CERN’ed: Der Weg zum LHC

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Wer kennt das nicht: Man hat einen 27 km langen Tunnel über und weiß nicht, was man damit anstellen soll. Klar, normalen Menschen fallen da sofort ganz bestimmte sinnvolle Dinge ein mit Schlagworten wie Marathonlauf1, Vernissage2, Karussel3 oder auch Atommüll-Endlager4. Nun sind Physiker aber nunmal keine normalen Menschen, sondern eben Physiker. Und da beim CERN so viele Menschen dieser Art versammelt sind, war es klar, dass etwas anderes rauskommen würde.

Der Tunnel des LEP unter der Schweiz und FrankreichDoch fangen wir vorne an: Das CERN hatte zwischen 1989 und 2000 den LEP (Large Electron-Positron Collider) in Betrieb; ein Speicherring, in dem Elektronen und Positronen beschleunigt und aufeinandergeschossen wurden. Und für eben diesen LEP-Beschleuniger wurde ein Tunnel gebohrt, ausgehend vom CERN-Gelände und (fast) kreisrund mit einem Umfang von 26,7km.

Der LEP hatte seine Aufgabe erfüllt5, und da man ein Experiment nunmal irgendwann beendet, auch wenn es noch so viel Spass macht, beschloss man den LEP-Beschleuniger im Jahre 2000 auszuschalten. Leider ist ein Tunnel aber teuer. Sehr teuer. Wirklich teuer. So kostete der Bau des LEP (Tunnel und Beschleuniger, aber ohne die Experimente) 1,3 Milliarden Schweizer Franken6. Das ist viel Geld, sogar für Schweizer. Zwar war klar, dass man die Geräte nicht mehr gebrauchen kann, aber der Tunnel war da – und so ging die Suche nach einem sinnvollen Nachfolge-Experiment los.

Eigentlich bestand die Idee für den LHC schon, bevor der LEP überhaupt gebaut war7. Bereits 1984 wurde in einem Symposium in Lausanne8 beschlossen, nach dem LEP eine Maschine zu bauen, die Protonen gegeneinander schleudert. Und da “Große Protonen-Schleuder” doch zu stümperhaft klang, gab man dem Ganzen den Namen “Large Hadron Collider” oder kurz LHC. And here we are.

Nach den 16 Jahren Planung wurde 2000 der LEP aus dem Tunnel ausgebaut. Dafür mussten 40.000 Tonnen Material aus dem Tunnel (maximale Tiefe 135m) an die Oberfläche geschafft werden, das entspricht in etwa dem Gewicht von 13 Millionen Kätzchen, mit dem Problem, das Magnete nicht laufen können. Außerdem müssen die Kavernen für die Experimente vergrößert und erweitert werden, Zuleitungstunnel werden gegraben, der Tunnel wird neu vermessen und so weiter und so fort, kurz: Man hat genug zu tun.

Wer die Marmelade leer macht, der muss neue aus dem Keller holen. Kaum ist der Tunnel also leer, fängt man auch schon an ihn wieder voll zu machen. Also alle Magnete wieder rein9, neues Rohr für die Protonen gebaut, damit die auch in Ruhe fliegen können, und alles schön aneinander bauen. Fertig.
Das hat nochmal 8 Jahre gedauert. Eben bis 2008.
Und jetzt kann’s los gehen.

Ach ja: Wer es noch genauer wissen will und findet dass Stichpunkte eh viel cooler sind als ganze Sätze, der findet hier in übersichtlicher Weise die Geschichte des LHC zusammengefasst.

  1. “Der CERN-Marathon ist berühmt dafür, dass man sich voll und ganz auf seinen eigenen Laufstil konzentrieren kann: Nichts lenkt ab.” []
  2. “Das Tunnelambiente verbindet sich vorzüglich mit dem Werk des Künstlers und schafft eine Atmosphäre von unendlicher Tristesse.” []
  3. “Die nächsten 27 km sind rückwärts!” []
  4. Scheiterte wohl an der zu reichen Bevölkerung um den Genfer See. []
  5. So wurden hier die Massen der W- und Z-Bosonen sowie die Zahl der leichten Neutrino-Familien bestimmt []
  6. das sind nach heutigem Kurs etwa 800 Mio.€, aber den heutigen Kurs darf man da auch eigentlich nicht ansetzen, ist ja schon ein paar Jährchen her []
  7. Physiker sind vorausschauende Menschen []
  8. man will ja auch nicht immer von der gleichen Seite auf den Genfer See gucken []
  9. Aber natürlich neue, bessere, tollere. Eigentlich sogar die Tollsten. []
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5 Antworten auf CERN’ed: Der Weg zum LHC

  1. Andi sagt:
    #1

    Basti, ab dem heutigen Tag werden wir dich Mr. Fußnote nennen.

    Schöner Beitrag :) .

  2. André sagt:
    #2

    Ich werde demnächst mal einen Teilchenbeschleuniger bauen, der exakt genau soviel wiegen wird wie 13 Millionen Kätzchen. Weil er nämlich aus Kätzchen besteht. Und Mäuse beschleunigen wird. Die kommen dann in eine Teilchen Käsefalle. Oder so. Mit Wieselumlaufkühlung.

    Ich hab jedenfalls schonmal angefangen, Kätzchen zu sammeln.

    Es ist immer gut, einen Arm voll Katzen zu haben. Wer weiß, ob ein ALF in der Nähe ist?!

  3. Basti sagt:
    #3

    Wenn, dann möchte ich bitte “Mr.² (2: Fußnote)” heißen. Lässt auch Raum für Spekulationen, was wohl in der 1 steht.

    Um das Beschleunigen von Mäusen mit Kätzchen zu simulieren empfehle ich dir die Originalversion von “The Incredible Machine”. Enthält sogar schon Goldfischgläser als Notaus-Schalter.
    Achja: Es gibt nur einen ALF. Es kann nicht “ein ALF” in der Nähe sein, sondern nur “der ALF”. Es heißt ja auch “das Blog”.

  4. Andi sagt:
    #4

    Ich weiß was in der Fußnote 1 steht. Chuck Norris auch.

  5. hape sagt:
    #5

    “… eine Atmosphäre von unendlicher Tristesse.” vielleiht sind ja die Röhren wenigsten von innen bemalt, damit es die Protonen Hadronen nicht so langweilig haben

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