Monatsarchiv für Mai 2009

SIΧTΨ SγMBΦLS

α, θ, η, Σ, ℘ – Ähm … #ð€%Æ¥ ?¿?!?!

Kennt ihr das Gefühl, sobald irgendwelche nicht-lateinischen Buchstaben von irgendwelchen abgedrehten Physikern benutzt werden? Wenn bei scheinbar überirdisch komplexen Zusammenhängen Zeichen auftauchen, die auf der Komplexheits-Skala nur noch von retardierter Subraumquantenfluxdynamik in altägyptischen Hieroglyphen übertroffen werden und ihr lieber Katzenvideos gucken geht?

Die Physiker von der Uni in Nottingham haben sich wohl gedacht, dass Katzenvideos zwar auch mal ganz schön sind, es aber so nicht weitergehen kann und das Wissen über die Symbole an alle gerecht verteilt werden muss. Kurzerhand haben sie eine passende Seite aus dem Boden gestampft und erklären wie schon beim Periodensystem die einzelnen Symbole anhand von Beispielen der Verwendung in kurzen YouTube-Videos.

Von der Ausbreitung von Licht1 über Effizienz von Wasserraketen2 hin zur Analysen der Sprengkraft von Atombomen3 anhand von Bildern wird dort versucht, alles Mögliche so einfach es geht an Beispielen zu erklären. Ist leider auf englisch, aber das hat die Briten ja noch nie gestört.

SIΧTΨ SγMBΦLS der University of Nottingham

Und damit ihr euch nach dem Spielen mit Wasserraketen nicht erkältet, immer schön ans Haarefönen denken. Video nach dem Klick: ‘SIΧTΨ SγMBΦLS’ weiterlesen

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Das war… die physikBlog-Exkursion zum Science Express in Aachen

pB Exkursion zum Science Express
Expedition Zukunft: Science Express

Letzten Freitag fand sie statt, die Weltpremiere aller physikBlog-Exkursionen: Die physikBlog-Exkursion zum Science Express der Expedition Zukunft. Im Hauptbahnhof. In Aachen.
Rund zehn Blogleser folgtem dem Aufruf zur der besten Exkursion aller Zeiten, mindestens, und schlossen sich uns an. Gemeinsam mit Lupe, tropischem Sonnenhut und Notizblock erkundeten wir die wilden und gefährlichen 333 Meter des Zugs, sprachen mit Eingeboren auf bisher unentdeckten Sprachen und traten vermutlich auf den letzten doppeläugigen Fünfhornkäfer. Sorry.

Expedition Zukunft: Science Express

Das Innere des Zugs beginnt direkt mit dem richtigen Thema: Teilchenphysik. Die großen Experimente des CERNs sind ausgestellt, sogar ein echtes Exponat einer IceCube-Kugel1!
In den folgenden Waggons findet wirklich ein Rundumschlag über aktuelle Forschungsarbeit statt. Bionische Maschinen sind ausgestellt, moderne Energieerzeugungsmechanismen und blitzneue Technik. Und … noch vieles, vieles mehr. Es gibt sogar einen Wald. Im Zug. Abgefahren.

Wir haben es uns natürlich nicht nehmen lassen, von der ersten physikBlog-Exkursion zum Science Express, zum Wissenschaftszug2, ein kurzes Video aufzunehmen.

Vimeo-Direktwissenschaftszugen..
Eine Auswahl der Fotos der Exkursion gibt’s in meinem flickr-Account3.

Expedition Zukunft: Science Express

Der Zug ist großartig gestaltet und auf jeden Fall einen Besuch wert.
Meiner Meinung nach am Besten geeignet für Kinder der 10. / 11. Schulklasse, die also schon etwas an Vorbildung vorweisen. Aber selbst für kleinere Kinder gibt es genug spielerisch zu entdecken – und für große Kinder, so wie uns alte Hasen4 ist das Feld der Ausstellung so groß gewählt, dass es immer noch etwas Neues zu entdecken gibt. Außerdem ist die Ausstellung toll aufgebaut und wunderbar bunt.
Einzig schade ist das immanente Problem des geringen Platzes. Besonders, wenn viel los ist, wird es da sicherlich schnell drückend.

Trotzdem: Wenn der Zug in eure Stadt rollt – anschauen gehen!

Und wohin soll die nächste physikBlog-Exkursion gehen? Vorschläge?

  1. Nur wohl etwas wärmer, als in echt. []
  2. So wurde er auf der Anzeigetafel genannt. []
  3. Zur kompletten Sammlung: hier entlang. []
  4. …die wissen, was ‘ne Dampfmaschin’ ist! []

Astronauten-Surfen

Was macht ein Astronaut auf der ISS, wenn spazieren gehen nervt, der amerikanische1 Kollege als Spielgefährte die Qualität einer Fourieranalyse hat und sämtliche Katzenvideos dieser und anderer Galaxien geguckt wurden?

