Monatsarchiv für Juli 2009

Pressemitteilung: Dienstwagen des physikBlogs immer noch da!

Dienstwagen des physikBlogs auf Reisen
Der Dienstwagen des physikBlogs auf der großen Amazonas-Reise 2002.

Aachen/pB – Der Dienstwagen des Aachener Blogs für Physik, Katzenvideos, Babynahrung und den ganzen Rest, in Fachkreisen unter dem Eigennamen »physikBlog« bekannt und beliebt, ist immer noch da.

Die Autoren hinter dem physikBlog reagieren damit auf nichtvorhandene Gerüchte, die wegen der aktuellen Nachrichtensituation in Bezug auf den Diebstahl des Dienstwagens der Gesundheitsministerin der (noch) Bundesrepublik (noch) Deutschland aufgetaucht sind. Die Gesundheitsministerin hatte ihren Wagen mit in den Urlaub nach Spanien genommen, wo er durch Rudel Wölfe (o.ä.) entwendet wurde.

“Wir möchten all unseren Lesern, Kommentatoren, Feed-Abonnenten und Spendern versichern: Der physikBlog-Dienstwagen ist immer noch an Ort und Stelle im Tiefgaragen-Autopark des physikBlog-Headquarters. Wer Gegenteiliges behauptet verschmäht damit die Wahrheit und ist ein Feind des Rechtsstaates”, so André Goerres, Pressesprecher, CEO und Putzfrau des physikBlogs.

Der heute angeschaffte Dienstwagen ist eine Spielzeugauto-Replik eines Land-Cruisers und wurde in den letzten zwei Jahren bereits mehr als 25 Mal vom physikBlog u.a. in Afrika1, in Laboratorien und auf dem Mond erfolgreich eingesetzt.

“Unseren Dienstwagen schließen wir immer ab. In gefährlichen Gegenden, z.B. damals, für einen Blogartikel im Amazonas, benutzen wir die Lenkradsperre oder gar ein Lenkradschloss. Wir können also mit Fug und Recht behaupten, wirklich alles für die Sicherheit des Dienstwagens und des Landes zu tun. Schließlich liegt uns die Transparenz in allen Bereichen am Herzen!”, beschwört Andreas Herten, Pressesprecher, CEO und Kammerjäger des physikBlogs.

Auch in der Zukunft planen die beiden angehenden Physiker vorsichtig mit dem Diebstahl des Autos umzugehen, besonders im Urlaub in Spanien 2036, denn “wir sind ja auch nur Blogschreiber, Lebewesen, … Menschen!”.

Das physikBlog. Immer ganz vorne dabei. Auch und ganz besonders wenn es um’s Sommerloch geht.

  1. Ein Land südlich von Europa. []

Antimaterie-Bananen

Bananen sind lecker, gelb und es gibt sogar Weltraumbananen. Aber Bananen können noch mehr, sie können nämlich Antimaterie produzieren — konkret die Antimaterie-Partner des Elektrons, Positronen.

Das können sie, weil sie sehr reich an Kalium sind und dessen natürliches Isotop 40K mit einer Halbwertszeit von 1,2 Milliarden Jahren radioaktiv zerfällt.1 Das tut es u.A. über den positiven Beta-Zerfall, der Positronen produziert (statt der häufigeren β--Strahlung, die aus Elektronen besteht).
Jongliert man ein wenig mit den Zahlen wie Halbwertszeit, natürliches Vorkommen und Anteil des β+-Zerfalls unter allen möglichen Zerfällen rum (wie es auf dieser Seite2 ausführlich vorgerechnet wird) so gelangt man zu der Erkenntnis, dass durchschnittlich etwa alle 75 Minuten ein Positron produziert wird.

Für eine Antimateriebombe reicht das freilich nicht, toll ist es trotzdem.

(via US/LHC-Blogs)

Und zum Schluss noch etwas Blödelei:

Direktbananaphone

  1. Übrigens ist dieses Isotop auch zu 10% für die natürliche Strahlenbelastung des Menschen verantwortlich. Und zwar durch radioaktives Kalium im Körper! []
  2. Übrigens² ist “potassium” der englische Ausdruck für Kalium. []

Padabautz! Einschlag auf Jupiter

Wir, als das unterhaltsamste und zugleich informativste unter den physikBlogs da draußen, sind natürlich immer gleich zur Stelle, wenn irgendwo etwas explodiert oder wenigstens gut rummst. Und dieser Tage hat es ordentlich gekracht – auf dem Jupiter.

Infrarotbild des Jupiter-Einschlags

Vermutlich irgendein Komet oder Asteroid ist vor ein paar Tagen auf den größten Planeten unseres Sonnensystems eingeschlagen. Anthony Wesley hat am Sonntag einen schwarzen Fleck erkannt1, der vorher nicht da war und um auszuschließen, dass es sich um ein Wetterphänomen (wie z.B. den großen roten Fleck) handelt, hat man zusätzlich ein Infrarotbild aufgenommen. Die helle Stelle in diesem Bild (rechts) deutet auf Restwärme der Kollision hin.

