Ich mach dich gesund, sagte der Mond

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Achtung: Keine Erdachse, sondern eine Erdechse. Trotzdem ziemlich verrückt. (Foto by marfis75 on flickr)

Die Erde hat eine Verschiebung. Keine Streifenverschiebung zwar, aber mindestens genauso schlimm. Eine Achsenverschiebung!

Falls das physikBlog eine Schwachstelle hat, dann ist es die fehlende Überdisziplinaritätovierung1. Natürlich ist das keine wirklich bedeutende Schwachstelle, wenn überhaupt von Hyperfeinstrukturgrößenordnung, schließlich ist physikBlog der Superlativ von perfekt. Aber um wahrhaft physikBlog2 zu sein, tut halt auch ein gewisses Maß an Selbstkritik Not. Dem ist hiermit jetzt aber auch für das nächste Jahrzehnt genüge getan. Aber jetzt kommt der Schock: Das nächste Jahrzehnt wird ganze 4,6 Millisekunden kürzer als das letzte! Grund ist die Geophysik3.

Vor einigen Tagen gab es, wie ihr sicherlich aus der von euch bevorzugten Neuigkeitenquelle4 erfahren habt, ein schweres Erdbeben vor der Küste Chiles – es war das siebtschwerste jemals gemessene Erdbeben. Und dieses Erdbeben hat die Erdachse verschoben. Und deshalb dreht sich die Erde schneller. Kann man kaum glauben5, ist aber wirklich so. Einen interessanten Artikel darüber findet man zum Beispiel auf Spiegel Online.

Was passiert ist? Der Erdrutsch bewirkt, dass sich große Massen näher an die Erdachse bewegen. Und wie wir alle aus dem Physikunterricht wissen, dreht sich ein Körper schneller, wenn sein Trägheitsmoment kleiner ist. Bleibt die Masse gleich6, so ist das Trägheitsmoment kleiner, wenn die Masse näher an der Drehachse liegt. Dieser Effekt bewirkt im Falle des Erdbebens einen zusätzlichen Drall der Erde – sie dreht sich nun pro Tag 1,26 Mikrosekunden schneller. Das kann man zwar nicht messen, aber berechnen.
Zusätzlich hat die Verschiebung eine Versetzung der Erdachse um 8cm7 bewirkt. Da ich keine Geophysik kann, kann ich das aber nicht erklären. Erklärungsversuche gerne in den Kommentaren!

Zum Glück wird sich die Erde schon bald wieder genauso schnell drehen, wie sie das noch vor 2 Wochen getan hat. Der Grund dafür ist der Mond, der die Erde ständig ein wenig abbremst. Der Mond kann eben nicht nur Werwölfe und Wetterwechsel, sondern auch alles, was Doktor Brausefrosch kann.
Danke, Mond!

  1. Neologismus deluxe! []
  2. für Laien nochmal: physikBlog = perfektesten []
  3. Für die ich mich wahrlich nur äußerst selten interessiere, aber das hier ist interessant. Echt jetzt! []
  4. TV, Nachbarin, nerviger CNN-Banner auf euer Lieblingspornoseite []
  5. wenn man es so liest wie es hier aufgemacht ist []
  6. Die Erde schrumpft nur relativ langsam… []
  7. Wo? Im Bezug auf was? Hä? Lösung: Quelle = Nichtphysiker []
Kurzlink
Kategorien: Forscherisches, Reales, Weltiges
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5 Antworten auf Ich mach dich gesund, sagte der Mond

  1. André sagt:
    #1

    Das mit dem schneller drehen finde ich plausibel, was ich aber nicht verstehe ist das Verrücken der Erdachse. Da muss es ja irgendwie zu einem Materieausstoß gekommen sein, oder vertue ich mich da?

  2. Basti sagt:
    #2

    Die ist halt verrückt, diese Erdachse.
    Einen Materieausstoß wird es doch wohl bestimmt nicht gegeben haben. Wie kann die Erdachse überhaupt “verrutschen”, also, was heißt das? Sie kann ja schlecht nach oben und unten rutschen, und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass sie immer noch durch den Erdmittelpunkt geht. Das einzige was ich mir vorstellen kann, ist dass sie sich “gedreht” hat, d.h. die Erdachse noch ein bisschen schiefer auf der Ekliptik steht. Das würde heißen, der Nordpol ist jetzt diese ominösen 8cm weiter nördlich (muahaha. Sorry. Soll heißen: in irgendeine Richtung verrückt) als vorher.
    Und das kann ich mir eigentlich schon vorstellen. Da die Erde ja fast eine Kugel ist, heißt das: Wenn Materie in Richtung Erdmittelpunkt verschoben wird, ändert sich die für die Drehung wichtige Projektion auf die Erdachse. Das Trägheitsmoment ändert sich nicht nur im Betrag, sondern auch in den Tensorkomponenten. Und das könnte wegen Drehimpulserhaltung zu einer Änderung der Achse führen.
    Vielleicht. Keine Ahnung.

  3. Tim sagt:
    #3

    Ich sekundiere den Erklärungsansatz vom Basti. Wenn man sich auf dem Stuhl dreht, und die hanteln in den Händen heranzieht, wird man schneller, aber das ist ja hier noch symetrisch. Da die Erde mit dem einen Erdrutsch aber bestimmt nicht symetrisch in der Massenverteilung verändert wurde, denke ich auch, das sich hier Überlagerungen von Drehimpulsen zu einer geringfügigen Neigung des größten Sumanden ergeben. Zudem ist die Masse ja nicht einfach heruntergefallen, sondern auch auf der gedachten Oberfläche der Kugel verrutscht.
    Schon sicherer, aber immernoch keine Ahnung :)

  4. jul sagt:
    #4

    Also, ich habe letztens gelesen, dass es da einen Dienst gibt, der die Lage der Pole bezueglich der Rotationsachse der Erde misst und deswegen ungefaehr vorhersagen kann, wo sich der Pol befinden sollte. Von diesem Punkt ist der Pol aber neuerdings anscheinend um 8 cm irgendwohin verschoben.
    Ansonsten sind nun ja wirklich da in Chile die Orte um ein paar Dezimeter verrueckt wurden, also klingt das mit dem Tensor (zwar gruselig, aber) durchaus logisch.

    Gezeichnet: ein Unwissender ^^.

  5. Andi sagt:
    #5

    Es gibt da das »Deutsche Geodätische Forschungsinstitut« (geodätisch ist übrigens ein amüsantes Wort) und ein internationales Pendant namens »International Earth Rotation and Reference Systems Service«.
    Die haben auch alle fetzige Grafiken. (In der Wikipedia gefunden.)

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