MRT

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Ich nehme momentan an einer Studie teil, die die Aufmerksamkeit nach Einnahme eines Antidepressivums bei gesunden Menschen herausfinden will (siehe auch drüben in der BlogKade) – u.A. ist dafür eine Untersuchung im MRT notwendig. Im Zuge dessen habe ich mich mal ein wenig über die Hintergründe der Magnetresonanztomographie, kurz MRT, informiert.

Das Prinzip dahinter beruht auf der Tatsache, dass Protonen und Neutronen einen Spin haben, sich also drehen, wobei sie einem gesamten Atomkern ein magnetisches Moment bescheren. Legt man nun von außen ein starkes Magnetfeld an, so kommt es zu einer Präzessionsbewegung, ähnlich einem sich drehenden Kreisel, den man seitlich anstößt. Setzt man zusätzlich zu einem Hauptmagnetfeld, welches für eine gleichmäßige Ausrichtung der Atome sorgt, ein hochfrequentes Wechselmagnetfeld ein, schafft man es im Resonanzfall zu einer deutlich messbaren Präzessionsbewegung, die Radiostrahlung emittiert.
Mit einer weiteren Spule kann man nun die entstehende Strahlung messen. Nach dem Abschalten des Wechselfeldes nimmt diese exponentiell ab, da sich die Kerne gegenseitig aus dem Takt bringen und überlagern und sich schließlich wieder dem Hauptmagnetfeld ausrichten. Überdies lässt sich die Zeit messen, die die Atome brauchen, bis sie aus dem chaotischen Schwingungsbild durch erneute Anregung des Wechselfeldes alle in Phase – im Takt – schwingen. Diese Zeiten sind Stoffspezifisch und sorgen bei der Auswertung der Daten für eine unterschiedliche Graueinstufung des entsprechenden Bildbereiches.

Erstaunlich finde ich aber vor allem folgendes: Das Magnetfeld, das erzeugt werden muss um die Präzessionsbewegung hervorzurufen, ist je nach Gerät bis zu 3 Tesla stark – das ist ca. 10.000 mal stärker als das Erdmagnetfeld auf der Oberfläche und nur etwa 15 mal schwächer, als das stärkste, je von Menschenhand erschaffene, stetige Magnetfeld.
Die Spulen bauen im Millisekundenbereich wechselnden Magnetfelder auf, die eine so große Kraft auf die Verankerung der Spulen ausüben, dass diese verdammt laute “knack”-Geräusche von sich geben, die je nach Frequenz einzeln oder als Ton wahrgenommen werden. Selbst mit einem guten Gehörschutz hört man diese Geräusche noch deutlich und es ist einem nicht möglich ist, während der Aufnahmen mit den Leuten hinter der Scheibe zu kommunizieren.

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Kategorien: Erklärbär

7 Antworten auf MRT

  1. Katharina sagt:
    #1

    Wieso sagt einem eigentlich mal nie einer wie das Ganze funktioniert, bevor man da reingeschoben wird? Der gute Gehörschutz war bei mir übrigens so gut, dass die Musik von den Knack-Geräuschen so übertönt wurde, dass man nur noch erahnen konnte, welch atemberaubender Popstar einen besang. Jaha.

  2. André sagt:
    #2

    Das Problem an den Knack-Geräuschen ist, dass sie innerhalb von wenigen Millisekunden einen unglaublichen Schalldruck aufbauen, ähnlich einem Pistolenschuss. Das Ohr hat eine eingebaute Schutzfunktion, wobei bei zu lauten Sachen ein Muskel den Schall um etwa 2/3 dämpft. Allerdings braucht der Muskel eine gewisse Zeit zum reagieren. Somit ist die Gefahr, Hörschäden durch die kurzen, lauten Geräusche sehr viel größer (nennt man dann Knalltrauma) als durch die stetige laute Musik.

  3. Andi sagt:
    #3

    Klugscheißer.

  4. André sagt:
    #4

    Naja, entschuldige mal, ich studiere schließlich professionelle Klugscheißerei.

  5. chris sagt:
    #5

    ich hatte die Ehre mich am Dienstag zu “Studienzwecken” in einen legen zu dürfen.
    Irgend so nen 3 Tesla neues Ding von Siemens – das von aussen aussieht wie einer ihrer zu groß geratenen Waschmaschienen – und sich von innen auch so verhält… es vibriert, piest, klickt, klackt und …ist verdammt eng…

  6. André sagt:
    #6

    du warst schon einmal in einer Waschmaschine? crazy

  7. Matthias sagt:
    #7

    In dem Krankenhaus in dem ich ziwi gemacht habe hatten die auch einen MRT, war sehr lustig, weil man da immer morgens zur Wartung reinmußte.
    Das Ding wird mit flüssigem Helium gekühlt und hat eine komplette Klimaanlage übersich (ich glaube auch ein Teil der Magneten war supraleitend).
    Aber das Krasse war, dass man wirklich ALLES Magnetische vor der Tür draußen lassen mußte, weil z.B. Checkkarten sofort zerstört werden (auch wenn die Kisten “aus” ist). Aber ich habe dann auch von einem Arzt eine Story gehört, wie einmal eine Sauerstofflasche (eine von den großen) in die Kiste “reingezogen” wurde. Und die Flaschen sind alles andere als leicht. Zum Glück lag da gerade keiner drin.

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