Das Open Moon Projekt

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Das Open Moon Projekt
Immer auf der Suche nach dem heißen Scheiß im Internet ist mit Andi und mir in dieser Woche eine Delegation des physikBlogs zur re:publica nach Berlin gereist um eben solchen zu finden.

Ein sehr interessantes Projekt kam direkt nach der ersten Mittagspause zur Sprache: Das Open Moon Projekt der c-base. Es geht darum, einen Roboter zum Mond zu bringen, dort ein wenig umherfahren und ein Signal zurück zur Erde zu funken. Wird das erfolgreich umgesetzt, folgt ein Sponsoring über $30 Mio. von Google im Rahmen des Google Lunar X Prize.

Die meisten teilnehmenden Teams sind von irgendwelchen Firmen, die diese natürlich finanziell gut unterstützen können. Das besondere am Team des Open Moon Projekts ist jetzt, dass es offen ist. Jeder der will kann mitmachen — ähnlich wie bei der Wikipedia oder anderen Gemeinschaftsprojekten.
Was man macht, ist einem selber überlassen: Vorschläge einbringen, konkrete Mitarbeit oder einfach nur spenden. Soweit eine interessante und unterstützenswerte Idee.

Mich persönlich hat aber bei dem Vortrag gestört,1 dass er recht oberflächlich war und da anscheinend noch ein wenig der Durchblick und das nötige Fachwissen fehlt. In einem Promo-Video sah man das Konzept, was den Roboter zum Mond bringen soll:
Eine an einem Ballon hängende Rakete soll erstmal mit diesem in die oberen Atmosphärenschichten vordringen, um Treibstoff zu sparen. Von dort aus geht es konventionell mit Schubkraft weiter Richtung Mond um dann dort mit einem Fallschirm und Airbags auf der Oberfläche zu landen.

Na, ist euch was aufgefallen? Fallschirm, Mond, fehlende Atmosphäre… Richtig! Keine signifikante Atmosphäre bedeutet kein Gas, dass einem Fallschirm als Widerstand dient.2

Aber: Das Projekt ist ja noch in der Planungsphase und steht und fällt durch die Community. Hoffen wir mal, dass es klappt, schön wäre es ja schon irgendwie.

Open Moon Projekt

Nachtrag 18:45 Uhr: Ich habe den Betreibern mal eine Email geschickt, was das mit dem Fallschirm sollte und warum das Team nicht bei Google gelistet ist.
Ersteres sollte ein Aprilscherz sein, der Vortrag war am 1. April. Damit hat sich dieses Projekt spontan 20,6 Sympathiepunkte bei mir eingebüßt – ich mag diese Aprilscherze nicht.
Zweiteres liegt schlicht daran, dass sie noch die $10.000 für die Anmeldegebühr zusammenbekommen müssen.

  1. Abgesehen davon, dass er unglaublich schlecht vorgetragen wurde. []
  2. Und bevor das in den Kommentaren kommt: Ich weiß, dass der Mond ein ganz kleines bisschen Atmosphäre hat. Aber ich vermute, dass das niemals für einen Fallschirm reichen wird. Jedenfalls habe ich keine vergleichbaren Missionen finden können. []
Kurzlink
Kategorien: Experimentatives, Internettiges
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8 Antworten auf Das Open Moon Projekt

  1. Dohm sagt:
    #1

    Vielleicht ist es einer der seltenen vakuumbasierten Fallschirme …

  2. Basti sagt:
    #2

    Bist du dir sicher mit dem Fallschirm? Auf der von dir verlinkten Seite des Projektes kommt das Wort Fallschirm auf jeden Fall nicht vor. Die schreiben nur von der klassischen Variante: Fallen lassen, Airbags aufblasen und hoffen das alles hält.

    Zu dem Projekt insgesamt: Ich halte ja inzwischen einiges von Communities, die können einiges erreichen. Dass sie aber selbstverständlich auch Nachteile haben, lässt sich leider nicht vermeiden (ich möchte behaupten dass z.B. die Wikipedia mit einer kleineren Community deutlich besser wäre). Bei diesem Projekt aber frage ich mich: Was hat man davon? Wenn man auf dem Mond landen möchte, dann haben wir mit der NASA, der ESA oder analogen Organisationen anderer Nationen gute Einrichtungen, die sich seit langem damit beschäftigen und jederzeit zum Mond fliegen könnten, wenn sie wollten. Will man aber nicht, weil es einen nicht weiterbringt. Und während ich verstehe, dass man freie Betriebssysteme programmiert (um nicht von einem Weltkonzern abhängig zu sein) oder freies Wissen zur Verfügung stellt (um auch den Nicht-Eliten dieses zur Verfügung zu stellen), verstehe ich nicht, warum man selber zum Mond fliegen muss. Hat da jemand Angst, die NASA will den Weltraum alleine erobern und damit die Kontrolle über die Menschheit erringen? Oder was?

