Monatsarchiv für August 2009

Aktivitäten im physikBlog

Falls ihr euch wundert, warum Mitblogger Andi und ich gerade so wenig schreiben: wir befinden uns in einem gebundenen Lernzustand für unsere letzten Diplomprüfungen1 vor der Diplomarbeit. Kommt wieder mehr, versprochen.

Vertreibt euch doch derweil die Zeit mit entarteten Katzeneigenzuständen:

DirektKatzenZwillinge

  1. theoretische und experimentelle Physik []

Experience the Planets – Heiße Planetenbilder

Immer, wenn mich meine Freunde nach dem Ursprung der “tollen Hintergründen, die du immer hast” fragen1, gebe ich eine Antwort: artofgregmartin.com
Dort findet sich das Online-Repertoire eines Grafikers, der künstlerische Interpretationen von Motiven mit Planeten und Sonnen und anderem Weltraumkram macht. Und alle sind überaus großartig und wirken sehr realistisch…

Experience the Planets

Als ich dann einem Link von Florain zu »Experience the Planets« folgte und mein weltraumästhetisches Empfinden nach ein paar Minuten des Staunens wieder auf Normalniveau war, da war es sehr amüsant, zu sehen, dass genau dieser Greg Martin hinter dem Projekt steht.

Auf Experience the Planets führt Greg Martin das fort, was er auf seiner Portfolio-Seite angefangen hat. Hier beschränkt er sich allerdings auf Motive unseres Sonnensystems und hat viel Hilfe von anderen Künstlern.
Auch wenn bisher nur wenige Bilder vorhanden sind (die Ideen für mehr sind bereits aufgezeichnet) lohnt sich ein Blick auf alle.
Natürlich kann man sie auch als Hintergrundbild herunterladen.

  1. Gut, das war vor meiner oktoberlich angebrochenen Mac-Zeit – hier gefällt mir das Standardhintergrundbild schon sehr gut. Natürlich hauptsächlich wegen seiner Space-haftigkeit. []

Das CERN und gleichphasige Wellenpakete (3): physikBlog involviert

Die Sache mit dem Sex im CERN lässt uns einfach nicht los. Ständig trudeln neue Meldungen im physikBlog-HQ ein und wissen etwas neues zu berichten.

So auch Schweiz-Korrespondent Felix1, der in der schweizer Zeitung “Blick am Abend” einen Artikel über eben diese Zettelwirtschaft entdeckte. Soweit ist das aber noch nichts besonderes, dummerweise haben wir es hier aber mit echten Investigativ-Reportern zu tun. Als Bebilderung für das “Liebesnest” im CERN wählten sie folgendes Bild:

Bildausschnitt, der das Liebesnest bebildert
Sieht man hier einen Sex-süchtigen Quantenphysiker in seinem Liebesnest? (Hier die komplette Ausgabe auf der Blick-am-Abend-Seite und als PDF — auf Seite 5 ist der CERN-Artikel)

Zwar war man noch so freundlich und hat den potentiellen potenten Potenzierer2 unkenntlich gemacht. Aber durch eines hochkomplexen Entpixelungsalgorithmus ist es uns möglich, aus dem Bild den Orginalzustand wieder herzustellen. Das Ergebnis sieht man hier:

Das rekonstruierte Orginalbild.
Das rekonstruierte Orginalbild. Und es zeigt Andi! (Klick führt zum Orginal auf Flickr)

Unverkennbar ist das Mitblogger, Kollege und Katzenvideoaufspürer Andi, der gerade in seinem Liebesnest im CERN-Hostel steht und versucht eine Lampe zu reparieren. Und der aufmerksame physikBlog-Leser weiß natürlich, was hinter der ganzen Geschichte steckt.
Eine große Promotion-Aktion für das physikBlog. Von langer Hand geplant und präzise ausgeführt. So wie wir es gewohnt sind.

Um mal ganz ernst zu sein: Das Foto war tatsächlich so in der Zeitung, allerdings ohne vorherige Absprache bzw. Rückfrage.

  1. Grüße nach Zürich! []
  2. Potenzierer, der: neckischer Ausdruck für einen theoretischen Quantensubraumphysiker, der mit drölfdimensionalen Wellenfunktionen hantiert und daher viele Potenzen einkalkulieren muss. Nicht zu verwechseln mit dem Potentiometer. Oder mit Kamelen. []

Das CERN und gleichphasige Wellenpakete (2): physikBlog bestätigt

Gestern ging es durch die blogspheren Äther dieser Welt: Sex im CERN stört die Wissenschaftler. Kaum zu glauben!

Euer investigativstes aller physikBlogs, das physikBlog, hat wie versprochen seine Investigativreporter losgeschickt und versucht, die Quelle des Bilds investigativ zu bestätigen.

Keine Bestechung war uns zu teuer, kein Gravitationssystem zu kompliziert.

Voller stolz können wir euch nun tatsächlich Fotos der Zettel präsentieren, die überall im neuen Gebäude 40 des CERNs herumhängen.

Trommelwirbel…

Klicken mach originalgroß!

Tausend Dank, Robert! Und natürlich: beat this, reddit.com!

