5 (oder fast 6) beherrschbar. Dass kaputte Brennstäbe fast blank mehrere Tage im Abklingbecken liegen, hat anscheinend doch nicht so vorheerende Auswirkungen (zumindest kurzfristig).
    Atomkraft ist also selbst im Falle eines sehr grossen Unfalls noch relativ sicher. Daher kann es meiner Meinung nach als Argument für Atomkraft benutzt werden. Als Anregung sollte man verlangen, dass mehrere gesicherte Notstromaggregate vorhanden sind (möglicherweise eines davon Dampf-getrieben).

    Kommentar von André: Kurzer Hinweis: Kommentare, die primär eine generelle Atomdebatte führen, werden gelöscht.

  51. Susi sagt:
    #451

    Dies war/ist nur ein möglicher Verlauf eines solchen Unfalls. Wenn man sich nicht entschieden hätte, Meerwasser zur Kühlung “einfach” draufzugießen und damit in Kauf zu nehmen, dass die Anlage nicht mehr genutzt werden kann, hätte es auch anders kommen können. Und die Folgen sind auch schon meßbar: es findet sich erhöhte Radioaktivität in Gemüse, Milch und im Trinkwasser, die sich dann im Körper ansammeln kann.
    Wies in der näheren und weiteren Umgebung aussieht möchte ich eigentlich gar nicht so genau wissen. Dort wird lange Zeit niemand wohnen können. Ich weiß nicht ob man das in Kauf nehmen will oder kann.
    Ausserdem war der Reaktor in TMI ein Druckwasserreaktor, der noch eine zusätzliche Barriere, eine etwa 1,5 m dicke Betonhülle hat und die Abklingbecken sowie der primäre Kühlkreislauf liegen in dieser Hülle, sind also viel besser abgeschirmt.

  52. blub sagt:
    #452

    Auch wenn der folgende Chart nicht direkt von einem Wissenschaftler stammt, so bietet er für den interessierten Laien einen interessanten Größenvergleich der Sievert Einheiten und was sie bedeuten. Ich finde das ziemlich gut, auch wenn der akkumulierende Effekt von ionisierender Strahlung auf den Körper nur unzureichend vermittelt wird.

    http://xkcd.com/radiation/

    Lieben Gruß,
    Blub

  53. Eng sagt:
    #453

    Der Tsunami in Fukushima 1 soll über 10 Meter hoch gewesen sein.
    Quelle:
    http://www.world-nuclear-news.org/RS_Stabilisation_at_Fukushima_Daiichi_2003111.html

  54. Susi sagt:
    #454

    Tolle Grafik.
    Die Akkunulation spielt ja eigentlich auch nur eine wesentliche Rolle, wenn die Strahlung IN den Körper kommt. So wie jetzt in Japan oder vor 25 Jahren in Tschernobyl. Sonst kann man das eher vernachlässigen.
    Trotzdem ist es gut, dass die modernen Medizinmänner drauf achten und jedes Röntgen in einen Röntgenpass eingetragen werden muss.

  55. Eng sagt:
    #455

    @blub: Super Grafik, danke.

  56. Tr sagt:
    #456

    Meines wissens ist der xkcd-macher ein physiker! Tolle grafik :)

  57. blub sagt:
    #457

    Lobt nicht mich sondern xkcd. Er ist mir schon öfter durch überaschend exakte Zeichnungen zu Physik, Informatik und Mathe aufgefallen. Aber es ist selten, dass er ein so aktuelles Thema auf nimmt. Von daher, dankt ihm ;-)

  58. Eng sagt:
    #458

    Gute und aktuelle Informationsquelle:
    http://search.japantimes.co.jp/cgi-bin/nn20110321x1.html

  59. Folke Stender sagt:
    #459

    Auf Grund der Entfernung und der Verdünnung in der Fläche beinahe unmöglich, aber vielleicht sollte man dies in den nächsten Wochen trotzdem einmal beobachten, aber nicht gleich Alarm schreien, wenn es etwas steigt. Mit zunehmender, längerer Sonneneinstrahlung (wir haben Frühling) und im Gebirge auch mit der abschmelzenden Schneedecke, ist ein langsamer Anstig normal. Verdächtig könnten allerdings kurzzeitige “Spitzen” nach Niederschlägen sein. Interessant auch die reigonalen Unterschiede.

    http://odlinfo.bfs.de/

  60. Andi sagt:
    #460

    Wir haben einen neuen, zusammenfassenden Beitrag zum Thema geschrieben: http://www.physikblog.eu/2011/03/21/eine-zusammenfassung-der-probleme-bei-fukushima-i/
    Bitte packt doch alle Kommentare zur aktuellen Lage dort hinein!

    Sollten eure Kommentare sich natürlich auf andere Kommentare dieses Beitrags beziehen, dann ist hier der richtige Ort dafür.

  61. 金吾 Japan sagt:
    #461

    Yamashitas Äußerungen zu Fukushima und Strahlung
    http://www.youtube.com/watch?v=pPrHbZ6SHOY

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