Followup: Variationen in der Rotation der Erde

Dieser Artikel ist ein Followup zu Bastis Bericht über die Änderung der Rotationsgeschwindigkeit der Erde durch das Erdbeben in Chile. Es folgt: ganz viel nutzloses Wissen, das wunderbar als Gesprächseinstieg mit dem heißen Date geeignet ist, um danach gemeinsam die Raketenstartbildersammlung bestaunen zu können.

Roboter interessieren sich noch nicht für unterschiedliche Tageslänge. Aber sie haben ja auch noch nicht die Weltherrschaft übernommen. Noch nicht. (Bild von jek in the box auf flickr.)

Das Erdbeben war ja schon ganz schön gewaltig. Ruft es einfach eine Verkürzung der Tagesdauer von 1,26 Mikrosekunden hervor. Aber, wir von physikBlog sind ja auch nicht blöde und sagen uns:
Da geht noch was!

Biomasse

Bei einer Diskussion am Institut entstand die Idee, dass die fallenden Blätter im Winter einen Effekt auf die Rotationsgeschwindigkeit haben müssten. Konkret wurde dabei folgendes angenommen: auf der Nordhalbkugel stehen wesentlich mehr Bäume als im Süden, so dass in unserem Winter mehr Blätter runterfallen als im südlichen Sommer in der Krone hängen. Der Überschuss an Blättern hat eine beachtliche Gesamtmasse, die etwa 10 m näher am Erdkern sitzt und somit eine Änderung des Trägheitmoments verursacht.
Das Trägheitsmoment1 sorgt in Kombination mit der Drehimpulserhaltung dafür, das sich die Drehgeschwindigkeit erhöht, wenn man Masse während der Drehung näher an die Drehachse heranführt. Die Tänzer (oder gelangweilten Büro-Drehstuhl-Besitzer) unter den physikBlog-Lesern kennen das bereits: zieht die hübsche Tänzerin (oder der gelangweilte Büromensch) während einer Drehung die vorher ausgestreckten Arme an den hübschen (gelangweilten) Körper, wird sie hübsch schnell.

Das ist ein klassisches Fermi-Problem – man kennt quasi gar nichts, versucht aber trotzdem, ein Ergebnis zu bestimmen. Ein Blogger hat sich damit beschäftigt und einmal anhand des gefallenen Laubs in seinem Garten versucht zu bestimmen, wie groß der Effekt für die ganze Erde wäre. Am Ende kommt er auf eine Verkürzung eines Tages um ~50 Picosekunden.2 Das ist der Millionste Teil einer Millionstel Sekunde. Also ganz schön wenig, aber prinzipiell durch Atomuhren noch messbar.
Die deutsche Wikipedia bestätigt indirekt diesen verschwindend geringen Effekt:

Auch Verlagerungen der Biomasse spielen eine gewisse Rolle. Die Behauptung, dass die Erde sich im (Nord-)Sommer langsamer drehe als im Winter, weil die Blätter an den Bäumen das Trägheitsmoment vergrößern (Pirouetteneffekt) und es auf der Nordhalbkugel mehr Bäume gibt als auf der Südhalbkugel, ist jedoch nicht haltbar.


Recherche-Katze. physikBlog-Spezial-Züchtung.
Bild aus der Wikipedia.

Das war also nichts. Flugs sind die Recherche-Katzen auf die Pirsch geschickt um weitere Effekte der Variation in der Rotationsgeschwindigkeit der Erde zu entdecken. Und was finden sie? Z.B. das hier:

Sonnenwind

Von der Sonne geht ein stetiger Wind aus. Er besteht nicht, wie wir gewohnt sind, aus Luft, sondern im Wesentlichen Protonen und Elektronen. Wichtig daran zu wissen ist, dass dieser Wind elektrisch geladen ist und folglich in Magnetfeldern abgelenkt werden, natürlich auch in dem der Erde.3 Das Erdmagnetfeld ist aber nicht symmetrisch um die Drehachse der Erde aufgebaut, so gibt es z.B. eine Abweichung zwischen den magnetischen und geographischen Polen.
Wenn nun die Teilchen abgelenkt werden, wirkt wegen der Impulserhaltung und der Asymmetrie eine Kraft auf die Erde, die die Erde langsam bremst. Forscher des Shanghai Observatory haben sich mit dieser Fragestellung beschäftigt und verweisen u.A. auf Abschätzungen von Hans Volland, der eine Tageszeitverlängerung von 46 Mikrosekunden auf ein Jahrhundert bestimmt hat. Das entspricht pro Tag etwa 1,3 Nanosekunden.