Richtig, er ruft zuhause an und fragt Mama die heimische Bodenstation um Rat. Im Fall des japanischen Astronauten Koichi Wakata ist das die Jaxa.
Da dort nur langweilige Physiker arbeiten, wenden die sich hilfesuchend an das japanische Volk – schließlich haben die Japaner andauernd super Ideen.
Das ist dann dabei raus gekommen:


direktAstronaut bei Telegraph.co.uk/tv, gefunden auf engadget.de

  1. Nationalität=Random() []

Random Walk – Heiße Datenvisualisierung

Random Walk (Pi)

Man kennt das ja.
Man liest ein Paper oder die Tageszeitung; langweiligen Stoff, Zerfallswahrscheinlichkeiten oder Wahlergebnisse oder so. Aber auf einmal: eine Statistik. Eine Visualisierung der Daten. Die Ästhetisierung der Grobnumerik. Einem wird warm und schwindelig, man denkt auf einmal an weiße Einhörner mit regenbogenfarbenem Schwanz1, fängt an, ein Friedensangebot an seinen Lieblingsesoteriker zu formulieren2 und findet sogar kurzzeitig Atomstrom gut3.
Die Rundung. Die Vielfalt in Farbe und Form. Die Symbiose aus Einfachheit und Komplexität.
Heiß.

Bitte jetzt festhalten.
Denn für seine Diplomarbeit nimmt sich Daniel A. Becker unter dem Titel »Random Walk« der Visualisierung von Daten aus Physik und Mathemik an.
Und es sieht furchtbar gut aus.

WIE SIEHT DER ZUFALL AUS?
RANDOM WALK geht dieser Frage nach und präsentiert Experimente aus Mathematik und Physik, die das rätselhafte Zusammenspiel von Chaos und Ordnung im Zufall zeigen.
In RANDOM WALK wird der Zufall in leicht verständlichen Visualisierungen real simuliert und gibt einen Einblick in das Wirken eines bis heute ungeklärten Phänomens.

Benford

Mit der Software Processing4, einigen tollen Ideen und einem hervorragenden Händchen für das gewisse Etwas, werden die Nachkommastellen der Zahl Pi5, die Poissionverteilung und Primzahlen anlaysiert. Das Gesetz der großen Zahl wird dargestellt und die Brownsche Molekularbewegung simuliert. Auch ein Doppelpendel ist ver-plakatisiert und ein Test über die Güte von computererrechneten Zufallszahlen visualisiert.
Großartig!

Auf der Seite zum Projekt gibt es hereinzoombare Versionen der Arbeiten, die sich ebenfalls dort als 25 Euro teuere Poster bestellen lassen.

Statistikporno – und dann noch mit der verehrten, großartigen Zahl Pi!?
There is nothing better.

[via Nerdcore], alle Bilder (cc) Daniel A. Becker.

… und welches Poster bestell ich mir jetzt?

  1. Man sollte viel häufiger an weiße Einhörner mit regenbogenfarbenem Schwanz denken. Das kann den Tag bereichern! []
  2. Was man natürlich sofort nach der Beendung des Zustands der geistigen Umnachtung mit einem energetisch aufbereitetem Feuer im Mondschein verbrennt. []
  3. Der aber schließlich trotzdem immernoch stinkt und strahlt und, nee, ihh! []
  4. Mit der kann man übrigens noch mehr heißen Scheiß machen. Alles, was es braucht, ist genügen Zeit, Durchhaltevermögen, Zeit und Ideen, oder eine ausreichend große Anzahl Affen. []
  5. We love you, Pi! []

physikBlog-Exkursion zur Expedition Zukunft/SciencExpress

SciencExpress

Vor knapp zwei Wochen haben wir’s vorgeschlagen.
Und obwohl sich keiner von euch gemeldet hat1, wir ziehen das durch.

Wir expeditieren zur Zukunft; zum SciencExpress. Und ihr dürft mitkommen!

Die 1. physikBlog Exkursion findet am kommenden Freitag, 15. Mai um 11:00 14:002 statt. Gemeinsam mit den weltbesten und -interessiertesten Lesern (euch!) wollen wir den Expedition-Zukunft-SciencExpress im Aachener Hauptbahnhof besichtigen.

Wie sieht das aus? Habt ihr Lust? Wer ist dabei? Ein kurzer Kommentar weiter unten wäre toll!

Achtung: Wir haben die Zeit wegen akut anzunehmener Schulklassendichte auf 14:00 verlegt!