(via Astrodicticum Simplex und Bad Astronomy)

  1. den man auf diesem Bild oben Richtung Pol erkennen kann []

Dicke Luft auf der ISS

The Big Bang Theory - Howard und Sheldon suchen eine Lösung für die defekte Toilette.
The Big Bang Theory – Howard und Sheldon suchen eine Lösung für die defekte Toilette. Bild: CBS

Na? Wer befolgt unsere Ratschläge und kennt diese Szene oben? Sehr gut, ihr wisst also alle, dass das oben aus der Folge “The Classified Materials Turbulence” von The Big Bang Theory1 ist? Die, in der Howard Wolowitz2 an seiner “space toilet” für die ISS einen elementaren Fehler gemacht hat, so dass sie nicht funktioniert und die Astronauten nun ein Problem haben?
Sehr gut.

Was daran jetzt so besonders ist? Naja, die NASA macht gerade wahrscheinlich ziemlich genau das gleiche. Auf der ISS ist nämlich gerade jetzt, wo mit 13 Mann Besatzung gerade sehr viele da oben sind, die Haupttoilette kaputt gegangen. Die Pumpe ist wohl defekt und schleudert den Dreck in die Gegend saugt nicht mehr. Jetzt können so Astronauten aber nicht mal eben vor die Tür gehen, also haben die da im wahrsten Sinne des Wortes die Kacke am Dampfen.
Zwar konnten sie auf eine Backup-Toilette in der russischen Landekapsel zurückgreifen, aber das ist nicht für so viele Leute und für längere Dauer ausgelegt. Ein Behelfssystem ist momentan als Überbrückung im Einsatz, bis eine Lösung für das Problem gefunden ist.

Das physikBlog vermutet dahinter ganz klar eine große Werbekampagne von CBS,3 um möglichst viele Zuschauer zum Start der dritten Staffel am 21.09. vor die Bildschirme zu locken. So siehts nämlich aus!

Washington Post
Spiegel Online

Danke an Sarah über Twitter für den Hinweis.

  1. Dieser klasse Comedy-Serie aus den USA, die sich im Wesentlichen um vier Physiker und deren Leben dreht als Nerds. []
  2. der links []
  3. Der Sender, bei dem TBBT läuft. []

Sichtbare Planeten zur Sonnenfinsteris

Eine Sonnenfinsternis und ein paar Planeten auf einer Linie - toll!
Bild der Sonnenfinsternis von Astronomy Picture of the Day

Letztes Jahr im August gab es eine Sonnenfinsternis, die im Wesentlichen in Asien zu sehen war. Jedenfalls konnte man sie auch am westlichen Ende der Chinesischen Mauer sehen. Was man noch sehen konnte, waren einige Planeten und der Stern Regulus und es sieht fast so aus, als wären sie alle auf einer Linie. Ziemlich abgefahren, oder?

Wir arbeiten übrigens daran, bei der zuständigen pangalaktischen Planetengleichstellungsbehörde eine ähnliche Konstellation zu beantragen. Ein Antrag bei der zentralen Solar-Eclipse-Agency (Kurz: OCEAN) für eine Sonnenfinsternis über Aachen beim nächsten physikBlog-Geburtstag ist bereits eingereicht. Mal gucken, was draus wird …

Ich frage mich ja, wie viele Astrologen und Esoteriker bei diesem Bild einen bewusstseinserweiternden Herzkasper bekommen.

physikBlog klärt auf: Regnet es in Aachen wirklich mehr?

Ich entschuldige mich schon Mal vorweg für den Statistikporno, aber ich hab mir schließlich nicht die Mühe gemacht, das alles rauszusuchen, um das dann nicht zu verwenden…

Kennt ihr das auch? Ihr wart gerade Eltern/Oma/Pinguine besuchen und kommt jetzt wieder in die Nähe eurer Wahlheimat Aachen. Auf der A4 ungefähr 10 km vor dem Aachener Kreuz fängt es an dunkler zu werden und 1 km vorher an zu regnen. Bis ihr in der Wohnung seid regnet es Hunde und Maulwürfe und ihr denkt euch “ist ja mal wieder typisch für Aachen…” — so typisch, dass manche schon statt “es regnet” “es aachent” sagen.
Doch ist es wirklich typisch für Aachen, dass es hier so viel regnet? Widmen wir uns ein paar Zahlen …
 

regen6190jahr
Niederschlagsverteilung in Deutschland (Quelle)

Betrachten wir zunächst einmal die durchschnittliche Nieder­schlags­menge pro Jahr in Litern, die zwischen 1961 und 1990 auf einen Quadratmeter fiel1:

Deutschland2 700 l/m²
Aachen3 830 l/m²

In Aachen regnet es zwar mehr als durchschnittlich in Deutschland, aber es gibt weitaus größere Ausreißer, z.B. die Weltstädte Lüdenscheid4 mit 1179 l/m² oder Siegen5 mit 1160,8 l/m², wobei durch die Höhenlage der Schnee das Ergebnis ein wenig verfälscht.
Außerdem sagt mir mein Gefühl, dass es in Aachen zwar häufig regnet, aber richtig stark eigentlich selten.