Schnee und starke Winde

Aber es wäre ja langweilig, wenn es das jetzt schon gewesen sein soll. Wenn man nochmal in den Wikipedia-Artikel von eben guckt und das Zitat erweitert, dann steht da auch folgender Satz:

Wie die Grafik zeigt, ist die Tageslänge im Nordsommer gerade am kürzesten, die Erde dreht sich dann also besonders schnell. Der sicherlich vorhandene Einfluss des Laubes wird also durch entgegengerichtete größere Effekte völlig überdeckt. Ein überdeckender Effekt ist unter anderem die Umverteilung von Wassermassen in Form von Schnee auf die Höhenlagen der Gebirge.

OK, das liegt irgendwie auf der Hand, wenn man obige Überlegung mit den Blättern mal weiter spielt. Ein anderer Effekt aber vielleicht nicht direkt:

Auf der nördlichen Hemisphäre blasen die Winde in den Monaten Januar und Februar in großer Einigkeit und besonders stark von Westen nach Osten. Die Erde dreht sich aber von Osten nach Westen. Experten aus verschiedenen Ländern haben festgestellt: das ist entgegengesetzt. Und wenn so einem Experten eine steife Briese mal ordentlich die Frisur durchwirbeld, dann stellt der auch fest, dass da eine gewisse Kraft herrscht.
Und so sorgt dieser Gegenwind dafür, dass die Erde ein Stück weit abgebremst wird. So stark, dass dieser saisonale Effekt das Trägheitsmoment der Atmosphäre verdoppelt und für eine Tageszeitverlängerung von einigen Millisekunden am Tag ausreicht.

Ähnlich ist auch der Effekt des Wetterphänomens El Niño messbar, denn hierdurch werden Änderungen der Jet-Ströme — extrem starke Winde in den hohen Atmosphärenschichten — hervorgerufen.

Dinosaurier. Ob sie noch leben würden, hätte ein schwerer Mond ihre mittlere Lebenszeit dilatiert? (Bild von @superamit auf flickr.)

Tidenhub

Der König unter den Zukunftsaufhaltern ist aber wohl der Mond und der damit verbundene Tidenhub. Das mit dem Tidenhub ist ja so, dass der Mond die Wassermassen auf der ihm zu- und abgewandten Seite anhebt — ein Effekt der Gravitation des Mondes.4 Der Mond dreht sich aber langsamer um die Erde, als die Erde sich um sich selber dreht.
Das heißt, dass auch die durch den Mond hervorgerufenen Tiden-Berge sich mit einer anderen Geschwindigkeit um den gemeinsamen Drehpunkt bewegen als die Erde sich dreht. Die Erde dreht sich also quasi unter den Tiden hinweg. Und jetzt kommt das Gleiche wie beim Wind zum Tragen: es besteht ein Widerstand, der die Erde abbremst. So nimmt der Tag über ein Jahrhundert um etwa 2,3 Millisekunden zu, also etwa 63 Pikosekunden pro Tag. Das ist zwar wenig, kommt aber jedes Jahr hinzu.

Die Erde dreht sich unter den Tiden hinweg, welche widerum den Mond beschleunigen.

Übrigens ist das auch der Grund dafür, dass der Mond sich langsam aber sicher von der Erde entfernt. Durch die sich schneller drehende Erde sind die Tiden-Berge leicht zur Mond-Erde-Achse verschoben (siehe Bild) und laufen dem Mond etwas voraus. Die Tiden-Berge besitzen in ihrer Gesamtheit aber auch eine ordentliche Masse, die wiederum wegen der Gravitation einen Einfluss auf den Mond ausüben. Zwar ist die zur Erde gerichtete Gravitation noch annährend gleich (es ist ja auch keine Masse dazugekommen), aber durch die asymmetrische Verteilung der Wassermassen wird der Mond ein Stück mehr nach “vorne” gezogen als anders rum. Er wird also etwas beschleunigt — nicht viel, aber immerhin genug, damit der Mond langsam schneller wird und somit pro Jahr etwa 4 cm von der Erde weg wandert.

