Monatsarchiv für März 2009

EIS beim Schmelzen zusehen

EIS - Gletscher
Schmelzender Gletscher.
© by ICE

Wer kennt das nicht.
Gerade hat man noch die extra CO2-Flasche in den Ofen seines 1960er Braunkohlekraftwerks geworfen, steigt in seinen Learjet, um mit der brandneuen CAT-Maschine eigenhändig ein Stück frischen Regenwalds für die eigene Rinderherde in Brasilien zu roden – da wird einem plötzlich warm.
“Diese verdammte Globale Erwärmung” denkt man und dreht die Klimaanlage ein Stückchen weiter auf.

Aber natürlich sieht’s nicht überall so aus. Nicht alle Menschen auf dieser Erde haben Klimaanlagen!

Besonders nicht die putzigen, kleinen und immer kleiner werdenden Gletscher der ehemals ewigen Eise von Grönland, den Alpen, Island und Alaksa. Denen wird wegen der Globalen Erwärmung ganz schön warm. So warm, dass sie sogar anfangen zu weinen, bis nurnoch ein kümmerliches Bisschen von ihnen im Wasser treibt und schließlich untergeht.

Bevor sich die Eisberge komplett zerweint haben, hat sich James Balog mit dem National Geographic zusammengetan und in den betroffenen Regionen Kameras aufgestellt. 27 Kameras an der Zahl wurden dazu in wetterfeste Plastikboxen eingepackt, mit Seilen festgezurrt und auf die Gletscher gerichtet. Jede Stunde knipst jede Kamera ein Bild.
Was beim Extreme Ice Survey (EIS!) schließlich herauskommt, sind Zeitrafferaufnahmen von Gletschern, wie sie dahin schmelzen.

Sehr tolle und sehr traurige Bilder, von denen wir in 50 Jahren unseren Enkeln am Weihnachtsbaum auf der Terasse, bei einem eiskalten Mojito vorklagen können.

Neben den Bildern und Filmchen im Netz wurde auch eine Dokumentation für den amerikanischen PBS produziert. Leider ist alles bis auf den Trailer nicht aus unseren Gefilden erreichbar. Schade.

Wer jetzt noch »glaubt«, Klimaerwärmung wäre von Elvis zusammen mit der Großmutter in den Hollywoodstudios des Monds produziert, der möge doch bitte genau dort hingehen. Auf die Rückseite. Und dort bleiben. Danke.

[via Al Gore, reminded via @tordans]

Freddy goes to ISS

Fledermaus Freddy fliegt mit dem Space Shuttle
Freddy auf seinem Weg ins All (Bild: NASA, Name: wir)

Astronauten sind häufig beneidete Menschen. Ihr Arbeitsplatz ist der Weltraum, ein Ort, der vom großen Spaghettimonster eigentlich nicht für Lebewesen vorgesehen war. Wer kann also nicht von sich behaupten, dass es mal eine schöne Erfahrung wäre, das zu tun, was sonst allen anderen verwehrt ist?

Ungefähr sowas muss sich auch die Fledermaus Freddy1 gedacht haben. Sie hat sich jedenfalls an allen Wachleuten vorbeigeschlichen, jegliche Sicherheitszäune überwunden und 42 Ninja-Katzen überwältigt um sich schließlich kurz vor dem Start der am letzten Sonntag (15.03.) gestarteten Discovery Mission an deren großen Treibstofftank zu heften. Das Space Shuttle war auf dem Weg zur ISS um dort die noch ausstehenden letzten Solarmodule anzubringen.

Was Freddy nicht wusste: Der Flug in den Weltraum ohne Schutzausrüstung ist abenteuerlich bis riskant. Und so schaffte Freddy es leider nicht und ist irgendwo unterwegs auf der Strecke geblieben.
Das physikBlog trauert um den kleinen Tapferen Kerl.

Mehr Infos: NASA, Universe Today

Bild von der NASA und danke für die Linkeinsendung an Unbekannt

  1. Name von der Redaktion geändert. []

CERNland — Teilchen für die Kleinen

CERNlandMan kann ja nie früh genug anfangen, Physik zu lernen.
Bereits ab der dritten Klasse sollten Fouriertransformationen zum Standardrepertoire eines jeden Schülers gehören. Reziproke Gittervektoren sollten neben Drehmatrizen und den ersten 10.000 Stellen von Pi auf den Wänden in der Schulcafeteria stehen.
Spätestens in der Oberstufe sollte man auch blind den kompletten LHC neu verkabeln können – natürlich einhändig1.

All das denkt sich das CERN auch.

