physikAdventskalender 15. Dezember: U-Boote

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Kommentar

CaticonMan kennt das ja. Man will einfach nur auf dem Kiez seinen Spass haben, setzt sich an die Bar, bestellt einen Wodka-Martini und schaut gelangweilt in den Raum hinein, weil man auf der Hinfahrt ein Huhn überfahren hat und deswegen ein wenig geknickt ist. Da kommt ein kleiner Kerl mit gebücktem Gang die Tür hinein und setzt sich direkt an den Nebenplatz. Und ehe man sich versieht, zack, ist man schon in einem Gespräch über viel bessere Zeiten und U-Boote.
Heute, vor einhundert deutschen Jahren ging das SM U 1 online in See. Das erste deutsche Unterseeboot, “Seiner Majestät U-Boot 1“. Mit 43 Metern Länge ist es für heutige Verhältnisse eher smartgroß, für damals war das allerdings nicht schlecht. Sowieso, Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts war die Untersee-U-Boot-Welt noch ganz in Ordnung. Man baute fröhlich seine schlechten akkubetriebenen Metallkisten vor sich hin. Erfand hier einen neuen Motor und führte dort einen ersten Weltkrieg. Verlor das Interesse an ihnen und gewann es wieder.
So richtig lustig wurde es dann erst wieder nach dem zweiten Weltkrieg im Kalten Krieg, den wir ja an anderer Stelle schon als Technologielieferant huldigen gelernt haben. (Ich bitte die subtile Ironie korrekter weise zu deuten. Danke.)
Denn nicht nur Otto- und Dieselmotoren waren mittlerweile supi, mit der Entwicklung der Atombombe lernte man auch die Nukleartechnik als Energielieferant zu nutzen. Und so gab es schon bald die ersten Atom-U-Boote in den Meeren dieser Welt. Sie hatten zwei Vorteile: Sie waren leiser als Verbrennungsantriebe, was das Geortet-werden erschwerte (wir alle wissen ja, wie klasse sich Schallwellen unter Wasser ausbreiten) und sie konnten viel länger unter Wasser bleiben – was der wohl entscheidendere Grund des Erfolgs war.
Man hat gebaut und gebaut und wie das damals so war, haben sich die USA und Russland regelmäßig selbst übertrumpft – auch wenn die Öffentlichkeit davon so gut wie nichts mitbekam: Die U-Boot-Programme waren streng geheim. Immer mehr nahmen die U-Boote nichtmehr die Stellung ein, direkte Gefechte zu führen, sondern als strategische, bewegliche Unterwasserstationen den Feind auszuspionieren oder jeder Zeit von irgendwo (vielleicht sogar direkt vor den Küsten den Feinds) einen (nuklearen) Erst- oder Zweitschlag durchzuführen. So bekamen immer größere Boote mit immer längerer Tauchzeit immer stärkere Waffen. Das Gipfelte mit den SSBN (Ship Submersible Ballistic Nuclear), mit Tauchbooten mit Nuklearbewaffnung an Board.
Die größten U-Boote der USA und Russlands messen heute über 170 Meter und haben teilweise sogar Swimmingpools integriert.
Im Kalten Krieg ging es ziemlich ab zwischen den beiden Kriegsgrößen. Hier wurde verkündet, man habe das Eis unterquert, dort wurde vor gegnerischen Inseln geankert. Hier explodierte ein U-Boot, dort ging eines verschollen. Und dann kam es sogar dazu, dass vor Hawaii ein russisches U-Boot zerbrach und unterging. Sogleich starteten die Amerikaner das Jennifer-Projekt: Das feindliche U-Boot wurde auf dem Grund der See auf 5000 Meter Tiefe lokalisiert und der Bau von einem Spezialboot in Auftrag gegeben. Kein geringerer als Flugzeugmilliardär Howard Hughes entwickelte mit seinen Firmen unter dem Deckmantel, eine Plattform zum Abbau von Unterwassermineralien zu bauen, den “Hughes Glomar Explorer” für die CIA. Mit Hilfe eines riesigen Greifarms wurde dann 1974 nach einigen Pannen ein Teil des Wracks geborgen. Vielleicht sogar das ganze U-Boot. Rausgekommen ist das alles erst wesentlich später und auch nur, weil kurz vor der Bergung in die Lagerhallen Hughes eingebrochen und Unterlagen des Projekts geklaut wurden.

Nach dem Ende des Kalten Kriegs und der immer mehr schwindenden Finanzstärke Russlands wurden die einzelnen Unterseestaffeln zurückgebaut und schließlich mit der übereinstimmenden Un-Akzeptanz nuklearer Waffen auch teilweise auf andere Raketen umgerüstet. Einzig Russland baut derzeit ein neues, 170 Meter langes, Atom-U-Boot mit nuklearer Bewaffnung.
Wir in Deutschland sind da weiter, hier ging 2002 das modernste U-Boot der Welt zu Wasser. Zwar maß es nur knappe 60 Meter, doch ist die Technik wie so häufig das Wichtigste an Allem: Das U-Boot verfügt neben vielen weiteren modernen Features über einen Hybridantrieb aus Dieselmotor und Brennstoffzelle. Letztere schafft es, ähnlich dem Atomantrieb, von der Außenluft unabhängig Energie zu erzeugen. Und ist dabei wesentlich sicherer. Verdammt cool also.

Und was hat das jetzt mit dem Mann vom Kiez zu tun? Nun, U-Boote sind alles andere als Hoch. Da muss man sich das ein oder andere Mal bücken. Da bleiben Haltungsschäden nicht aus.

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Kategorien: Erklärbär, Weihnachtisiertes
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Eine Antwort auf physikAdventskalender 15. Dezember: U-Boote

  1. André sagt:
    #1

    Hm, U-Boote sind mir ja aus Prinzip zu klein.