 
Mir ist jetzt vor lauter Herumdreherei schwindelig, daher soll hier Schluss sein. Und wenn ihr euch das nächste Mal wieder fragt, warum dieser Tag kein Ende nehmen will: jetzt wisst ihr’s!

  1. Also der Widerstand eines Körpers, sich zu drehen. Ist bei einer hungrigen Katze übrigens größer. []
  2. also ~5·10^-11 s []
  3. Dadurch sieht man dann auch diese lustigen Lichter am Himmel nur an den Polen, weil nur dort der Sonnenwind in die Atmosphäre eindringen kann. []
  4. Natürlich gibt es auch noch andere Effekte für den Tidenhub. Z.B. die Gravitation der Sonne oder Winde. Oder Meereskatzen. Bestimmt. []

Ich mach dich gesund, sagte der Mond


Achtung: Keine Erdachse, sondern eine Erdechse. Trotzdem ziemlich verrückt. (Foto by marfis75 on flickr)

Die Erde hat eine Verschiebung. Keine Streifenverschiebung zwar, aber mindestens genauso schlimm. Eine Achsenverschiebung!

Falls das physikBlog eine Schwachstelle hat, dann ist es die fehlende Überdisziplinaritätovierung1. Natürlich ist das keine wirklich bedeutende Schwachstelle, wenn überhaupt von Hyperfeinstrukturgrößenordnung, schließlich ist physikBlog der Superlativ von perfekt. Aber um wahrhaft physikBlog2 zu sein, tut halt auch ein gewisses Maß an Selbstkritik Not. Dem ist hiermit jetzt aber auch für das nächste Jahrzehnt genüge getan. Aber jetzt kommt der Schock: Das nächste Jahrzehnt wird ganze 4,6 Millisekunden kürzer als das letzte! Grund ist die Geophysik3.

Vor einigen Tagen gab es, wie ihr sicherlich aus der von euch bevorzugten Neuigkeitenquelle4 erfahren habt, ein schweres Erdbeben vor der Küste Chiles – es war das siebtschwerste jemals gemessene Erdbeben. Und dieses Erdbeben hat die Erdachse verschoben. Und deshalb dreht sich die Erde schneller. Kann man kaum glauben5, ist aber wirklich so. Einen interessanten Artikel darüber findet man zum Beispiel auf Spiegel Online.

Was passiert ist? Der Erdrutsch bewirkt, dass sich große Massen näher an die Erdachse bewegen. Und wie wir alle aus dem Physikunterricht wissen, dreht sich ein Körper schneller, wenn sein Trägheitsmoment kleiner ist. Bleibt die Masse gleich6, so ist das Trägheitsmoment kleiner, wenn die Masse näher an der Drehachse liegt. Dieser Effekt bewirkt im Falle des Erdbebens einen zusätzlichen Drall der Erde – sie dreht sich nun pro Tag 1,26 Mikrosekunden schneller. Das kann man zwar nicht messen, aber berechnen.
Zusätzlich hat die Verschiebung eine Versetzung der Erdachse um 8cm7 bewirkt. Da ich keine Geophysik kann, kann ich das aber nicht erklären. Erklärungsversuche gerne in den Kommentaren!

Zum Glück wird sich die Erde schon bald wieder genauso schnell drehen, wie sie das noch vor 2 Wochen getan hat. Der Grund dafür ist der Mond, der die Erde ständig ein wenig abbremst. Der Mond kann eben nicht nur Werwölfe und Wetterwechsel, sondern auch alles, was Doktor Brausefrosch kann.
Danke, Mond!

  1. Neologismus deluxe! []
  2. für Laien nochmal: physikBlog = perfektesten []
  3. Für die ich mich wahrlich nur äußerst selten interessiere, aber das hier ist interessant. Echt jetzt! []
  4. TV, Nachbarin, nerviger CNN-Banner auf euer Lieblingspornoseite []
  5. wenn man es so liest wie es hier aufgemacht ist []
  6. Die Erde schrumpft nur relativ langsam… []
  7. Wo? Im Bezug auf was? Hä? Lösung: Quelle = Nichtphysiker []

BREAKING: Killer-Todesstern-Fossilien gefunden – war Darth Vader ein Dinosaurier?