Und weil die vom CERN subtiler sind, als wir vom physikBlog, und außerdem mehr Geld haben, haben die nicht lange rumschwadroniert sondern kurzerhand eine Webseite online gesetzt: CERNland.

Das CERNland ist eine Webseite, speziell für Kinder. Auf diese voll-Flash-Seite können die kleinen (und großen) Potenzialphysiker spielend2 die Welt des CERNs erkunden. Das geht bei wirklich hübschen Videos oder Jump-And-Run-Wissensquizzen, bei denen man nur weiter kommt, wenn man auch ja die richtige Frage weiß. Toll!

Für einen gemütlichen Sonntagnachmittag im Kreise der Familien, auf einer Wiese zwischen Holunderbusch und Golden Retriever, also genau das Richtige.

[Danke #pl0gbar3, für den Tipp]

  1. Die andere Hand brauchten man schließlich noch zum Lesen des physikBlogs. []
  2. Buzzword! []
  3. Wer von euch war's eigentlich noch gleich? Tobias? []

Kepler zieht seine Bahnen

Vorgestern ist mit dem 339. Start einer Delta-Rakete das neue Weltraumteleskop Kepler der NASA erfolgreich in Richtung Sonne geschossen worden. Der Start erfolgte am 7. März 2009 um 03:49:57 UTC und verlief einwandfrei, nach dem Klick gibt es auch ein Video für unsere Raketenstartfans.

Auch wenn es das neue Weltraumteleskop der NASA ist, soll Kepler Hubble nicht ersetzen. Das neue Teleskop hat ein spezielles Einsatzgebiet: Die gleichzeitige Suche nach extrasolaren Planeten bei etwa 100.000 Sternen im Sternenbild Schwan. Der untersuchte Ausschnitt der Himmelskarte ist also fixiert, dafür ist die Genauigkeit so gut, dass auch Planeten in Erdendimensionen erkannt werden.
Damit der Ausschnitt so festgehalten werden kann, dass man selbst kleinste Änderungen1 in der Helligkeit der Sterne feststellen kann, wird Kepler auf eine Umlaufbahn um die Sonne geschickt. Für 3,5 Jahre soll das Teleskop dann suchen, ob da draußen neben Melmac und einem Planeten in Beteigeuze noch andere bewohnte (bzw. bewohnbare) Planeten gibt.

Nachtrag 11.03.: Gerade ein ziemlich geniales Bild des Starts bei APOD gefunden.

NASA-Seite zu Kepler
→ Wikipedia-Artikel (deu|eng)
Twitter-Account mit Infos zu Kepler

‘Kepler zieht seine Bahnen’ weiterlesen

  1. Man rechnet hier mit einer Abdunklung von etwa 84/1.000.000 der normalen Helligkeit wenn der Planet am Stern vorbei zieht. Und das natürlich auch nur, wenn der Planet genau zwischen uns und dem Stern vorbei zieht – man rechnet hier mit 1 von 275 überhaupt detektierbaren Planeten. []

Astronomen: Februar ist nicht länger ein Monat

Erinnert ihr euch noch, was die grausamen Astronomen dem süßen Pluto vor gar nicht allzu langer Zeit angetan haben? Sie haben ihn brutal seines Statusses beraubt. Vor zwei Jahren noch war Pluto ein schmucker Planet irgendwo da draußen. Dann, plötzlich, war Pluto nicht mehr groß genug und, Zack, schon ist Pluto nur noch ein Zwergplanet.

Jetzt tun sie es wieder, die Astronomen.

Es trifft Februar. Der ist nicht mehr lang genug. 30 oder 31 Tage haben die Monate. Nicht 28 oder 29.
In einer Abstimmung wurde entschlossen: Februar gilt als Zwergmonat.

Mehr zum zweiten Teil des traurigen Enteignungsruns der International Astronomical Union im Bad-Astronomy-Blog.

Mondbilder in 3D

Die Mondlandung in 3D
 Die Landung von Apollo 17 auf dem Mond in 3D aus dem Forum Astronautico.

Im italienischen Forum “Forum Astronautico” werden momentan Bilder vom Mond bearbeitet. Forennutzer “Lem” wandelt Aufnahmen mit Astronauten, Fahrzeuge und jede Menge Mondstaub in hyperdimensinale Phasenräume 3D-Bilder um. Wie genau das von statten geht – keine Ahnung, die beschreibenden Texte sind auf italienisch und der physikBlog-eigene Italienischdolmetscher ist gerade auf Kneipentour in Peru.
Trotzdem sehen die Bilder so aus, als könnten sie was. Dummerweise fehlt mir hier die passende Rot-Grün-Brille, um das mal zu überprüfen.

→ Forenthread mit allen Bildern

(via Bad Astronomy)