 
Es bietet sich also an, zusätzlich auch noch die Anzahl der Regentage zu betrachten. Glücklicherweise ist die grundlegendste Grundvoraussetzung eines Meteorologen einen Statistikfimmel zu haben, so dass auch die Tage mit einer Niederschlagsmenge von ≥ 0,1 l/m² gezählt werden. Dass dann auch ein Regentag heißen kann, dass in der Nacht ein paar Tropfen fallen, der Tag aber durchweg sonnig ist, scheint keinen zu stören. Trotzdem soll uns die Zahl als grober Hinweis erstmal reichen.

Wieder vom Deutschen Wetterdienst über die Jahre 1961-1990 gemittelt ergibt sich für ein Jahr:

Deutschland6 178,2 Tage/Jahr
Aachen7 196,3 Tage/Jahr

Auch hier also keine besonders große Abweichung, auch wenn Detaillisten natürlich eine Tendenz erkennen können.

 
Statistisch am wenigsten kann man natürlich an einzelnen Jahren erklären, aber das physikBlog sucht natürlich auch auf abgeschiedenen Pfaden und so folgen die Niederschlagsmenge und Regentage aus den Jahren 2004-2007 für Aachen:8

Jahr: 2004 2005 2006 2007
Niederschlag: 933 l/m² 757 l/m² 878 l/m² 1137 l/m²
Regentage: 224 Tage 222 Tage 194 Tage 217 Tage

Da sieht man jetzt schon deutlicher einen Unterschied zum Deutschlandmittel — auch wenn man natürlich vorsichtig sein muss, weil sich die Zahlen auf andere Jahre beziehen.

Regen_Städte
Regenreichsten Städte Deutschlands (2004) [SpOn]

Was man hingegen vergleichen kann ist das Jahr 2004, weil dort bei urbanaudit.org zentral Daten von allen möglichen europäischen Städten gesammelt wurden. Von den Regentagen her würde Aachen dabei einen der vorderen Plätze nach Halle (Saale) und Köln belegen.9 Allerdings wurde bei den beiden Städten eine weit geringere Niederschlagsmenge gemessen (Halle (Saale): 466 l/m², Köln: 886 l/m²) so dass mich das vakuumskonforme und subraumtransformierende Fourierwellenprodukt aus beiden Zahlen darauf schließen lässt, dass vor allem in Halle der Regen gar nicht so schlimm wahrgenommen wurde. Bestimmt.

 
Mein Fazit: In Aachen regnet es zwar nicht außergewöhnlich viel (weder in Niederschlagsmenge noch in Regentagen sind wir Spitzenreiter), aber doch deutlich mehr als der Durchschnitt in Deutschland. Und dass wir teilweise fast 2/3 des Jahres Regentage in Aachen haben ist sicherlich auch nicht hinderlich für das Klischee.
In diesem Sinne könnt ihr demnächst beruhigt sagen, dass es “mal wieder aachent, wie üblich!”

  1. das entspricht übrigens auch der Angabe in mm []
  2. Quelle: Wikipedia die sich über Umwege auf die Daten des Deutschen Wetterdienst beruft. []
  3. Quelle: Jahresbericht der RWTH-Wetterstation von 2004 [lokale Kopie] []
  4. Quelle: klimadiagramme.de für den Zeitraum 1971-2000 []
  5. Quelle: Wikipedia, Zeitraum unbekannt []
  6. Quelle: Wikipedia die sich über Umwege auf die Daten des Deutschen Wetterdienst beruft. []
  7. Quelle: Jahresbericht der RWTH-Wetterstation von 2004 [lokale Kopie] []
  8. Quelle: Jahresbericht der RWTH-Wetterstation, lokale Kopien: [2004] [2005] [2006] [2007] []
  9. Go Aachen! Go Aachen! []

7 Abgefahrene Materialien für die nächste Party

Vielleicht nicht uneingeschränkt für eine Party geeignet, insbesondere nicht, wenn Alkohol/Koks/”kleine Kinder unter 3 Jahren, die Teile verschlucken könnten” involviert sind. Wir wollen unsere Leser ja auch noch nach der Party mit Science-Stuff und süßen Katzenvideos versorgen können.

Jedenfalls gibt es auf cracked.com einen Artikel zu sieben abgedrehten, von Menschenhand hergestellten Materialien, die ein extrem merkwürdiges Verhalten an den Tag legen. Mit dabei zum Beispiel Ferrofluide (Flüssigkeiten, die auf Magnetfelder reagieren), Flüssigkeiten zum Atmen1, transparentes Aluminium und natürlich der Klassiker der verrückten Materialien: die Wanne mit nichtnewtonscher Flüssigkeit.2
Zur Beschreibung der Phänomene gibt es immer noch einen Ausblick, wofür das Zeug denn genutzt werden könnte. Sehr faszinierend teilweise.

cracked.com: 7 Man-Made Substances that Laugh in the Face of Physics

  1. The Abyss lässt grüßen… []
  2. Ihr wisst schon, die Pampe zum Drüberlaufen und Rumspielen und so. Nicht? Na dann schnell hier nachlesen/-gucken! []