Die ganze Wahrheit, Fakten, Fakten und noch vieles mehr, hier: Wired Science — New Close-Ups of Saturn’s Moons Mimas and Calypso

Danke, Thomas, für den grandiosen Einfall.

Linktipp: Atlas Obscura – eine Sammlung von Merkwürdigkeiten

Das Logo von Atlas Obscura – Das Beschriebene ist teilweise so ungläubig wie eine Fata Morgana.

Wusstet ihr schon …? Eine beliebte Einleitung, wenn gleich etwas abgefahrenes, absolut ungewöhnliches und vor allem interessantes kommt. Z.B. so:
Wusstet ihr schon, dass das physikBlog mit dem Erscheinen des heutigen Posts 1182 Tage alt ist? Und eine so alte Katze in Menschenalter umgerechnet etwa 3,14 Jahre alt wäre?1 Und vor allem das physikBlog somit unmittelbar mit der Antwort auf das Leben, das Universum und den ganzen Rest in Verbindung steht? Glaubt ihr mir nicht? Ist aber so:2
\frac{\sqrt{1+1+8+2}}{1.182} + (1.182\cdot e)^\pi = 42

Ähnlich abgefahrene Dinge werden auf den Seiten des Atlas Obscura gesammelt, eine von der Community™ zusammengetragener Katalog der Seltsamkeiten unserer Welt.

Wusstet ihr z.B. schon, dass es ein Experiment gibt, dass beweist, dass Pech kein fester Stoff sondern eine Flüssigkeit mit einer extrem hohen Viskosität ist — alle 8-9 Jahre ein Tropfen. Lustigerweise hat noch nie jemand einen Tropfen fallen gesehen. Eine aufgestellte Webcam versagte gerade rechtzeitig, als wieder ein Tropfen fiel.

Clay Henry III. genießt das Bier im Dienst.

Oder: Wusstet ihr schon, dass im Dorf Lajitas eine betrunkene Ziege Bürgermeister ist? Der Großvater von Clay Henry III. (logischerweise Clay Henry I.) gewann einen Wettlauf um die Bürgermeisterschaft, seit dem ist die Regierung in fester Familienhand. Betrunken ist Clay übrigens, weil er täglich einige Biere schlabbert.

Oder: Wusstet ihr schon, dass es einen Hügel gibt, der Autos bergauf rollen lässt? Vermutlich eine magnetische Anomalie, vielleicht sind aber auch Killerameisen involviert.3

Das, und noch ganz viele abgefahrene Sachen mehr:
Atlas Obscura.

(via Andi, leider waren wir nicht schnell genug, so dass Tanja von Spreeblick uns zuvor kam)

  1. Jedenfalls laut dieser Seite hier []
  2. Und das nur unter Verwendung von den natürlichsten Naturkonstanten, die die Mathematik zu bieten hat. []
  3. Vielleicht auch Killerameisen in Kombination mit Indiana Jones. Aber dann sind wir wieder fast bei Außerirdischen. Und die gehen laut Beschreibung auf der Seite gar nicht: “[...] and aliens don’t count as an explanation.” []

Found Functions – Kunst trifft Mathematik

Nikki Graziano – Found Functions

Da wir nicht nur die tollsten und hübschesten, sondern auch die intelligentesten und coolsten Leser Deutschlands haben, können wir einfach mal annehmen, dass ihr schon mal etwas von Mathematik gehört habt. Ihr wisst schon. Der Kram mit den Zahlen, den vielen Pfeilen und Klammern und so. Und mit Sätzen, die man fünfmal lesen muss, ehe man die griechischen Leihwörter vom Rest getrennt hat.
Aber Mathematik ist ja eigentlich schön. Gut, nicht physikschön und für die meisten wohl auch nicht »Zum Einschlafen ringintegrieren wir mal einen Homomorphismus«-schön, aber einen speziellen Charme kann man ihr nur schwerlich absprechen.
Schließlich hat sie es irgendwie geschafft, sich überall rein zu mogeln.

Überall. Auch in die Natur.