  1. Mangelnde Aufmerksamkeit hat uns ja noch nie gestört. Das steht schließlich schon in unserem Manifest! []
  2. Treffen unter der großen Anzeigetafel. []

The Nano Song

Das Lernen auf eine Prüfung hat auch seine Vorteile: Man macht jede Menge Krams um bloß nicht lernen zu müssen — in Fachkreisen Prokrasitinieren genannt. So fanden Andi und ich vorhin in einer natürlich geplanten Pause ein Promotionsvideo für die Wissenschaft der Nanotechnologie.

Ein von der ACS Nanotation — ein Unterbereich des Wissenschaftlerverbundes American Chemical Society1 — herausgebrachter Wettbewerb forderte die Mitglieder auf, ein Video zu erstellen, dass den Nutzen und die Wichtigkeit von Nanotechnologie beschreibt. Als Gewinner trat eine Gruppe der Universität of California, Berkeley mit einem Musical-mäßigen Sing-Sang hervor:


DirektNano bei Vimeo.

Und wer noch nicht genug Nanofiziert wurde, hier noch ein zwischendurch ziemlich witziger Kandidat, der die Herstellung einer einfachen Solarzelle beschreibt: [Link]. Ich sag nur Einhörner, Regenbogen und lilafarbenen Tee.

  1. also sowas wie die DPG hier in Deutschland für Physik []

TED-Talk: LHC-Statusupdate von Brian Cox

Brian Cox sprach vor einem Jahr über den LHC bei der großartigen TED-Konferenz in USA.
In einem kurzen Statusupdate im Februar auf der diesjährigen TED-Konferenz erklärt er, was so schief gelaufen ist.
Wirklich kurz und nicht neu, aber das physikBlog ist ja schließlich Deutschlands vollständigstes Blog!

TED-Direktexplodieren.
Danke, Tobias, für den Hinweis!

Filme wissenschaftlich auseinandergenommen #421: Star Trek

Wir bemühen uns hier im physikBlog ja immer auch die Popkultur nicht zu kurz kommen zu lassen. Ein beliebtes Thema ist da natürlich die wissenschaftliche Analyse von Comics bzw. Verfilmungen.1 Phil von Bad Astronomy hat sich nach dem filmischen Genuss auf seinen Hintern gesetzt und erstmal gepupst verschiedene Aspekte von J.J. Abrams Werk untersucht.

So macht er sich Gedanken darüber, ob Blut im Vakuum des Weltalls anfängt zu kochen oder doch eher die Menschen ersticken. Freut sich darüber, dass endlich eine Explosion im luftleeren Raum keine Töne machen kann und überlegt sich realistischere Kameraschwenks mit Saturns Ringen.

Es sind ein paar leichte Spoiler im Text, also wer darauf allergisch reagiert sollte vielleicht erst den Film gucken. Aber Phil verrät glaube ich nichts richtig wichtiges.2

Star Trek Review bei Bad Astronomy

  1. zuletzt im physikBlog: Die Physik der Superhelden und Who watches the Wissenschaftsmen? []
  2. Ich habe den Film noch nicht gesehen, aber hey, es gibt eine Explosion an einem Raumschiff – wer hätte damit rechnen können? []

Bild des Zentrums der Milchstraße

Zentrum der Milchstraße
Bild vom Zentrum der Milchstraße. [NASA, ESA, Q.D. Wang (University of Massachusetts, Amherst), Jet Propulsion Laboratory und S. Stolovy (Spitzer Science Center/Caltech)] | große Version (1,5 MB)

Ich habe letztens nochmal die Sektion der markierten Beiträge in meinem Feedreader gefunden, die ich anscheinend irgendwann einmal benutzt habe. U.A. war dort ein Blogartikel von Bad Astronomy festgehalten.

Es ging um ein ziemlich großartiges Bild vom Zentrum der Milchstraße, das unsere lieblings-Weltraumorganisiationen NASA und ESA zusammengesetzt und in großen Auflösungen1 zur Verfügung gestellt haben. Ausgewertet wurden Infrarotbilder der Hubble und Spitzer Weltraumteleskope, die eine unglaubliche Detailfülle des Zentrums unserer Galaxie vermitteln.

Wenn das Bild mal kein gutes Poster ergibt …

Übrigens ist das schwarze Loch, das den gravitativen Dreh- und Angelpunkt der Milchstraße darstellt, zwar theoretisch auch irgendwo2 auf diesem Bild, allerdings ist es so klein, dass seine Ausdehnung weit geringer als ein Pixel wäre. Und für Subpixel müsste man in den Subraum. Und da stinkt es bekanntlich. Und es ist dunkel und feucht. Und das will ja keiner.

