Monatsarchiv für Januar 2010

Anwendungsbezogene Astronomie: Außerirdische und Sex

Alltägliches Bild einer Tower-Bridge vor einer beliebigen Galaxie. Mockup von Bildern von Anirudh Koul und World’s Saddest Man.

Sex.
Über kaum ein anderes Thema schreiben wir hier im physikBlog so gern wie über Sex. Außer vielleicht Katzen. Oder Pinguine. Oder Teilchenphysik. Oder Physik generell. Oder Richard Feynman. Oder den Weltraum. Oder uns selbst.
Aber dann hört’s echt schon fast auf.
Sex ist ganz groß. Auf unserer Lieblingsdrüberschreibliste.

Wenn es dann da draußen, in den sexistischen Weiten dieses Internets jemanden gibt, der Sex mit gleich zwei der oben genannten Lieblingsdrüberschreiblistenplatzbesetzer verbindet – herrje, da sind wir natürlich sofort zur Stelle!

Peter Backus, seines Zeichens BWL-Doktorand in England, hat berechnet, wieviele ihm passende Frauen in England rumlaufen.
Er hat sich dabei nicht etwa an chaotischen Systemen oder Wettersimulationsgroßrechnern bedient, nein, er nahm dazu eine fast fünfzig Jahre alte und eigentlich recht simple Formel der Astronomie1. Die Drake-Gleichung.

Die Drake-Gleichung schätzt ab, wieviele intelligente und entwickelte Zivilisationen es im Universum gibt. Wer mehr als zwei Mal in seinem Leben ein Physikbuch aufgeschlagen hat2, der sollte die Formel dazu kennen:
N = R_* \cdot f_p \cdot n_e \cdot f_l \cdot f_i \cdot f_c \cdot L
Sie zieht neben Entstehungsraten von Sternen und passenden Planeten auch das Alter und den technologischen Zustand einer Zivilisation in betracht.

Backus hat aufbauend auf der Formel die Parameter angepasst und sie um so schöne Werte wie »Frauen mit einem Universitätsabschluss« erweitert.
Schätzt man all die Parameter wie Backus ab, so erhält man schlussendlich 10.000 passende Frauen im Vereinigten Königreich.
Zieht man dann auch noch grob geschätzt die Gegenseite3 und das gegenseitige Zusammenspiel4 mit in die Rechnung ein – man kommt auf 26 Frauen, mit denen ein 31-jähriger Mann in UK gemeinsam Elementarteilchenraten spielen kann.

Was genau Backus für Parameter und Abschätzungen benutzt hat, all das ist in seinem mit humoristischen Anmerkungen gespickten Paper zu finden.

Why I don’t have a girlfriend by Peter Backus
[via einem Tweet von Florian]

  1. Eher der Exobiologie, was? []
  2. Für die Jüngeren unter euch: Wer mehr als vier Physik-E-Books geöffnet hat. []
  3. Sollte man besser tun. Insider-Tipp. []
  4. Liebe Physiker: »Gegenseitiges Zusammenspiel« ist hier der Euphemismus zu »Es ist ausnahmsweise mal wichtig, was die Gegenseite von dir hält«. Das ist so wie beim Pendel. Es geht hin. Und her. (Und ein Doppelpendel macht das Ganze ganz schön chaotisch.). Genug der schlechten Metaphern. []

Veranstaltungshinweis: Physikanten & Co. an der RWTH

Die Physikanten machen Damf!

Physik kann Spaß machen, das ist unsere Devise hier im physikBlog. Manchmal braucht es dazu süße Katzen oder heiße Raketenstartbilder, manchmal geht das aber auch einfach mit Leuten, die Spaß an der Materie haben und das ganze auch vermitteln können.

Deshalb machen wir Die Physikanten sind solche Leute. Die Dortmunder Wissenschaftler zeigen Experimente in Sendungen wie »Kopfball« oder »Frag doch mal die Maus« sowie bei Auftritten zu diversen Gelgenheiten. Eine solche Gelegenheit ist die Physikwoche für hochbegabte Schüler, deren Einführungsveranstaltung schon von so Größen wie Metin Tolan Physik der breiten Masse zugänglich gemacht wurde.

Das Programm — eine Mischung aus Comedy und Wissenschaft in Form von Experimenten — scheint sich im Wesentlichen an Schüler zu richten, aber natürlich ist jeder interessierte Zuhörer willkommen. Dank der Unterstützung der Sparkasse Aachen ist der Eintritt kostenfrei. Wenn ihr interesse habt:
Sa, 16.01. um 17:30 Uhr im Hörsaal Fo1 des Karman-Auditoriums.

Terroristen und ihre Unwissenheit über Physik

Achtung! Diese Terrorkatze wird international gesucht!