    Sollte es tatsächlich nur “just for fun” sein, weil man sich toll fühlt, wenn “man selber” zum Mond geflogen ist, dann… count me out. Da komm ich nicht mehr mit. Ein Hoch auf den modernen Realitätsverlust.

  3. Basti sagt:
    #3

    Achja, nochwas: Warum finde ich das Projekt nicht in der Liste der Teilnehmer? Haben die da einen anderen Namen oder sind die einfach (noch) nicht registriert?

  4. André sagt:
    #4

    Zum Fallschirm: ja, da bin ich mir sicher. Das kam so im Film vor und wurde auch von der Vortragenden so erzählt. Neben mir saßen Andi und noch ein weiterer anwesender Physiker, der Matthias — das fiel uns allen etwas komisch auf.

    Was den Rest angeht: Ich glaube, es geht tatsächlich darum, dass nicht nur die NASA bzw. ESA alleine den Weltraum bereist, sondern das jeder machen kann. Ich finde das an sich auch nicht unbedingt verkehrt.

    Stell dir vor, du bist nicht gerade Physiker oder hast sonst eine besondere Ausbildung genossen, möchtest aber trotzdem an einem solchen Projekt mitarbeiten. Durch solch einen Zusammenschluss hast du dann die Möglichkeit.

    Allerdings ist das natürlich nicht der produktivste und effektivste Zusammenschluss. Das ist auch der Grund, weswegen ich selber wenig Lust habe, mich daran zu beteiligen. Aber ich studiere ja auch Physik und habe durch die Uni genügend Möglichkeiten, mich zu beteiligen.

  5. André sagt:
    #5

    Zum zweiten Kommentar: Ach fuck, das wollte ich ja noch nachschauen. Hatte den Post bei der re:publica angefangen und das da schon festgestellt. Eigentlich wollte ich dann später in Ruhe nochmal schauen, ob ich das nicht übersehen habe.

  6. Basti sagt:
    #6

    Aber das ist doch gerade die Sache: Glaubt denn wirklich jemand, er könnte sinnvoll an einem solchen Projekt mitarbeiten, wenn er davon keine Ahnung hat. Wenn man von Geldspenden absieht (die könnte man auch an die ESA geben), kann ich mir da nichts sinnvolles vorstellen.

    Es ist nunmal so, dass heutzutage eine so große Spezialisierung des Wissens vorhanden und nötig ist, dass eben nicht mehr jeder alles machen kann. Ich kann verstehen dass man auch als Laie gerne Raumfahrt machen möchte – aber man kann es eben nicht. In einer solchen Community wird auch derjenige das Triebwerk bauen, der eben Triebwerke bauen kann, und nicht der Metzger und der Biologe. Am Ende können die beiden sich dann zwar toll vorkommen, aber wirklich was geleistet haben sie doch wahrscheinlich nicht.

    Und das “jeder” den Weltraum bereisen kann, ist zwar eine schöne Sache, aber leider auch ziemlich unsinnig. Ich erkenne darin keinen höheren Zweck wie bei anderen Communities. Letztlich ist es also “Komm, wir fliegen zum Mond!” so wie es früher “Komm, wir gehen schwimmen!” war. Die Schwimmbäder gehen pleite, die Bademeister werden arbeitslos, die Schwimmbecken werden zu Klärbecken umfunktioniert, es stinkt, kleine Kinder lernen nicht mehr schwimmen und ertrinken später im Meer oder werden von Haien gefressen, die sich rasant vermehren – das ganze Ökosystem gerät aus den Fugen, die Welt geht unter und… na gut, dann sind wir froh, dass es eine Community gibt, die uns zum Mond fliegen kann.

  7. André sagt:
    #7

    Für die Sache mit dem Fallschirm und dem Fehlen in der Teamliste habe ich einen Nachtrag im Artikel gesetzt.

  8. #8

    A) Openmoon hat Nicht vor etwas mit einem Fallschirm auf dem Mond abzuwerfen.

    B) Der Vortrag war am 1.4..2009 bei der Republica in Berlin, ist jedoch kein Aprilscherz.
    Er hatte den Zweck openmoon und Google X Prize vorzustellen und überhaupt ein allgemeines Interesse dafür zu wecken.

    C) openmoon n.e.V. versteht sich als Planungsplattform und Netzwerk, welche Unternehmen, Organisationen und Personen zusammenbringt, die zusammen das Projekt realisieren können.
    Die verkürzte “Kernaussage” könnte so lauten:
    “Wer will und kann kompetente Technik auf den Mond bringen und wer hat Interesse dieses zu finanzieren?”

    D) Ein konkretes Technikkonzept gibt es daher (C) nicht, da dieses erst von der Gruppe der teilnehmenden Technikpartnern definiert werden kann.

    E) Spenden sind total gern willkommen – MoonMiles kaufen oder verschenken!!!
    http://openmoon.info/moonmiles

    schöne Grüsse, Christian Bennat – openmoon