Publikationen in der Physik – Eine Anleitung

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Folgende Beschreibung ist an den gemeinen forschenden Physiker (gfP) gerichtet. Sie behandelt das korrekte Erstellen wissenschaftlicher Publikationen in der Physik und soll als Hilfestellung verstanden werden.

Wissenschaftliche Artikel verfügen meist über eine Zusammenfassung (neudeutsch: “abstract”), die sehr aussagekräftig sein kann oder auch nicht, eine Einleitung, Hauptteil und eine Schlussfolgerung. Ein weiteres, hier nicht erschöpfend abgehandeltes Thema ist die anschliessende Danksagung.

I. Beschleunigerphysik

Teilchenbeschleuniger sind gross. Sehr gross. Meist werkeln da Dutzende von Forschungsgruppen dran rum. Dementsprechend sind die ersten zwei Seiten einer solchen Veröffentlichung schon durch die Nennung der Namen gefüllt. Weitere zwei Seiten gehen für die Referenzliste drauf. Macht bei einer durchschnittlichen Publikation von acht Seiten noch deren vier, die mit Resultaten zu füllen sind.  Verzichte deshalb auf  vernünftige Einleitung und Schlussfolgerung und verknappe den Text sosehr, dass gerade noch die in das Experiment involvierten Leute verstehen, worum es geht.

II. Theoretische Physik

Überzeuge deinen Leser, dass deine Arbeit eine praktische Anwendung hat. Dabei ist völlig irrelevant, ob dem auch so sei. (Doch die Begründung “Reines Selbstvergnügen” reicht nicht, um an Forschungsgelder zu gelangen.) Als anwendungsnahe gelten in dieser Disziplin beispielsweise eindimensionale Galaxien.

Benutze die Formulierung “after some trivial calculations”, um die Arbeit zusammen zu fassen, die deinen armen Doktoranden zwei Monate lang schlaflose Nächte und kein Privatleben bescherte.

Führe einen neuen Formalismus ein oder ändere zumindest einige Symbole, um dich bei deinen Kollegen besonders beliebt zu machen.

Exkurs: Die Publikationsverweigerung

Bei der Publikationsverweigerung kann grundsätzlich zwischen zwei Arten unterschieden werden:

  1. Verweigerung aus edlen Gründen
  2. Notwendige Bedingung: Kein Bedürfnis der Selbstbestätigung durch Dritte.
    Hinreichende Bedingung: Ein Genie zu sein.
    Kommt in der Praxis relativ selten vor, wird von der physikalischen Gesellschaft gerne mit einem liebevollen Kopfschütteln bedacht.

  3. Verweigerung aus anderen Gründen
  4. Notwendige Bedingung: Verfüge über eine längerfristige Geldgarantie. Da bietet sich besonders Vater Staat an. Besonders erfolgreich sind auch undurchsichtige Verwicklungen mit Vater Staat und privaten Interessenten. Achtung: diese Praxis wird von der physikalischen Gesellschaft gerne lautstark verwünscht.

Exkursende.

Andi: Ihr habt soeben den ersten Beitrag unserer neuen physikBlog-Autorin Christine gelesen! Christine wird als fünfte Person in die Riege der physikBlog-Autoren einsteigen. Und das ist nicht nur toll, weil Christine mindestens so toll bloggt wie die restlichen physikBlogger (!) (s.o.), nein, sondern das ist auch toll, weil fünf ungerade und prim gleichzeitig ist. Toll, nicht?1
Jedenfalls: Willkommen, nimm’ dir ‘nen Keks und leg’ den digitalen Stift besser gar nicht erst wieder hin.
  1. Besser wäre nur sechs. Oder sieben. Oder… []
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Kategorien: Bescheuertes, Erklärbär, Forscherisches
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4 Antworten auf Publikationen in der Physik – Eine Anleitung

  1. Basti sagt:
    #1

    Hallo Christine! Ist das schön, frischer Wind im Physikblog!

    Wer zwei Seiten Autorenliste schon viel findet, der sei auf das heute erschiene, erste offizielle CMS-Paper aufmerksam gemacht, welches man hier findet:
    http://arxiv.org/abs/0910.2505

    Geschlagene 17 Seiten Autorenliste!

  2. Kaal sagt:
    #2

    Dickes Hallo von meinem ehemalsLeistungskursphysikerhorizont. Er findet das super, ab sofort von fünf Autoren weiter ausgeleuchtet zu werden.

  3. Andi sagt:
    #3

    Hihi, Basti, das passt ja wie die Faust auf’s Auge, also, zum Artikel mein ich ;).

  4. Finja sagt:
    #4

    gebt der christine gefälligst so viele kekse wie sie will, die schreibt nämlich toll. (sagt jemand, der mehr ahnung vom schreiben als von physik hat.)

  1. Pingback: Publikationen in der Physik – Das Beigemüse bei physikBlog