Vom Higgs zum Kartenspiel – oder andersrum?

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Phänomenologische Zukunftsbeobachtung

Jeder Mensch, der auch nur einen Hauch Neugier und Forschergeist mitbringt, kommt früher oder später im Leben zu einer Überzeugung: Die Zuku…
— Nein, Moment. Also, eigentlich eher früher als später. Schon im Kindergarten, wenn Neugier und Forschergeist besonders groß sind1. Man sitzt so rum auf der großen bunten Steppdecke, spielt mit seinem Traktor, seiner Puppe, seinen Bauklötzen oder der Spritze, die man vorhin im Sandkasten gefunden hat. Auf einmal verspürt man einen Schmerz im Fuß und fragt sich, warum. Es scheint keinen Grund zu geben. Doch dann, plötzlich, ein paar Minuten später, fällt der Bauklotz auf den Fuß. Oder die Spritze, je nachdem. Und man kommt zu der Überzeugung …

— Nein. Vielleicht doch noch anders. Habt ihr die ersten Folgen von FlashForward gesehen? Auf einmal gucken alle in die Zukunft, alle handeln nach ihren Flashforwards, bauen Fotowände zusammen und sowas – und, zack, die Zukunft beeinflusst die Gegenwart. Und habt ihr euch da nicht auch gedacht: Na und!? Ist das nicht immer so?

Zukunft beeinflusst die Gegenwart.
Das wäre die Überzeugung, die zu den obigen Situationen passen würde. Eine Überzeugung, die vielleicht unsere Ur-ur-ur-ur-[…]-ur-ur-Enkel haben werden, wenn das Universum in ferner Zukunft wieder kollabieren sollte und dann die Zeit rückwärts läuft. Oder was der Hawking mir damals in seiner länglichen Geschichte der Zeit erzählen wollte.
Auf jeden Fall ist es nicht die Überzeugung, die wir haben. Und das ist laut Ansicht zweier Forscher falsch.

Beweis durch Fail

Holger Bech Nielsen
Holger Bech Nielsen
Masao Ninomiya
Masao Ninomiya (via)

Die beiden Physiker Holger Bech Nielsen vom Niels-Bohr-Institut in Kopenhagen und Masao Ninomiya2 behaupten, dass die Zukunft Einfluss auf die Gegenwart hat. Und dass wir gerade live dabei sind, genau dies zu erleben. Hauptdarsteller in dieser schönen Geschichte sind unsere beiden liebsten physikalischen Kuscheltiere: Der LHC und das Higgs-Teilchen.

Das Higgs-Teilchen darf nicht gefunden werden! Denn wenn es gefunden würde, dann würde etwas sehr sehr Schlimmes geschehen. Was, und wie schlimm, das verraten uns die beiden Autoren nicht3. Darum geht es aber auch gar nicht.
Denn zum Glück verhindert das Higgs selber seine eigene Entdeckung — aus der Zukunft. Beschrieben ist das ganz nett in einem Essay der New York Times4. Der LHC muss demnach also scheitern. Wenn in der Zukunft viele Higgs-Teilchen erzeugt werden, dann beeinflusst dieses Ereignis aus der Zukunft die Gegenwart, und verhindert die eigene Entdeckung.

Evidenzen

Gesehen haben wir das bereits: Als im September 2008 der LHC nur wenig nach seinem ersten Einschalten kaputt ging, da war dies das Higgs-Teilchen höchstpersönlich aus der Zukunft.
Oder noch viel größer: Der Superconducting Super Collider, dessen Bau bereits relativ weit fortgeschritten war, bevor das Projekt komplett gecancelled wurde5, wäre der erste Beschleuniger gewesen, bei dem Higgs-Teilchen in großer Zahl erzeugt worden wären. Und was ist passiert? Na? Eine Idee? Na eben.

Der jetzt schon legendäre Kartenbeweis

Higgs-Ereignis im CMS
Keine Chance soetwas jemals in echt zu sehen: Higgs-Ereignis im CMS (via Wikipedia)

Nachlesen dürft ihr das ganze gerne auch im Original-Paper. Ich muss zugeben, dass ich die Stellen mit den Lagrange-Dichten übersprungen habe. Das sind halt theoretische Physiker und ein paar Seiten muss man ihnen zum Austoben lassen. Der Rest liest sich sehr unterhaltsam. Besonders nett ist das vorgeschlagene Experiment, um die Theorie zu überprüfen:
Man nehme eine sehr große Zahl von Karten, zum Beispiel eine Millionen Stück. Man beschrifte die allermeisten dieser Karten mit Der LHC kann wie geplant laufen. Man beschriftet allerdings auch einige Karten mit der Möglichkeit, dass es nicht so gut läuft, zum Beispiel Der LHC kann nur bei einem Zehntel der geplanten Energie laufen oder auch Der LHC kann nur kurzfristig laufen, weil danach die CERN-Mitgliedsstaaten untereinander einen Krieg beginnen6. Und mindestens eine Karte beschriftet man auch mit Der LHC läuft niemals – die Todeskarte. Man mischt das alles sehr gut durch und zieht eine Karte. Die Chance, dass die Todeskarte kommt, ist so klein, dass man bei Auftreten dieser Situation davon ausgehen muss, dass da ein Higgs-Teilchen aus der Zukunft eingegriffen hat. Die Theorie ist also bestätigt und der LHC ist tot – er wird niemals eingeschaltet.
Das schöne für die beiden Autoren: Laut ihrer Theorie wäre ebendiese Theorie auch dann nicht falsifiziert, wenn eine normale Karte gezogen wird. Denn wenn der LHC danach kaputt geht, wer war’s dann? Ganz klar: Das Higgs.