Telepolis, das Magazin für neumodischen Krams und wissenschaftliche Dings, hat Werner Gruber zum physikalischen Verständnis von Terroristen befragt. Herr Gruber ist Physiker und Neurowissenschaftler an der Uni Wien und beschäftigt sich mit teilweise exotischen Themen wie der Physik von Papierfliegern. Wie das physikBlog auch, versucht er Leuten eine Seite der Physik zu zeigen, die nicht so trist ist, wie die Erinnerungen der meisten an den Physikunterricht der 9. Klasse.

Im Gespräch gibt Herr Gruber teilweise verrückte Anhaltspunkte, wie einfach man effiziente Sprengstoffe und Gifte herstellen kann. Wusstet ihr z.B., dass eine Ananas und ein Kunststoffbehälter kombiniert eines der stärksten Gifte der Erde ergibt? Seine Grundaussage ist damit, dass Terroristen keine Ahnung von Physik haben und das auch eigentlich ganz gut so ist, zumindest für uns. Gleichzeitig bedeutet das aber auch für den Überwachungsterror z.B. an Flughäfen das sichere Scheitern, sollten es Terroristen mal ernst meinen.

Das ist ein sinnloses gegenseitiges Hochrüsten, das bringt nichts. Das ist nichts als ein Supergeschäft [für die Sicherheitsfirmen] – und eine Belästigung für alle.

 
Das physikBlog unterstützt Herrn Gruber und sagt: Unbedingt lesen!
TP: Zum Glück verstehen Terroristen nichts von Physik

PS: Wenn ihr mal zufällig in Wien seid, dann schaut euch doch mal die Science Busters an und sagt uns, wie es war. Es soll jedenfalls ziemlich genial sein!

Black Hole Rap

Erinnert ihr euch noch an den fetzigen LHC Rap? Bei dem selbst die Strahlen im LHC kurzzeitig aus der Phase raus und in den Beat rein schwingen?
Na klar tut ihr das, schließlich wurde dieses thighte Stück Physik nur so durch’s Internet geprügelt.

Alpinekat, das fette Pseudonym einer ATLAS-Pressefrau, ist wieder zurück und kickt neue Rhymes. Dieses Mal nicht über den LHC, nein, dieses mal nimmt sie sich dem Lieblingsthema der Crowd an: Schwarze Löcher.

Give it up for the Black Hole Rap:

YouTube-Direktweltvernichtung

Wie funktioniert eigentlich so ein Blitz?

Blitze über dem Hafen von Colonia del Sacramento  (Bild: LONELY DANCER von Ezequiel1984)

Blitz. Donner. 40 Mal pro Sekunde auf dem gesamten Erdball. Für viele Menschen sind Gewitter eine sehr anziehende Angelegenheit, wenn auch teilweise sehr beängstigend. Aber wer weiß schon, wie so ein Blitz funktioniert? Wo kommt er her, wo geht er hin und was hat Shakespeare damit zu tun? Ich versuche im folgenden Artikel einmal, die Hintergründe der Blitzentstehung verständlich zu erklären.

Um das ganze etwas übersichtlicher zu machen, teile ich diesen Post in fünf Teile, wobei die ersten vier die Phasen der Blitzentstehung beschreiben. Und weil wir hier im physikBlog sind, Deutschlands Insider-Blog für heiße Raketenstartbilder, sind die Phasen einem Raketenstart nachempfunden — erklärt natürlich mit Katzenparabeln.

Phase I: Befüllen der Tanks

Die Cumulonimbus-Wolke kündigt ein sich anbahnendes Gewitter an. (Bild: Wikipedia)

Wie bei einer Rakete, einem Auto oder auch nur bei der Katze vor dem Sprung: Um irgendetwas zu erreichen, muss eine bestimmte Energie verfügbar gemacht werden. Im Falle von Rakete und Auto ist das der Treibstoff im Tank, bei der Katze die in den Fetten und Zuckermolekülen gespeicherte Energie und im Falle des Blitzes ist es elektrische Energie, bzw. eine Spannung.

Vom Prinzip her das Gleiche, wie bei euch zu Hause in der Steckdose: positive und negative Ladungen sind voneinander getrennt und wollen sich so lange bewegen, bis sie sich gegenseitig neutralisiert haben. Dieses Streben nach Ladungsausgleich nennt man Spannung oder Potential — das Potential, etwas zu tun. Deswegen können wir auch den elektrischen Dosenöffner für das Katzenfutter betreiben.

‘Wie funktioniert eigentlich so ein Blitz?’ weiterlesen

TED Talk: Steven Cowley – Fusion is energy’s future


Gerade beim Durchlesen der Annalen meines Feedreaders gefunden. Nicht unbedingt etwas Neues, aber schön zusammengefasst.