physikAdventskalender 13. Dezember: Mondtäuschung

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Kommentar

CaticonWer kennt das nicht. Man liegt konzentriert im Park seines Vertrauens und lernt strebsam die Relativitätstheorie rauf und runter. Ehe man sich versieht, wird man von krawallierenden Langzeitstudenten mit ihren Grills und Bierkästen aufgeschreckt. Man schaut hoch und stellt fest, dass es Nacht ist. Der Mond steht auch schon am Himmel. “Aber irgendwie war der gestern doch kleiner?” denkt man sich, zweifelt sogleich an seiner geistigen Frische, kapituliert und setzt sich zu den Langzeistudenten mit ihren Grills und Bierkästen.
Aber das muss nicht sein.
Ihr seid nämlich auf ein altes Mysterium gestoßen. Habt eine Schnittmenge aus Physik und Psychologie am eigenen Körper, für mehr am eigenen Kopf gespürt. Ihr habt die Mondtäuschung beobachtet.
Der Mond scheint nämlich in der Nähe des Horizonts größer zu sein als hoch oben am Firmament. Das hat nichts mit Lichtbrechung, nichts mit Dispersion oder sonstigen, super kompliziert klingenden physikalischen Phänomenen zu tun. Denn das Größer-erscheinen ist nur in deinem Kopf.

Alles hat mit Information zu tun. Das klingt jetzt abgedroschen. Ist es auch. Stimmt aber auch. Das Auge an sich ist nämlich dumm. Das kann zwar sehen, aber irgendwie doch nicht so richtig. Schlau wird es erst, wenn sich Vater Gehirn einschaltet. Da wird eins und eins zusammen addiert und, zack, hat man das Gesehene lokalisiert. Manchmal werden aber auch fünf gerade sein gelassen. Dann ist das Gehirn überfordert und interpretiert falsch.
Schaut ihr auf einen im Zenit stehenden Mond, so fehlt dem Auge Tiefeninformationen um den Käsekuchen einordnen zu können. Das Auge weiß nicht, ob das angestrahlte Objekt über einem 10, 1000 oder 10^1000 Wahllängeneinheiten entfernt ist. Der Mond erscheint dem Auge kleiner, als er eigentlich ist.
Steht der Mond aber nah am Horizont, so sind in der visuellen Nähe des Mondes aber viele Objekte. Häuser, Bäume, Langzeitstudenten. Alles Tiefeninformationen. Das Auge denkt: “Eh, krass, der ist ja weit weg” und zoomt ihn quasi virtuell näher heran. Obwohl das Bild auf der Netzhaut bei beiden Betrachtungspositionen gleich groß ist.
Der Mond scheint sich auf einem abgeflachten Firmament zu bewegen.
Wieso man jetzt ein weiter weg liegendes Objekt als größer empfindet, obwohl es doch irgendwie anders sein müsste, das erklärt diese schöne Grafik dieses noch schöneren Wikipedia-Artikels relativ schön. Und für richtig schön wissensdurstige hat der Herr Mayer eine nahezu epische Erklärung verfasst.
Liebe Hobbyfotografen. Das ist übrigens auch der Grund, warum Fotos vom Mond immer so enttäuschend aussehen.

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Eine Antwort auf physikAdventskalender 13. Dezember: Mondtäuschung

  1. MfG sagt:
    #1

    Darum erscheinen einem auch Türme im Horizontnähe höher, aha! hahahaha