Weltraumzentrum mit doppelter Staatsangehörigkeit: Baikonur

Cape Canaveral Launchpads

Wenn es um Raumfahrt geht, da denkt man als Standardkulturellgeprägter immer an die USA. Von Houston aus werden die Probleme gelöst, von Cape Canaveral bzw. mittlerweile vom Kennedy Space Center starten sie. Das Ganze dort sieht amerikanisch-typisch sehr beeindruckend aus. Abflugrampe neben Abflugrampe.
Wenn man etwas länger darüber nachdenkt1, stellt man fest, dass wir Europäer ja mittlerweile2 auch im Weltraum angekommen sind. Wir haben unseren eigenen Weltraumbahnhof. Der steht im südamerikanischen Französisch-Guayana, in der Nähe vom äquatornahen Kourou.

Aber da gibt es ja noch ein weiteres Land, was viel im Weltraum macht und machte: Russland.
Wie sieht es mit deren Raumfahrthafen aus?

Baikonur Rakete

Der russische Weltraumbahnhof, also, DER russische Welraumbahnhof befindet sich in Baikonur – im kasachischen Baikonur.
Denn dort wurde nach dem zweiten Weltkrieg, also zum Anfang unserer Lieblingswettrüstungszeit, Ende der 50er Jahre eine Teststation für Langstreckenraketen errichtet. “Da” ist allerdings nicht ganz korrekt – denn das Forschungszentrum war weit entfernt von der Stadt »Baikonur« und mehr im Nichts gelegen. Als dann aber erste Raketen vom Bahnhof starteten und durchaus pionierhafte Erfolge lieferten – »erster Satellit –«, »erstes Tier im All«, »erstes Tier im All was auch wieder zurück kommt«, erstes… naja, eigentlich Alles bis auf »erster Mensch auf dem Mond« – als also etwas Tolles dort passierte, wollte die russische Propagandamaschine dem Volk3 auch einen Namen verkaufen. Und das wurde schließlich Baikonur – bis irgendwann der Ort tatsächlich so umgenannt wurde.

Baikonur Huckepack zum Transport

Aber noch ein mal auf das großgeschriebene DER zurückzukommen; warum DER?! Russland hat ein paar Weltraumbahnhöfe4, aber Baikonur ist mit Abstand der wichtigste. Von dort aus starten nicht nur alle bemannten Missionen, sondern sogar insgesamt 70 % aller russischen Flüge.

Zwischendurch passierte etwas arg Blödes, weshalb man als aufrichter Bürger Baikonurs zwei Gesetzesbücher auswendig lernen muss: Die Sowjetunion zerbrach. Und damit lag das 40 Jahre ausgebaute, hochspezialisierte und mit 100.000 Einwohnern bevölkerte Weltraumzentrum auf einmal im neuen Kasachstan. Russland und Kasachstan konnten sich nicht so recht über eine Zusammenarbeit einigen. Das Personal vor Ort blieb unbezahlt, das Gelände wurde geplündert. 1994 dann schließlich schaffte man doch eine Übereinkunft und einigte sich auf einen Vertrag. Russland pachtete für jährlich 115 Millionen Dollar5 das Gelände von Kasachstan, worauf hin in Baikonur sowohl russisches, wie auch kasachisches Recht gilt. Eine Zwei-Staaten-Stadt.

Start einer Rakete von Baikonur

Mit der Zeit geht es dem größten Weltraumbahnhof der Welt schon wieder besser, es starten kommerzielle und staatliche Raketen – z.B. zur internationalen Raumstation ISS.
Um sich von der Abhängigkeit von Kasachstan zu lösen, findet Ende diesen Jahres der erste Spatenstich eines neuen Kosmodroms mit dem Namen Wostotschny statt. Im äußerten Osten Russlands, fast schon in China gelegen, sollen ab 2015 die Sterne von dort erklommen werden. Außerdem hat die russische Raumfahrtagentur einen Vertrag mit der ESA geschlossen, der ab 2010 Starts der Sojus-Raketen von Kourou vorsieht.

Was vor ein paar Jahrzehnten wegen des eisernen Vorhangs noch unmöglich war, kann man jetzt dank des Internets nachholen: Fotos gucken von Baikonur.
Ich finde es super Interessant, den typisch russischen Stil6 in allen Gerätschaften zu sehen, diese andere, nicht hollywood- und presse-bekannte Raumfahrtkultur zu begutachten…

Es gibt Big Pictures aus dem Kosmodrom Baikonur, auf English Russia ein paar Bilder, die ESA hat welche bei flickr hochgeladen.
Und, natürlich, god bless the internet, kann man das Gelände virtuell via Google Maps erkunden. Hier geht’s zum Beispiel zur Abflugrampe, von der Uri Gagarin damals in den Äther aufgebrochen ist7.
– Beides eingebunden nach dem Klick.

Viel, viel, viel mehr Info zu Baikonur gibt’s auf8…
→ russianspaceweb.com,
→ astronautix.com,
→ ROSKOSMOS

‘Weltraumzentrum mit doppelter Staatsangehörigkeit: Baikonur’ weiterlesen

  1. Der fleißige physikBlog-Leser hat da natürlich als aller erstes dran gedacht! []
  2. Jaja, wissentliche Übertreibung. Man verzeihe mir das. []
  3. Und den Amerikanern… []
  4. Insgesamt vier Stück, mit einem fünften gerade im Bau befindlichen – s.u., also s.o.… ach, siehe Text. []
  5. Und nicht für den erst von Kasachstan vorgeschlagenen Milliardenbetrag… []
  6. Der in meinen Augen immer so sehr zusammengeproscht, dreckig und falsch aussieht, dann aber doch auf wundersame weise funktioniert (und erstaunlich zuverlässig…). []
  7. Eine Liste mit den Koordinaten der Startpositionen gibt’s in der englischen Wikipedia. []
  8. aber Achtung, ihr solltet Zeit haben… []