physikAdventskalender 6. Dezember: ISS

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Eben noch klein, jetzt wieder groß. Ganz groß.
CaticonDenn heute ist ein großer, ein ganz großer Tag für die Raumfahrt. Zum Einen ist heute der Tag nach dem Tag, an dem die NASA beschlossen hat, eine Basis auf dem Mond zu bauen. 2024 soll die bewohnbare Einrichtung auf unser aller liebsten Käsekuchen fertig sein. Wer von uns Physikstudenten die Ehre hat, da mal hoch zu dürfen, möge mir bitte eine Karte schicken. Ich würde mich freuen.
Zum Anderen ist heute der Tag, an dem vor acht Jahren die ersten zwei Module der Internationalen Raumstation (ISS) im Orbit verbunden wurden. Fast schon romantisch, und damit durchaus weihnachtlich, einem freundschaftlichen Handschlag gleichend, wurde das amerikanische “Unity”-Modul an das einen halben Monat zuvor in den Orbit geschossene, russische Modul “Sarja” montiert.
Mit diesem Datum wurde das wohl größte zivile internationale Projekt endlich handfest. Angefangen hatte alles mehrere Jahrzehnte zuvor. Zuerst in den Schubladen und Köpfen visionärer NASA-Denker gereift, wurde die Idee Anfang der 80er konkreter – nach dem man mit der Fertigstellung der Entwicklung der Space Shuttle relativ zuverlässige Transportmöglichkeiten ins All hatte. Erst plante man die damals noch “Freedom” benannte Station (später übrigens auch mal “Alpha”) im Alleingang zu bauen. Relativ schnell 1985 entschloss man sich aber, mit Kanada, Japan und der ESA internationale Hilfe ins Boot zu holen. Selbst Russland stieg nach dem Ende des Kalten Kriegs mit seiner reichhaltigen Langzeitaufenthalserfahrung 1993 ins Projekt ein. Als dann 1998 bereits 15 Staaten das Ruder der Raumstation führten, benannte man sie auch offiziell “ISS”.
Seitdem im November und Dezember 1998 die ersten Bauteile in die Umlaufbahn geschossen wurden, sind weitere elf zusätzliche Module angebracht worden. Das 13. Teil wurde erst im September dieses Jahres montiert, denn der Transport der Bauteile mit dem Lastschiff Space Shuttle, und damit der Ausbau der Station, war nach dem verheerendem Unglück der Raumfähre Columbia erstmal auf Eis gelegt worden. Die lebenserhaltenden Systeme der ISS für die bereits dort experimentierenden Wissenschaftler können zwar von den russischen Sojus-Kapsel instand gehalten werden, neue Bauteile passen allerdings nur in die dicken Bäuche der Space Shuttle.
Der Bau und der Betrieb über veranschlagte zehn Jahre wird geschätzte 100 Milliarden Euro kosten. Davon trägt die ESA 8 Milliarden, was zu großen Teilen für die Entwicklung einer neuen Versorgungsrakete namens ATV drauf geht.
Auch wir an der RWTH haben indirekt mit unserem Engagement am CERN mit der ISS zu tun: Das AMS-Experiment wird an Board der ISS auf die Suche nach Antimaterie gehen. Entwickelt wird es am 1. physikalischen Institut B und raufgeschossen werden soll es 2009.
Mit ein bisschen Glück, wenn der Betrieb der ISS über das Jahr 2016 bzw 2020 hinaus fortgesetzt wird, haben wir dann 2024 direkt zwei riesige, von Menschen gebaute Objekte an unserem Himmel. Ich find das ja total crazy.
Und hoffentlich verwechseln dann Weihnachten 2024, wenn dann alle gleichzeitig die Lichter anmachen, nicht wieder drei Sterndeuter das Funkeln am Himmel.

Bleibt tuned, denn weil ein so großer Tag ist, gibt es hier im physikBlog weitere große Dinge!

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Kategorien: Erklärbär, Weihnachtisiertes
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