Physik-Nobelpreis 2009: Optische Fasern und CCD

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Kommentare
Der Nobelpreis. Schön, oder?

Gerade eben wurden die Preisträger des Nobelpreises in Physik bekannt gegeben und nach dem letztjährigen abgefahrenen Scheiß gibt es dieses Jahr etwas, das wahrscheinlich für die meisten direkt viel durchsichtiger und abbildbarer ist.
Die erste Hälfte geht an Charles Kao für die entscheidende Verbesserung von optischen Fasern und die andere Hälfte geht nochmal halbiert an Willard Boyle und George Smith für die Entwicklung des CCD.
Auch wenn das physikBlog wieder mal nicht unter den Gewinnern weilt wünschen wir herzlichen Glückwunsch!

Lichtleiter transportieren Informationen über weite Strecken.
Lichtleiter transportieren Infor­ma­tio­nen über weite Strecken. Sogar in Lichtgeschwindigkeit. (via xamad)

Detailliert geht es bei optischen Fasern um etwas, das aussieht wie Angelschnur, aber ganz besonders toll Licht leiten kann (auch um Ecken) und nichts mit Fischen zu tun hat. Die Zauberformel, mit der das geht, nennt sich Totalreflexion, möchte ich hier aber nicht weiter reflektieren. Es bedeutet jedenfalls, dass das Licht nicht seitlich aus der Faser rauskommt und somit gezielt dahin geführt werden kann, wo es gebraucht wird. Zum Beispiel vom physikBlog-Server zu euch nach Hause in euren Briefkasten Webbrowser.
Charles Kao war maßgeblich an der Verbesserung der bis 1966 bereits existierenden Fasern beteiligt, in dem er herausfand, dass das Problem der starken Abschwächung der Signale an Verunreinigungen im Glas lag. Moderne Lichtleiter sind der Dreh- und Angelpunkt unserer heutigen, weltweiten Kommunikation, ohne die die großen Transatlantik-Datenkabel zum Beispiel undenkbar wären.

Boyle und Smith testen ihre Entwicklung, den CCD-Sensor
Boyle und Smith testen ihre Ent­wick­lung: den CCD-Sensor. (via)

Die andere Hälfte des Preises ist für die Entwicklung des CCD-Chips vergeben worden. CCD-Chips bzw. -Sensoren sind die kleinen Dinger, die bei euch in der Digitalkamera sitzen und aus dem einfallenden Licht ein digitales Bild anfertigen.
Sie geben in kleinen Zellen (Pixeln) eine zur einfallenden Lichtmenge proportionales Stromsignal aus, so dass sich damit die Helligkeit an diesem Punkt rekonstruieren lässt. Packt man nun noch einen Farbfilter vor diesen Pixel, ergibt sich die Intensität dieser einen Farbe.
Mit ihrer Entwicklung haben Willard Boyle und George Smith einen entscheidenen Schritt zur digitalen Erfassung optischer Objekte gefunden. Willard Boyle sagte im Interview, dass er begeistert gewesen war, als seine Erfindung mit dem Mars-Rover Bilder auf einem anderen Planeten gemacht hat. Und wir können uns da nur anschließen: Wow!

Mehr:
nobelprize.org
Zeit Online

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2 Antworten auf Physik-Nobelpreis 2009: Optische Fasern und CCD

  1. Basti sagt:
    #1

    Abgefahrenen Scheiß find ich zwar viel cooler, aber so Technik-Scheiß ist auch unglaublich cool, weil man ohne Technik-Scheiß keinen abgefahrenen Scheiß machen könnte, und deshalb ich der Nobelpreis richtig, verdient und überhaupt kein kranker Scheiß. (Da geht das Jugendschutz-Ranking den Bach runter…)

    Wenn ich jetzt so eine Lichtfaser-Deko-Lampe hätte, würde ich sie zur Feier des Tages einschalten.

  2. André sagt:
    #2

    Noch besser wäre natürlich, wenn du sie danach auch noch fotografieren würdest.