Gerade in die Natur.
Und um dieses Zusammenspiel von Mathematik und Natur zu illustrieren hat die Studentin Nikki Graziano »Found Functions« gestartet. In dieser Fotoserie fängt sie Motive ein, an die sie in der Nachbearbeitung mathematische Funktionen anpasst.
Das passt manchmal sehr gut, manchmal weniger, sieht aber meist toll aus. Und die Idee allein!

Vielleicht mag sich ja der ein oder andere davon inspirieren lassen.

[via wired]

Neill Blomkamp über außerirdisches Leben

TED-Talks hatten wir ja schon ein paar. Da brauch ich wohl nicht mehr viele Worte drüber verlieren.
Neu für mich allerdings: Es gibt jetzt eine TEDX-Konferenz. Das ist eine Art Open-Source-Version der offiziellen TED-Konferenz, die jeder überall starten kann, wenn er denn genug Redner zusammenbekommt.

Auf einer dieser TEDX in Kanda sprach nun Neill Blomkamp. Wem dieser Name nichts sagt1: Blomkamp hat mit »District 9« im letzten Jahr einen ziemlich guten Kinofilm gemacht, in dem es um gestrandete Aliens in Johannesburg geht.

Im fünfzehnminütigen Talk mit vielen bunten Animationen beantwortet Blomkamp die Frage, ob er denke, dass echte Außerirdische so aussehen wie in seinem Film.
Das tut er mit einem klarem »Nein« und erklärt es mit einer interessanten Mixtur aus Wissenschaft und Science-Fiction.


YouTube-Direkt0,7

  1. SCHÄMT EUCH!!! []

Anwendungsbezogene Astronomie: Außerirdische und Sex

Alltägliches Bild einer Tower-Bridge vor einer beliebigen Galaxie. Mockup von Bildern von Anirudh Koul und World’s Saddest Man.

Sex.
Über kaum ein anderes Thema schreiben wir hier im physikBlog so gern wie über Sex. Außer vielleicht Katzen. Oder Pinguine. Oder Teilchenphysik. Oder Physik generell. Oder Richard Feynman. Oder den Weltraum. Oder uns selbst.
Aber dann hört’s echt schon fast auf.
Sex ist ganz groß. Auf unserer Lieblingsdrüberschreibliste.

Wenn es dann da draußen, in den sexistischen Weiten dieses Internets jemanden gibt, der Sex mit gleich zwei der oben genannten Lieblingsdrüberschreiblistenplatzbesetzer verbindet – herrje, da sind wir natürlich sofort zur Stelle!

Peter Backus, seines Zeichens BWL-Doktorand in England, hat berechnet, wieviele ihm passende Frauen in England rumlaufen.
Er hat sich dabei nicht etwa an chaotischen Systemen oder Wettersimulationsgroßrechnern bedient, nein, er nahm dazu eine fast fünfzig Jahre alte und eigentlich recht simple Formel der Astronomie1. Die Drake-Gleichung.

Die Drake-Gleichung schätzt ab, wieviele intelligente und entwickelte Zivilisationen es im Universum gibt. Wer mehr als zwei Mal in seinem Leben ein Physikbuch aufgeschlagen hat2, der sollte die Formel dazu kennen:
N = R_* \cdot f_p \cdot n_e \cdot f_l \cdot f_i \cdot f_c \cdot L
Sie zieht neben Entstehungsraten von Sternen und passenden Planeten auch das Alter und den technologischen Zustand einer Zivilisation in betracht.

Backus hat aufbauend auf der Formel die Parameter angepasst und sie um so schöne Werte wie »Frauen mit einem Universitätsabschluss« erweitert.
Schätzt man all die Parameter wie Backus ab, so erhält man schlussendlich 10.000 passende Frauen im Vereinigten Königreich.
Zieht man dann auch noch grob geschätzt die Gegenseite3 und das gegenseitige Zusammenspiel4 mit in die Rechnung ein – man kommt auf 26 Frauen, mit denen ein 31-jähriger Mann in UK gemeinsam Elementarteilchenraten spielen kann.

Was genau Backus für Parameter und Abschätzungen benutzt hat, all das ist in seinem mit humoristischen Anmerkungen gespickten Paper zu finden.