Zum Glück teilen uns die beiden Zeit-Rückwärtsfahrer in einem Folgepaper noch mit, dass wir uns gar nicht darüber aufregen müssen, denn egal was das Karten-Ziehen ergibt: Für den LHC ist es immer gut. Entweder es kommt heraus, dass der LHC laufen kann – dann ist alles gut. Oder es kommt heraus, dass der LHC nicht eingeschaltet werden darf. Dann hat man für nur ein paar Milliarden Euro zwar nicht das Higgs gefunden, aber herausgefunden, dass die Zukunft die Gegenwart beeinflussen kann! Und, ganz ehrlich: Das wäre wirklich mindestens genauso cool.

Die nächste physikBlog-Mystery-Party findet mit SUSY-Stühlerücken statt. Außerdem werden die beliebten Teilchen-Tarot-Karten gelegt. Und wer das Higgs zieht – ohje, wir wollen uns das lieber nicht ausdenken.

  1. bei den meisten Menschen nimmt das ab da ab – bei Physikern nicht; die bleiben quasi im Kindergarten stecken []
  2. der bestimmt auch eine eigene Homepage hat []
  3. Scooby Doo? Where are you? []
  4. einloggen geht mit aa115511@trash-mail.com, PW: 115511, wir wollen ja nicht dass unsere Leser zu viel arbeiten müssen []
  5. unter anderem weil kaum ein Physiker bereit war mitten in die texanische Wüste zu ziehen []
  6. das steht echt im Paper! []
Kurzlink
Kategorien: Bescheuertes, Forscherisches
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7 Antworten auf Vom Higgs zum Kartenspiel – oder andersrum?

  1. Martin sagt:
    #1

    Hätte diese Seite einen “Herzen” oder “Like” Button, ich würde ihn drücken. Großartig geschrieben, danke sehr!

  2. André sagt:
    #2

    Wow, super Artikel Basti! Ich habe schön gelacht beim Lesen.

  3. Basti sagt:
    #4

    Die haben doch von mir geklaut! Oder so. Oder halt von irgendeinem anderen. Auf jeden Fall haben die ja mal das geilste Bild ever da oben drüber gepackt.

  4. Chaos sagt:
    #5

    Also der erste Abschnitt ist sehr wirr geschrieben. Soll vielleicht Witzig sein, aber kommt nicht gut. Und wieviele kennen die Serie “Flashback”!? Aber du hast sicher deinen Freundeskreis als Zielgruppe, der das hier liest, und der weiß wovon du redest.

    “Wenn in der Zukunft viele Higgs-Teilchen erzeugt werden, dann beeinflusst dieses Ereignis aus der Zukunft die Gegenwart, und verhindert die eigene Entdeckung.”

    Bist du sicher dass du da nicht etwas durcheinander bekommst?

    “..wäre der erste Beschleuniger gewesen, bei dem Higgs-Teilchen in großer Zahl erzeugt worden wären”

    Dass weiß keiner. Oder bist du etwas auch ein Zeitreisender? ;-)

    Soll das eigentlich Satire sein? Alles in allem finde ich den Artikel viel zu möchtegern lustig geschrieben, gespickt mit drei Händen voll Halbwissen und nerdigen Jokes. Du musst dich schon entscheiden, ob du völlig oder garnicht ernstgenommen werden möchtest. ;-)

    Nicht persönlich nehmen, nur meine Meinung.

  5. Basti sagt:
    #6

    zu 1) FlashForward, nicht Flashback. Und wenn man nur über Dinge schreiben dürfte, die alle Leute kennen, dann kann man ja über gar nichts mehr schreiben. Kurze Erklärung und Link zu ausführlicher Erklärung sollte doch reichen, oder? So ist das halt mit Referenzen.

    zu 2) Ich bekomme da mit Sicherheit was durcheinander. Den Satz mein ich aber genau so wie er da steht. Ich hab’s mir ja nicht ausgedacht die ganze Theorie.

    zu 3) Auch das ist ein Zitat aus dem Paper.

    zu 4) “Du musst dich schon entscheiden, ob du völlig oder garnicht ernstgenommen werden möchtest.” Warum??? Ich will aber beides! Mein Artikel ist halt voll das Chaos, Chaos.

  6. Geisler sagt:
    #7

    Basti, ein Traum, denn genau so isses nunmal