  1. Wirklich groß! So gibt es ein 38,5 MB großes18-Megapixel-Riesen-Bild im TIF-Format: [Bild] []
  2. Auf der NASA-Seite steht “At the center of the image, ionized gas surrounding the supermassive black hole at the center of the galaxy is confined to a bright spiral embedded within a circum-nuclear dusty inner-tube-shaped torus.” Aber ich verstehe nicht, wo das sein soll. Naja. Sieht man ja eh nicht, das schwarze Loch. []

Österreich sagt dem CERN tschüss

Letztens noch wow, heute schon Au! Meldungen zum CERN sind ein Wechselbad der Gefühle.

Österreichs Wissenschaftsminister Johannes Hahn hat gestern verkündet, dass Österreich zum Jahr 2011 aus der Mitgliedschaft des CERNs aussteigen wird. Als Grund wird aufgeführt, dass der Beitrag mit etwa 23 Millionen CHF1 zu viel sei — das sind immerhin 70 % des gesamten österreichischen Budgets für Mitgliedschaften in internationalen Kollaborationen. Nach einer ausführlichen Prüfung auf Nutzen und Sinnhaftigkeit diverser Mitgliedschaften habe man festgestellt, dass man mit dem aktuellen Beitrag am CERN in großen Projekten mit über 2000 Mitarbeitern untergeht.

Die Gründe mögen auf den ersten Blick vielleicht nachvollziehbar erscheinen, aber ganz so einfach darf man es sich nicht machen. So ist das, was am CERN — teilweise als Nebenprodukt — entwickelt wird, für die gesamte Menschheit von Bedeutung, ich verweise hier mal auf das Word Wide Web oder die Erfahrungen mit Teilchendetektoren, die Kernspintomographen und ähnliche wichtige medizinische Einrichtungen erst möglich machten.
Wichtiger als der eigene Name über den konkreten Projekten ist meiner Meinung nach die allgemeine Unterstützung dieses Wissenschaftszentrums in Genf. Und natürlich gibt es am CERN nicht nur die Experimente mit den tausenden Mitarbeitern.

Auf finanzieller Seite gibt es noch den Punkt, dass nicht alles investierte Geld aus Österreich “verloren” und in den internationalen Äther gesteckt ist. Georg Holzer hat das seinem Blog zusammengefasst:

Immerhin: 80 Prozent des einbezahlten Betrages gehen indirekt oder direkt wieder nach Österreich zurück – sei es in Form von Löhnen an österreichische Wissenschaftler am CERN oder in Form von Aufträgen an heimische Firmen und Institutionen.

[Update 16:40 Uhr:] Mittlerweile habe ich gehört, wie viele Personen das betreffen würde. 50 Österreicher arbeiten fix am Cern, 120 verdienen dort ebenfalls ihre Brötchen: Studenten oder Doktoranden. Macht in Summe 170 Personen. Und 50 Prozent des österreichischen Budgets geht in genau diese Personalausgaben.

Übrigens ist der Wissenschafts- und Forschungsbudget letztens erst zunächst um 15% (2009) und schließlich nochmal um 10% (2010) auf 3,74 Milliarden Euro angehoben worden.2 Herr Hahn sagt daher für mich etwas widersprüchlich:

Das Wissenschafts- und Forschungsbudget zeigt deutlich: Wissenschaft und Forschung sind ein klarer Schwerpunkt dieser Bundesregierung. Wir investieren gerade jetzt in diese Bereiche, um gestärkt aus der Krise hervor zu gehen

Dabei frage ich mich, was denn näher an der Grundlagenforschung liegt, als der weltweite Zusammenschluss am CERN, der an verschiedensten Stellen nach neuen Erkenntnissen sucht. Hoffentlich bald3 wird der LHC ganz neue Einblicke darin geben, wieso wir eine Masse haben, warum das Universum sich so ausgebildet hat, wie es sich nunmal ausgebildet hat und natürlich vieles mehr.

Irgendwie ist es schade, dass bei Johannes Hahn der Gedanke der Grundlagenforschung nicht so ganz angekommen ist. Nämlich, dass um des Wissens willen geforscht wird. Und dafür ist es unerheblich, wie viel man beiträgt, Hauptsache man trägt bei.

(via Astrodicticum)

  1. Für die Euro-Verwöhnten: Das ist das Zahlungsmittel in der Schweiz, die Franken. Also Geldstücke mit Namen “Franken”, nicht die Menschen der dazugehörigen Landregion in Süddeutschland. []
  2. Quelle: heise.de []
  3. Ich vermute, dass die Verzögerungen ebenfalls in die Entscheidung eingeflossen sind … []