Why I don’t have a girlfriend by Peter Backus
[via einem Tweet von Florian]

  1. Eher der Exobiologie, was? []
  2. Für die Jüngeren unter euch: Wer mehr als vier Physik-E-Books geöffnet hat. []
  3. Sollte man besser tun. Insider-Tipp. []
  4. Liebe Physiker: »Gegenseitiges Zusammenspiel« ist hier der Euphemismus zu »Es ist ausnahmsweise mal wichtig, was die Gegenseite von dir hält«. Das ist so wie beim Pendel. Es geht hin. Und her. (Und ein Doppelpendel macht das Ganze ganz schön chaotisch.). Genug der schlechten Metaphern. []

Veranstaltungshinweis: Physikanten & Co. an der RWTH

Die Physikanten machen Damf!

Physik kann Spaß machen, das ist unsere Devise hier im physikBlog. Manchmal braucht es dazu süße Katzen oder heiße Raketenstartbilder, manchmal geht das aber auch einfach mit Leuten, die Spaß an der Materie haben und das ganze auch vermitteln können.

Deshalb machen wir Die Physikanten sind solche Leute. Die Dortmunder Wissenschaftler zeigen Experimente in Sendungen wie »Kopfball« oder »Frag doch mal die Maus« sowie bei Auftritten zu diversen Gelgenheiten. Eine solche Gelegenheit ist die Physikwoche für hochbegabte Schüler, deren Einführungsveranstaltung schon von so Größen wie Metin Tolan Physik der breiten Masse zugänglich gemacht wurde.

Das Programm — eine Mischung aus Comedy und Wissenschaft in Form von Experimenten — scheint sich im Wesentlichen an Schüler zu richten, aber natürlich ist jeder interessierte Zuhörer willkommen. Dank der Unterstützung der Sparkasse Aachen ist der Eintritt kostenfrei. Wenn ihr interesse habt:
Sa, 16.01. um 17:30 Uhr im Hörsaal Fo1 des Karman-Auditoriums.

Terroristen und ihre Unwissenheit über Physik

Achtung! Diese Terrorkatze wird international gesucht!

Telepolis, das Magazin für neumodischen Krams und wissenschaftliche Dings, hat Werner Gruber zum physikalischen Verständnis von Terroristen befragt. Herr Gruber ist Physiker und Neurowissenschaftler an der Uni Wien und beschäftigt sich mit teilweise exotischen Themen wie der Physik von Papierfliegern. Wie das physikBlog auch, versucht er Leuten eine Seite der Physik zu zeigen, die nicht so trist ist, wie die Erinnerungen der meisten an den Physikunterricht der 9. Klasse.

Im Gespräch gibt Herr Gruber teilweise verrückte Anhaltspunkte, wie einfach man effiziente Sprengstoffe und Gifte herstellen kann. Wusstet ihr z.B., dass eine Ananas und ein Kunststoffbehälter kombiniert eines der stärksten Gifte der Erde ergibt? Seine Grundaussage ist damit, dass Terroristen keine Ahnung von Physik haben und das auch eigentlich ganz gut so ist, zumindest für uns. Gleichzeitig bedeutet das aber auch für den Überwachungsterror z.B. an Flughäfen das sichere Scheitern, sollten es Terroristen mal ernst meinen.

Das ist ein sinnloses gegenseitiges Hochrüsten, das bringt nichts. Das ist nichts als ein Supergeschäft [für die Sicherheitsfirmen] – und eine Belästigung für alle.

 
Das physikBlog unterstützt Herrn Gruber und sagt: Unbedingt lesen!
TP: Zum Glück verstehen Terroristen nichts von Physik

PS: Wenn ihr mal zufällig in Wien seid, dann schaut euch doch mal die Science Busters an und sagt uns, wie es war. Es soll jedenfalls ziemlich genial sein!

Black Hole Rap

Erinnert ihr euch noch an den fetzigen LHC Rap? Bei dem selbst die Strahlen im LHC kurzzeitig aus der Phase raus und in den Beat rein schwingen?
Na klar tut ihr das, schließlich wurde dieses thighte Stück Physik nur so durch’s Internet geprügelt.

Alpinekat, das fette Pseudonym einer ATLAS-Pressefrau, ist wieder zurück und kickt neue Rhymes. Dieses Mal nicht über den LHC, nein, dieses mal nimmt sie sich dem Lieblingsthema der Crowd an: Schwarze Löcher.

Give it up for the Black Hole Rap:

YouTube-Direktweltvernichtung